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Sonntagvormittag in Monopoli

Sonntags um 10 – die Fischer haben ihre Kutter längst wieder im Hafen vertäut und den Fang verkauft.

Nachdem ich in 6 Jahren nicht ein einziges Mal in Monopoli war, fand ich mich in diesem Jahr gleich zweimal in der kleinen Hafenstadt bei Bari wieder. Zunächst im Frühling, als meine Mama uns besuchte und dann wieder im Herbst anlässlich einer weiteren Besucherin. Die hübsch restaurierte Altstadt bietet sich geradezu zu einem Vormittagsspaziergang an. Zahlreiche Bars haben noch im November die Stühle vor der Tür stehen und in windstillen Ecken möchte man fast meinen, es wäre noch Spätsommer.

Karl V. ließ dieses wehrhafte Kastell über einer Kirche aus dem 10. Jh. errichten. Auch messapische Mauerreste aus dem 5. Jh wurden mit eingeschlossen.

Vor dem Stadtschloss, einem Kastell aus dem 16. Jahrhundert, liegt malerisch der Hafen mit Fischkuttern und kleinen Fischerbooten. Anlässlich einer im Kastell stattfindenden Fotoausstellung wurden großformatige Fotos auf viele historische Gebäude Monopolis aufgebracht und geben den alten Mauern einen zusätzlichen Aufmerksamkeitswert. Eine schöne Idee!

Auch an idyllischen und blitzblanken Gassen mangelt es der Stadt nicht.

 

Monte Sannace – Mehr als nur ein Hügel

monte sannace

Blick über die untere Stadt

Bei unserem Besuch des Kastells von Gioia del Colle hatten wir uns fest vorgenommen, uns bald das zum Museum gehörige Ausgrabungsgebiet anzusehen, von dem die meisten Fundstücke in der ständigen Ausstellung im Schloss stammen. Der „Archäologische Park Monte Sannace“ liegt nämlich nur 5 Kilometer vor den Toren Gioias und damit auch nur ca. 20 Autominuten von Bari entfernt an der Schnellstraße in Richtung Taranto. Merkwürdigerweise mussten drei Jahre vergehen, bis wir uns am letzten Montag tatsächlich aufmachten, um mal wieder in Apuliens Historie einzutauchen.

Tief einzutauchen, wie die Funde aus dem Park uns bereits im Kastell gezeigt hatten, bis ins 10. Jahrhundert vor Christus nämlich. Der Großraum Bari war damals von den Peuketiern besiedelt, die fürderhin maßgeblich von den Griechen beeinflusst wurden, welche über ihren Anlaufpunkt Taranto wichtige Handelsbeziehungen nach Peuketien unterhielten. Neben dem heutigen Ruvo war Sannace Zentrum dieser Kultur.

Die Ausgrabungsstätte musste auch für technisches Gerät zugänglich gemacht werden. Steine für Mauern und Wege gab es genug.

Monte Sannace Überblick

Im Park vermitteln Infotafeln Wissenswertes zur Örtlichkeit und den Ausgrabungen

Die Peuketier hatten den Ort ihrer Siedlung strategisch klug gewählt: Vom fast 400 m über dem Meeresspiegel liegenden Gipfel des Hügels aus hat man eine kilometerweite Sicht ins Umland. Eine hochgelegene Ebene umgeben von schroffen, steilen Hängen bot gleichzeitig die Möglichkeit zur landwirtschaftlichen Versorgung und leichten Verteidigung. Ein Karsttal weist darauf hin, dass es dereinst auch einen kleinen Fluss gegeben haben muss, der wahrscheinlich sogar schiffbar war. Die Vegetation zeigt noch heute eine gesunde Vielfalt von Bäumen wie Eichen und Steineichen mit dichtem Unterwuchs, wo man gerade nicht gräbt und wachsen lässt. Bildtafeln machen an dieser Stelle die botanisch weniger bewanderten Besucher wie uns auf besondere Pflanzen und Bäume aufmerksam.

 

Dass es auf dem Monte Sannace schon einmal sehr lebendig zuging, wussten die apulischen Bauern, welche die verschüttete Siedlung als Ackerland nutzten, schon seit dem 17. Jahrhundert, weil sie beim Beackern des Bodens immer wieder zufällig über historische Funde stolperten. Erst 1929 begannen ernsthafte Grabungen, die schnell einige Gräber und Teile der Mauer um die untere Stadt zum Vorschein brachten.

Infotafel zur Neuorganisation der Straßen in der hellenistischen Zeit

In mehreren Wellen erfolgten daraufhin Grabungen. 1977 machte man das Gebiet den Besuchern zugänglich und ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgten Rekonstruktionsarbeiten, so dass man sich sowohl die untere als auch die obere Stadt wieder relativ gut vorstellen kann. Inzwischen weiß man, dass auf dem Monte Sannace schon seit dem Neolitikum gesiedelt wurde, die Blütezeit vermutlich von der Mitte des 3. bis zur 4. Jahrhundert vor Christus lag und sich die Städte bis in die hellenistischen Zeit im ersten Jahrhundert nach Christus hinein halten konnten. Unter den Römern verlor das Gebiet an Bedeutung, da es von deren südlichen Handelsruten der Via Appia und der Via Traiana abgeschnitten war. Eine kleine Kirche aus dem Mittelalter im Gebiet der oberen Stadt wurde schnell wieder aufgegeben, sodass der Ort der Bedeutungslosigkeit anheimfiel, welche in weiten Teilen des italienischen Südens bis ins 20. Jahrhundert andauerte.

Hier wurde gerade ein weiteres Grab außerhalb der Stadtmauern entdeckt

Gegen diese Bedeutungslosigkeit arbeiten die Archäologen heute wieder. Im Moment leider nur die Praktikanten der Uni von Bari, die gelegentlich in der oberen Stadt (Akropolis) graben. Am kleinen Parkplatz befindet sich ein Besucherzentrum, welches seine Bezeichnung nur deshalb verdient, weil ein netter Kustode einem das Tor öffnet, wenn man klingelt. Bei unserem Besuch am Sonntag zeigte dieser sich leicht zerknirscht und entschuldigte sich dafür, dass man die Eintrittskarte im Kastell von Gioia kaufen müsse, welches aber an diesem Tag zufällig geschlossen habe. Mal davon abgesehen, dass eine 5 km weit entfernter Ticketschalter bei zeitgleicher Anwesenheit eines Geländeaufsehers etwas eigenwillig erscheint, hatten wir Glück: Der freundliche Herr ließ uns für lau hinein, gab uns einen Lageplan und ein Basecap für Davide und wies uns grob die Richtung.

So stiefelten wir also über sonnenverbranntes Gras durch Jahrtausende alte Grundmauernreste, setzten uns zur Probe in steinerne Sarkophage, beobachteten Davide dabei, wie er euphorisch jede zweite Ameise begrüßte, die uns buchstäblich über den Weg rannte, und stellten wieder einmal fest, dass der Besuch einer solchen Stätte eigentlich die Anwesenheit eines kundigen Führers verlangte, der es schaffte, diesen Ort vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Die zugegeben recht zahlreichen Schau- und Informationstafeln gaben immerhin eine Idee vom großen Ganzen.

Gräber am Rande der oberen Stadt

Natürlich könnte man auch sagen, alte Mauern habe man schon besser in Pompeji gesehen. Doch leider hatten nicht alle antiken Stätten das zweifelhafte Glück in einer Katastrophe für die Nachwelt konserviert zu werden. Die apulischen Grabungsgebiete, zu denen auch Egnazia bei Fasano gehört, erfordern mehr Fantasie und vielleicht auch ungleich mehr Wissen um ihre Bedeutung. Trotzdem sind sie es Wert, gesehen zu werden. Wenn man ab und zu sieht, wie klein der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes angefangen hat und sich dann in seiner vergleichsweise riesigen Heimatstadt umsieht, dann muss man sich eingestehen, dass wir es wenigstens in Körpergröße und als Bauherren doch weit gebracht haben. Der Rest… naja…

Hinfahren! Ansehen!

Stadtmauer der unteren Stadt mit Treppe

Parco Archeologico di Monte Sannace, Strada Provinciale 61, Gioia del Colle – Turi km 4,5
geöffnet von Mittwoch bis Sonntag von 8:30 – 15 Uhr
Eintritt 2,50 Euro zu zahlen an der Kasse des Kastells von Gioia (Kastell + Park 4 Euro)
Info-Telefon: 080 348 3052 und 080 349 1780

Selbsternannter Prolet bringt Filmluft in seine Heimatprovinz

Conversano (siehe Foto oben) und Capurso sind an den meisten Tagen des Jahres eher verschlafene, kleine Orte in der Peripherie von Bari. Bisher änderte sich das in Conversano nur, wenn im August mit Feuerwerk und Reiterumzug das Fest zu Ehren des Stadtheiligen San Rocco gefeiert wird. Und Capurso erwacht sonst nur für das Fest zu Ehren der Madonna des Brunnens im September aus seinem Dornröschenschlaf. Doch in diesem Jahr steht man schon im Mai in Capurso, Conversano, sowie in der weiteren Umgebung leicht Kopf. Man erinnert sich an lustige Filmabende, diskutiert an den Straßenecken und so mancher Einwohner hat plötzlich Ambitionen, ein Star zu werden. Was ist passiert?

Capursos berühmtester Sohn ist zurück, um in Conversano Teile seiner neuen Komödie zu drehen: Luca Pasquale Medici alias Checco Zalone; Jahrgang 1977, aufgewachsen in Capurso, Gymasium in Conversano und Studium der Rechtswissenschaft in Bari (Wikipedia). Irgendwann treibt es ihn zum Jazz, wobei er Auftrittserfahrung gewinnt, und 2004 debütiert er schließlich als Komiker.

2006 wird sein zunächst hauptsächlich im Internet verbreiteter Song Siamo una squadra fortissimi zur inoffiziellen Hymne der Fußballweltmeisterschaft, aus der Italien bekanntlich als Sieger hervorgegangen ist. Dieses sommerleichte Lied mit seinem mit Fehlern gespickten Text lässt Checco Zalone, den selbsternannten „Proleten“ (in Barese: Cozzalone), in aller Munde sein.

cado dalle nubi Filmplakat

Filmplakat

2009 erscheint sein erster Film „Cado dalle nubi“ („Ich fall‘ aus allen Wolken“), der autobiografische Züge aufweist: Der Barsänger Checco aus Polignano a Mare reist in die Großstadt Mailand, um berühmt zu werden, und findet Unterschlupf bei seinem schwulen Cousin. Während er als Gitarrenlehrer arbeitet und versucht, bei einer Talentshow anzukommen, verliebt er sich in ein Mädchen, dessen Eltern alles andere als begeistert von dem „Terrone“ (beleidigende Bezeichnung für Süditaliener) sind. Der Film und auch der dazugehörige Soundtrack mit Songs von Zalone werden ein Erfolg. Zwei weitere Filme und zahlreiche Alben folgen und nun also wird der vierte Film gedreht, in dem mindestens eine Szene auch im Schloss von Conversano spielen soll.

Zum Vorsprechen am 25. Mai kamen laut Gazetta del Mezzogiorno 200 hoffnungsvolle Vielleichtkomparsen zum Casting nach Conversano. Zum zweiten Termin am Folgetag waren es sicher nicht weniger. Nun fragt sich jeder, worum es in dem neuen Film wohl gehen soll. Darüber hat Zalone unlängst mit der Zeitung „Repubblica“ gesprochen: Checco verliert seinen festen Arbeitsplatz in einem Büro nur ein paar Schritte von seiner Wohnung entfernt und wird zur Mobilität gezwungen. Sein neues Leben führt ihn dabei aus dem beschaulichen Apulien über Lampedusa und Sardinien bis nach Norwegen und zum Nordpol.

Schloss Conversano

Das Schloss von Conversano

Die Provinz Bari und natürlich besonders der Heimatort Zalones sind sehr stolz auf ihren berühmten Sohn und Kassenmagneten des italienischen Films. Allerdings ist dieser Filmdreh nicht der erste in Conversano. Schon „Casanova 70“ (1965) mit Marcello Mastroianni brachte dem Ort etwas Aufmerksamkeit. Doch von Zalones Film erhofft man sich nun auch konkrete Auswirkungen auf den Tourismus, da der Ort dieses Mal nicht nur abstrakte Kulisse, sondern auch Handlungsträger werden soll. Warum nicht? Apulien hat so viele versteckte, kleine Schätze, die es sich zu entdecken lohnt. Da nimmt sich Conversano nicht aus.

Vom Reiz der Leere – Das Stauferkastell in Trani

Trani - Kathedrale und Stauferkastell

Trani – Kathedrale und Stauferkastell

Wenn der Besucher in die apulische Hafenstadt Trani kommt, dann sollte er natürlich nicht nur die bereits beschriebene Kathedrale besichtigen, sondern sich auch in das gut erhaltene und seit 1998 vollständig restaurierte Kastell begeben. Davon, dass es im 19. Jahrhundert als Provinz-Gefängnis diente, ist nichts mehr zu sehen. Tatsächlich erinnert an die Moderne nur ein Uhrenturm, der sich jedoch unaufdingtlich in das Gesamtbild einfügt.

IMGP0145Da in dem Gebäude kaum etwas anderes herumsteht, als mit einem Fotoapparat bewaffnete Touristen, kann man das Gebotene mit etwas Fantasie beliebig ausfüllen. Man kann sich zum Beispiel vorzustellen versuchen, wie die Ritter und Damen des Mittelalters durch die hohen Hallen gewandelt sind und im Winter so Nahe am Wasser vermutlich oft gefroren haben und klamm waren.

IMGP0143Vielleicht versucht ihr euch auch, eine mittelalterliche Hochzeit vorzustellen, wie die von Manfred, Sohn aus der Verbindung des in Apulien allgegenwärtigen Stauferkaisers Friedrich II. und dessen langjähriger Geliebten Bianca Lancia, mit Elena Ducas, die hier stattgefunden hat. Leider ist auch dieser Verteidigungsbau des berühmten Staufers gänzlich ohne Einrichtungsgegenstände, so dass es vielleicht doch gar nicht so leicht fällt, sich etwas in den sandsteinweißen Räumen aus dem 13. Jahrhundert vorzustellen. Probiert es einfach mal aus und seht selbst (5 Euro, ermäßigt 3)!

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weitere Kastelle in Apulien

Castel del Monte

Castello Svevo di Bari

Stauferkastell in Gioia del Colle

Stauferkastell in Mola di Bari

Aragonisches Kastell in Lecce

Abtauchen in die Vergangenheit – Castello Svevo di Bari

castello svevo di BariVor ein paar Wochen ist mir aufgefallen, dass ich zwar schon über Bari und seine Altstadt, aber noch gar nichts über die Burg der Staufer, das Castello Svevo, von Bari geschrieben habe. Das liegt nicht etwa daran, dass ich dort noch nie hineingegangen wäre – im Gegenteil ich führe natürlich jeden Besucher, der Lust auf Geschichte hat, dorthin – dennoch ist es im Gegensatz zum Castel del Monte nicht so spektakulär, dass man es unbedingt von Innen gesehen haben muss. Weiterlesen

Nackte Geschichte – Castel del Monte

IMG_20130607_194210Etwa eine Autostunde nordwestlich von Bari entfernt in der Nähe von Andria, reckt sich von einem bewaldeten Hügel aus eine mysteriöse Burg in den apulischen Himmel. Sie ist weithin zu sehen und trägt den so einfachen wie klingenden Namen “Castel del Monte” (Schloss des Hügels). Das Mysteriöse bezieht das Kastell aus seiner einzigartigen Bauweise mit einer achteckigen Grundfläche, mit jeweils einem IMG_20130607_202357achteckigen Turm an jeder Ecke und einem ebenso achteckigen Innenhof, in dem sich auch ein achteckiger Brunnen befunden haben soll, der heute nicht mehr vorhanden ist. Von Weitem sieht es wie ein kompakter, drohender Betonklotz aus. Erst wenn man näher kommt, erkennt man, dass der Sandstein, aus dem es gebaut wurde, eigentlich weiß bis rötlich ist und das Kastell die Form einer massiven Krone besitzt.

IMG_20130607_221714Noch bevor man mit dem Auto auf die Straße, die direkt zu einem kleinen Parkplatz vor der Burg führt, einbiegen kann, weist jedoch ein freundlicher Mitarbeiter des Tourismusbetriebs darauf hin, dass man sich auf einen etwas weiter entfernten, großen Parkplatz begeben solle, um von dort mit einem Busshuttle die letzten Meter den Berg hinaufzufahren. Das Shuttle ist in der Parkgebühr mit inbegriffen, aber man kann natürlich trotzdem laufen, was sich zumindest für eine Strecke anbietet. Nur so hat man die Möglichkeit, ein wenig Pinienduft zu schuppern und sich die Füße zu vertreten. Nicht zufällig befinden sich auf dem Parkplatzareal auch diverse Bars, deren verführerischer Kaffeeduft bereits ab neun Uhr über den Platz zieht.

IMG_20130607_202638Da das Kastell im 17. und 18. Jahrhundert als Rückzugsort für Hirten und Wegelagerer diente und alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggetragen wurde, tritt es dem Betrachter heute praktisch nackt gegenüber. Daher dauert die Besichtigung auch IMG_20130607_194011nicht viel länger als eine Stunde, wobei man schon gemächlich durch alle Räume schreiten und sich alle Ausstellungstafeln über die Geschichte durchlesen muss. Doch auch Nacktheit hat seinen Preis. So wird bei Betreten der Räumlichkeiten noch einmal kassiert (fünf; ermäßigt drei Euro).

IMG_20130608_105314Der Stauferkaiser Friedrich II., dessen immense Bedeutung für Apulien an anderer Stelle in diesem Blog noch einmal gehörig gewürdigt werden muss, ordnete Mitte des 13. Jahrhunderts die Erbauung dieses Gebäudes mit seinem außergewöhnlichen Design an. Nicht auf Verteidigung angelegt seiend ist es mit schmalen Lüftungsschächten statt Schießscharten ausgestattet. Das einstige Prunktor IMG_20130607_194054war nur mit einem Fallgitter statt mit einem Torgraben und einer schützenden Zugbrücke versehen. Dafür gibt es sanitäre Anlagen, die – man könnte es fast modern nennen – von der Dachzisterne aus mit fließendem Wasser gespeist wurden, und große Kamine in Räumen, deren Fensternischen mit Steinbänken versehen sind, von denen man einen herlichen Blick über das Umland bis zum Meer genießen kann.

Trotzdem sind sich die Forscher nicht einig darüber, welchem Zweck das Gebäude gedient haben soll. Für ein Repräsentationsgebäude wäre es demnach auf seinem Hügel viel zu weit ab vom Schuss gewesen. Der Ausbau der Stadt Foggia zum Regierungssitz ließe auch diese mögliche Funktion eher zweifelhaft erscheinen. Die Verwendung des Oktagon und anderer mathematischer Spielerein, sowie die dadurch entstehende Form einer Krone weisen allerdings auf eine symbolhafte Funktion hin. Wer sich im Detail dafür interessiert, sollte die zahlreiche Spezialliteratur dazu wälzen (eine Auswahl weiter unten). In meinem Lieblingsapulienführer von Ekkehart Rotter erfährt man beispielsweise, dass man sogar mit Toren, die nach Osten statt nach Westen weisen, den damaligen Papst ärgern konnte, was Friedrich gern getan hat, da er mit Päpsten wegen seiner pro-orientalischen Haltung und seiner wissenschaftlichen Forschung, die auf Naturbeobachtungen statt auf dem Bibelstudium basierte, auf Kriegesfuß stand und für seine wenig katholische Lebensweise auch mehrere Male exkommuniziert wurde.

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Man weiß nicht, ob Friedrich II. sein Bauwerk jemals genießen konnte. Sicher ist jedoch, dass die Anjou, welche die Stauffer nach Friedrichs Tod in Apulien besiegten und das Land an sich rissen, Castel del Monte gehässiger Weise bis ans Ende des 13. Jahrhunderts als Verlies für Friedrichs Nachkommen und deren Getreue benutzten. Danach wurde es zum Prachtbau für festliche Anlässe umfunktioniert und sah mehrere Hochzeiten in der Anjou-Familie. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte man das „Castel del Monte“ gerade noch vor dem Verfall bewahren. Heute hingegen steht es auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO und versetzt jährlich zahlreiche Touristen mit seiner Imponenz und die Wissenschaftler mit den Details seiner Bauweise in Verzückung.

Ich persönlich finde, dass das Castel del Monte darüber hinaus auch ein schöner Anlaufpunkt für ein Picknick ist, welches man vor oder nach einem Besuch in der ferneren Umgebung mit Blick auf die Burg genießen kann. Dazu passt dann hervorragend ein leichter Rosewein mit dem Namen des Kastells, der hier in der Gegend produziert wird. Prost Historie!

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Castel del Monte – Das Wichtigste in Kürze (stand 1.6.2013):

Wie hin?

Entweder über die A 14 (von Bari bis Abfahrt Andria 3,40 Euro; freie Bahn) oder die SS 170 (stark befahren, daher auch nur für nervenstarke Fahrer geeignet) von Bari nach Andria und dann der guten Ausschilderung folgen.

Wann offen?

April – September: 10:45 Uhr – 19:45 Uhr (letzter Einlass 19:15 Uhr)

Oktober – März: 9:00 Uhr – 18:30 Uhr (letzter Einlass 18:00 Uhr)

Kosten?

Parken: 5,00 Euro pro Fahrzeug für Parkplatz und Shuttlebus

Eintritt: pro Person 10 Euro (genaue Angaben siehe Internetseite hier)

Weiterlesen?

Leo Bruns – Hohenstaufenschlösser. Königstein i. Ts., 1942
Hanno Hahn, Albert Renger-Patzsch – Hohenstaufenburgen in Süditalien. Ingelheim, 1961.
Walter Hotz – Pfalzen und Burgen der Stauferzeit. Darmstadt, 1981
Stefania Mola – Castel del Monte. Bari, 1992.
Stefania Mola – Castel del Monte. Bari, 2011.
Stefania Mola – Führung durch das friederizianische Apulien. Bari, 1994.
Stefania Mola – Apulien – Die Schlösser. Bari, 2007.
Lorenzo Capone – Puglia – Castelli e Torri. Lecce, 2006.
Wulf Schirmer – Castel del Monte. Mainz, 2000.
Pietro Petrarolo – Castel del Monte. Andria, 1981.
Clemente Manenti, Markus Bollen – Burgen in Italien. Köln, 2000.
Raffaele De Vita – Castelli, torri ed opere fortificate di Puglia. Bari, 2001 (4. Auflage).
Birgit Wagner – Die Bauten des Stauferkaisers Friedrichs II. – Monumente des Heiligen Römischen Reiches. Berlin, 2005.

http://www.stauferwissen.eu

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