Archiv für den Monat November 2013

Zeichen

Manchmal kommt es mir so vor, als würde alles im Leben erst rückblickend einen Sinn ergeben. So könnte man nämlich sagen, dass es kein Zufall war, sich zum Friedhof von Bari hingezogen zu fühlen oder unsere Namen auf einer Todesanzeige zu sehen, sondern ein Zeichen für den Beginn einer Auseinandersetzung mit dem Tod, die letzten Samstag ganz unerwartet ihren traurigen Höhepunkt gefunden hat. Für drei Tage hat unsere Welt stillgestanden und jetzt, wo sie sich wieder dreht, beginnen wir erst wirklich zu verstehen, dass Luigis Tante Margerita, die wir liebevoll Zievola genannt haben, nie wieder mit uns am Tisch sitzen, nie wieder in Marias Küche über Niki Vendola und seine unnützen Fahrradewege in Bari schimpfen und nie wieder mit uns ins Sommerhäuschen nach Ostuni fahren wird.

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Bis dass der Tod uns nicht scheidet

Als Diener dreier Herren – inzwischen habe ich das Projekt „Weltherrschaft“ „Ausweitung der Arbeitsverhältnisse“ auf insgesamt drei Schulen und Privatunterricht gebracht – übe ich mich gerade darin, auch bei strömendem Regen einigermaßen trocken bleibend durch Bari zu hasten, Termine zu koordinieren und immer zur richtigen Zeit in der richtigen Schule aufzutauchen. Das Deutschunterrichten an sich ist dagegen die kleinere Herausforderung.

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Die weiße Stadt am Meer

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Die weiße Stadt am Meer*
(Sommermittag in Ostuni)

Am weißen Strand, am blauen Meer
Und hügelauf die Stadt;
Die Sonne strahlt und blendet sehr,
Zur Mittagsstunde schläft das Meer
Und still wird’s in der Stadt.

Es bellt kein Hund, schwatzt kein Tourist,
Kein Hupen ohn‘ Unterlass.
Nur Hitzeflimmern in der Luft,
Nur Tellerklappern, Pastaduft.
Die Sonne sengt das Gras.

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Doch tunkt die Strahlende ins Nass
und kühl weht es vom Meer,
strömt alles Volk hinaus zur Tür,
zur Piazza hin, ins Herze Dir,
Du weiße Stadt am Meer.

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* in Anlehnung an  Th. Storm „Die Stadt“ (1852)