Archiv für den Monat Juli 2013

Abtauchen in die Vergangenheit – Castello Svevo di Bari

castello svevo di BariVor ein paar Wochen ist mir aufgefallen, dass ich zwar schon über Bari und seine Altstadt, aber noch gar nichts über die Burg der Staufer, das Castello Svevo, von Bari geschrieben habe. Das liegt nicht etwa daran, dass ich dort noch nie hineingegangen wäre – im Gegenteil ich führe natürlich jeden Besucher, der Lust auf Geschichte hat, dorthin – dennoch ist es im Gegensatz zum Castel del Monte nicht so spektakulär, dass man es unbedingt von Innen gesehen haben muss. Weiterlesen

Armando oder die Philosophie des Algenabkratzens (Teil 4)

(Teil 1)

Weißt du Armando, ich mag dich, sage ich nach einer Weile, weil er keine Anstalten macht, eine Unterhaltung aufzunehmen. Du bist anders als die Anderen. Wie üblich legt er seinen Kopf schief und blickt mich aufmerksam an. Was habe ich mir nur dabei gedacht, schelte ich mich selbst. Das hat er bestimmt schon tausend Mal gehört. Ehrlich, beteuere ich daher und deute mit dem Spachtel auf seine Kumpel in der Ecke mit den Blumenkästen: Die sind alle schwarz oder grau. Armando scheint immer noch nicht überzeugt zu sein. Also setze ich erklärend hinzu: Mag sein, dass der eine oder andere ganz nett bläulich oder grünlich schimmert. Aber du bist wie ich das einzige Bleichgesicht hier. Er starrt eine Weile zu ihnen hinüber, als denke er zum ersten Mal darüber nach, ob ihn tatsächlich etwas von den anderen unterschiede. Dann springt er plötzlich wie von der Tarantel gestochen auf und fliegt davon. Die anderen Tauben hasten eilig hinterher. Macht euch davon, ihr Vermaledeiten, höre ich Luigi wüten, als dieser schon mit einem hoch erhobenen Besen um die Wohnungsecke gestürmt kommt.

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Armando oder die Philosophie des Algenabkratzens (Teil 3)

(Teil 1)

Noch bevor ich mir dazu entschließen kann nachzusehen, ob Luigi schon mit dem Heizkörperstreichen fertig ist, taucht auf einem der Balkons des gegenüberliegenden Hauses eine Frau auf, die sich mit ihrem Handy am Ohr über ihr Balkongeländer lehnt. … è per il secondo? (Und für den zweiten Gang?), kräht sie so laut hinein, dass ich sie deutlich vestehen kann. Allora, portami un etto di crudo e due mozzarelle! (Gut, bring mir hundert Gramm rohen Schinken und ein paar Mozzarellas mit!) Auffällig viele Italiener aus dem Haus gegenüber gehen zum Telefonieren auf ihre Balkons. Das kann nicht daran liegen, dass die Mobiltelefone in den Wohnungen keinen Empfang haben. Jedenfalls habe ich das an meinem Eigenen noch nie bemerkt.

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Armando oder die Philosophie des Algenabkratzens (Teil 2)

(Teil 1 hier)

Überhaupt kommen mir zahlreiche Gedanken, während ich die immer gleichen Bewegungen ausführe, die meinen Spachtel über die Fliesen kratzen und Algenhäufchen vor sich auftürmen lassen. Mit jeder Spachtelbreite Hellgraus, die unter der Algenschicht auftaucht, wird DIE Terrasse ein Stück mehr MEINE Terrasse. Zweihundert Quadratmeter meiner Terrasse habe ich auf diese Art und Weise schon gereinigt. Zweihundert Quadratmeter Gedanken. Da kommt ganz schön was zusammen; auch ganz schön viel Unsinniges. Zum Glück habe ich das Meiste schon wieder vergessen, denn ich leide an sherlockholmesischer Selektion und merke mir nur Dinge, die mich wirklich interessieren. Aber ich erinnere mich noch daran, dass sich meine Gedanken zuerst hauptsächlich darum drehten, wie viel ich bereits geschafft hatte oder wie viel noch vor mir liegen mochte. Ungefähr ab dem zwanzigsten Quadratmeter wurde diese Angelegenheit dann belanglos und die Terrasse zu einem algenbewachsenen Fliesenmeer, dessen Ende ich einfach nur irgendwann erreichen musste.

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Armando oder die Philosophie des Algenabkratzens (Teil 1)

Luigi kann Armando nicht leiden. Ich fürchte, das ist meine Schuld. Ich hätte ihm gar nicht erst von Armando erzählen sollen. Luigi kennt sich aus mit solchen Typen und seine Abneigung ist vielleicht sogar berechtigt, denn Armando ist ein Tagedieb, ein Tramp, der wohl nur zufällig sein Lager in der Nähe aufgeschlagen hat, der lautlos auftaucht, nimmt, was er bekommen kann, und genauso schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist. Aber manchmal, manchmal bleibt er auch eine Weile und sieht mir beim Arbeiten zu. Typisch Mann, werdet ihr denken. Und damit habt ihr vielleicht genauso recht wie Luigi.

Trotzdem warte ich auf ihn, wenn ich mich mit einem Spachtel bewaffnet Zentimeter für Zentimeter durch die Algenkruste kratze, die sich in den letzten Jahren auf der ungenutzten Terrasse, die zu unserer Traumwohnung gehört, gebildet hat – eine Idiotenarbeit und dennoch eignet sich nicht jeder dafür. Luigi streicht lieber Heizkörper. Die sind kleiner und man sieht die Erfolge schneller. Abgesehen davon habe ich auch mehr freie Zeit als er und bin daher im letzten Jahr praktisch zu einer Algenabkratzexpertin geworden. Ich kenne die verschiedenen Arten, die sich auf unserer Terrasse angesiedelt haben, und weiß, wie man sie am leichtesten entfernen kann.

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Kartoffelblüte – Neues aus Terrassien

Heute kurz die neusten Infos zum Kartoffelexperiment und den Anfängen des Terrassengärtnerns.

IMG_20130626_082738Wie auch bei den anderen Teilnehmerinnen der Kartoffelpflanzaktion auf Balkonien oder in diversen Hausgärten haben blühen bei mir vor etwa  2 Wochen die beiden Kartoffelpflanzen auf der Traumwohnungsterrasse. Die dritte Kartoffel hat nie wieder etwas von sich sehen lassen. Daher muss ich annehmen, ihr stiller Protest bedeutet, dass sie lieber in einer von Marias Kartoffelpizzen als in torfiger Blumenerde gelandet wäre. Nun, ja, als emanzipierter Mensch kann ich damit leben, dass auch eine Kartoffel selbstbestimmt über ihre Fortpflanzung entscheiden möchte. Möge sie in Frieden zu Naturdünger werden!

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Abgesehen von den Kartoffelblüten freue ich mich über unseren Feigenbaum „Federico“, den zahlreiche kleine Feigen in Dreierkombinationen schmücken. Wir haben außer einem Feigenbaum auch einen Kirsch-, einen Aprikosen-, einen Zwergbirnen und einen Orangenbaum in große Töpfe auf die Terrasse gesetzt, die bis auf den Aprikosenbaum auch alle im März/ April geblüht haben. Doch allein Federico hat in diesem Jahr schon Früchte angesetzt, was daran liegen könnte, dass Feigenbäume hier im Süden wie Unkraut wachsen.

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Ein paar halbvergammelte, graugrüne Kakteen und einige andere Pflanzen, die wir nach dem Kauf unserer Wohnung im letzten Herbst unter den Überresten von toten Pflanzen auf der Terrase geborgen haben, sind wieder saftig grün geworden und haben uns schon mit spektakulären Blüten erfreut. Außerdem gibt es noch ein paar Kletterbohnen, die im Moment zum Opfer der Tauben werden, für die junge Bohnenblätter offensichtlich richtige Leckerbissen sind. Noch ein Grund mehr dafür, sich später einen Wachkater anzuschaffen.