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Papa sagt „treno“ oder Keine Angst vor Zweisprachigkeit

„Ich finde es fantastisch, wie du das mit deinem Sohn handhabst“, machte mir unlängst eine Arbeitskollegin angesichts der Tatsache, dass Davide, je nach dem ob er sich an mich oder an jemand anderen wendet, problemlos zwischen Deutsch und Italienisch hin- und herwechseln kann, ein Kompliment.  Ich nahm es nicht mit dem erwarteten Stolz an, denn für mich war es keine große Leistung, sondern einfach normal. Daher entspann sich eine längere Unterhaltung. Während dieser erzählte mir besagte Arbeitskollegin, die vor 20 Jahren aus Kanada nach Apulien gekommen war, dass sie damals zwar gern mit ihren Kindern Englisch gesprochen hätte, sie jedoch eine Scheu davon abgehalten habe, unangenehm aufzufallen.

Aus diesem Grund möchte ich in diesem Blogbeitrag eine Lanze dafür brechen, sich wie bei so vielen Dingen im Leben auch bei der Zweisprachigkeit nicht danach zu richten, was anderen denken mögen, sondern einfach dem eigenen Bauchgefühl zu folgen. Nichts anderes habe ich nämlich getan. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, mit meinem Kind Italienisch zu sprechen. Ich denke, schon von dem Moment an, als ich wusste, dass ein kleines Wesen in meinem Bauch heranwächst, ganz sicher aber ab dem Moment, an dem ich Davide zum ersten Mal an mein Herz drückte, konnte ich meine tiefinnersten Gefühle und Gedanken nur in meine Muttersprache fassen, sowohl gesprochen als auch gedacht. Das lag natürlich bloß zum Teil an mangelnden Italienischkenntnissen.

Mutter und Sprache

Als Muttersprache bezeichnet man normalerweise, die in der frühen Kindheit ohne formalen Unterricht erlernte Sprache. Obwohl diese Definition problematisch ist, sagen wir dennoch nicht umsonst Muttersprache. Vom ersten Atemzug an, nehmen wir ihren Klang in uns auf. In ihr herzen und liebkosen uns unsere Mütter. Sie trösten uns darin, singen uns in den Schlaf, erzählen uns Geschichten und – ja, klar – schimpfen uns auch mal aus. Alle unseren Emotionen werden von unserer Muttersprache mitgetragen.

Der Duden sagt, der aktive Wortschatz eines Deutschen betrage 12 000 bis 16 000 Wörter. Selbst wenn 3500 davon Fremdwörter sein sollten, wird derjenige, der viel liest und selbst Texte verfasst, über diesem Durchschnitt liegen. In der Bandbreite der Ausdrucksfähigkeit dürfte die Muttersprache einer Person, die wie ich den größten und vor allem den prägendsten Teil ihres Lebens im Land der Muttersprache verbracht hat, immer weit vor der Ausdrucksfähigkeit in einer Fremdsprache rangieren.

Aber unsere Welt wandelt sich und immer mehr Kinder wachsen in Familien auf, in denen die Eltern verschiedene Muttersprachen sprechen.

Erstsprache

Gerade jetzt, wo Väter immer stärker an der Erziehung der Kinder teilhaben, gestalten sie natürlich auch den Sprachschatz ihrer Kinder mit. Außerdem verbringen viele Menschen einen großen Teil ihres Lebens nicht mehr nur in einem Land, sondern werden schon in jüngeren Jahren durch Migration in einem Land mit einer anderen Sprache heimisch, welche sie möglicherweise irgendwann besser sprechen als die zuerst erlernte Sprache. Daher redet man in Fachkreisen lieber von der Erstsprache statt von einer Muttersprache, wenn man die von einer Person überwiegend genutzte Sprache meint.

Wenn nun ein Kind wie Davide mit zwei Sprachen gleichzeitig aufwächst, dann hat es zwei Erstsprachen oder – für uns Laien – zwei Muttersprachen.

Integration vs. kulturelle Identität

Was meine Arbeitskollegin bis heute bereut, ist tatsächlich, ihren Kinder nicht die Möglichkeit gegeben zu haben, mühelos und gleichzeitig zwei Sprache zu erwerben, wie auch immer man sie jetzt bezeichnen möchte. Statt dessen wollte sie selbst nicht als Fremde auffallen und dachte auch, es wäre gut, wenn ihre Kinder nicht wie sie selbst zwischen den Kulturen stünden. Wenn sie allerdings heute mit ihnen Englisch spricht, merkt sie, dass ihre inzwischen erwachsenen Kinder die Sprache zwar auf einem sehr guten Niveau, aber nicht so nouanciert wie Italienisch verwenden können. Leider hatte man im Apulien der ausgehenden 90er Jahre kein Verständnis dafür, dass sich jemand in einer Sprache äußert, welche die Umgebung nicht versteht. Selbst die Familie ihres Mannes hat sie nicht darin bestärkt, mit ihren Kindern Englisch zu sprechen. Aber halt! Jetzt nicht auf die Apulier schimpfen, sondern daran denken, dass einem selbst manchmal unwohl wird, wenn die Menschen direkt neben einem in einer „Geheimsprache“ reden. Ich denke da beispielsweise an Arabisch.

Wie ich eingangs schon sagte, habe ich mir darüber wenig Gedanken gemacht, wie viele Vorteile Davide von zwei Muttersprachen haben könnte. Ich sah eigentlich eher meinen eigenen Vorteil (die Bequemlichkeit) und die Notwendigkeit beruhend auf der Tatsache, dass seine gesamte deutsche Verwandtschaft kein Italienisch spricht. Doch, wenn man schon gemeinhin sagt, dass das Erlernen von Fremdsprachen gut für das Gehirn ist, muss eine zweite Muttersprache mindestens genauso gut wenn nicht besser sein. Ganz davon zu schweigen, wie wertvoll gute Sprachkenntnisse in der heutigen Arbeitswelt sein können.

Davides sprachliche Entwicklung

Es war also von Anfang an klar, dass Davide mit zwei Sprachen gleichzeitig aufwachsen wird. Wie war das nun konkret? Ich versuche es aus meinen Erinnerungen und Aufzeichnungen zu rekonstruieren. (An dieser Stelle noch einmal: Danke, Michy, für das „Mama-Tagebuch“Ein Geschenk von unschätzbarem Wert für jede Mutter.)

Davides erste Weihnachtskarte entworfen von seiner Cousine Gaia

Davide ist im Juli 2015 geboren. In Italien gibt es nur vier Monate Mütterzeit. Ich ging also drei Monate nach seiner Geburt bereits wieder arbeiten. Die Vormittagsbetreuung übernahm Davides Oma, die Nachmittagsbetreuung überwiegend sein Vater. Im ersten Jahr sprach er nur einzelne Wörter, aber ab etwa einem halben Jahr, machte es ihm sichtlich Spaß, sich an immer den selben Lauten zu erfreuen, die er verschiedenen Tonhöhen und auf verschiedene Weise aussprach. Von seinen Cousinen bekam er in dieser Zeit den Spitznamen „Mr. Dada“. Gestikulieren und „dada“  sagen bewirkte bis zum Sommer 2016 alles, was er wollte.

Seine Umgebung sprach einfach Italienisch mit ihm. Ich hingegen sprach Deutsch und sang ihm deutsche Kinderlieder vor. Wenn zwei gleichzeitig zu lernende Muttersprachen einen guten Einfluss auf das Gehirn haben, dann sah man das im ersten Jahr nicht. Außer vielleicht, dass er schnell begriff, dass das Herumtragen im Baby Carrier bequemer war, als selbst zu laufen.

Das konnte ich schon als Kind auswendig aufsagen: Roland Neumnn und Klaus-Dieter Pavel: Kleine Maus, Kinderbuchverlag Berlin (DDR), 5. Auflage 1982, S. 9

Ich kramte nach Weihnachten alte Kinderliederschallplatten und CDs mit deutschen Kinderliedern hervor. Der unvergessene Reinhard Lakomy und seine fantasie- sowie musikalisch und sprachlich anspruchsvollen Geschichtenlieder (Bsp. hier) wurden zum Abendprogramm. Sie werden auch heute noch gerne gehört. Meine alten Bilderbücher kamen (und kommen) ebenfalls zum Einsatz. Glücklicherweise fand sich Vieles auf dem Dachboden meiner Eltern wieder.

 

Das zweite Jahr

Sommer 2016 in der Henzendorfer Heide – So viel Natur!

Während und nach unserem Deutschlandurlaub im Sommer 2016 bemerkten wir, wie er immer häufiger Dinge um sich herum benannte, sowie in Zwei-Wort-Sätzen zu sprechen begann: „Gugga, Mama!“ (Guck mal, Mama!) Manchmal bezeichnete er Personen und Dinge mit zweisilbigen Worten, die nicht unbedingt einer richtigen Sprache angehörten: Oma/ Opa waren beispielsweise „ebba“ oder ein Zug – dindi (nach dem Geräusch des Alarms heruntergehender Schranken). Allerdings verstand er in beiden Sprachen alles, was man ihm sagte. Das wurde  deutlich, wenn wir ihn ein Spielzeug holen schickten oder beim Bücheranschauen Bilder zeigen ließen.

Denkwürdig auch sein erster deutsch-italienischer Drei-Wort-Satz vom März 2017: „Ada mia-mia alle.“ (Mein Wasser ist alle.)  Mit Vorliebe wiederholte er jetzt Worte, die er von uns hörte und es machte ihm Spaß sie zu verdoppeln. Statt einfach nur „mehr“ zu sagen, sagte er „mehr-mehr“. Vor der Haustür der italienischen Oma wurde mit Baumaschinen gearbeitet. Daher stand dort ein „Ninna, Backa-Backa.“ (Der Backer von oder bei Oma, it. „nonna“) Wir bemerkten auch deutlich, dass er viel nachzusprechen versuchte. Im Mai 2017 wurde „Beerbeer“ (Erdbeere) sein Lieblingsessen. Und dann ging es immer schneller. Täglich kamen mehrere neue Wörter hinzu, sodass ich nicht mehr alle aufschrieb; hauptsächlich handelte es sich um Wörter für Fahrzeuge, Baumaschinen und Tiere aus seinen Büchern – mit Papa auf Italienisch, mit Mama auf Deutsch. Kein Problem.

Das dritte Jahr

Auch nicht gerade typische italienisch.

Wieder war es der Sommerurlaub in Deutschland, der einen erneuten Schub beim Sprechen auslöste; so viel Input an Tieren, Pflanzen und Fahrzeugen auf dem Hügelland von Brandenburg! Außerdem fing er an, Teile von Kinderliedern zu singen, z.B. „Backe, backe Kuchen“. Wir waren inzwischen auf diesem YouTube-Kinderlieder-Chanel heimisch und ich wieder sattelfest im Kinderliederbereich geworden. Wir bemerkten auch seine Versuche, selbstständiger zu werden; „Mama, ‚leine!“ hörte ich immer, wenn er auf dem Fußweg nicht mehr meine Hand anfassen wollte.

 

Ende November 2017 rückte Davide auf der Warteliste nach und bekam einen Krippenplatz. Der Eintritt in die Welt anderer Kinder bewirkte wieder eine deutliche Verbesserung beim Sprechen; im Sinne dessen, dass er mehr und artikulierter sprach. „11.11.17: Heute früh mit D. Lego gebaut als er begann, Teile von ‚Zilli, Billi und Willi‘ aufzusagen. Haben dann zusammen zweimal die ganze Geschichte gesprochen. Ein zu süßer Moment, richtig bewegend.“ An diesem Tag wurde mir deutlich bewusst, dass alles, was man mit Kindern unternimmt, ein Echo hinterlässt. Es hallt vielleicht nicht gleich nach, aber irgendwann auf jeden Fall.

Bestoßen, geknickt und teilweise bekrakelt, aber trotzdem geliebt – (nach) Elisabeth Shaw: Zilli, Billi und Willi, Der Kinderbuchverlag Berlin (DDR), 5. Auflage

Im Dezember 2017 war sein längstes, deutsches Wort „Kartoffelchips“, sein längstes italienisches „triangolongo“ (eigentlich triangolo; Dreieck), sein lustigstes „Palonde“ (pantoffole). Begriffe, die er vorher komplett richtig aussprach, veränderten sich plötzlich wieder. Der „Luftballon“ wurde aus einem nicht nachzuvollziehbaren Grund zu „panko“. Im Verlauf der ersten Hälfte des Jahres 2018 wurde deutlich, dass er lieber Italienisch als Deutsch sprach.  Wir machten uns zur Regel, dass er Trickfilme nur noch auf Deutsch mit uns schaute, um den Kontakt mit der deutschen Sprache zu erhöhen. Ich redete weiter nur auf Deutsch mit ihm.  Dennoch antwortete mir Davide meistens auf Italienisch. Die Vormittage im Kindergarten und die Nachmittage zu Hause mit Papa ließen den italienischen Einfluss überwiegen. Aber Davide verstand mich. Also kein Grund zur Panik.

Das aktuelle, vierte Jahr

Drei Wochen im August 2018 in Deutschland und wieder war alles anders. Davide sprach in der ersten Woche etwas weniger. Ab der zweiten Woche plapperte er genauso gut auf Deutsch wie vorher auf Italienisch. 

Das Wort Blindschleiche kennt Davide in Ermangelung von Schleichen in Triggiano nur auf Deutsch.

Jetzt im Januar 2019 ist unser Sohn drei Jahre und 6 Monate alt. Er spricht in beiden Sprachen in vollständigen Sätzen und macht automatisch so komplizierte Dinge richtig, wie in Nebensätzen das konjugierte Verb ans Ende zu stellen. Er unterscheidet genau, mit wem er in welcher Sprache sprechen muss.  Er weiß nicht mehr alle Wörter in beiden Sprachen, aber Sätze wie „Papa sagt treno und Mama sagt Zug.“, sind bei uns ganz normal. Es gibt eine italienische und eine deutsche Sprachwelt, die sich aber größtenteils noch überschneiden. Das hängt damit zusammen, dass er mit mir manchmal andere Dinge als mit seinem Papa oder im Kindergarten macht. Ich glaube jedoch, Davide ist es nicht einmal bewusst, dass er sich in zwei Sprachsystemen bewegt. Gestern hat ihn eine Erzieherin im Kindergarten gefragt, was denn Buon giorno! (Guten Tag!) auf Deutsch bedeute. Da hat er sie verständnislos angesehen.

Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich in seinen italienischen Sätzen typische grammatische Fehler erkenne, die auch bei Deutschen auftreten, die Italienisch als Fremdsprache lernen. Zum Beispiel konstruiert er italienische Sätze im Perfekt mit der deutschen Verbstellung (konjugiertes Verb an zweiter Stelle, Partizip der Vergangenheit an der letzten): „Io ho con Michele giocato.“ (Im Italienischen müsste man sagen: „Ich habe gespielt mit Michele.“) Oder er nimmt deutsche Verben und konstruiert ein italienisches Partizip: „Papa, ho nel pantalone pullato“. (Papa, ich habe in die Hose gepullert. )

Im Deutschen fallen mir nur Fehler auf, die vermutlich auch Kinder in Deutschland machen. Er kennt die Konjugation vieler unregelmäßiger Verben und deren Partizipien noch nicht: „Papa esst eine Banane.“ oder „Ich habe Schokolade geesst.“ Er macht auch Fehler mit Personalpronomen im Dativ und Akkusativ; „mir/mich“ und „dir/dich“. Aber das wird schon. Da bin ich sicher.

Ich werde einfach weiterhin:

  • mit ihm Deutsch sprechen und singen,
  • Kinderprogramme auf Deutsch schauen (z.B. über you.tv),
  • Bücher auf Deutsch lesen,
  • Gute-Nacht-Geschichten auf Deutsch erzählen,
  • regelmäßig nach Deutschland fahren
  • und nicht zuletzt mit den deutschen Großeltern skypen.
  • Auch Webradios machen es inzwischen einfach, sich die deutsche Sprache ganz nebenbei ins Haus zu holen,
  • und deutschsprechender Besuch ist bei uns gleich doppelt willkommen.

So bleibt Deutsch weiterhin Teil unseres Alltags, denn mir ist natürlich klar, dass alles bisher Gelernte auch ganz schnell wieder vergessen werden kann, und wir dranbleiben müssen, damit der Gebrauch der deutschen Sprache als selbstverständlich empfunden wird. Auch um die Verschriftlichung werde ich mich irgendwann kümmern müssen. Aber noch nicht heute. Also pazienza  oder wie der Deutsche sagt: Kommt Zeit, kommt Rat.

Bücher mit Katzen sind bei Davide gerade sehr in Mode. Hier Britta Teckentrups Buch vom mürrischen Kater Mombert, der entgegen allen Widerständen doch von einem Freund gefunden wird.

Das „Katzenalphabet“ bietet auch auf Deutsch genug Gesprächsstoff.

Bisher hat mich nur einmal jemand pikiert gefragt, warum ich mit dem Kind denn nicht Italienisch spreche. Aus der Verwandtschaft, von Freunden und den Kindergärtnerinnen habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen. Tatsächlich sehen es die meisten Leute hier als großes Glück, dass Davide auch Deutsch sprechen kann. Seit der Zeit, in der die Kinder meiner Arbeitskollegin aufgewachsen sind, hat sich also in Apulien und im Verständnis der Apulier viel verändert. Ich, die ich mich mit dem Italienischen herumschlage, gehe sogar so weit zu sagen, dass es ein Glück ist, dass er zwei so unterschiedliche und komplizierte Sprachen so unkompliziert erlernen kann.

Also keine Angst vor Zweisprachigkeit! Einfach machen.

5 Expertentipps zum Überleben bei Sommerhitze

Wie hält man es nur wochenlang bei über 30 Grad Grad aus, ohne physische und psychische Schäden davonzutragen? Gute Frage. Besonders im apulischen Sommer, in dem die Temperaturen durch den warmen Wüstenwind Scirocco, der gelegentlich aus Afrika zu uns herüber weht, gern auch mal deutlich die 40 Grad-Marke knacken.

Ich habe eine gefragt, die es wissen muss – nämlich unsere Findelkatze Gina. Sie hat sich sofort erboten, uns in die Geheimnisse ihres stets vergnüglichen Lebens bei beliebig hohen Temperaturen einzuweihen. Daher möchte ich die Chance nutzen, heute ihr erprobtes Überlebensprogramm für Jung und Alt mit den geneigten Lesern dieses Blogs zu teilen. (Zur Nachahmung für Menschen teilweise empfohlen.)

1. Ein wenig Yoga am Morgen 

tägliches Joga

Yoga für Katzen

Den Sonnengruß kann man auch im Liegen durchführen. Gut für alle, die mit dem Gleichgewicht noch Probleme haben.

2. Ganz wichtig: viel trinken!

ausreichend Wasser trinken

Schau mir in die Blubberblasen, Baby!

Vor dem Sport, nach dem Sport und natürlich ebenso beim Herumliegen auf dem Drucker Arbeiten am Computer – die Wasserflasche sollte immer in greifbarer Nähe stehen.

3. Die geistige Fitness nicht vernachlässigen

geistige Fitness durch puzzeln

Das passt schon.

Wer in Ermangelung an Gelegenheit keine Mäuse fangen kann, kann sie sich wenigstens mit Hilfe eines „Die Sendung mit der Maus“-Puzzles ins Wohnzimmer holen. Soziale Kontakte zu pflegen ist gleichzeitig auch möglich.

4. Leichte Gartenarbeit nach der anstregenden Puzzelei

Platz ist im kleinsten Blumentopf

Hat man den nirgends seine Ruhe!

Obwohl in manchen Blumentöpfen wirklich kaum noch Platz ist und beispielsweise der Zugang zum giftigen Oleander durch Holzstäbe zusätzlich erschwert wird, rollt sich die gewissenhafte Katze täglich zur Kontrolle des Pflanzenwachstums und der Bodenqualität durch alle Töpfe.

5. Ausreichend Schlaf 

sich mal rund machen statt immer nur lang

Sich mal rund machen statt sich auszustrecken

Wenn man des Nachts wegen der Wärme nur schlecht schlafen kann, sind kleine Nickerchen zwischendurch hochwichtig; zum Beispiel nach dem ersten Frühstück, nach dem zweiten Frühstück, nach dem Mittagessen und von vier bis sechs Uhr abends. … hier sollte man auch gern mal unterschiedliche Schlafplätze ausprobieren.

Schlaf

„Sich rund machen für Anfänger“ – auf dem Teppich

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren von Ginas Tipps und gutes Gelingen! Wer weitere Ideen auf Lager hat, der kann sie gern in einem Kommentar verewigen. Für alle, die noch nicht völlig überzeugt sein oder Schwierigkeiten bei einer Übung haben sollten, vermittle ich gern individuelle Kurse bei unserer Expertin.

Auf die Sprache! Fertig! Los!

Dass ich die verschiedenen Formen von “buono” beherrsche und auch „basta“ sagen kann, habe ich euch im letzten Eintrag bereits eindrucksvoll geschildert, aber natürlich beschränkt sich mein Wortschatz nicht nur auf eine Handvoll Wörter. In meinen Urlaubswochen bin ich immer gut mit einem Grundwortschatz aus vielleicht 1000 Wörtern ausgekommen, die ich mir vor ein paar Jahren mit Hilfe einer Zettelbox angeeignet habe. Außerdem schnappt man automatisch Wörter auf, wenn man sich in einem Land aufhält, insbesondere Schimpfwörter. Von denen beherrsche ich schon länger eine umfangreiche Klaviatur auf Italienisch und auch im Dialekt von Bari. Aber dazu ein anderes Mal.

Nach zwei Wochen bei Luigi und seinen Eltern finde ich es trotzdem etwas beschämend, dass ich in den ganzen letzten Jahren, die wir uns kennen, nicht schon mehr Italienisch gelernt habe; nicht einmal nachdem ich an einer privaten Sprachschule in Bari einen Crashgrundkurs absolviert habe, in dem ich mir die Grundzüge der Grammatik beibringen ließ. Arbeit, Großfamilie, Freunde, Garten, Schreibprojekte, Bücher, Filme, Serien, andere Hobbys – irgendwie war immer irgendetwas wichtiger, als sich hinzusetzen und kontinuierlich Wörter zu lernen. Faulheit lässt grüßen!

Dabei mochte ich das Italienische auf Anhieb, weil ich seine Melodie liebe und den Eindruck habe, dass es sich durch die Anleihen, die andere Sprachen bei ihm genommen haben, leicht erlernen lässt. Manche Wörter verhalten sich im Stamm im Italienischen sogar genau so, wie ich sie schon im Deutschen instinktiv immer hatte schreiben wollen, „tollerare“ zum Beispiel – bei uns „tolerieren“ Keine Ahnung, warum im Deutschen das zweite „l“ verschwunden ist? Ich höre es ganz deutlich. Oder nehmen wir „abbonare“ – „abbonieren“ sähe doch auch im Deutschen wesentlich mehr nach dem aus, nach was es sich anhört, und nicht „abonnieren“. Vor der nächsten Rechtschreibreform würde ich also mal ganz genau hinschauen.

Sehr sympathisch sind auch sprachliche Verwandte wie beispielweise „il carcere“ (der Kerker) oder „l’identità” (die Identität). Mir würden zudem auf Anhieb 10 englische Wörter einfallen, die irgendwie italienisch klingen. Wenn man außerdem an englische Wörter (vorzugsweise an Adverbien wie „incredbile“) eine italienische Endung hängt (vorzugsweise „-mente“), liegt man häufig auch nicht ganz falsch.

Doch natürlich ist diese Lobpreisung der Leichtigkeit nur die halbe Wahrheit. Der überwiegende Teil der Wörter muss leider trotzdem gelernt werden und „falsche Freunde“ finden sich ebenfalls. Ich denke da z.B. an „l’umore“. Das heißt nicht etwa „Humor“ , sondern „Laune“, und die kann gerade beim Sprachenlernen auch mal wenig mit Humor zu tun haben; ganz besonders, wenn man sich durch eine üppige Grammatik kämpfen muss, in der sich fast alle Zeitformen in einer subjektiven Form (dem Congiuntivo) mit überwiegend anderen Endungen noch einmal wiederholen, was ich für ziemlich überflüssig halte. Genauso wie das Passato Remoto – eine Vergangenheitsform, die sehr weit zurückliegende Handlungen in der Vergangenheit wiedergibt, aber eigentlich nichts weiter aussagen kann als das, was man auch mit einem normalen Präteritum ausdrücken könnte. Maria hat mir erst unlängst versichert, dass nicht einmal die Politiker in der italienischen Grammatik durchsähen und man schon froh sein könne, wenn sie wüssten, wie man den Konjunktiv benutze. Nun, ja… ich zweifle, dass ich mir jemals einen italienischen Politiker als Vorbild genommen hätte, aber ich möchte im Italienischen auch nicht so klingen wie unsere Fußballspieler im Deutschen. Also habe ich mir ein dickes Buch mit Erklärungen und Übungen besorgt, durch das ich mich seit meiner zweiten Woche in Italien hindurchgrabe.

Entgegen dem Sprichwort ist beim Lernen einer Sprache aller Anfang leicht. Schwierig wird es ab da, wo man plötzlich Dinge verwechseln kann oder Übungen nicht mehr versteht, weil einem die Wörter fehlen. Also musste noch etwas her, mit dem ich systematisch Wörter pauken konnte. Im Internet fand ich den Kurs von sprachenlernen24 und nachdem ich ihn in der Demoversion ausprobiert hatte, habe ich kurzentschlossen das Komplettpaket gekauft und auf Luigis Laptop geladen. So sitze ich täglich noch etwa eine bis zwei Stunden (ich hab‘ ja Zeit) und pauke Wörter. Außerdem komme ich endlich dazu, alle meine Adesso-Ausgaben durchzuschmökern. Das Sprachmagazin hatte ich in einem Anflug von Lern-Enthusiasmus abonniert und sofort gemocht, allerdings in Deutschland nur sporadisch darin gelesen. Es ist super, wenn ich die Wörter, die mir das Programm beibringt, auch in den Texten oder im Alltag gleich erkenne. Dass sich die Paukerei lohnt, hat sich spätestens erwiesen, als ich plötzlich auf Italienisch schlagfertig wurde. Endlich kann ich meinen Humor zeigen – „l’umorismo“ übrigens (habe ich im Wörterbuch nachgeschlagen).