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Sonntagvormittag in Monopoli

Sonntags um 10 – die Fischer haben ihre Kutter längst wieder im Hafen vertäut und den Fang verkauft.

Nachdem ich in 6 Jahren nicht ein einziges Mal in Monopoli war, fand ich mich in diesem Jahr gleich zweimal in der kleinen Hafenstadt bei Bari wieder. Zunächst im Frühling, als meine Mama uns besuchte und dann wieder im Herbst anlässlich einer weiteren Besucherin. Die hübsch restaurierte Altstadt bietet sich geradezu zu einem Vormittagsspaziergang an. Zahlreiche Bars haben noch im November die Stühle vor der Tür stehen und in windstillen Ecken möchte man fast meinen, es wäre noch Spätsommer.

Karl V. ließ dieses wehrhafte Kastell über einer Kirche aus dem 10. Jh. errichten. Auch messapische Mauerreste aus dem 5. Jh wurden mit eingeschlossen.

Vor dem Stadtschloss, einem Kastell aus dem 16. Jahrhundert, liegt malerisch der Hafen mit Fischkuttern und kleinen Fischerbooten. Anlässlich einer im Kastell stattfindenden Fotoausstellung wurden großformatige Fotos auf viele historische Gebäude Monopolis aufgebracht und geben den alten Mauern einen zusätzlichen Aufmerksamkeitswert. Eine schöne Idee!

Auch an idyllischen und blitzblanken Gassen mangelt es der Stadt nicht.

 

Gesellschaftsspiele oder Fahr’n wir mal nach Monopoli

Kastell von Monopoli

Schon im April badet man hier zu Füßen der Stadtmauer.

Wenn ich in Monopoli etwas kaufen könnte, dann wäre es nicht die Schlossstraße, sondern der Stadtstrand, der sich nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt unter der wehrhaften Altstadtmauer von Monopoli ausbreitet. Das Schloss ist nämlich nur ein winziges, aber trutziges Kastell, dass die Aragonier im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piratenangriffen errichtet haben, und die Schlossstraße eine der typischen, engen Altstadtgassen Süditaliens, wie es viele hier unten gibt. Doch mit einem mitten in der Stadt gelegenen Strand kann nicht jede apulische Stadt aufwarten.

Trotzdem klären wir gleich zu Beginn dieses Berichts, dass die ca. 30 Autominuten von Bari entfernt gelegene Kleinstadt mit dem weltbekannten Brettspiel „Monopoly“ nur den Klang ihres Namens gemeinsam hat. Dessen ungeachtet sollte man bei einem Apulienurlaub auch unbedingt einen (Halb)Tagesausflug in die idyllische Hafenstadt einplanen – vor allem wenn man weniger überlaufene Orte bevorzugt. Das war mir schon seit Jahren klar, aber es hat eben auch Jahre gedauert, ehe wir uns tatsächlich dahin aufgemacht haben. Vielleicht sind wir ein bisschen reisemüde geworden.

Romantische Altstadtgasse

Wie auch immer, „einzige Stadt“ (mono polis) nannten die Bewohner der dazumal wichtigen, römischen Stadt Egnazia ihre neue Heimat, nachdem sie im 5. Jahrhundert vor den Ostgoten, welche mit dazu beigetragen haben, dass man Egnazias Überreste heute mühevoll ausbuddeln muss, in Richtung Bari geflohen waren. Die idyllische Altstadt schiebt sich auf mehreren Landzungen, die schützende Buchten bilden, welche schon immer als natürliche Fischerhäfen genutzt werden konnten, ins kristallklare Meer hinein. Tatsächlich dreht sich in der Stadt auch heute noch alles um Boote und Fische. Monopoli ist weithin bekannt für seinen Fischmarkt, auf dem auch die umliegenden Restaurants das Meeresgetier ersteigern, das sie täglich fangfrisch auf den Tisch bringen.

Als beliebtes Souvenir und Wahrzeichen der Stadt gelten blau-rot-lackierte Fischerboote aus Holz, die es in jedem Souvenirladen gibt. Leider muss ich gestehen, dass unser Souvenirboot Davides Test auf Wassertauglichkeit nicht bestanden hat. Im Bücherregal wäre es besser aufgehoben gewesen.

Apulischer Barock

Monopolis Kathedrale „Madonna della Madia“ ist für die Apulier schon lange ein beliebter Ort zum Heiraten gewesen und mit der Hochzeit des deutschen Nationaltorwarts Manuel Neuer im Jahr 2017 hat der Bau, der als eine der schönsten Barockkirchen Apuliens gilt, auch über Italien hinaus  eine gewisse Berühmtheit erlangt. Wer weniger an den Lebenden als an den Toten interessiert ist, der findet vielleicht an den Mumien, die den Besuchern in „Kirche des Fegefeuers“ aus holen Augen entgegenstarren einen morbiden Gefallen.  Doch auch sonst lohnt sich ein gemütlicher Spaziergang durch die romantische Altstadt mit ihren vielen kleinen Cafés, Restaurants, Souvenirgeschäften und Läden, die lokale Spezialitäten verkaufen – besonders im heißen Sommer, wenn Dank der Meeresnähe immer eine frische Brise durch die schattenspendenden und liebevoll herausgeputzten Häusergassen weht.

Schon an der Holztür der „Chiesa del Purgatorio“ grüßen knochige Skelette die Besucher und machen sofort klar, dass man sich hier auf eine Begegnung mit dem Thema Tod einstellen sollte. In unserer Zeit, in der wir gerade diesen Teil unseres Lebens gern ausblenden, kam das für uns ziemlich überraschend.

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