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Es liegt was in der Luft

„Dass ich das noch erlebe, dass aus dir eine Kaffeetrinkerin wird!“ meinte unlängst meine beste Freundin zu mir, während ich meinen Frühstückskeksetunkekaffee in geschätzt einen Viertelliter Milch schüttete und ihr einen Espresso zubereitete. Ja, das hätte ich als passionierte schwarze-Tee-Trinkerin selbst nicht von mir gedacht. Doch nach gut einem Jahr hatte mich Luigis Vater zum Kaffee bekehrt und mir bei unserem Einzug in die Traumwohnung eine gut gebrauchte Moka mitgegeben.

Frühstück

Kekse und Kaffee mit Milch – ein typisches, italienisches Frühstück

Die Moka das ist ein kleines Metallkännchen, in dem man auf einem Gasherd Kaffee zubereiten kann. Woher diese kleine Maschine ihren Namen hat, kann man nur raten. Eventuell stammt er von der gleichnamigen Stadt im Jemen und ist über Kaffeehändler nach Italien gelangt. Wie auch immer, Luigi behauptet, es handele sich bei ihr nicht um ein Küchengerät, sondern um einen Einrichtungsgegenstand, den man in jedem italienischen Haushalt findet, denn in der Tat ist frisch zubereiteter Kaffee eine der großen-kleinen, italienischen Leidenschaften. Einer meiner Schüler meinte sogar, er trinke mindestens fünf Espressi über den Tag verteilt, den letzten spät abends. Das bedeutet wohl, dass seine Moka kaum kalt wird.

Unlängst gab der Dichtungsring meiner alten Moka komplett seinen Geist auf, d.h. er ist quasi nicht mehr vorhanden, und ich entschied mich für ein neues Modell. Wenn, dann richtig! – dachte ich mir. Eine Bialetti sollte es sein. Das traditionelle Kännchen gibt es nämlich in vielen verschiedenen Farben. Ich entschied mich für eine meiner Lieblingsfarben – Hellgrün. Das bringt an schummrigen Herbstmorgen gleich gute Laune in die Küche.

Moka

Meine neue Moka – ein Traditionsmodell in frischer Farbe. Das dem Erfinder ähnelnde, bärtige Bialetti-Männchen erinnert mich entfernt an das in die Luft gehende, deutsche HB-Männchen.

Als sich Alfonso Bialetti 1933 dachte, dass das gleiche Prinzip, welches Dampf und Seifenschaum in Waschmaschinen beförderte, auch zum Kaffeebrühen genutzt werden könne, und die erste Moka herstellte, ahnte er vermutlich nicht, welche Revolution er auslösen oder dass seine kleine Erfindung den Siegeszug um die Welt bis in die Ausstellungen von Designmuseen wie der MoMa in New York antreten würde.

Die Form der Kaffeemaschine kann wie die Farben variieren. Statt achteckig findet man sie beispielsweise auch rund. Andere Firmen wie Alessi oder Lavazza haben mir ihren eigenen Produkten nachgezogen. Was jedoch bleibt ist das Prinzip; unverändert seit 1933: Über einem kleinen Wasserbehälter befindet sich ein Sieb mit dem Kaffeepulver. Der beim Kochen entstehende Dampf wird durch den Kaffee gedrückt und über einen kleinen Schornstein in das obere Kännchen befördert. Für Italiener ist der morgendliche Griff zur Moka ein Ritual, und, wer es einmal gehört hat, dem bleibt es unvergessen – das leise Röcheln des Wassers, bevor der Kaffeeduft sich in der Wohnung ausbreitet.

Übrigens konnten bisher auch keine Kapsel-, Pad- oder sonstigen raffinierte Maschinen etwas an der Beliebtheit der Moka ändern. Selbst Pasquale mit seiner großen Kaffeekochanlage, die sogar Bohnen mahlen und Milchschaum einsprühen kann, hat in seinem Schrank noch eine Moka zu stehen. Man weiß ja nie, ob nicht eines Morgens der Strom ausfällt oder das technisch komplizierte Großgerät seine Funktion einstellt. Die treue Moka auf einem Gasherd funktioniert immer einwandfrei – jedenfalls solange der Dichtungsring dichtet. Wie ich beim Kauf der kleinen Grünen erfahren habe, sollte man diesen alle drei Monate austauschen. Wieder etwas gelernt.