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Ciao, ciao deutscher Führerschein!

Nein, die heutige Überschrift soll nicht heißen, dass ich beim Zu-schnell-fahren erwischt wurde und nun keinen Führerschein mehr habe. Aber das freie Reisen in Europa verführte mich, so leichthin zu denken, dass mit der Europäischen Einheit nicht nur Reiseverkehr und Warentransport einfacher geworden seien, sondern man zum Beispiel mit einem Europäischen Führerschein sein Leben lang ungehindert herumfahren könne. Das klappt auch relativ gut, denn der Deutsche ist besonders ausdrucksstark, weil nicht nur einfach die Führerscheinklassen mit Buchstaben sondern auch noch kleine Piktogramme der dazugehörigen Vehikel aufgedruckt sind. Vorn sieht mit Namen und Nümmerchen auch alles recht übersichtlich und erkennbar aus und die netten Carabinieri, die sich gefühlt einmal pro Woche am Bahnhof in Triggiano positionieren, um allgemeine Verkehrskontrollen durchzuführen, haben nie etwas gesagt. Obwol sie mir plötzlich genau ins Gesicht sahen und meinen Führerschein zweifelnd hin- und herdrehten, gaben sie ihn mir nach kurzer Besprechung immer kommentarlos zurück.

Eines Tages las ich in jedoch in einem meiner Deutschlernbücher, dass Ausländer in Deutschland innerhalb von zwei Jahren ihren Führerschein umtauschen müssen. Mensch, dachte ich, nicht dass das in Italien auch so ist… und schickte Luigi auf eine Aufklärungsmission. Zufällig arbeitet der Sohn eines Sohns eines Onkels (u.s.w.) bei der „Motorizzazione Civile di Bari“, was vermutlich so viel wie Straßenverkehrsamt heißt, und konnte das sofort bestätigen. Allerdings meinte er auch, man müsse sich keine Sorgen machen, denn die zwei Jahre begännen mit der Residenzschaft – also einem angemeldeten, eigenen Wohnsitz. Diesen besitze ich glücklicherweise erst seit unserem Einzug in die Traumwohnung vor anderthalb Jahren. Also war bis Oktober noch alles im grünen Bereich. Dann gab er uns eine To-Do-Liste für den Führerscheinumtausch, die ich gern mit dem geneigten Leser teilen möchte.

Was braucht man also für ein solches Unterfangen abgesehen von jeder Menge Geduld und Freizeit?

1. ein Ausweisdokument in Original und Kopie
2. die förmliche Anfrage auf dem Formular 2111
3. den Originalführerschein und 2 Kopien
4. das Attest mit Foto über eine Augenuntersuchung beim „Servizio Igiene Pubblica“ (22,40 Euro)
5. Beleg für die Überweisung von 9,00 Euro an das „Dipartimento Trasporti Terrestri“ (Abteilung für das Transportwesen auf der Erde)
6. Beleg für die Überweisung von 32,00 Euro an das „Dipartimento Trasporti Terrestri“ (Nein, man darf die Beträge nicht addieren und zusammen überweisen.)
7. die Steuernummer in Kopie
8. zwei Passfotos, davon muss eines vom Augenarzt beglaubigt sein
9. das ausgefüllte Formular mit den Führerscheindaten
10. einen Nachweis über die Registrierung beim Einwohnermeldeamt oder eine Aufenthaltserlaubnis (permesso di soggiorno)

Bei der Motorizzazione (in Bari im Gewerbegebiet von Modugno zu finden) bekommt man eine Sammelmappe mit allen Formularen und den Überweisungsträgern und dann heißt es nur noch laufen, anstehen, Termine machen, wieder anstehen und Dokumente sammeln.

Nicht sehr einladend, aber praktisch.

Nicht sehr einladend, aber praktisch.

Hat man erstmal alles eingesammelt, bezahlt, ausgefüllt und wieder im Amt abgegeben, geht es ganz schnell. Innerhalb von drei Wochen ist der italienische Führerschein da und kann abgeholt werden. Dann heißt es nur noch „Auf Wiedersehen, detaillierter, mit Bildchen bedruckter, altvertrauter Lappen!“, denn der deutsche Führerschein muss dableiben und wird vernichtet, und „Willkommen, rosafarbene, italienische Minikarte!“. Ich denke, bei der nächsten Verkehrskontrolle werden die Carabinieri nun keine Beratungspause mehr brauchen.