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„Plan B“ oder Luigis Verschleppung nach Sibirien

Nachdem wir die vereitelte Besichtigung des „Dolmen San Silvestro“ und den Percorso delle chiese e architetture rurali so erfolgreich hinter uns gebracht hatten, indem wir im Hinterland von Giovinazzo verstreute Kirchen besichtigten, wollte ich den sich über mehr oder weniger erhaltenes Kulturgut nur schwerlich amüsierenden Mitfahrenden ihre Rückkehr in die Zivilisation mit einem Abstecher in einen pittoresken Küstenort, nämlich in das besagte Giovinazzo,  versüßen.

Dort drängt sich um eine malerische Hafenbucht die mittelalterliche Altstadt mit einer Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und beeindruckenden Palazzi. Leider fegte just an diesem Tag ein eisiger Wind durch die hohen Gassen, der zwischen den Olivenbäumen im Hinterland zuvor nicht zu spüren gewesen war. (Ich schwöre!)

Hinzu kam, dass apulische Altstädte in touristisch wichtigen Orten im Winter ausgestorben sind und das Leben erst wieder mit den Urlaubern in die größtenteils aus Ferienwohnungen, „Bed and Breakfasts“, sowie Restaurants bestehenden Straßen einzieht. Während also Luigi laut lamentierend verkündete, dass Putin ab sofort niemanden mehr nach Sibirien zu verbannen brauche, sondern allesamt nach Giovinazzo schicken könne, versuchte ich überwiegend Fotos zu schießen, die diesem Eindruck entgegenwirken sollten. Doch schon nach einem kurzen Rundgang ließ ich Gnade walten und erklärte mich mit der Rückkehr ins traute Heim einverstanden. Mit klammen Fingern fotografiert es sich nämlich nicht gut.

Doch ich weiß ja, dass ich in Giovinazzo noch einen Kaffee in Aussicht habe. Von daher werden wir sicherlich bei angenehmerem Wetter zurückkehren.

Apulien dreht durch

Was passieren kann, wenn es in Apulien einmal Schnee gibt, verbreiten gerade die sozialen Medien und wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis auch die traditionelle Presse darüber berichten wird.

Aus einem Scherz heraus wurde die „Winterolympiade von Toritto“, einem kleinen Ort 20 km südwestlich von Bari, geboren. Ein paar Schneeverrückte begannen, im 40 cm hohen Winterwunder z.B. Brustschwimmen oder Delphinstil-Wettbewerbe durchzuführen und die Videos ihrer verrückten Späße im Internet zu posten. Sie haben eine eigene Facebook-Seite eingerichtet und so einen regelrechten Schneesportvirus ausgelöst. Inzwischen pilgern auch Apulier aus anderen Städten nach Toritto, um mit Obstkisten Schlitten zu fahren oder auf den vereisten Straßen ihre Schlittschuhe, Ski und Snowboards auszuprobieren. Sogar vor den Disziplinen Synchronspringen und Synchronschwimmen schrecken die begeisterten Schneeliebhaber nicht zurück.

Während sonst hier in Apulien bei Schneefall das Leben zum Erliegen kommt, macht man in Toritto das Beste daraus und lässt sich den Spaß am Leben nicht vergällen.

Hier der Link zu einem Bericht von Tele Appula auf YouTube.

Und was macht ihr so, wenn Schnee fällt?

Winterwunderland im Süden

 

sonnenaufgangalpenveilchenDer schönste Moment im Winter ist, wenn man morgens die Rollläden hochzieht und feststellt, dass alle Pflanzen, Töpfe, Mauern und Dächer plötzlich eine Schneehaube tragen. Statt  der Waschmaschinen der Nachbarn und des Straßenlärms hält eine unglaubliche Stille die Stadt umfangen. Und die Blüten, die ungläubig zitternd aus dem Schnee herausschauen, scheinen zu fragen, warum aus dem zeitigen Frühling mit einem Mal doch noch ein Winter geworden ist.

Die letzten Früchte des Kaktusfeigenablegers haben wir nicht mehr geerntet. Jetzt tragen sie ein weißes Häubchen aus Schnee.

Die letzten Früchte des Kaktusfeigenablegers haben wir nicht mehr geerntet. Jetzt tragen sie ein weißes Häubchen aus Schnee.

 

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Diese Sukkulente wollte mit ihren Glöckchen schon den Frühling einläuten. Jetzt schluckt die Schneedecke den Glockenklang.

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Sonst eine einladende Sitzecke – heute nur Fotomotiv.

 

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So geschehen heute morgen auf unserer Terrasse in Triggiano, sowie sicherlich auch in anderen umliegenden Gemeinden im italienischen Süden.  Zum zweiten Mal in meiner Apulienzeit und zum ersten Mal in Davides Leben hat es bei uns geschneit. Unser Kleiner nahm das kalte Weiß mit einigem Erstaunen wahr. Ich glaube, er hätte es lieber gesehen, wenn er seine Spielzeugautos über eine schneefreie Terrasse schieben gekonnt hätte. Stattdessen tippte er mehrere Pflanzen an und ließ den Schnee vom Oleander rieseln. Danach hielt er es mit Gina, der die Feuchtigkeit unter den Beinen schnell zu viel wurde und die daher wieder ins Haus wollte.

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Warm eingepackt kommt Davide zum ersten Mal mit Schnee in Berührung.

Vom warmen Zimmer aus lässt sich am Fenster das Winterwunder am besten genießen; vor allem, weil uns aus Erfahrung klar ist, dass der schönste Moment des Winters hier spürbar endlich ist. Obwohl… im Moment tobt draußen ein neuerlicher Flockenwirbel… Kann mir jemand einen Schneeschieber borgen?

 

Strandspaziergang

san-giorgio-2In Italien ist heute ein Feiertag, den die meisten Süditaliener dazu genutzt haben, mal wieder die Kirche aufzusuchen und mit ihren Verwandten üppig zu essen. Nach dem Essen rollt man dann normalerweise auf eine horizontale Unterlage, aber da wir traumhaftes Wetter hatten, haben wir uns für einen Strandspaziergang zwischen Bari und San Giorgio entschieden.

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Am Astende eines angeschwemmten Baumstammes hat sich ein Fischernetz verfangen.

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In einem Loch im karstigen Gestein am Strand gelang es einem Strauch trotz extremer Bedingungen eine recht stattliche Größe zu erreichen.

Liegestuhlwetter

Wochenlang strahlte die Sonne über Triggiano, während ich sechs Tage die Woche fleißig meine Schüler zum Deutschlernen animierte und damit aushäusig zu Gange war. So lange hielt sich der winterliche Regen zurück, dass die pflegeleichten Kaktusfeigen, die ich bis zum Sommer nie gießen muss, plötzlich ihre Blätter dem Boden entgegensinken ließen.

Am Freitagabend kam mir also, während ich besagten Pflanzen einen Eimer Wasser in den Blumenkasten schüttete, die geniale Idee, einen Liegestuhl aus dem Winterquartier zu holen, um am Samstagvormittag mein blasses Gesicht entspannt in die Frühlingssonne halten zu können.

Ich denke, obiges Bild zeigt eindrucksvoll, dass mein Vorhaben schnöde vereitelt wurde. Ein weiterer Beweis für die Richtigkeit des Sprichworts: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.  … und klar ist natürlich auch, dass wir seit Montag wieder gutes Wetter mit über 20 Grad haben. Den Liegestuhl freut’s.

 

Wetterkapriolen im apulischen Winter

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Nachdem uns der letzte Winter mit einer Riesenladung Schnee überrascht hat, besticht der aktuelle bisher mit milden Temperaturen und viel Sonnenschein. Trotzdem gelingt es ihm, uns gelegentlich richtig zu verblüffen – zum Beispiel mit einer ordentlichen Portion Hagel.

Für uns ein Schauspiel – für die Landwirte Bedrohung, denn die Mandelbäume tragen wegen der Wärme bereits ganz dicke Knospen.