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500g Plauderei, bitte

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Chiacchiere sind ein dünnes, knuspriges Gebäck, das nach dem Frittieren mit Puderzucker bestäubt und traditionell in der Karnevalszeit gegessen wird.

Je mehr sich in Bari und Umgebung das Ende der Karnevalssaison nähert, desto häufiger und massiver treten frittierte, dünne Teigplättchen in Bäcker- und Konditorenläden oder auch auf unserem Sonntagsmittagstisch in Erscheinung. „Chiacchiere“ (Plauderei) nennen sie sich oder „bugie“ (Lügen) und kommen ursprünglich aus Neapel. Während ich Karnevalsrummel immer als befremdlich empfand und mich hier in Apulien nur einmal aus Forschungszwecken für diesen Blog in die apulische Hochburg des närrischen Treibens gewagt habe, stehe ich dem süßen Traditionsgebäck alles andere als ablehnend gegenüber. Bisher haben wir die mit Puderzucker bestäubten Teigstreifen gelegentlich in der Bäckerei unseres Vertrauens gekauft. Doch da wir neben einer gut 50 Jahre alten Pastamaschine auch Tante Anna besitzen, die ihres Zeichens ein unerschöpfliches, auf Großfamilien ausgelegtes Kochbuch ist, wollten Luigi und ich in diesem Jahr selbst ausprobieren, wie man diese knusprige Verführung herstellt.

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Bei unserem ersten Ausrollversuch riss der Teig – nicht kompakt genug.

„Also nein“, sagte Tante Anna jedoch (nicht wortwörtlich, aber so ungefähr) am Telefon, als wir nach einem Rezept fragten. Chiacchiere seien ja viel zu fett und, da sie (also Tante Anna) ungefähr hundert Kilo abnehmen müsse, würde es bei ihr in diesem Jahr gar keine frittierten Sachen mehr geben. Sie habe an Weihnachten keine Cartellate gemacht und überhaupt kämen süße Sachen kaum noch auf den Tisch, weil auch der Onkel das fette Essen nicht so vertrüge. Zum Glück glaubte mir die Tante, dass wir die Chiacchiere keinesfalls alle allein aufzuessen beabsichtigten und verriet mir, als ich schon nicht mehr daran glaubte, doch noch ihr Familienrezept.

Hier also das ultimative Chiacchiere-Rezept und unser Herstellungsverfahren, eine Mischung aus Versuch und Irrtum:

Aus 500g Mehl vom Typ 00,

zwei ganzen Eiern und zwei Eigelben,

50g Zucker,

der abgeriebenen Schale einer Zitrone,

einer Messerspitze Salz,

einem Schluck Brandy (wir haben Amaretto genommen),

50g geschmolzener Butter

und „so viel Wasser wie nötig ist“,

dickenvergleich

Dickenvergleich: Ausrollen mit dem Nudelholz vs. Ausrollen mit der Nudelmaschine

knetet man schnell einen weichen, aber homogenen Teig. Der muss mindestens eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen. Dann kann man ihn mit Hilfe einer Nudelmaschine sehr, sehr dünn ausrollen und mit einem Teigrädchen in kleine Plättchen schneiden. Wir haben, als wir merkten, dass der Teig in der Nudelmaschine auf der kleinsten Stufe schnell einriss, zuerst mit dem Nudelholz ausgerollt und in Form geschnitten und anschließend noch einmal mit der Pastamaschine nachgeholfen.

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Da schwimmen sie in heißem Erdnussöl.

Die so entstandenen, hauchdünnen Teigplättchen werden am besten in Erdnussöl, das zwar heiß sein muss, aber nicht kochen darf, kurz ausgebraten. Dabei sollten sie sich nicht bauchig aufplustern, in diesem Fall ist der Teig noch zu dick, sondern platt bleiben und knusprig werden. Am besten werden sie nach dem Frittieren auf Küchenpapier abgelegt, welches das überschüssige Fett aufnehmen kann.

Nach dem Abkühlen müssen die Chiacchiere nur noch mit Puderzucker bestäubt werden und fertig.

abtropfen-auf-dem-blech

Abtropfen auf einem mit Küchenpapier ausgelegten Blech.

Tante Annas Rezept soll für 6 Personen reichen, aber ich habe den Eindruck, es würde auch für 6 Familien genügen. Wir haben heute jedenfalls schon bei Nachbarn geklingelt, mit ihnen geplauscht und das Ergebnis unseres geglückten Versuchs geteilt. So gesehen hat das Gebäck seinem Namen alle Ehre gemacht und bisher haben wir nur Kompliment bekommen.

Karneval in Putignano

Hilfe, es ist Faschingszeit!

An einem Samstag im Januar bemerkten wir im Einkaufszentrum unzählige Feen, Prinzessinnen, Marienkäfer und Musketiere. Aus ganz normalen Kinderwagen grinsten plötzlich Katzengesichter oder grüne Minimoster. „Oh, mein Gott! Kostüme und Kinderschminken – wird hier etwa auch Karneval gefeiert?“, fragte ich Luigi, denn solche närrischen Traditionen verbindet man nicht gerade mit Süditalien. „Klar!“, antwortete er. „Putignano liegt doch gleich um die Ecke. Das ist die Karnevalshochburg des Mezzogiorno.“ Als ausgesprochener Faschingsmuffel genügte mir diese Information und wir vergaßen die ganze Sache wieder.

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Carnevale Putignano 2013

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Vor zwei Wochen stand jedoch Luigis Großcousine Giorgia als gelber Teletubby vor unserer Tür und ihr Vater Vito meinte plötzlich bis über beide Ohren grinsend, dass man wenigstens einmal im Leben den Karnevalsumzug in Putignano gesehen haben müsse. „Ich auch! Ich auch!“, rief der Teletubby und hüpfte dabei wie ein Gummiball. Also blieb uns gar nichts anderes übrig, als

Carnevale Putignano 2013zuzustimmen. Wir verabredeten uns für den zweiten Karnevalssonntag, da wir vermuteten, dass der Ort dann nicht überlaufen wäre. Und so geschah es. Am Sonntag um zehn Uhr quetschten wir uns zu sechst in Vitos Volvo und machten uns auf den Weg ins ca. 40 Minuten entfernte Putignano.

An dieser Stelle würden die ersten wahrhaften Narren bereits die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn wir waren bis auf die Kinder nicht einmal ansatzweise verkleidet. Trotzdem herrschte in unserem Auto eine ausgelassene Stimmung. Giorgia und ihre Schwester Gaia intonierten abwechselnd („Noch mal! Noch mal!“) die aktuellen Chartstürmer „Pulcino Pio“ (schlimmer als Schnappi) und „Gangnam Style“. In den Pausen dazwischen versuchte Gaia mir die Vorzüge eines Kaninchens als Haustier näherzubringen, während Vito gleichzeitig sein Wissen über die Karnevalstradition bemühte.

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Karneval seit 1394

carnevalekostumierte“Der Karneval in Putignano ist einer der ältesten Italiens und zugleich einer der längsten der Welt“, begann er und war sichtlich stolz auf die Superlative. „Seine Wurzeln liegen im Jahr 1394. Da wurden die Reliquien des Sankt Stefan von Monopoli nach Putignano überführt, weil man Angst vor ihrer Zerstörung durch die Sarazenen hatte. Die Idee, die Überführung mit einem fröhlichen Fest zu verschleiern, begründete die Tradition des Karnevals.“ – Also die Italiener immer mit ihren Leichenteilen . . . ! Ich warf ein, dass ich auf der offiziellen Internetseite gelesen hätte, dass genauso gut die heidnischen Riten zu Ehren des Gottes Dionysos die Vorläufer des Karnevals in Putignano gewesen sein könnten, welche sich die katholische Kirche im Zuge der Christianisierung einverleibt und umgedeutet hat. „Be!“, machte Vito und guckte mich unschlüssig im Rückspiegel an. Nach einer weiteren Runde „Pulcino Pio“ sagte er schließlich zufrieden: „Wie auch immer, dann reichen die Wurzeln eben bis in die Antike zurück, und es dürfte sich um den ältesten Karneval der Welt handeln.“

Kurz vor Putignano gerieten wir in stockenden Verkehr und schließlich in einen ausgemachten Stau. Warum der Karneval in Putigano einer der längsten der Welt wäre, wollte ich nun wissen. Im Zuge unserer Terminfindung war mir bereits aufgefallen, dass in Putignano mindestens an drei Wochenenden und auch mehrmals unter der Woche Karnevalsumzüge stattfanden. Doch Vito erklärte nun, dass das närrische Treiben in Putignano bereits am 26.12. mit dem Fest der „Propaggini“ begänne. Auf der Piazza Plebiscito erinnere man sich an diesem Tag an die Überführung der Reliquie und halte Carnivale Putignano 2013außerdem mehrstündige Spottreden auf Politiker und die Vorkommnisse des vergangenen Jahres; alles gereimt, im tiefsten Dialekt und sehr gern mit sexuellen Anspielungen versehen. Italienisch für weit Fortgeschrittene.

Carnivale Putignano 2013Inzwischen wanden wir uns mit der Autoschlange einen Hügel hinauf. „Polizisten!“, zischte Vitos Frau Margerita und unterbrach unsere Unterhaltung. Tatsächlich standen mehrere Ordnungshüter an einem Kreuzweg und wiesen die Fahrtrichtung zu Stadtteilen mit freien Parkplätzen. Gaia musste hinter den Rücksitz abtauchen, denn ein wenig Respekt hat man in Italien doch noch vor Uniformen. Von Sicherheit in Fahrzeugen und Anschnallgurten will ich lieber nicht sprechen. Eine Frau in Warnweste kassierte jedenfalls 10 Euro pro Auto, das Eintrittsgeld in die Stadt für diesen Vormittag. Als wir um 14 Uhr zurückfuhren, waren diese Straßenposten längst verschwunden.

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Farinella – Karnevalsmaskottchen und Aushängeschild der Stadt

An Bauruinen vorbei ging es nun hinein in die Neustadt. Wir suchten uns einen Parkplatz und folgten den Menschenströmen weiter den Berg hinauf bis an eine Straße, wo sich entlang der Absperrgitter bereits Menschentrauben lagerten. Eine Roller fahrende Gestalt im rotblauen Kostüm mit einer absonderlichen Nase im Gesicht verspottete die Wartenden, bewarf sie mit Konfetti und zeige wiederholt die unanständige „Hörnergeste“. „Eh, Farinella!“, rief Vito, während er Giorgia auf seinen Schultern balancierte und beidhändig mit „Hörnern“ auf den so Angesprochenen deutete. Dafür revanchierte sich der Rollerfahrer mit einer Salve Konfetti und lautem Tröten seiner Fahrradhupe.

Carnevale di Putignano Farinella

Farinella – teils Harlekin, teils Joker – ist seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts das Maskottchen des Putignanoer Karnevals. Seine Anzugfarben sind gleichzeitig die Farben der Stadt. Die drei Zipfel seiner lustigen Mütze erinnern an die drei Hügel, auf denen Putignano erbaut wurde. Farinella ist auch die Bezeichnung für ein typisches Nahrungsmittel der Gegend, das einst in ganz Apulien verbreitet war: eine Mehlmischung aus geriebenen Saubohnen und gerösteter Gerste, die man als Brei mit herzhaften Beigaben aber auch mit süßen, getrocknen Feigen isst.

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Zievolas Erinnerungen an den Karneval der 1950er Jahre

Die Tradition der Karnevalswagen mit üppigen Darstellungen aus Pappmaschee, wegen denen wir nach Putignano gekommen waren, begannen sich in den 1930er Jahren herauszubilden. Damit zog die Stadt mehr und mehr Besucher von weit außerhalb an und das Fest wurde immer kommerzieller. Luigis Tante „Zievola“ hatte mir beim Mittagessen am Vortag erzählt, dass sie noch in den 50er Jahren mit ihren Freunden verkleidet zum Karneval nach Putignano gefahren sei. Die Mütter haben an diesen Tagen bang daheimgesessen und gehofft, dass ihre Töchter nicht an die falsche Maske gerieten. „Man konnte ja nicht wissen, wer in so einem Kostüm steckte“, schmunzelte Luigis Tante und ihre Augen begannen ob der Erinnerung an frühere Abenteuer zu glänzen.

„Nach dem abendlichen Karnevalsumzug haben wir damals in der Altstadt weiter gefeiert“, fuhr sie  fort. „Die Einheimischen bereiteten Getränke, Taralli und andere Snacks vor und öffneten für uns Besucher ihre Haustüren. Das macht in der heutigen Zeit bestimmt niemand mehr.“ Damit dürfte sie recht behalten, denn wir haben außer in Geschäften keine einzige offene Tür gesehen. Doch damals machte sich der jeweilige Maskenführer (Anführer der Freundesgruppe) als Erster mit einem potenziellen Wirt bekannt und nur bei gegenseitiger Sympathie holte er danach den Rest der Gruppe ins Haus. Solchermaßen ist man bis in die frühen Morgenstunden essend, trinkend, tanzend und erzählend durch die Stadt gezogen. „Einmal schlief ich danach zwei Tage durch“, schloss Zievola ihren Bericht und kicherte leicht verschämt.

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Karneval in Putignano 2013

Amarcord, Carnivale di Putignano 2013 So viel Begeisterung wie Zievola sie uns beim Mittagessen geschildert hatte, trafen wir sonntags um elf Uhr bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen nicht an. Die Stimmung konnte man eher mit „gespannter Neugier“ beschreiben. Mit Hörnern bewehrte Teufel und Minotauren spazierten unter lauter Trommelmusik an uns vorbei. Sie erinnerten an Federico Fellinis Film „Satyrikon“ (1969). Eine gute Einstimmung in das Motto des diesjährigen Karnevalsumzugs, der zugleich eine Hommage an den großen italienischen Regisseur darstellte. Mit Pfiffen und Lachen wurde eine Horde wild gewordener Clowns begrüßt und schließlich merkten wir am stärker werdenden Drängen und Schieben vonCasanova, Carnevale di Putignano 2013 hinten, dass die Spannung immer mehr anstieg. Jeder wollte nach vorn in die ersten Reihen, um die Straße entlang in Richtung Altstadt sehen zu können, von wo aus sich uns der erste große Wagen näherte.

"Roma", Carnevale di Putignano 2013Endlich erreichte uns nicht mehr nur das Wummern der Bässe, sondern auch der erste Wagen. Auf ihm waren Schauspieler aus dem Episodenfilm „Amarcord“ (1973) als riesige Pappmaschee-Figuren ausgestellt. Unterbrochen von den tänzerischen Darbietungen mitwirkender Vereine und Schulen folgte ein beeindruckender Exkurs in die Kinogeschichte mit bunten Wagen zu so bekannten Filmen wie „La Dolce Vita“ (1960), „Rom“ (1972), „Casanova“ (1976) oder „Stadt der

Città delle Donne, Carnevale di Putignano 2013 Frauen“ (1980). Auf ihnen wurde gejubelt, getanzt und mitgesungen. Das großzügig auf die Besucher geworfene Konfetti kämmte ich mir noch am späten Abend aus den Haaren.

Berlusconi - Venditore di PallonciniVom Aufstand der unteren gegen die höherstehenden Klassen oder von kontroversen Momenten, in denen die Missetaten der Mächtigen kritisiert werden, was sonst Fasching und Karneval so vergnüglich macht, war durch das gewählte Motto nicht viel zu merken. Nur Berlusconi, der im aktuellen Wahlkampf zusammen mit vielen anderen Politikern wieder unglaublich viel heiße Luft produziert, wurde als Ballonverkäufer auf den Arm genommen.

Sehr sympathisch am Putignanoer Karneval ist die Tatsache, dass man nicht ständig „Helau!“ oder „Alaf!“ oder etwas anderes rufen muss. Man wird auch nicht gezwungen im Takt der Musik mitzuklatschen oder zu schunkeln. Doch auch wenn man Putignano nicht mit deutschen Karnevalshochburgen vergleichen kann, wird trotzdem ausgiebig gefeiert und jede Menge veranstaltet. Die weitreichenden Wurzeln bieten sich an, um zahlreiche weitere Veranstaltungen in kleinerem Rahmen stattfinden zu lassen. So kann man sich beispielsweise bis Aschermittwoch noch auf einer „komischen Tagung“ zum Thema „Karneval und Macht“ oder bei Volkstänzen amüsieren,IMG_20130206_151101 während in der Altstadt das Zeitalter des Malteserordens mit Spielen, Gaukelein und Raubvogelvorführungen wieder auflebt. Am Aschermittwoch selbst wird der Karneval schließlich in Form eines Schweins zu Grabe getragen werden. Danach werden sich die Bewohner des Ortes noch einmal mit Tausenden von Touristen auf der Piazza Plebiscito und in den Straßen der Altstadt zusammenfinden, um im Rhythmus der 365 Glockenschläge der riesigen „Campana dei Maccheroni“ aus Pappmaschee zu feiern, sowie die schönsten Masken zu prämieren.

Wir hatten am Sonntag jedenfalls jede Menge Spaß und haben nicht nur Fotos, sondern auch zwei begeisterte Kinder mit glänzenden Augen aus Putignano mit zurück gebracht.

Vom Flirten, Mitgiftjagen und Steuern hinterziehen – Auswandern auf Italienisch

Ich beschäftige mich nun schon seit mehreren Monaten mit den Italienischlernprogrammen von sprachenlernen24. Dabei habe ich festgestellt, dass gerade die Wörter am besten im Gedächtnis bleiben, zu denen man eine witzige oder auch aberwitzige Beziehung aufbauen kann. Inzwischen habe ich den Aufbauwortschatz zum Thema „Auswandern“ beendet und 10 Wörter/ Wortgruppen gehen mir freiwillig nicht mehr aus dem Gedächtnis.

1. flirtare

 Lehnwort – super! So etwas lässt sich immer leicht merken.

2. seduttore a caccia di dote – Mitgiftjäger

Mhm, warum befindet sich das wohl unter den 2100 hilfreichsten Wörtern zum Thema Auswandern? Mal überlegen… Damit könnte ich einem Italiener, der mich abends in einer Bar anspräche, zum Beispiel antworten: „Mi piacerebbe flirtare con Lei, ma Lei non é un seduttore a caccia di dote?

“Ich möchte gern mit Ihnen flirten, aber sind Sie auch kein Mitgiftjäger?“ Welche Antwort würde ich wohl erhalten? Und, was würde Luigi zu einer solchen Aktion sagen?

3. polo nord – Nordpol

Werde ich unbedingt beim nächsten Bewerbungsgespräch unterbringen: „Perchè Lei è venuta in Italia?” – “Senta, in realtà volevo andare al polo nord, ma probabilmente ho preso il bivio sbagliato.”

“Warum sind Sie nach Italien gekommen?“ – „Eigentlich wollte ich zum Nordpol, aber habe wahrscheinlich die falsche Abzweigung genommen.“

4. il rotolo di banconote – das Geldbündel

Haaaallo! Schon mal was von Kreditkarten gehört?

5. evadere le tasse – Steuern hinterziehen

Ein Volkssport in Italien, der dem Land jährlich zwischen 120 und 150 Millionen Euro kostet. An der Spitze der Steuervermeider stehen Anwälte und Notare, die aufgrund von Fahndungsdruck inzwischen dazu übergegangen sind, ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen mit deutlich über 20.000 Euro anzugeben, was aber trotzdem nicht bedeuteten muss, dass die Angaben den tatsächlichen Einnahmen entsprechen.

6. pagare lo straordinario – Überstunden ausbezahlen

Das Ausbezahlen von Überstunden ist nach einer Umfrage unter Luigis Verwandten noch bei niemandem vorgekommen.

7. lo specchietto esterno – der Außenspiegel

Eine besonders gefährdete Komponente an italienischen Fahrzeugen. Nicht selten ist er demoliert oder fehlt gänzlich.

8. obliterare il biglietto – den Fahrschein entwerten

Ja, auch das will in mehrerer Hinsicht gelernt sein. Auf dem Rückweg von Alberobello mit meinen Eltern im Schlepptau vom Schaffner nach den Tickets gefragt, diese mit gutem Gewissen gezückt und ihm zum Lochen unter die Nase gehalten. Plötzlich: „Die Tickets sind aber nicht entwertet.“ – Immer noch guten Gewissens: „Klar, habe ich heute früh gemacht!“ – „Für die Rückfahrt müssen Sie aber die andere Seite entwerten.“ – Nun doch zerknirscht: „Oh.“ – „Ich könnte jetzt 100 Euro Strafe von Ihnen verlangen.“ – Noch etwas zerknirschter und mit unglaublich schuldigem Gesichtsausdruck: „Oooh, das tut mir leid. Ich wusste das nicht.“ – Zufrieden mit sich und seiner pädagogisch wertvollen Arbeit locht er das Ticket lächelnd auf der anderen Seite: „Va bene. Aber beim nächsten Mal denken Sie daran.“ „Ja, natürlich. Danke.“ Puh, noch einmal Glück gehabt!

9. sporgere querela – Klage einreichen

Ein weiterer italienischer Volkssport. Hobbymäßig geklagt wird vor allem wegen Strafzetteln. Die Gerichte sind damit so überlastet, dass sich ein uns bekannter Ordnungshüter bereits dreimal überlegt, ob er ein Ticket wegen Falschparkens ausstellt oder lieber am Auto wartet, um den Verkehrssünder mündlich zu ermahnen.

10. mucchio di rifiuti organici – Komposthaufen

Ist noch aus dem Grundkurs hängen geblieben, aber perfekt für den nächsten Besichtigungstermin unserer Terrassenwohnung mit unserer ambizionierten Architektin. Diese sollte eigentlich nur die Renovierungsarbeiten überwachen, hat aber schon jede Menge kostspielige Vorstellungen für einen kompletten Wohnungsumbau geäußert. Ich sorge innerlich bereits gegen mögliche Ideen für unsere Terrasse vor. „Questo sarebbe il posto perfetto per una vasca con idromassaggio.“ – „Non è possibile. Lì facciamo il mucchio di rifiuti organici.”

„Und hier wäre der perfekte Platz für einen Whirlpool.“ – „Geht nicht. Hier kommt schon der Komposthaufen hin.“

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Das waren also meine aktuellen Italienischfavoriten. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ihr mit dem Lernen einer Fremdsprache gemacht habt? Welche Wörter haben sich denn besonders in euer Gedächtnis eingebrannt? Nutzt einfach die Kommentarfunktion für eure Geschichten.

Abgesehen davon werde ich mich am Wochenende in die apulische Karnevalshochburg Putignano begeben, die auf eine der längsten Karnevalstraditionen Europas zurückblicken kann.  Als ausgemachter Faschingsmuffel und Vermeider von Großveranstaltungen bemitleide ich mich schon selbst deswegen. Aber, was tu ich nicht alles für euch und die Wissenschaft . . . Helau!