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Suchanfragen III – Die Toleranz des Internets

Ich muss schon sagen, das Internet ist doch schlauer, als ich immer angenommen hatte. Wenn ich mir die letzten Suchphrasen so ansehe, wundere ich mich nämlich wirklich, wie man mit derartigen Verschreibern trotzdem noch auf einer Seite mit relevanten Informationen, also bei mir, landen kann.

pepa big auf italenich die neuchen folgen“ – scheinbar: Peppa Pig auf Italienisch die neuen Folgen. Dazu nur so viel: „Peppa Pig“ ist total out. Im Moment ist hier bei uns „Masha und der Bär“ die neue „Peppa Pig“ und zwar mit allem Merchandise, der dazugehört: Luftballons, Spielzeug, Klamotten…

alberbulli stadt der trulli“ – möglicherweise „Alberobello Stadt der Trulli“, aber der Reim ist im Suchphrasen-Original natürlich schöner.

Putzig finde ich es auch, nach den Mitgliedern der apulischen Mafia suchen zu wollen („Sacra Corona Unita Mitglieder“). Ich glaube kaum, dass dieser Verein Mitgliederlisten im Internet veröffentlicht.

Bei der folgenden Anfrage kann ich persönlich gar nicht helfen. Ich bin in der bildenden Kunst nur mäßig fähig, aber vielleicht sollten Suchende, die „einen Olivenbaum töpfern“ möchten, einfach mal bei den Experten in der Keramikhochburg Grottaglie anfragen.

Und zu guter Letzt: „Italien hat diese Region an der Hacke.“  Na, wer von meinen Bloglesern kann in dieser Frage sachdienliche Hinweise geben?

Blutiges Morden in den Straßen von Bari

“Sagt mir, wer das getan hat! Ich will das wissen, denn ich werde ihm den Kopf explodieren lassen, wie er es bei ihm gemacht hat,” hörte man am Nachmittag des 19. Mai eine junge Frau auf einer Straße in Baris Stadtteil San Paolo schreien (zitiert nach “Gazetta del Mezzogiorno”, 20.5.2013, S. 2f.). Was war geschehen?

Während im Zentrum Baris ein enormes Polizeiaufgebot dafür sorgte, dass der Gran Premio di Bari reibungslos über die Runden gehen konnte, wurde kurz nach 12 Uhr in der Periferie das Schicksal dreier Junger Männer besiegelt. Vittantonio Fiore, der 22jährige Sohn des “Clanoberhaupts“ des Stadtbezirks San Pasquale und zwei seiner Freunde gingen zusammen durch die Via Piemonte, als ein Motorrad an ihrer Seite auftauchte und Fahrer sowie Beifahrer aus einer Kalaschnikow und einer Pistole das Feuer auf die Drei eröffneten. Die kugelsichere Weste und die Waffe, die Fiore in seinem Hosenbund trug, nützten ihm in dieser Situation nichts mehr und auch seine beiden Begleiter konnten in der Notaufnahme eines nahegelegenen Krankenhauses nicht gerettet werden.

Natürlich waren die Polizei und die Spezialisten der staatlichen Antimafiaorganisation1 DIA wenig später vor Ort, nahmen Zeugenaussagen auf und die Videoüberwachung verschiedener Geschäfte an sich, um das Geschehen auszuwerten, doch insgesamt steht Bari leicht fassungslos vor diesem neuerlichen Ausbruch des wieder erstarkten Selbstbewusstsein der Clans, die man in den letzten 10 – 15 Jahren in ihre Schranken gewiesen zu haben glaubte. Fiores Vater beispielsweise sitzt immer noch eine 25jährige Haftstrafe wegen Mordes ab und sein Filius war hinsichtlich seines Führungszeugnisses auch kein unbeschriebenes Blatt mehr. Der Boss des Stadtviertels Japigia konnte sich im letzten Winter nur kurz seiner Freiheit erfreuen. Schon zwei Tage nach seiner Entlassung und einem riesigen Straßenfest mit silvesterähnlichem Feuerwerk wurde er wegen einer anderen Tat wieder hinter Gitter gebracht.

Dennoch war dieser Ausbruch offener Gewalt nicht der erste in diesem Jahr. Bereits im April wurde Giaccomo Caracciolese, eine zentrale Person des organisierten Verbrechens in diesem Stadtteil ermordet. Doch begonnen hatte das öffentliche Morden bereits im August 2011, als der Sohn des Mafiabosses di Carassi und wenig später auch dessen Fahrer und Leibwächter auf offener Straße von einem Motorrad aus erschossen wurden. Der Bürgermeister und Antimafia-Magistrat Michele Emiliano wird nicht müde zu betonen, dass er bereits seit zwei Jahren davor gewarnt habe, dass sich die Mafia neu organisiere und sich wieder bewaffne. Es sei ein großer Fehler, dass die organisierte Kriminalität nahezu aus der öffentlichen Debatte verschwunden sei, denn sie sei nie besiegt worden, sondern hätte nur vorübergehend geschlafen.

So vermutet man nun, dass es sich bei der Ermordung Fiores um einen Rachakt gehandelt haben könnte. Geht man davon aus, dass die Worte der jungen Witwe angesichts ihres von Kugeln zerfetzten Mannes ernst gemeint waren, können sich die Baresen nicht länger in vermeintlicher Sicherheit wiegen. Am vergangenen Sonntag traf der Kollateralschaden die zwei Begleiter Fiores und einige Vetrinen umliegender Geschäfte. Doch sicherlich hätten die Täter alles andere ebenso in Kauf genommen.

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1 Mit “Mafia” ist hier allgemein das organisierte Verbrechen in mafiösen Strukturen gemeint. Das Wort “Mafia” als solches bezeichnet ursprünglich das organisierte Verbrechen auf Sizilien. Die personellen Strukturen, Vorgehens- und Verhaltensweisen dieser Organisationen unterscheiden sich je nach Region, aber im Großen und Ganzen ist ihnen gemein, dass ihre Mitglieder staatliche und wirtschaftliche Strukturen unterwandern und sich Raum für ihren eigenen “Staat im Staate” schaffen.
Die “Mafia” von Apulien heißt Sacra Corona Unita, doch mit der Einigkeit (Unita) dürfte es angesichts der internen Kämpfe nicht sehr weit her sein. Das Alleinstellungsmerkmal der Sacra Corona Unita unter den diversen mafiösen Organisationen Italiens ist ihre enge Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen Osteuropas.