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Wochenendverlängerung

Schildkröten im „Parco 2 Giugno“

Der zweite Juni ist in Italien ein Nationalfeiertag, denn am 2.6.1946 stimmte die Mehrheit der Italiener dafür, aus Italien eine Republik nach demokratischem Prinzip zu machen und der Monarchie den Rücken zu kehren. An diesem Tag wird auch der gefallenen Soldaten gedacht und Lorbeerkränze werden an den Mahnmalen niedergelegt.

In Bari wurde sogar einer der wenigen Parks nach diesem historischen Moment benannt. Den „Parco 2 Giugno“ hatten wir allerdings schon am 1. Mai besucht. Damals hatten wir Lust auf einen morgendlichen Ausflug und ein bisschen Grün. Was mich überrascht hat, war die Tatsache, dass der Park hauptsächlich von Schildkröten besiedelt ist. Luigi erinnert sich noch an seine Kindertage und Wildenten in diesem Park. Von den Enten haben wir jedoch nicht einmal eine Feder gefunden – weit und breit nur Schildkrötenköpfe die sich der Sonnen entgegen reckten. Späterhin wurde es richtig voll, weil viele Familien mit Kindern die Gelegenheit nutzten, zum Spielen in den Park zu kommen.

Sonnenanbeter

Auch Baris Senioren und Seniorinnen sind der Morgensonne nicht abgeneigt.

Für die Normalbürger ist der „Tag der Republik“ vor allem ein freier Tag, den man gern damit verbringt, ans Meer zu fahren, denn im Juni kann man schon fest mit Badewetter rechnen. Tatsächlich liegen die sonnenhungrigen Apulier schon seit Anfang Mai am Wasser herum.

Wir hingegen nutzten das lange Wochenende, um zu Hause Liegengebliebenes zu erledigen, während Davide sein Plantschbecken in der Badeecke auf der Terrasse wieder in Gebrauch nahm. Da in Deutschland gerade das Wochenende wegen Pfingsten verlängert wurde, werdet ihr nachvollziehen können, dass wir die drei freien Tage trotz der häuslichen Pflichten genossen haben.

 

 

Fast ein botanischer Garten

überranktOlivenbaumDie Universität von Bari leistet sich zwar einen richtigen, botanischen Garten, aber der ist leider nur vormittags geöffnet. Gut, dass sich auch der „Gardino dei tempi“ mit einem Straßenschild „Orto Botanico“ schmückt und dieser von Triggiano nur einen Steinwurf in Richtung Bari entfernt ist. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Lokalität, die man für Familien- und andere Feiern buchen kann, aber sie wurde durch eine wunderschöne Gartenanlage mit tollen Sichtachsen über einen bloßen Garten hinaus aufgewertet.

noch ein BrückchenBrückchenEs gibt mehrere, thematisch unterschiedliche Säle für Feierwillige, Teichanlagen, Gewächshäuser, lauschig versteckte Bänkchen, einen großen Spielplatz für die Kleinen und immer wieder erstaunliche Blicke auf uralte Olivenbäume oder auch traditionelle Aufbewahrungsgefäße für Olivenöl, die (für mich zurecht) wie Kunstwerke im Garten aufgestellt wurden.

WüsteFür  fünf Euro kann man sich dort so lange aufhalten wie man möchte. Kinder dürfen kostenlos mitkommen. Der Ort eignet sich zum Beispiel hervorragend für ein Picknick oder einen langen Spaziergang. Wir fahren gern dorthin, weil es in Bari sonst an schönen Parks mangelt und die Wege um Bari oder Triggiano herum leider immer noch vom bekannten Müllproblem heimgesucht sind. Dann doch lieber Amphoren und schöne Ausblicke.

Suchbild

Und wer sonnt sich hier im botanischen Garten?

 alle Fotos by MD

Zeit, sich zu erinnern

sacrario 2

Gedenkstein für die Gefallenen der Marine, dahinter die Bögen eines Aquädukts

Wer durch den Stadtteil Japigia nach Bari kommt (von der SS 16 Ausfahrt 14, 14B und 15), dem fällt zweifellos auch ein großer mit einer weißen Sandsteinmauer umgebener Park ins Auge. Mir jedenfalls ging es schon seit Jahren so vor allem, weil ich mich wunderte, was zwei aquäduktähnliche Gebilde in einem Park so mitten im Nirgendwo von Bari machen. Schon vor längerer Zeit hatte ich mir von Luigi erklären lassen, dass es sich um keinen einfachen Park sondern um eine Gedenkstätte für im Ausland gefallene italienische Soldaten (namentlich den „Sacrario dei caduti d’oltremare“) handele.

Ach, diese Katholiken!

Kriege, Tote, Militär – so etwas stand eigentlich nicht auf meiner to-do-Liste. Doch am letzten Sonntag traf es sich, dass Tante Anna, welche regelmäßig die Kirche dieser Gedenkstätte frequentiert, weil sie ihrer Wohnung am nächsten liegt, dafür gesorgt hatte, dass ein Gottesdienst im Gedenken an unsere im letzten November so plötzlich verstorbene Tante Margherita abgehalten werden sollte. Das bedeutet konkret, dass man eine gefühlte Ewigkeit an Liedern, Weihrauch, Gebeten, noch mehr Weihrauch und sehr, sehr viel mehr Weihrauch über sich ergehen lassen muss, bevor kurz vor Ende der Messe an die „nicht mehr unter uns weilende Schwester“ erinnert wird. Na, was macht man nicht alles mit im Leben … Mir wurde auch nur ein klein wenig schlecht dabei.

sacrario 1Und ich hatte mich schon Tage vorher mit dem Gedanken getröstete, dass ich auf diese Art die Gelegenheit bekäme, ein Auge auf Italiens zweitgrößte Erinnerungsanlage für gefallene Soldaten zu werfen.

Erinnerungspark 

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Den gefallenen der Finanzwache

Tatsächlich handelte es sich zumindest bei der unteren Ebene dieser Gedenkstätte um die wohl grünste Grünfläche Baris: üppiger Rasen so weit das Auge reicht, eine Vielfalt an Palmen und anderen Bäumen, liebevoll bepflanzte Kübel, hier und da ein Bänkchen, Gedenksteine der einzelnen militärischen Disziplinen für ihre Gefallenen, altes Kriegsgerät, das langsam Rost ansetzt … bei sonnigen 18 Grad ließ es sich am Sonntagmorgen hier gut verweilen.

sacrario Altar

Das Heimatland den glorreichen in Übersee Gefallenen

Zwischen Schuld und Scham

Die zweite Ebene der Gedenkstätte mutet sehr feierlich, aber auch sehr pompös an. Fast hat man das Gefühl, es läge ein heiliger Zauber darüber, in einem Krieg sein Leben zu lassen, und es wäre nicht einfach nur eine menschliche Dummheit, sich ständig gegenseitig abzuschlachten. Man gelangt über eine enorme Treppe, die man sicherlich gewollt, wie zu einem Altar hinaufsteigen muss, dann tatsächlich zu einem kleinen Altar. Er befindet sich inmitten einer ihn umgebenen offenen Halle. Hinter ihm steht eine vierteilige Säule mit vier Kreuzen, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren sollen, in welche es italienische Soldaten verschlagen hatte. Dort wird zu besonderen Gelegenheiten, wie dem 4. November, dem italienischen Nationalfeiertag, eine Messe abgehalten, zu der sich auch gern wichtige Staatsmänner einfinden.

sacrario 5In der Säulenhalle um den schlichten Altar herum hat man die Gebeine der Gefallenen eingelagert und die Wände mit Bronzeplatten versehen, in denen die Namen der Soldaten eingraviert sind. Insgesamt befinden sich Reste von über 75.000 Menschen in dieser Gedenkstätte. Unter ihnen sind hauptsächlich im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten. Doch nicht einmal die Hälfte von ihnen konnten identifiziert werden. Zuletzt wurden die Gebeine derer, die in deutschen Konzentrationslagern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gefunden wurden, hier zur letzten Ruhe gebettet. Als jemand, der in unmittelbarer Nachbarschaft von Sachsenhausen aufgewachsen ist, kann einem da schon etwas mulmig werden. Ich jedenfalls zog mir meine Mütze noch etwas weiter über mein blondes Haar und war froh, dass wir auf der zweiten Ebene allein waren.

Sonntags Führungen

Sacrario Friedensglocke

Jeden Abend läutet die Glocke im Gedenken an die Opfer.

Wer sich für die vielfältige Symbolik der Gedenkstätte interessiert, dem sei die sonntägliche Führung um 10 Uhr empfohlen. Von einem kundigen Mitarbeiter des kleinen historischen Museums, das zum Park gehört, erfährt man dann beispielsweise auch, dass die Bögen der Aquädukte zur rechten und linken Hand der Gedenkstätte verschiedene wichtige Schlachten symbolisieren. Ich jedenfalls habe jetzt auf dem täglichen Weg in die Stadt eine Frage weniger.

Temporäre Gärten in Bari

Bari ist nicht gerade eine grüne Stadt. Es gibt zwar einige Oleanderalleen und Parks, doch in den Augen von jemandem, der das üppig mit Grün ausgestattete Berlin als Maßstab aller Städte gewöhnt ist, verdienen die Handvoll Bäume und Sträucher auf mühsam irgendwie grün gehaltenen Flächen diese Bezeichnung kaum. Die Sommer mit ihren wochenlangen Hitzeperioden um die 40 Grad machen allem ein Ende, was nicht regelmäßig bewässert wird oder sehr tief reichende Wurzeln hat. Wohl auch deshalb sind in “Parks” immer üppige Wege gepflastert oder betoniert.

Vom 13. bis 17. Mai hat jedoch im Schloss von Bari ein Symposium zum Thema “Mediterraner Frühling – Grüne Architektur in der Stadt” stattgefunden. Diskutiert werden sollte, wie man städtisches Leben mit Natur und Landwirtschaft in Verbindung bringen kann. In der via Argiro, einer Parallenen von Baris wichtigsten Flaniermeilen dem Corso Cavour und der Via Sparano, wurden mit Hilfe von Baumschulen und Landschaftsarchitekten temporäre Gärten angelegt, in denen sich Neugierige über Pflanzen und Möglichkeiten von Balkonbepflanzung informieren oder auch einfach nur auf einer der Sitzgelegenheiten platznehmen konnten, um die belebende Vielfalt zu genießen. Schade, dass diese Aktion nur temporär war und die Pflanzen inzwischen schon wieder verschwunden sind.

Hier ein paar Impressionen aus der Via Argiro. Die Idee mit den grünen Weinkruken im Kontrast zu den vielen rot blühenden Pflanzen finde ich besonders schön (zum vergrößern, einfach auf eines der Bilder klicken).

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