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„Non c’è più! Non arriva più!“* oder Wann beginnt der Sommer in Süditalien?

Am Sonntag ist Luigis Namenstag und hier in Süditalien legt man großen Wert darauf, diesen auch festlich zu begehen. Mindestens muss man der gratulierenden Verwandtschaft als nicht gänzlich Backunbegabte eine Torte oder anderes Gebäck kredenzen.

„Ich hätte gern 250g gemahlene Mandeln.“ sagte ich daher gestern in einem meiner Lieblingsläden namens „Dolcemania“ zur Verkäuferin, denn in diesem Laden für Back- und Süßigkeitenbedarf kauft man fast alles nach Gewicht aus großen Tüten oder Körben. „Ich habe noch ungefähr ein halbes Kilo.“ antwortet mir die junge Frau. „Besser du nimmst alles. Es kommt jetzt nichts mehr rein.“ „Wie jetzt? Nie mehr?“, fragte ich irritiert und überlegte, ob ich vielleicht eine Schreckensnachricht von verhagelter Mandelblüte überhört hätte.

Die Verkäuferin lächelte milde wie man ein kleines Kind anlächelt, das von der Welt noch keine Ahnung hat, und erklärte mir, dass sich das „jetzt“ natürlich nur auf den Sommer bezog. Aha… vielleicht hat der gemeine Süditaliener im Sommer keinen Bedarf an geriebenen Mandeln, isst keinen Kuchen oder kein Mandelgebäck mehr, sondern steigt komplett auf Wassermelonen und Speiseeis um. Ich wagte nicht zu fragen und sagte statt dessen: „Bitte noch 30 Baci Perugina!“ Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Glückskeks und Ferrero Küsschen, die ich am Sonntag Luigi und der lieben Verwandtschaft zusätzlich zum Mandelkuchen anbieten wollte. „Haben wir nicht mehr und kriegen wir auch nicht mehr.“ kam prompt die Antwort. Für einen Moment fühlte ich mich irgendwie merkwürdig dumm und in die Zeit der DDR-Mangelwirtschaft zurückversetzt.

Beim Bezahlen an der Kasse outete sich jedoch eine Italienerin hinter mir als ebenso unwissend, als sie dem Kassierer einen leeren „Mars“-Karton vor die Nase hielt und meinte, ob sie noch welche hätten. „Nein,“ antwortete der Kassierer und setzte hinzu, „und wir kriegen die auch nicht mehr rein.“ Aha, also auch kein Mars. Ach, und keine Überraschungseier! Mehr hörte ich von dem Dialog über einen anstehenden Kindergeburtstag nicht, da ich mein Wechselgeld bereits verstaut hatte und unmöglich weiter an der Kasse stehen bleiben konnte.

Luigi klärte mich dann am Nachmittag auf: Demnach gäbe es im Sommer in Süditalien keine Schokolade mehr zu kaufen, da es für sie zu warm sei. Das erklärte natürlich, warum unser Kühlschrank schon seit Wochen voller Kinderriegel lag, die sorgsam eingeteilt wurden. Aber gerade deswegen will sich mir die logische Verbindung zwischen Wärme und Schokoladenverkauf nicht vollständig erschließen, gibt es doch auch in Super- und anderen Märkten Kühlgelegenheiten. … und geriebene Mandeln sind meines Wissens gänzlich schokoladenfrei.

Wie auch immer, solltet ihr also wissen wollen, wann in Süditalien der Sommer beginnt, würde ich zurückgeben: „Am 19. Juni.“ Denn, wenn es im Sommer keine Schokolade mehr gibt, dann muss er gestern angefangen haben.  Und sollte noch jemand vor September etwas Mandelmehl brauchen, hätte ich da noch ca. 300g übrig. Die würde ich zum Beispiel gegen einen Karton Baci Perugina, Mars oder Überraschungseier eintauschen.

Mandeltorte mit Schokotropfen und Vanillebuttercreme

Zum Namenstag: Mandeltorte (sehr frei nach Emily) mit Schokotropfen, Vanillebuttercreme und Schokoladenüberzug

* „Haben wir nicht mehr! Kriegen wir nicht mehr.“