Schlagwort-Archive: Wetter

Wie lebt man mit 43 Grad und mehr?

Wenn ich mit dem deutschen Teil meiner Familie über das Sommerwetter in Apulien spreche, dann werde ich immer gefragt, wie man das eigentlich aushält. Natürlich kann man sich da in Ironie flüchten oder aber man muss ehrlich gestehen, dass man es NICHT aushält. Tatsächlich rate ich jedem Reisewilligen, unsere Region lieber im Mai/ Juni und dann erst wieder im September zu erkunden. Was tun wir also im Juli und August?

1. Wir schwitzen und essen Melone

Der Wüstenwind aus der Sahara bringt uns nämlich gern mal wochenlange Trockenheit und, wie in diesem Sommer, auch wochenlang Temperaturen um die 40 Grad. Das bedeutet konkret, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit den Schweiß an sich herunterrinnen fühlt, was an sich gut ist, denn mit ein bisschen Wind hat man wenigstens einen Kühleffekt. Oftmals weht jedoch kein Wind. … und eine Dusche hilft eigentlich nur so lange, wie man darunter steht.

Das Essen schmeckt bei diesen Temperaturen natürlich auch nur bedingt. Es verwundert daher nicht, dass wir in Sommern wie diesen die günstigen Melonenpreise (ca. 40 Cent das Kilo) richtig ausnutzen und uns hauptsächlich von Wassermelonen ernähren. Desweiteren hilft nur das intravenöse Anschließen an die Mineralwasserflasche.

2. Wir gehen gern arbeiten

Tatsächlich geht man im Sommer sogar gern arbeiten, weil die meisten Firmen einen klimatisierten Arbeitsplatz anbieten. Auch viele Wohnungen sind bereits mit Klimaanlagen ausgestattet, was jedoch dazu führt, dass an sehr warmen Tagen oft der Strom ausfällt, weil zu viele Klimaanlagen angeschaltet werden. Das gibt dann ein nerviges Alarmanlagenkonzert, welches nicht so schnell abgestellt wird, da jeder weiß, dass es sich um keinen „richtigen“ Alarm handelt. Damit muss man umzugehen lernen.

3. Wir fahren ans Meer

Düne bei Ostuni, Pilone

Wer Urlaub hat, versucht, sich die meiste Zeit des Tages bis zum Hals in die Adria zu stellen. Das ist aber nicht so einfach, da die Straßen zum Meer bereits ab acht Uhr verstopft sind, weil sowohl die Apulier als auch die Touristen auf die Idee kommen, sich im Wasser zu versenken. 

Davide lebt alternativ wochenlang in seinem Plaschbecken, derer wir in diesem Jahr drei verschlissen haben, weil unsere Katze Gina des Nachts mehrmals versucht haben muss, sich ebenfalls darin abzukühlen. Oder wollte sie gar ob der unerträglichen Hitze Selbstmord begehen? Man kann an dieser Stelle nur spekulieren. Fakt ist, dass auch die oberen zwei Ringe des zuletzt gekauften Planschbeckens plötzlich Löcher bekommen haben und keine Luft mehr halten.

4. Wir werden lethargisch oder aggressiv

Abgesehen davon glaube ich, dass die Hitze die Leute entweder lethargisch oder aber aggressiv macht. Zum Glück hält es unsere Familie mit der Lethargie. Wir stehen zeitig auf und genießen die kühleren Morgenstunden auf der Schattenseite der Terrasse, um uns ab 11 Uhr in die Wohnung zurückzuziehen und dann hauptsächlich zu trinken, herumzulümmeln und darauf zu warten, das es dunkel und damit wieder kühler wird. Die meisten Nachbarn halten es ebenso. Von daher beginnt das Leben auf den Balkons, Terrassen und Straßen erst wieder gegen 19 Uhr.

Eines abends beobachtete ich, dass sich der rauchende Opa auf einem benachbarten Balkon wie immer auf seinen Stuhl auf der linken Balkonecke setzte, während die dazugehörige, ebenso rauchende Oma ihren Stuhl ganz nach links zu den Mülleimern gerückt hatte. „Vielleicht haben sie sich gestritten“ mutmaßte Luigi. Nach einem lauten Wortwechsel am nächsten Abend auf diesem Balkon glaubte ich ihm. Als jemand in dem Hochhaus neben uns eines Abends nicht einmal mehr die Übungsstunde des Bassisten durchhielt, der im Laufe des Jahres dort eingezogen sein und zu einer Zucchero-Cover-Band gehören muss, und hysterisch vom Balkon schrie, ob der Zucchero-Fan sich keine Kopfhörer kaufen könne, meinte ich zu Luigi, dass sich die Bewohner Triggianos wohl bald an die Kehle gehen würden, wenn keine Abkühlung käme.

In der Tat stritt sich Familie N. unter uns in der nämlich Nacht von ca. 1 bis 3 Uhr so laut, dass Davide zu weinen begann und Luigi zu schnarchen aufhörte. Gut, hauptsächlich hörte er zu schnarchen auf, weil ich ihn rüttelte und fragte, ob wir vielleicht die Polizei rufen sollten, denn ich hatte ganz deutlich Schläge vernommen und fürchtete, dass entweder die Söhne den Vater töten würden oder umgekehrt. Luigi war gegen eine Einmischung und so zog ich mich mit einem angefangenen Buch in die Küche zurück. Gegen drei… die Protagonistin meines Buches hatte gerade ihren Fastehemann verlassen… krachte unter uns eine Tür ins Schloss. Endlich musste jemand aufgegeben haben oder auf der Flucht sein. (Inzwischen weiß ich, dass alle noch leben. Selbst der riesige Hund.)

5. Wir warten

Was bleibt uns also anderes übrig als im Juli und August auf Regen zu warten? Glücklicherweise wurde am letzten Freitagnachmittag endlich der Himmel schwarz und schüttete eine Stunde lang Wassermassen auf Triggiano, Bari und die weitere Umgebung herab, die eine deutliche Abkühlung von 10 Grad gebracht haben. Wer weiß, ob sonst nicht wirklich noch Schlimmeres passiert wäre, als dass die Kakteen verdorren.

Man lernt jedenfalls hier in Apulien noch jede Menge über Windsysteme hinzu. Daher bin ich in diesem Sommer eindeutig Freund des „maestrale“ (Mistral), seines Zeichens Gegenspieler des „scirocco“ aus der Sahara geworden.

Der Bass spielende Zucchero-Freund muss sich übrigens tatsächlich Kopfhörer gekauft haben oder aber er ist inzwischen schon perfekt oder wer weiß… Ich vermisse ihn nicht.

Liegestuhlwetter

Wochenlang strahlte die Sonne über Triggiano, während ich sechs Tage die Woche fleißig meine Schüler zum Deutschlernen animierte und damit aushäusig zu Gange war. So lange hielt sich der winterliche Regen zurück, dass die pflegeleichten Kaktusfeigen, die ich bis zum Sommer nie gießen muss, plötzlich ihre Blätter dem Boden entgegensinken ließen.

Am Freitagabend kam mir also, während ich besagten Pflanzen einen Eimer Wasser in den Blumenkasten schüttete, die geniale Idee, einen Liegestuhl aus dem Winterquartier zu holen, um am Samstagvormittag mein blasses Gesicht entspannt in die Frühlingssonne halten zu können.

Ich denke, obiges Bild zeigt eindrucksvoll, dass mein Vorhaben schnöde vereitelt wurde. Ein weiterer Beweis für die Richtigkeit des Sprichworts: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.  … und klar ist natürlich auch, dass wir seit Montag wieder gutes Wetter mit über 20 Grad haben. Den Liegestuhl freut’s.

 

Wetterkapriolen im apulischen Winter

IMG_3068

Nachdem uns der letzte Winter mit einer Riesenladung Schnee überrascht hat, besticht der aktuelle bisher mit milden Temperaturen und viel Sonnenschein. Trotzdem gelingt es ihm, uns gelegentlich richtig zu verblüffen – zum Beispiel mit einer ordentlichen Portion Hagel.

Für uns ein Schauspiel – für die Landwirte Bedrohung, denn die Mandelbäume tragen wegen der Wärme bereits ganz dicke Knospen.

Zwischen Gruselstimmung und Ostergefühlen

Seit ein paar Tagen munkelte man schon, Weihnachten würde sich nähern, und gestern hieß es dann sogar, es wäre wieder soweit. Mit Panzerotti und Pettole begannen wir das große Schmausen, das unweigerlich mit dem Weihnachtsfest einhergeht.

Triggiano an HeiligabendAuf dem Weg von Luigis Eltern nach Hause fühlte es sich am Abend allerdings ein bisschen gruselig an. So leer sieht man Triggianos Straßen sonst höchstens an Ferragosto um die Mittagszeit.

Heute, am ersten (und in Italien auch einzigen) Weihnachtsfeiertag, scheint es allerdings eher Ostern als Weihnachten zu sein. Während ich am Vormittag auf der Terrasse eine zu einem Blumenroller umfunktionierte Palette strich und die Rosen zurückschnitt, nahm ich zugleich unfreiwillig an der Messe, der nur 100 Meter entfernten Kirche San Giuseppe teil, die wahrscheinlich mit Lautsprechern nach draußen übertragen wurde, was immer passiert, wenn das Kirchlein für die vielen Besucher nicht ausreicht.

GartenarbeitDabei wurde mir nicht nur bewusst, dass Weihnachten für einige Leute doch mehr bedeutet als gutes Essen und Geschenke, sondern auch, dass katholische Priester nicht nach ihren Sangesfähigkeiten eingestellt werden und deshalb weniger oft „Halleluja“ singen sollten. Dem ungeachtet ertappte ich mich irgendwann dabei, mit dem Kirchenchor „Stille Nacht“ mitzusummen und schon war die Muse da, die mir sagte, dass es Zeit für weihnachtliche Bloggrüße geworden ist.

In diesem Sinne: BUON NATALE! Euch allen ein frohes Weihnachtsfest! Schöne Feiertage und viel Spaß bei allen Dingen, die euch an diesen Tagen wichtig sind!

Corinna

Apulische Weihnachtsbaumversion

Zum ersten Mal blüht eine Pflanze, die wir mit unserer Traumwohnung mitgekauft haben. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine apulische Weihnachtsbaumversion

Adventsbaden

Für alle diejenigen, die es auf dem obigen Bild nicht erkennen sollten oder es nicht glauben können, hier ein weiterer fotografischer Beweis dafür, dass am zweiten Advent in Trani noch gebadet wurde. Wir sahen auch viele sich sonnende Mitmenschen wie Robben auf den Steinen der Hafenmole liegen und ihre Gesichter in die Dezembersonne halten.

 

Dezemberbad

Regenwolken zum Frauentag

Nachdem wir in der letzten Woche 20-Grad-warme Frühlingstage genießen durften, welche die apulischen Mandel-, Aprikosen und Pfirsichbäume zum Erblühen gebracht haben, macht nun „marzo pazzerello“ (Tollkopf März) mit Wasser, Wind und Wolkenbrüchen seinem Namen alle Ehre.

IMGP1173Die Bäume kann das Schietwetter trotzdem nicht erschüttern – auch nicht meine Mimose, die mir schon vor zwei Wochen vorträglich zum heutigen Internationalen Frauentag verehrt wurde. Leider habe ich es noch nicht geschafft, sie in einen angemessenen Kübel umzusetzen, aber dennoch reckt sie ihre zahlreichen Puschelblütentrauben unermüdlich in den wechselhaften Himmel über Triggiano. Ihr strahlendes Gelb sorgt auch durch das geschlossene Fenster hindurch noch für gute Laune.

Warum die Mimose DAS Symbol des Frauentags in Italien schlechthin ist, und überhaupt nichts mit einem mimosenhaften Menschen zu tun hat, könnt ihr hier lesen.

IMGP1175Und als Antwort auf eine Suchanfrage namens: „Hat der Frauentag noch seine Berechtigung?“, die unlängst einen Besucher auf meinen Blog geführt hat, kann ich nur antworten: Solange Frauen (und Mädchen) nicht überall auf der Welt die gleichen Rechte wie Männer genießen, muss dieser Tag bestehen bleiben und an seine Ursprünge und Ziele erinnert werden. Alles andere wäre Augenauswischerei.

Daher wünsche ich allen Frauen auf dieser Welt, einen schönen Internationalen Frauentag! Lasst es euch gut gehen, freuen wir uns über das Erreichte und arbeiten daran, dass es noch besser wird.