Schlagwort-Archive: Kastell

Das Schloss von Otranto

Je nach dem von wo aus man schaut, gibt sich das Schloss von Otranto spitz und schroff oder wuchtig gemütlich. Aber immer zeugen die dicken, hohen Mauern von seiner Wehrhaftigkeit. Und darauf kam es in der häufig heiß umkämpften Hafenstadt immer an.

Von seinem Hügel aus wacht das Schloss über die Altstadt von Otranto.

Als eine der letzten byzantinischen Bastionen wurde Ortranto nach der ersten Jahrtausendwende von den Normannen eingenommen. Dann kamen die Staufer und ließen Apulien erblühen. Friedrich II. wies wie in so vielen apulischen Städten an, ein Kastell zu errichten, und stieß von Otranto aus zu dem ihm aufgezwungen Kreuzzug in See. Den zahlreichen Apulien- und Stauferfreunden, die das Schloss jedes Jahr besuchen, macht es jedoch nichts aus, dass seine Spuren am heutigen Schloss kaum noch zu erkennen sind. Gut 200 Jahre später tobten sich nämlich die Türken in Otranto aus und ließen von der einst so bedeutenden Stadt nurmehr Trümmer und Leichen übrig.

Im Inneren bietet das Schloss viel Platz für wechselnde Ausstellungen.

 

Wie sich das Schloss heute präsentiert, dafür sorgten vornehmlich die Aragonier, die das Schloss mit einem fünfeckigen Grundriss, Eckbastionen und Türmen neu errichteten. Napoleons Truppen kehrten hier ein. Dann wurde es als Gefängnis, Schule und bis in die 80er Jahre hinein auch als Wohnraum für die Bevölkerung genutzt. Ähnliches hat man auch vom Stauferkastell in Bari schon gehört, aber mich persönlich verwundert so ein Umgang mit Kulturgütern doch ein bisschen. Zum Glück wurde das Bewusstsein für den kulturhistorischen Wert doch noch geweckt und heute ist das Schloss sehr gut restauriert beherbergt wechselnden Ausstellungen. 

Uns hat es gefallen, in der weitläufigen Anlage mit mehreren Stockwerken umherzuwandeln und den Ausblick von den Zinnen auf die Boote und Yachten im Hafen oder über Otranto zu genießen. Es gibt auch Führungen im unterirdischen Teil des Schlosses, aber das werden wir erst machen, wenn Davide ein bisschen älter ist. 

Otranto – Von schaurigen Romanen und Märtyrergebeinen

Fischerboote vor der Altstadtmauer

Meine erste Begegnung mit Otranto fand schon im späten Teenageralter statt. Allerdings nicht persönlich, sondern durch einen Schauerroman aus dem alten England. Als ich irgendwann erfuhr, dass Otranto in Apulien liegt und sich dort auch ein Schloss befindet, war ich nicht mehr zu halten. Schon vor ca. 20 Jahren besuchte ich das alte Gemäuer und musste bei Recherchen feststellen, dass das Schloss lediglich seinen Namen für den Roman „Das Schloss von Otranto“ mit seiner kruden Story von einem sprechenden Riesenhelm – an mehr erinnere ich mich leider nicht, da auch meine „späte Teenagerzeit“ nun schon einige Jahr zurück liegt – hergegeben und mit dem Vorreiter der englischen Schauerliteratur weiter nichts gemein hat.

Altstadtgasse

Nun ja, damals machte mir das nichts aus, denn ich schwärmte gerade von allem was mit England und Schottland zu tun hatte. Und heute macht es mir auch nichts aus, denn bei unserem Besuch in der wunderschönen Küstenstadt vor nahezu präzise einem Jahr, hatte ich zumindest außerhalb von Otranto das Gefühl, auf einer Schottlandreise zu sein. Abgesehen davon empfehle ich als Lokalpatriot natürlich den Besuch Otrantos um Otrantos Willen. Nicht zuletzt stoßen hier die Adria und das Ionische Meer aufeinander. Das nicht einmal 100 km entfernte Albanien kann man schon fast mit der Hand berühren und bevor Lecce, Taranto und Brindisi der Stadt in Größe und Bedeutung den Rang abgelaufen hatten, wurde der heutige Salento „Terra d’Otranto“ genannt (nachzulesen bei Rotter, 2010) Um die Stadt und ihren Hafen wurde über Jahrhunderte immer wieder erbittert gekämpft

Was trägt man im Sommer?

April und Mai empfehlen sich besonders als Besuchsmonate. Im Juni beginnt die Badesaison und Otranto mit seinem lange Stadtstrand, der sich zu Füßen der gut gepflegten Altstadt erstreckt, wird zum Touristenmagneten. Die Kellnerin in einer Pizzeria, in die wir einkehrten, beschrieb die Hochsaison in sehr gutem Deutsch ungefähr so: Durch die Gassen kann man sich nur noch im Schneckentempo schieben und bei uns stehen Sie abends auch gern mal zwei Stunden an, bevor ein Tisch frei wird. Das kann im April nicht passieren.

Dinner mit Ausblick

Stattdessen ist der Stadtstrand morgens so menschenleer, dass Davide mit seinem Sandspielzeug ganz ungestört im nachtfeuchten Sand buddeln kann. In den Straßen begegnen einem nur verschlafenen Katzen und lauffreudige Jogger. Dafür hat man die Muße sich in den zahlreichen kleinen Geschäften, die sich entlang der Gassen den Altstadthügel hinauf und hinabwinden inspirieren zu lassen. Was trägt man im kommenden Sommer? Welche Spielzeuge braucht das Kind? Schmuck, Sandaletten und Souvenirs aus Lecceser Sandstein sind nur einige der Verlockungen, die man anschließend unbedingt zu brauchen glaubt. Wer sich sattgesehen und müdegeshoppt hat, findet garantiert ein kleines Restaurant, das den Gaumen befriedigt – natürlich auch mit Aussicht.

Müde in Otranto

Direkt am Hafen befindet sich das „Schloss“ von Otranto. Als wehrhafte Burg von den in Apulien unvermeidlichen Staufern errichtet, unter den Aragoniern als Festung wieder aufgebaut und unter den Habsburgern erweitert, ist es heute gut restauriert und für 5 Euro (ermäßigt 3) zu besichtigen. Es beherbergt wechselnde Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen.

Touristischer Höhepunkt in Otranto ist allerdings nicht das besagte Kastell, sondern die Kathedrale Santa Maria Assunta, deren Fußboden im Mittelschiff komplett von einem Mosaik aus dem 12. Jahrhundert bedeckt wird. Es stellt einen Lebensbaum dar, in welchem es vor Tieren und Fabelwesen nur so wimmelt. Bibelfeste Touristen werden hier deutlich mehr lesen als eine brandenburgische Atteistin, aber wer auch immer Zeit zum Gucken mitbringt, wird einfach nur erstaunt und fasziniert von dieser gigantischen Fitzelarbeit sein, die trotz der wechselvollen Stadtgeschichte Jahrhunderte überdauert hat.

Im 15. Jahrhunderte sollen 800 Gläubige in der Kirche Zuflucht vor den Türken gesucht haben und allesamt niedergemetzelt worden sein, weil sie sich weigerten zum Islam überzutreten. Tatsächlich beherbergt die „Kapelle der Märtyrer“ unzählige Schädel und andere Knochen, die in ihrer Gesamtheit ziemlich schaurig anmuten und betroffen machen. Gezählt haben wir jedoch nicht.

Ich finde Otranto perfekt für ein verlängertes Wochenende. In der Umgebung kann man die beeindruckende Küste erkunden. Es gibt einen Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert an der engsten Stelle der Adria, sowie eine Bauxit-Grube, bei deren Besuch man sich wie auf dem roten Planeten vorkommt und, wer etwas für seine Gesundheit tun will, kann sich in die nahegelegenen Santa Cesarea-Therme begeben. Wir haben im letzen Frühling auch sehr viele Fahrradfahrer auf der Küstenstraße gesehen. Kurz und gut: Otranto lohnt sich!

Gallipoli, die schöne Stadt

Auf unserem Weg in die verspätete Sommerfrische nach Santa Maria de Leuca machten wir in Gallipoli Halt. Unser Automechaniker hat ganz in der Nähe ein Sommerhäuschen und als Kenner mir schon mehrfach vorgeworfen, die Mittelmeerseite Apuliens zu vernachlässigen. Also auf nach Gallipoli!

Hier promeniert man an der Hafenmauer mit Blick auf das Schloss und die vielen kleinen Segelboote.

Gallipoli wurde noch vor unserer Zeitrechnung als griechische Stadt „Kallipolis“ auf einer Felseninsel gegründet, die man seit dem 17. Jahrhundert über eine kleine Brücke erreicht. Die „schöne Stadt“ mit ihrem Naturhafen unterlag wie ganz Apulien einer wechselvollen Geschichte aus Plünderungen, Eroberungen und immer wieder neuen Herrschern. Nach den Griechen waren die Römer dort. Dann fielen die Vandalen ein. Die Byzantiner folgten. Im Mittelalter kamen die Normannen, dann die Staufer und schließlich die Anjou. Letztere hinterließen das Schloss aus dem 13. Jahrhundert in seiner jetzigen, überbauten Gestalt. Es ist fast komplett zugänglich und sollte besichtigt werden.

Schlosshof

Blick vom Schloss in Richtung Neustadt

Eine Ausstellung im Schloss verschafft einen guten Überblick über die Geschichte des Gebäudes und eine weitere widmet sich der Herstellung von Olivenöl. Von den Schlossmauern aus hat man einen beeindruckenden Blick auf den Hafen, die Küste des Golf von Tarent und auch auf die Bausünden der Stadt.

Die schmalen Altstadtgassen bilden ein Labyrinth, in dem man nicht nur die für ihre Fassade im Lecceser Barockstil berühmte Kathedrale Santa Agatha, sondern noch viele andere, kleine Kirchen, Cafés, Restaurants und Souvenirläden findet. Wer Ostuni oder Lecce gesehen hat, wird finden, dass man hier durchaus noch den Pinsel schwingen und/ oder Fassaden neu verputzen könnte, aber bei Sonnenschein und einer leichten Brise fällt das gar nicht so sehr ins Gewicht. Noch dazu wenn man sich von Andrea in seiner dreirädrigen Ape durch die Gassen kutschieren lässt und dann in eine „Pucceria“ einkehrt, um sich eine der regionaltypischen Brottaschen namens Puccia mit allem füllen zu lassen, was das Herz oder besser der Magen begehrt.

Wer einen Magen besitzt, der resistent gegen Schalentiere ist, sollte in ein Restaurant einkehren und die „Zuppa Gallipolina“ probieren. In dieser vereinen sich die Fischereitradition Apuliens mit den einfachen Aromen vom Feld: Fische wie Rotbarsch und Seeteufel zusammen mit Scampi, Krebsen und Muscheln auf der einen Seite; Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Petersilie auf der anderen. Ein Schlückchen Weißwein darf auch nicht fehlen. Schon ist es angerichtet.

Beim Fotografieren fotografiert.

Die Küste nördlich und südlich von Gallipoli bietet nicht nur Fischrestaurants sondern eine Reihe der schönsten Strände Apuliens mit so viel versprechenden Namen wie „Malediven des Salento“. Mit ihrem flachen Wasser und dem weißen oder goldgelben Sand muten sie denn auch fast nach Südsee an und sind noch dazu absolut familienfreundlich. In der Saison bieten Strandbars Verpflegung und Lidos sowohl Liegen als auch Liegestühle oder Sonnenschirme an.

Wir können uns gut vorstellen, dass die Stadt in der Hauptsaison, die unser Mechaniker hier jedes Jahr im August mitmacht, brechend voll ist und sich Menschenmassen an der Seepromenade entlang schieben. Im September genießt man in Gallipoli jedoch ein mäßiges Touristenaufkommen und schöne Spätsommertage. Da wird die Metropole der Sommerfrische wieder zu dem, was sie ist: ein nettes, kleines Städtchen, in dem zwei Bahnstrecken enden.

Sonntagvormittag in Monopoli

Sonntags um 10 – die Fischer haben ihre Kutter längst wieder im Hafen vertäut und den Fang verkauft.

Nachdem ich in 6 Jahren nicht ein einziges Mal in Monopoli war, fand ich mich in diesem Jahr gleich zweimal in der kleinen Hafenstadt bei Bari wieder. Zunächst im Frühling, als meine Mama uns besuchte und dann wieder im Herbst anlässlich einer weiteren Besucherin. Die hübsch restaurierte Altstadt bietet sich geradezu zu einem Vormittagsspaziergang an. Zahlreiche Bars haben noch im November die Stühle vor der Tür stehen und in windstillen Ecken möchte man fast meinen, es wäre noch Spätsommer.

Karl V. ließ dieses wehrhafte Kastell über einer Kirche aus dem 10. Jh. errichten. Auch messapische Mauerreste aus dem 5. Jh wurden mit eingeschlossen.

Vor dem Stadtschloss, einem Kastell aus dem 16. Jahrhundert, liegt malerisch der Hafen mit Fischkuttern und kleinen Fischerbooten. Anlässlich einer im Kastell stattfindenden Fotoausstellung wurden großformatige Fotos auf viele historische Gebäude Monopolis aufgebracht und geben den alten Mauern einen zusätzlichen Aufmerksamkeitswert. Eine schöne Idee!

Auch an idyllischen und blitzblanken Gassen mangelt es der Stadt nicht.

 

Lecce – Im Herzen des Salento

Der elegante Domplatz im Herzen der Altstadt mit seiner Kathedrale leuchten golden im Licht des Sonnenuntergangs.

Gute eineinhalb Auto- oder Schnellzugsstunden südlich von Apuliens Provinzhauptstadt Bari, mitten auf dem Hacken des italienischen Stiefels befindet sich die Stadt Lecce, die fast synonym für die Region Salento steht. Das historische Zentrum der Stadt ist eine Aneinanderreihung von überwiegend bereits restaurierten, architektonischen Perlen im spanischen Barock neben einem Schloss aus dem 16. und den Ruinen eines römischen Amphitheaters aus dem 2. Jahrhundert. Kurz vor dem Sonnenuntergang scheinen die reich dekorierten Gebäude aus weiß-gelbem Tuffstein wie mit Gold übergossen. Wen wundert es da, wenn Lecces Zentrum gerade zu diesem Zeitpunkt zum Leben erwacht.

Abendliches Altstadtleben

Während es im Juli und August mit hoher Luftfeuchte und über 40 Grad tagsüber unerträglich heiß werden kann, sodass ein Aufenthalt an der östlich gelegenen Adria oder dem westlich gelegenem Ionischen Meer definitiv angenehmer ist, strömt man nach dem üblichen Mittagsschläfchen abends in die Lecceser Altstadt und führt neben seiner gerade erworbenen Sommerbräune (oder dem Sonnenbrand) auch flatterige Oberteile, minimalistische Sandaletten und schicke Handtaschen aus. Da trifft es sich gut, dass sich außer den Touristen nicht nur kleine Boutiquen und Souvenirläden, sondern vor allem Bars, Eisdielen und Restaurants dicht an dicht drängen. Auch wer Menschenmassen sonst scheut, sollte sich dieses besondere Flair mit Gauklern und Straßenmusik nicht entgehen lassen.

Überhaupt unterscheidet sich Lecce durch seinen hoch aufstrebenden Baustil wesentlich von den orientalisch angehauchten, weißen Städten wie Ostuni, Cisternino oder Locorotondo wo sich kleine Quaderbauten an niedrige Hügel schmiegen. Lecces Gassen bieten immer wieder Einblicke in verspielte Ecken sowie Ausblicke auf kleine und große Plätze. Sie sind geschmückt mit von kunstfertigen Steinmetzen reich verzierten Türmchen und Fassaden. Mit Hilfe seiner Universität hat sich Lecce jedoch auch ein quirliges, junges Leben in seiner Neustadt bewahrt, sodass sich auch außerhalb der historischen Altstadt nicht Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Das ist vor allem wichtig zu wissen, wenn man sein Quartier aussucht. Es muss nicht unbedingt eines der zahlreichen B&Bs der Altstadt sein.

Kastell Karls des V.

Im Urlaub etwas Kultur? Das Stadtschloss lohnt sich definitiv zu besichtigen. Für 3 Euro gibt es einen menschlichen Führer und einen Audio-Guide. Man kann einen Film über die Ursprünge des im 16. Jahrhundert, in welchem Lecce als Verwaltungszentrum zu einer gewissen Größe und Bedeutung aufstieg, umgebaute, ursprünglich normannischen Kastells sehen. Beeindruckend und gruselig zugleich ist der finstere Kerker, in dessen Wände die Gefangenen über die Jahrhunderte ihre Zeichen und Namen eingeritzt haben. In einem anderen unterirdischen Gewölbe hat man im zweiten Weltkrieg kleine Fahrzeuge versteckt und deshalb Beleuchtung angebracht, wie unser Führer uns verraten hat, als wir ihn auf die vorsintflutlichen Kabel an den Wänden angesprochen haben. Die oberen Räume des Schlosses werden heute für kulturelle Veranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt.

Lecceser Traditionshandwerk – Figuren aus Pappmaché

Das besagte Kastell beherbergt außerdem ein Pappmaché-Museum, das einen Einblick in das Jahrhunderte alte, traditionelle Handwerk der Herstellung der filigranen Figuren aus Stroh, Keramik und Papier bietet. Während man durch die Schlossräume wandelt, kann man Kunstwerke und Werkzeuge aus den letzten drei Jahrhunderten bewundern und auf Infotafeln jede Menge Wissenswertes nachlesen. Natürlich gibt es vor allem in der Altstadt von Lecce noch Werkstätten, in denen man Pappmaché-Figuren kaufen kann. Nicht zuletzt findet hier der wahrscheinlich berühmteste Weihnachtsmarkt Apuliens statt, auf dem hauptsächlich Pappmaché- und Keramikfiguren für Weihnachtskrippen zu finden sind – die „Fiera di Santa Lucia“ immer vom 8. bis zum 24. Dezember.

Noch ein beliebtes Souvenir

Kleine Glocken werden in Süditalien und besonders im Salento gern als Glücksbringer verschenkt. Die Tradition geht auf eine Sage zurück, dernach einem bettelarmen Schäferlein sein einziges Schaf verloren gegangen war. Nachdem er es lange Zeit vergeblich gesucht hatte, hörte er plötzlich den Klang eines Glöckchens. Dem Geräusch folgend fand er sein Tier. Es steckte jedoch in einer tiefen Felsspalte fest. Plötzlich erschien der Heilige Michael, der zunächst das Schaf rettete und danach dem Schäfer eine kleine Glocke schenkte, welche er um den Hals getragen hatte. Von diesem Tag an wendete sich das Schicksal des armen Schäfers und alle seine Wünsche gingen in Erfüllung. Ob das auch mit Glocken funktioniert, die nicht vom Heiligen Michael verschenkt wurden, muss man selbst ausprobieren.

Nicht nur für den Sommerurlaub

Der dem Stadtheiligen Sankt Orontius gewidmete Platz wird von den Ruinen eines Amphitheaters dominiert. Leider wirken die massiven Gebäude aus der Neuzeit dem Atem der Geschichte entgegen.

Während die meisten Apulier die historischen Must-Sees von Lecce wie das Schloss, die Piazza Sant’Oronzo, das Amphitheater, den Dom etc. genau benennen können, ist das Lecceser Eisenbahnmuseum selbst unter den Einheimischen noch ein Geheimtipp. Doch nicht nur in Lecce selbst gibt es jede Menge zu entdecken. Um Lecce herum befinden sich außer traumhaften Stränden, welche im Sommer die Touristen in Scharen anziehen, noch beispielsweise die wehrhafte Stadt Acaya, römische Ausgrabungsstätten, Dolmen, eine wunderbar restaurierte Abtei und vieles mehr. Daher ist Lecce mehr als nur ein Sprungbrett zum Meer und definitiv auch in kühleren Monaten eine Reise wert.

Katze auf einer Domplatzterrasse: Die in der nahe gelegenen Kathedrale verehrte Jungfrau Maria hat offensichtlich auch ein wachsames Auge auf schlafende Katzen.

 

Monte Sannace – Mehr als nur ein Hügel

monte sannace

Blick über die untere Stadt

Bei unserem Besuch des Kastells von Gioia del Colle hatten wir uns fest vorgenommen, uns bald das zum Museum gehörige Ausgrabungsgebiet anzusehen, von dem die meisten Fundstücke in der ständigen Ausstellung im Schloss stammen. Der „Archäologische Park Monte Sannace“ liegt nämlich nur 5 Kilometer vor den Toren Gioias und damit auch nur ca. 20 Autominuten von Bari entfernt an der Schnellstraße in Richtung Taranto. Merkwürdigerweise mussten drei Jahre vergehen, bis wir uns am letzten Montag tatsächlich aufmachten, um mal wieder in Apuliens Historie einzutauchen.

Tief einzutauchen, wie die Funde aus dem Park uns bereits im Kastell gezeigt hatten, bis ins 10. Jahrhundert vor Christus nämlich. Der Großraum Bari war damals von den Peuketiern besiedelt, die fürderhin maßgeblich von den Griechen beeinflusst wurden, welche über ihren Anlaufpunkt Taranto wichtige Handelsbeziehungen nach Peuketien unterhielten. Neben dem heutigen Ruvo war Sannace Zentrum dieser Kultur.

Die Ausgrabungsstätte musste auch für technisches Gerät zugänglich gemacht werden. Steine für Mauern und Wege gab es genug.

Monte Sannace Überblick

Im Park vermitteln Infotafeln Wissenswertes zur Örtlichkeit und den Ausgrabungen

Die Peuketier hatten den Ort ihrer Siedlung strategisch klug gewählt: Vom fast 400 m über dem Meeresspiegel liegenden Gipfel des Hügels aus hat man eine kilometerweite Sicht ins Umland. Eine hochgelegene Ebene umgeben von schroffen, steilen Hängen bot gleichzeitig die Möglichkeit zur landwirtschaftlichen Versorgung und leichten Verteidigung. Ein Karsttal weist darauf hin, dass es dereinst auch einen kleinen Fluss gegeben haben muss, der wahrscheinlich sogar schiffbar war. Die Vegetation zeigt noch heute eine gesunde Vielfalt von Bäumen wie Eichen und Steineichen mit dichtem Unterwuchs, wo man gerade nicht gräbt und wachsen lässt. Bildtafeln machen an dieser Stelle die botanisch weniger bewanderten Besucher wie uns auf besondere Pflanzen und Bäume aufmerksam.

 

Dass es auf dem Monte Sannace schon einmal sehr lebendig zuging, wussten die apulischen Bauern, welche die verschüttete Siedlung als Ackerland nutzten, schon seit dem 17. Jahrhundert, weil sie beim Beackern des Bodens immer wieder zufällig über historische Funde stolperten. Erst 1929 begannen ernsthafte Grabungen, die schnell einige Gräber und Teile der Mauer um die untere Stadt zum Vorschein brachten.

Infotafel zur Neuorganisation der Straßen in der hellenistischen Zeit

In mehreren Wellen erfolgten daraufhin Grabungen. 1977 machte man das Gebiet den Besuchern zugänglich und ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgten Rekonstruktionsarbeiten, so dass man sich sowohl die untere als auch die obere Stadt wieder relativ gut vorstellen kann. Inzwischen weiß man, dass auf dem Monte Sannace schon seit dem Neolitikum gesiedelt wurde, die Blütezeit vermutlich von der Mitte des 3. bis zur 4. Jahrhundert vor Christus lag und sich die Städte bis in die hellenistischen Zeit im ersten Jahrhundert nach Christus hinein halten konnten. Unter den Römern verlor das Gebiet an Bedeutung, da es von deren südlichen Handelsruten der Via Appia und der Via Traiana abgeschnitten war. Eine kleine Kirche aus dem Mittelalter im Gebiet der oberen Stadt wurde schnell wieder aufgegeben, sodass der Ort der Bedeutungslosigkeit anheimfiel, welche in weiten Teilen des italienischen Südens bis ins 20. Jahrhundert andauerte.

Hier wurde gerade ein weiteres Grab außerhalb der Stadtmauern entdeckt

Gegen diese Bedeutungslosigkeit arbeiten die Archäologen heute wieder. Im Moment leider nur die Praktikanten der Uni von Bari, die gelegentlich in der oberen Stadt (Akropolis) graben. Am kleinen Parkplatz befindet sich ein Besucherzentrum, welches seine Bezeichnung nur deshalb verdient, weil ein netter Kustode einem das Tor öffnet, wenn man klingelt. Bei unserem Besuch am Sonntag zeigte dieser sich leicht zerknirscht und entschuldigte sich dafür, dass man die Eintrittskarte im Kastell von Gioia kaufen müsse, welches aber an diesem Tag zufällig geschlossen habe. Mal davon abgesehen, dass eine 5 km weit entfernter Ticketschalter bei zeitgleicher Anwesenheit eines Geländeaufsehers etwas eigenwillig erscheint, hatten wir Glück: Der freundliche Herr ließ uns für lau hinein, gab uns einen Lageplan und ein Basecap für Davide und wies uns grob die Richtung.

So stiefelten wir also über sonnenverbranntes Gras durch Jahrtausende alte Grundmauernreste, setzten uns zur Probe in steinerne Sarkophage, beobachteten Davide dabei, wie er euphorisch jede zweite Ameise begrüßte, die uns buchstäblich über den Weg rannte, und stellten wieder einmal fest, dass der Besuch einer solchen Stätte eigentlich die Anwesenheit eines kundigen Führers verlangte, der es schaffte, diesen Ort vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Die zugegeben recht zahlreichen Schau- und Informationstafeln gaben immerhin eine Idee vom großen Ganzen.

Gräber am Rande der oberen Stadt

Natürlich könnte man auch sagen, alte Mauern habe man schon besser in Pompeji gesehen. Doch leider hatten nicht alle antiken Stätten das zweifelhafte Glück in einer Katastrophe für die Nachwelt konserviert zu werden. Die apulischen Grabungsgebiete, zu denen auch Egnazia bei Fasano gehört, erfordern mehr Fantasie und vielleicht auch ungleich mehr Wissen um ihre Bedeutung. Trotzdem sind sie es Wert, gesehen zu werden. Wenn man ab und zu sieht, wie klein der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes angefangen hat und sich dann in seiner vergleichsweise riesigen Heimatstadt umsieht, dann muss man sich eingestehen, dass wir es wenigstens in Körpergröße und als Bauherren doch weit gebracht haben. Der Rest… naja…

Hinfahren! Ansehen!

Stadtmauer der unteren Stadt mit Treppe

Parco Archeologico di Monte Sannace, Strada Provinciale 61, Gioia del Colle – Turi km 4,5
geöffnet von Mittwoch bis Sonntag von 8:30 – 15 Uhr
Eintritt 2,50 Euro zu zahlen an der Kasse des Kastells von Gioia (Kastell + Park 4 Euro)
Info-Telefon: 080 348 3052 und 080 349 1780

Mola di Bari – Venusbrüste und Schlossmauern

Mole di MolaFischerbooteLuigi und ich waren nie die großen Ausgeher, aber seit Davide in unser Leben gerutscht ist, gehen wir abends gar nicht mehr weg. Dafür sind wir zu Sonntagvormittagsausgehern geworden, denn in Italien ist es Gang und Gäbe, dass man sich wenige Stunden vor dem Essen zu einem Aperitivo (hier ein schöner Beitrag dazu auf dem Blog von Claudia alias La Capocuoca) zusammenfindet, in unserem Fall ist das meistens ein spätes Frühstück.

Schloss FrontSchlossspitzeSo trafen wir unlängst unsere Freundin Cecilia in Mola di Bari, einem der zahlreichen Vororte der apulischen Provinzhauptstadt. Molas Seepromenade lädt zum Flanieren und die zahlreichen Cafés zur Einkehr ein. Es gibt sogar ein trutziges Kastell, das Karl I. von Anjou (ein Vertreter des Clans nach dem berühmten Stauferkaiser Friedrich II.) 1277 zwischen Altstadt und Meer errichten ließ. Die spitze Eckbastion aus dem 16. Jahrhundert ragt aggressiv dem Meer entgegen und erinnert damit an Baris Kastell, das genauso spitz auf die Altstadt weist. Leider wird das Kastell von Mola nur für besondere Ereignisse wie Hochzeiten geöffnet und ist nicht zu besichtigen.

tette di venere e cappuccinoGleich an diesem Kastell befindet sich jedoch in der Via Toti die Bar und Konditorei Viennese. Mit Blick auf die wuchtigen Schlossmauern kann man hier neben den üblichen Cornetti auch leckeres Gebäck wie sizilianische Canneloni (die natürlich in diesem Fall nicht aus Sizilien stammen) oder „tette di venere“, welche in unserer Gegend auch unter dem Namen „tette delle monache“ laufen, ein mit Vanillecreme gefülltes, fluffiges Teigstückchen, dessen Form tatsächlich Ähnlichkeit mit einer Frauenbrust hat. Ob nun die Brüste der Venus tatsächlich so aussahen… mit ein bisschen Vorstellungskraft kann man es glauben. Bei Mönchen hingegen kenne ich mich nicht so aus und meine Vorstellung reicht nur für ein Gebäck, das erheblich flacher wäre. Nun, ja…

Alstadtplatz

Mit Cappucino und Venusbrüsten im Bauch lässt es sich hervorragend einen Spaziergang durch den gepflegten Altstadtkern und auf der Hafenmole machen. Danach bei „Mamma Maria“ Mittag essen und anschließend ein kleines Schläfchen einlegen – wenn das nicht dolce vita ist, dann weiß ich auch nicht.

Trubel auf dem Flohmarkt

Flohmarkt Detail 2 Flohmarkt Detail 1