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Psychodog – Identitätsprobleme bei Katzen

Eigentlich wollten wir eine dicke, rote, gemütliche Katze, die den ganzen Tag auf dem Sofa herumlümmelt und darauf wartet, von uns gestreichelt zu werden. Am Straßenrand aufgelesen haben wir hingegen eine stromlinienförmige, graue Katze, die höchsten zwei Minuten am Tag gestreichelt werden will – und zwar immer genau dann, wenn es pressiert; zum Beispiel wenn man frühmorgens mit gefüllter Blase das Badezimmer erreichen muss. Dann wirft sie sich uns vor Freude vor die Füße und schnurrt, als gelte es das Leben. Den restlichen Tag über flüchtet sie jedoch vor jeglichem Körperkontakt oder macht im Ringkämpfermodus deutlich, dass sie sich am liebsten mit einem im Staub wälzen würde.

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Bulimie bei Katzen?

Irgendwer – vielleicht eine von Luigis dauerdiätenden Cousinen – muss unserer Katze auch den Floh ins Ohr gesetzt haben, dass sie ihre Modelmaße halten solle. Von mir hat sie das jedenfalls nicht! Doch mit 50 Gramm Nass- und drei Krümeln Trockenfutter kommt sie den ganzen Tag aus, ohne vor Hunger umzufallen. Möglicherweise liegt das daran, dass italienische Straßenkatzen ihre Gene über Generationen so modifiziert haben, dass sie von Abfällen und gelegentlichen Futterspenden leben können. Das wäre vielleicht gar nicht so schlimm, wenn sie sich nur wenig bewegen würde, und das Futter Zeit hätte, irgendwo anzusetzen. Gina hetzt jedoch täglich mit gewagten Sprüngen und Überschlägen Bienen, Fliegen und andere Insekten über die Terrasse, gräbt in unseren Blümenkübeln und erklimmt artistisch viel zu dünnstämmige Bäume und Yucca-Palmen. Mit dem „dick“ und „gemütlich“ wird es also wahrscheinlich in den nächsten Monaten nichts werden.

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Auf dem Weg durch die Blumentöpfe

Doch das Schlimmste an unserer Katze ist ihr Identitätsproblem. Ich kann ja vestehen, dass Menschen nicht die besten Vorbilder für Katzen sind, aber dass Gina denkt, sie wäre ein Hund, finde ich irgendwo zwischen bemerkenswert und besorgniserregend. Bemerkenswert deshalb, weil ich denke, dass es eine Katze, die Vergnügen daran findet, stundenlang Bänder und Stofffischchen zu apportieren, nicht so häufig gibt. Besorgniserregend deshalb, weil die Nachbarn uns sicherlich für merkwürdig halten, wenn Gina nicht nur Insekten über die Terrasse jagt, sondern auch uns. Und wenn sie davon genug hat, dann lässt sie sich von uns über die Terrasse jagen, wobei sie wenigstens auf unsere mangelnde Kondition Rücksicht nimmt und sich gelegentlich in einem Blumentopf räkelt, um sogleich weiter zu flüchten, wenn man sie eingeholt hat.

Auf dem Weg zum Möbelmarkt sah ich unlängst eine Werbetafel für ein Unternehmen namens „Psycodogs“. Ich dachte mir, dass ich mal anfragen könnte, ob sie nur Hunde therapieren oder auch magersüchtige Katzen, die nur glauben, ein Hund zu sein. Doch es stellte sich heraus, dass es sich bei „Psycodogs“ nicht um einen Therapeuten für psychisch gestörte Hunde, sondern um eine ganz normale Hundeschule handelte. Ja, was also tun? SollteIMG_20140521_180746 ich – als liebender Katzenfuttertütenöffner – Gina in der Entwicklung ihrer hündischen Anlagen unterstützen und mit ihr beispielsweise zur Welpenspielstunde gehen? „Spinnst du?“, wies jedoch Luigi mein Ansinnen sofort zurück. „Stell dir vor, sie lernt da auch noch zu bellen!“ Oh, dass stelle ich mir lieber nicht vor, denn bisher ist das einzig Gute an unserer Katze, dass sie all ihre hündischen Hobbys stillschweigend verrichtet.

Also legen wir unsere Hoffnung auf die Zukunft: Rot wird Gina zwar nie werden, aber vielleicht klappt es im Alter mit dem „dick“ und „gemütlich“ – so etwa in 10 Jahren.