Schlagwort-Archive: Sprachlehrerin

Mein Apulien macht Geschichte (und Geographie)

Gottes Wege sind untergründig – das weiß man nicht nur als guter Christ, der ich nicht bin, sondern man lernt es hauptsächlich, wenn man eine entsprechende Zeit leben darf. Seit ich in Apulien lebe, habe ich mich beruflich zu einer recht ordentlichen Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache entwickelt. Nach meinem Abitur hätte ich das nicht für möglich gehalten, denn sämtliches Lehrpersonal, das ich bis dahin kannte, hatte vom Lehrerberuf dringend abgeraten; weshalb ich denn auch eine brotlose Kunst studierte, die mich jedoch bestens aufs Leben vorbereitet hat, indem sie mir zeigte, dass ich einfach alles kann (auch VWL, Kriminologie und Spätantike).

Trotzdem oder gerade deswegen habe ich Anfang dieses Jahres beschlossen, dass ein regelmäßigeres Einkommen her muss, welches ich mit einem neuerlichen Jobwechsel zu erreichen beabsichtigte. Als freiberufliche Lehrerin hat man mehr Gerenne als Unterricht und manchmal komme ich mir wie Laura aus „Unsere kleine Farm“ vor, die irgendwann ihre Rattenschwänze zum Dutt hochband und von da an eine qualifizierte Lehrerin war. Es sollte also ein Job in der Wirtschaft her; möglichst einer in dem ich Deutsch und Englisch sprechen und acht Stunden hintereinander mehr oder weniger an dem selben Ort arbeiten konnte.

Diesem Entschluss folgten zahlreiche Stunden auf Jobbörsen im Internet, etwa eine Bewerbung pro Woche mit nur einer Absage nach 5 Minuten, sonst keine Reaktion. Frustration. Selbstmotivation. Enttäuschung. Hoffnung. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich schreibe diese Zeilen, welche in die Kategorie „Erkenntnisse“ fallen, von der ich im letzten Blogbeitrag sprach, in einer Zeit, die ich eigentlich dazu nutzen sollte, mich auf Alexander den Großen, Trajan, den Bauernaufstand, das Dritte Reich, Indien, China, Demokratie oder deutsche Bundesländer vorzubereiten, denn über eingangs genannte Wege und gewissenhaftes Arbeiten in vergangenen Jobverhältnissen bin ich in einem italienischen Gymnasium gelandet, in dem ich aushilfsweise fünf Klassenstufen auf Deutsch in Geschichte und Geographie unterrichte und noch bis zum Schuljahresende unterrichten werde. Für meine persönliche Bildung ist dieser Job ein Hauptgewinn, arbeitspensumsmäßig ein Alptraum, finanziell ein Schmankerl und in meinem apulischen Leben scheinbar nur folgerichtig, denn Apulien ist immer für eine Überraschung gut. Ich geh‘ mir dann mal einen Dutt machen.

 

Neues von der Maestra

Treue Leser meines Blogs kennen ja meinen Plan, die Lehrlandschaft von Bari komplett zu unterwandern. In der letzten Woche habe ich wieder einen Schritt in diese Richtung getan und in einer vierten privaten Sprachschule angefangen, individuelle Kurse zu geben. Dabei spielt mir die Krise weiterhin zu, denn zwei Drittel aller Privatschüler lernen unsere schöne, aber doch einigermaßen schwere Sprache nur, um ihrem Heimatland in absehbarer Zukunft den Rücken kehren zu können.

Außerdem habe ich in letzter Zeit gelernt, wie man eine Ausschreibung für Projekte in einer öffentlichen Schule gewinnt. Das ist ganz leicht, wenn die Rahmenbedingungen vorher so gesetzt werden, dass nur ein bestimmter Personenkreis, wenn nicht gar nur eine bestimmte Person, diese erfüllen kann, denn natürlich möchte man an einer öffentlichen Schule nur die qualifiziertesten Lehrenden einstellen – am besten solche, die einem vorher empfohlen wurden.

IMG_7095

So dehnte ich meinen Wirkungskreis auf das Umland aus und aus der Maestra wurde ganz schnell eine Doctoressa oder, wenn sich die neuen Kollegen in der Titelfrage nicht sicher sind, auch gern mal eine Professoressa. Um die Wichtigkeit des Lehrpersonals und der Anwesenheit der Schüler zu unterstreichen gibt es ein hochwichtiges Klassenbuch, in dem die Eleven zu Beginn des Unterrichts und auch an dessen Ende ihre Anwesenheit mit ihrer Unterschrift quittieren müssen. In diesem Klassenbuch sind alle Seiten handschriftlich numeriert und mit einem Schulstempel versehen. Allerdings ist eindeutig zu wenig Platz vorgesehen, um all die schönen Sachen einzuschreiben, die man in dreistündigen Unterrichtblocks behandeln kann.

Dabei ist es erstaunlich, wie motiviert die Deutschlernenden auch in einer öffentlichen Schule sind und wie gut man mit ihnen arbeiten kann. Ich wurde dahingehend ganz umsonst auf Schlimmes vorbereitet. Kurz gesagt: wieder einmal eine tolle Erfahrung. Diese wiegt auch die Angst auf, nicht rechtzeitig aus dem riesigen Schullabyrinth herauszufinden, bevor mein Zug zurück nach Bari fährt.

***

ps: Welche Freude! Am 2.7. erhielt ich die folgende Email von einer der acht Schülerinnen, die ich auf die Sprachprüfungen der Mittelstufe vorbereiten sollte.

Hallo Corinna, ich bin A. Ich will dir sagen, dass wir alle die Prüfung 
überwinden haben. Vielen Dank für deine Hilfe!!!
Tschüss :D

Missione Possibile

Unlängst habe ich einen weiteren Schritt bei der Umsetzung meines geheimen Planes, die Lehrlandschaft von Bari komplett zu unterwandern, getan: Mit der Referenz der einen Schule habe ich mich bei einer weiteren privaten Sprachschule beworben und durfte gleich am Tag nach dem Vorstellungsgespräch loslegen. Wenn ich dereinst bei allen Schulen angenommen sein werde, dann landen die Deutschlernwilligen automatisch bei mir – egal für welche Schule sie sich entscheiden. Buhahahaha…