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Wie der Wichtelmann nach Triggiano kam

Weihnachtszeit – Lügenzeit. Ich glaube, so viel wie um Weihnachten herum wird im ganzen Jahr nicht geschwindelt, erfunden und verheimlicht. Glücklicherweise ist es erlaubt, denn es hilft die magische Stimmung zu kreieren, ohne die Weihnachten einfach nur ein religiöses Geburtstagsfest wäre.

Auf der Suche nach einer Idee für eine Weihnachtsgeschichte stieß ich im letzten Jahr auf den skandinavischen Brauch der „Wichteltür“ sowie auf zahllose überzeugende Fotos im Internet. Ich war sofort begeistert, denn es bestand kein Zweifel, dass unser fantasiebegabtes Kind diesen Spaß mitmachen würde.

So, schrieb ich also nicht nur eine Geschichte mit einem Wichtel als Protagonisten, sondern bestellte noch im November hier die Ausstattung eines Wichtelheimes, damit es pünktlich am 1. Advent mit der Wichtellei bei uns losgehen konnte.

Als Davide am Samstagabend im Bett und verlässlich eingeschlafen war, klebten wir die Wichteltür mit doppelseitigem Kebeband in eine geschützten aber präsente Ecke an unsere Wohnstubenwand, die wie alle Wände in Süditalien nicht mit Tapete beklebt sondern nur gestrichen ist. Darunter legten wir einen grünen Filz aus, den wir mit Watte bedeckten. Am nächsten Morgen fanden wir unser Kind erstaunt davor. Als er erfuhr, dass diese Tür zu einem Wichtel gehöre, der in den nächsten Wochen direkt an den Weihnachtsmann berichten würde, da war die Aufregung groß.

Schon vor dem Schulzaun erzählte er allen, dass bei uns jetzt ein „elfo“ wohne und Luigi musste ein Foto in die elterliche WhatsApp-Gruppe stellen, weil die Sprösslinge der 1F mit der Wichtelgeschichte im Hause Grillo-Hein ihre Familien verwirrten. Alle zwei Tage peppten wir nun die Wichtelwohnanlage mit weiteren Accessoires auf, bis der Gute sich bei uns wirklich fest eingenistet zu haben schien.

Im Verlauf des Advents kamen mehrere Schulfreunde, um sich die Sache persönlich anzusehen, denn man erzählte sich nun, dass der Wichtel nicht nur die Vorgänge in unserer Wohnung, sondern in ganz Triggiano an den Weihnachtsmann weiterleite. Ob das überall den gleichen Erfolg wie bei uns hatte, ist mir nicht bekannt, aber auf jeden Fall half die Erinnerung an das Wichtelmännchen und die mögliche Verärgerung des Weihnachtsmanns die ganze Adventszeit über, liebenswürdigeres Verhalten an den Tag zu legen und besser auf die Eltern zu hören.

Der Wichtelmann blieb noch etwas länger bei uns wohnen als üblich. Erst Ende Januar, als wirklich alle Zeichen des vergangenen Weihnachtsfests in Kisten und Kästen verschwunden waren, packte unser Wichtel all seine Habseligkeiten ein und verschwand über Nacht zurück an den Nordpol. Und obwohl wir unser Kind darauf vorbereitet hatten, dass das passieren würde, löste der Wichtelauszug dicke Tränen aus, die nur mit Mühe und der Versicherung, dass der kleine Geselle sicher in der nächsten Weihnachtszeit wiederkommen würde, trocknen ließen.

Auch Gina hatte viel Spaß mit unserem Wichtelheim, wenn sie sich unbeobachtet wähnte.

Deshalb kann ich zusammenfassend sagen, dass so ein Mitbewohner die Weihnachtszeit noch heimeliger und magischer macht. Uns hat Weihnachten mit Wichteltür gefallen und tatsächlich ist das Türchen in der letzten Nacht schon wieder aufgetaucht. Unser Wichtel ist zurück!

Alles Gute zum ersten Advent und eine frohe Vorweihnachtszeit euch allen!

Corinna

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Alles rund um Wichtel und Wichteltüren findet ihr hier: https://www.mein-wichtel.de