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Die Großen Sieben in Bari

Der Mai ist immer ein besonderer Monat in Bari. Zwei Tage lang feiert die Stadt jedes Jahr ihren persönlichen Schutzheiligen, den Heiligen Nikolaus, mit Umzügen, Feuerwerk und im Zweijahresrhythmus mit einer Flugshow. Auch das Oldtimer-Rennen „Gran Premio di Bari“ scheint sich zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender zu entwickeln und auch im Umland werden die recht verlässlichen Schönwettertage des Mais für Volksfeste genutzt.

In diesem Jahr tagen jedoch heute und morgen die Finanzminister und Notenbankenchefs der sieben größten Industrienationen hier bei uns im Schloss. Damit hält der verkehrsmäßige und sicherheitstechnische Ausnahmezustand in diesem Jahr besonders lange an. Schon während San Nicola war zu spüren, dass man vorsichtiger geworden ist, wenn sich Volk zu versammeln plant. Die Feiermeile ist mit halbhohen Betonwänden abgeriegelt worden und das Polizeiaufkommen war besonders am frühen Morgen überproportional zur Anzahl der zu ihren Arbeitsstätten eilenden Normalbürger. Ein sehr merkwürdiges Gefühl… irgendwie nicht sicher, sondern eher bedrohlich.

Damit die Großen Sieben nicht zu „Sieben auf einen Streich“ werden ist die Altstadt komplett abgeriegelt worden. Nur noch Einwohner dürfen mit einem speziellen Passierschein zu Fuß die sogenannte „rote Zone“ betreten. Bereits großflächig vor dieser Altstadtzone dürfen keine Autos mehr parken. Die Müllcontainer wurden entfernt und Polizeikräfte wachen mit Argusaugen über alle, die noch neugierig herumzuschlendern wagen.

Das unangenehme Gefühl, das mich bereits während der Feiertage beschlichen hat, hat sich angesichts dieser Maßnahmen noch einmal verstärkt. Wie müssen sich erst die Anwohner fühlen, die sich einen Passierschein bei der Polizei holen mussten und nun buchstäblich auf Schritt und Tritt kontrolliert werden?

Eigentlich habe ich gedacht, dass wir hier in Bari so weit weg vom Weltgeschehen leben würden, dass Terrorismus für uns eher Theorie als Praxis bliebe. Nun erleben wir die Errichtung eines Ghettos und die damit verbundene Einschränkung unserer Freiheit aus Angst vor terroristischen Aktionen am eigenen Leibe. Sicher, am Sonntag wird wieder alles in den Normalzustand zurückversetzt werden, aber im Moment liegt eine Spannung in der Luft, die man fast greifen kann. Wenn man in die Gesichter der Ordnungskräfte sieht. Wenn man nicht zur Arbeit gehen kann, weil öffentliche Einrichtungen (Schulen, Ämter) geschlossen bleiben. Wenn man vor so einer Betonwand steht und nicht weiterlaufen darf. Und wenn alle Wege so organisiert werden müssen, dass man ein Gebiet, das zu den beeindruckensten der Stadt gehört, möglichst weiträumig umfährt.

Natürlich hoffe ich mit allen Anderen, dass diese Maßnahmen Vorsichtsmaßnahmen bleiben. Aber was die gegenwärtige Situation ganz deutlich zeigt, ist, dass die terroristischen Aktionen der jüngeren Vergangenheit bereits dazu geführt haben, dass wir freiwillig unsere Rechte einschränken (lassen). Ich glaube, vor allem die Bewohner der entsprechenden Stadtgebiete werden das Wort „Freiheit“ jetzt erst richtig verstehen lernen.

Rote Fackeln

Ohne Blüten bestechen sie höchstens durch ihre klaren Linien oder bizarren Formen. Doch wenn sie erstmal mit dem Blühen loslegen, dann stehen Sukkulenten und Kakteen ihren durstigen Blatt-Verwandten in nichts nach. Hier standen Aloen nahe der Seepromenade und leuchteten schon von weitem wie rote Fackeln unter dem kontrastierenden Himmel.

Aloe Vera

Unsere Aloe Vera auf der Terrasse hatte hingegen gelbe Blüten.

Pajare – Die weniger berühmten Verwandten der Trulli

Während die Trulli (Sing. Trullo) nicht zuletzt Dank des Unesco-Weltkulturerbes von Alberobello auch außerhalb Italiens inzwischen bekannt sind, findet man die Pajare (Sing. Pajaru) eher einzeln stehend im apulischen Hinterland zwischen Oliven- und anderen Bäumen.

Trullo 2Die stufenförmig angelegten Gebäude haben mit den Trulli ihre konische Form und die Trockenbauweise gemeinsam. Je nach Region werden sie auch pagghiaru, furnieddhu, furnu, truddu, chipuru oder caseddhu genannt (Quelle: Wikipedia). Ihre dicken, fensterlosen Steinmauern halten die sommerliche Wärme ab und dienten den Bauern dereinst als Unterschlupf während der Feldarbeit oder als Lagerplatz für ihr Stroh, auf Italienisch paglia. Daher stammt vermutlich auch der Name „pajaru“.

Auf der Suche nach dem Dolmen della Chianca trafen wir auf viele, recht gut erhaltene Pajare. Im Allgemeinen sieht man sie jedoch (wie auch viele Trulli) auf den Feldern verfallen.

alle Fotos by MD