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Ohrenschützer auf!

PENG! Ganz deutlich habe ich es heute früh vor unserem Schlafzimmerfenster knallen hören. Umkippende Blumentöpfe? Die Katze im Sprung gegen die Scheibe geprallt? Probleme der Nachbarn beim Türfesthalten? Alles möglich, doch nichts davon ist es gewesen.

Aprikosenknospen und Aprikosenblüte

Ein schläfriger Blick aus dem Fenster brachte es ans Licht: unser Aprikosenbaum hat mit dem Knospenknall begonnen. Also bloß nicht erschrecken und ab in die Natur! Der Frühling ist da.

Ungeahnte Möglichkeiten

Die geneigten Leser meines Blogs wissen, dass ich mir vor zwei Jahren einen Komposthaufen für die Terrasse zugelegt habe. Eigentlich war meine Absicht, das herabfallende Laub und andere Pflanzenteile zu kompostieren, um das Heraufschleppen schwerer Blumenerde in den dritten Stock zu reduzieren. Man wird ja nicht jünger.

Wie groß war meine Überraschung, als im späten Frühling plötzlich eine Ranke aus dem grünen Plastikwürfel herauswucherte. Melone oder Kürbis – hieß nun die Frage, denn beides hatten wir im letzten Jahr reichlich verzehrt und Schalen sowie Samen auf dem Kompost entsorgt.

Erst der Sommer brachte Klarheit und der Herbst dann einen leckeren birnenförmigen Kürbis, der bald als Risotto, Kürbiskuchen und im Ofen gebacken endete.

Was auf einer Terrasse doch so alles möglich ist!

Katzengarten

Die Einladung zum Essen bei der Tante einer Kindergartenfreundin von Davide in Matera hatte sich als Besuch in einem antiken Palazzo mit Sälen statt Zimmern und einer wunderbaren Aussicht auf die Schlucht, in welcher die Besiedlungsgeschichte Materas vor Jahrtausenden seinen Anfang genommen hatte, herausgestellt.

Zu diesem Palazzo gehörte auch ein kleiner Garten, in dem aufgrund mangelnder Blüten nun zahlreiche Katzen die Hauptattraktion bildeten.

Leider waren die Tiere überaus scheu und einer Karriere als Fotomodell eher abgeneigt. Trotzdem ist es mir gelungen, ein paar fellige Eindrücke aus dem Katzengarten festzuhalten.

 

Leben im Palast

Das Schloss von Matera ist der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich.

Unlängst hatte ich das große Glück, bei der Tante einer Kindergartenfreundin Davides in Matera zu Gast sein zu dürfen. Dass man bei Einladungen in Apulien viel und lange essen muss, war klar. Aber darüber hinaus wussten wir vorher nicht, was uns erwartete, als von den Eltern besagter Kindergartenfreundin die Einladung zum Mittagessen bei ihrer Tante überbracht wurde.

Man muss gut zu Fuß sein, um die vielen Treppen bis zur Wohnung zu überwinden.

Eigentlich wollten wir nach Matera fahren, um den Weihnachtsmann zu besuchen, der an einem Adventswochenende seine Hütte am leider nicht zugänglichen Schloss des Ortes aufgeschlagen hatte, und am Abend noch durch die Sassi (Steine), wie der historische Ortskern aus Höhlenwohnungen genannt wird, spazieren. Doch das Wetter spielte nicht mit. Gerade um die Mittagszeit kam für wenige Stunden die Sonne heraus. Sonst regnete es in Strömen. Ein typisch apulischer Wintertag.

(O-Ton Vater der Kindergartenfreundin: „Hier sind wir als Kinder immer Fahrrad gefahren.“ Die Decken- und Wandbemalung kam erst bei einem Erdbeben in den 80er Jahren unter dem abfallenden Putz zum Vorschein.

Zimmer mit (filmreifer) Aussicht

Als wir dem Weihnachtsmann also vom Unwetter überrascht buchstäblich davon rannten, gab es im Haus der Tante die nächste, dieses mal aber erfreuliche Überraschung: Sie lebte in einem Palazzo, dessen Baugeschichte auf das Jahr 1000 zurückgeht. Dementsprechend prunkvoll und groß waren die „Zimmer“ und die Aussicht aus ihrem Schlafstubenfenster geradezu filmreif. Tatsächlich wollte am nächsten Tag ein englisches Filmteam eine Szene an diesem Fenster drehen.

Erinnerungen

Die Tante entpuppte sich dann eher als adrettes Großmütterchen, das bestens in diesen Palast aus Erinnerungen passte und uns ordentlich mit Vorspeisen, zwei Hauptgerichten, Fleisch und Nachtisch verwöhnte. Außerdem machte sie ganz omalich unsere anstrengende Erziehungsarbeit zunichte, indem sie den beiden Kindern erlaubte, auf einem riesigen Doppelbett herumzuhüpfen. Irgendwann drängte ich darauf, dass mir der Zugang zum kleinen, aber idyllisch-romantischen Gärtchen aufgeschlossen wurde, denn die Sonne zog sich gerade wieder Wolken vors Gesicht und ihr Untergang kam auch immer näher.

Der liebevoll gepflegte Garten thronte ganz wie der Palast hoch über der Schlucht mit ihren Höhlenwohnungen, welche bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts noch unter katastrophalen, hygienischen Bedingungen bewohnt waren und als Schande Italiens galten. Er wurde hauptsächlich von Katzen bevölkert, denen hier Aufenthalt und Futter gewährt wurden.

 

Im Moment werden die Sassi mit Hilfe von „Bed and Breakfasts“ und kleinen Künstlerwerkstätten wiederbelebt. Im nächsten Jahr ist Matera sogar Kulturhauptstadt Europas.

Die „Sassi“ von Matera – einst „Schande Italiens“, heute begehrter Drehort und lohnendes Ausflugsziel.

Ob ich in so einem Palazzo leben wollen würde? Nein. Wo man vom Schlafzimmer zur Küche schon gefühlt einen Fußmarsch von einem Kilometer zurücklegen muss und die Decken so hoch sind, dass selbst die größten Möbel nur schwer einen Hauch von Gemütlichkeit aufkommen lassen, würde ich mich nicht wohl fühlen. Ganz zu schweigen davon, dass man selbst beim Versetzen einer Steckdose schon die Denkmalschutzbehörde einschalten muss… Dann doch lieber eine kleine Höhlenwohnung.

Zeitung aus dem Jahr 1925

Allerdings kann man einige Räume des Palazzo für Feierlichkeiten buchen und das ist dann schon wieder eine Überlegung wert. Man muss aber wegen der Treppen gut zu Fuß sein.

 

 

Mehr über Matera gefällig – dann hier weiterlesen: Ausflug zum Anfang unserer Zivilisation

Bunter Besucher blauer Blümchen

Wer hatte sich denn heute auf unserer Terrasse eingefunden? Fröhlich umflatterte der gelb-schwarze Geselle unsere „Blaue Säckelblume“ und labte sich am Pollen. „Schwalbenschwanz“ nennt man diesen auffällig großen Schmetterling passend auf Deutsch – „macaone“ auf Italienisch. Wieder was gelernt.

Musikalische Gärten

Garten der Rockmusik

Während die heiße apulische Sommersonne gerade feste dabei ist, alles unter ihr zu verbrennen, gedenke ich der vergangenen, lauwarmen Frühlingstage, denn den Frühling mag ich in jedem Jahr am allerliebsten. Und was wäre der Frühling ohne frisches Grün und bunte Blumen! Hier in Bari versucht man den Frühlingsgefühlen mit temporären Gärten in der Via Agiro auf die Sprünge zu helfen.

Leider ist diese Aktion immer zeitlich begrenzt, aber in jedem Jahr steht sie unter einem anderen Motto. In diesem Mai hieß es: Musik als Garten. Daher tummelten sich in der sonst asphaltgrauen Straße plötzlich blumige Instrumente, Porträts von musikalischen Größen,  sowie Notenschlüssel und bepflanzte Noten. Besonders gut fand ich das Gartenhäuschen für Kinder, das mich an den „Zauberer von Oz“ erinnerte. Aber natürlich kamen auch die vielen Sitzgelegenheiten auf grünem Rasen und unter beeindruckenden Bäumen super an. Außerdem gab es auch Musikanten, die in den musikalischen Gärten aufspielten. Wirklich schade, dass die Aktion nur temporär ist!

Gelbe Weihnachtsbäume auf der Terrasse

Rote Glocken, die von der Lampe hängen. Ein niedliches Rentier vor der Fensterscheibe. Ein Weihnachtsmann, der auf einem Bilderrahmen sitzt – obwohl wir am Wochenende scheinbar gründlich entweihnachtet haben, finden wir immer noch weihnachtliche Kleinigkeiten in der Wohnung verteilt.

Auch bei einem Kontrollgang über die Terrasse wurde ich heute früh wieder an das kürzlich überstandene Fest erinnert: Eine unverwüstliche Pflanze, die wir schon bei unserem Einzug auf der Terrasse vorgefunden haben, hat gerade Blütenstände angelegt und reckt der spärlichen Morgensonne gelbe Weihnachtsbäume  entgegen. Bei 10 Grad irgendwie sympathisch, findet ihr nicht?