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Suchanfragen VII – Von schnurrenden Straßenkatzen

Neulich fand ich in der Statistik die Suchphrase „schnurren Straßenkatzen?“. Die Frage könnte natürlich kurz und knapp mit „ja“ beantwortet werden, denn alle Hauskatzen schnurren, wenn sie nicht gerade Probleme mit z.B. ihren Stimmbändern haben (siehe hier). Aber das Thema „Straßenkatzen“ liegt mir doch stärker am Herzen, als dass ich es bei einem einfachen „ja“ belassen könnte. Darum wird es im Folgenden nicht nur um das Schnurren, sondern auch um unsere Katze Gina, Sommerurlaub und ausgesetzte Freunde gehen.

Findelkatze Gina

Mimetik

Im Katzenparadies

Vor drei Jahren haben wir unsere Katze Gina, an der Pfote verletzt, an einem Müllcontainer an der Straße aufgelesen und auf unsere Traumwohnungsterrasse getragen. Seitdem ist sie Herrin über alle Blumentöpfe, sowie über unsere und inzwischen auch die angrenzenden Terrassen. Als Davide bei uns einzog, hatten wir sie für volle zwei Wochen komplett aus der Wohnung vergrault. Dann fasste sie Mut und rannte nicht mehr bei jeder seiner Bewegungen hektisch davon. Inzwischen platthat sie sogar schon einige Male an seinen Füßen geschnuppert, aber trotzdem glaube ich manchmal an einem ihrer „Könnt ihr nicht mal alle abhauen und mich in Ruhe lassen!“-Blicke zu spüren, dass sie sich vielleicht sogar in die Zeit zurücksehnt, als ihr die Wohnung allein gehörte. Doch nicht alle Straßenkatzen haben so viel Glück wie Gina.

Urlaubshindernis Haustier?

Jedes Jahr vor den großen Ferien schalten diverse italienische Tierschutzorganisationen große Medienkampagnen gegen das Aussetzen von Haustieren und trotzdem (über)füllen sich die Tierheime jedes Jahr gerade mit Hunden und Katzen. Erstaunlich, wie schnell die besten Freunde des Menschen plötzlich lästig und überflüssig werden können, wenn man sich zwischen ihnen und einer Urlaubsreise entscheiden muss. Dabei gibt es inzwischen Tiersitter und gerade für Hundebesitzer auch die Möglichkeit den Hund in den Urlaub mitzunehmen. Man muss sich nur erkundigen und vielleicht etwas genauer umsehen.

Das Haus am Meer

Sommerhäuschen

Sommerhäuschen auf dem Land

Wenn wir Urlaub machen und nicht gerade nach Deutschland fliegen, dann siedeln wir in das Sommerhäuschen von Pasquale und Maria um; „la casa al mare“ (das Haus am Meer) – eine italienische Institution aus den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs, die langsam veraltet und sich aufgrund hoher Kosten sowie billiger und schneller Reisemöglichkeiten selbst abschafft. Doch die Alten besitzen es noch und so urlauben wir also „in campagna“ (auf dem Land) in der Nähe von Ostuni.

Schwarz wie die Nacht

Schwarz wie die Nacht

Das funktioniert wie folgt: Ende April/ Anfang Mai fahren wir an Schönwettersamstagen in das Sommerhäuschen um zu lüften, zu putzen, Reparaturen durchzuführen, die Blumenbeete zu pflegen und so weiter. Im Juni werden die Samstage dann zu vollen Wochenenden ausgedehnt. Ab Juli fährt man gern auch schon mal freitags los. Den Sommerurlaub verbringen Pasquale und Maria dann komplett dort und leben wie zu Hause. Als Luigi noch klein war, verbrachte man die Vormittage badend am Strand und die Nachmittage schlafend oder anderweitig relaxend im kühlen Haus oder unter der schattigen Veranda. Heute bestehen die Tage hauptsächlich aus Essen, über Essen sprechen, für das Essen einkaufen, Essen kochen und Fernsehen. Und jetzt der Bogen zu den Straßenkatzen…

Wilde Hunde und schnurrende Straßenkatzen

Futterplatz

Am Futterplatz

Sobald wild lebende Katzen und/ oder Hunde feststellen, dass die Sommerhäuschen in unserer Straße wieder bewohnt sind, finden sie sich in Scharen dort ein, denn der Sommer verspricht Aussicht auf regelmäßige Fütterung und Anschluss an Menschen. Aus einer möglicherweise statistisch schon relevanten Anzahl von solchen Straßenkatzenbekanntschaften kann ich guten Gewissens behaupten, dass auch Straßenkatzen schnurren. Manche schnurren sehr laut, andere nur ganz leise. Manche schnurren bereits, wenn sie um Futter betteln, andere wenn sie fressen und wieder andere, wenn sie dem Fütternden erlauben, sie ein wenig zu streicheln.

Hoch hinaus

Hoch hinaus

Wenn die Urlaubenden dann im Herbst immer seltener kommen und im Winter wieder ganz ausbleiben, beginnt eine harte Zeit für die Streuner. Einmal hat sich die Katzenpopulation von über dreißig in einem Jahr auf fünf Katzen im folgenden Jahr reduziert, wobei ich nicht einmal sicher bin, dass uns alle fünf bereits bekannt waren. Über den Winter regiert der Ruf der Wildnis und streunende Katzen werden leicht Opfer von streunenden Hunden oder auch Füchsen. So stellt Mutter Natur das Gleichgewicht wieder her. Trotzdem gibt es besonders eine Urlaubskatze die ich sehr vermisse, weil sie uns drei Jahre lang die Treue gehalten und Pasquale veranlasst hat, eine Gartenbank mit Kissen dauerhaft unter der Veranda stehen zu lassen. Wir nannten den äußerst virilen Kater „Capitano Gatto“ (Kapitän Kater) für Freunde nur „Capitano“. Sein Schnurren war raumfüllend.

im Korbstuhl

Relaxen im Korbstuhl

Unsere Gina hingegen ist eine Leiseschnurrerin. Ihr Schnurren hört man nur, wenn es rundherum ruhig ist und man richtig gut hinhören kann. Man kann es jedoch fühlen, wenn man die Finger an ihren Kehlkopf legt und dieser leicht vibriert. Mit dem Schnurren drücken Katzen aus, dass sie sich wohl fühlen. Angeblich sollen sie auch schnurren, um sich zu beruhigen. Und die Wissenschaft will sogar herausgefunden haben, dass das Schnurren der Katzen quasi als „Vibrationstraining“ ihre Heilung beschleunigt, wenn sie sich verletzt haben.

Ausgestreckt im Kindersessel

Ausgestreckt im Kindersessel

Um also die Frage zu beantworten, die den Suchenden auf meine Seite geführt hat: Ja, auch Straßenkatzen schnurren. Aber es wäre besser, wenn sie als Familienkatzen schnurren könnten.