Archiv für den Monat Januar 2019

Vormittagsspaziergang in Molfetta

Etwa 15 Minuten von Bari in Richtung Trani liegt auf halber Strecke das kleine Hafenstädtchen Molfetta. Bei den Touristen ist es vor allem wegen des Outlet-Centers bekannt, welches sich direkt an der SS16 vor den Toren Molfettas befindet. Im apulischen Trulli-Stil mit einem riesigen Parkplatz davor lenkt es die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Stadt weg auf den schnöden Konsum. Dabei hat der Bischofssitz Molfetta mit einem netten Hafen, seiner Kathedrale, einem sehenswerten, festungsartigen Dom und mehreren kleineren Kirchen durchaus etwas zu bieten.

Der Duomo Vecchio steht seit dem 12. Jahrhundert wie eine trutzige Burg am kleinen Fischerhafen von Molfetta.

 

Durch das Tor gelangt man in die verwinkelten Gassen der ruhigen Altstadt.

 

Charakteristisch sind die grün gestrichenen Fensterläden.

 

Wir hatten im Dezember sogar das Glück, dass es auf dem Altstadtring eine Oldtimer-Ausstellung gab. Weihnachtlich wurde es mit kleinen Ständen, an denen man Handwerk verkaufte, und für die Kinder gab es vor dem Rathaus Puppentheater.

Für ein paar Stunden kann man sich also auch in Molfetta hervorragend verlustieren. Probiert es aus, wenn ihr in Apulien seid!

Möven nutzen ein Fischerboot als Ruheplatz im Hafen.

Geburtstagsfeier auf dem Land – Tenuta Patrunio Perniola

Wenn Süditaliener feiern, dann tun sie das gern in Massen. Eine durchschnittliche Hochzeit wird zum Beispiel mit mindestens 100 Personen bestritten, sonst gilt sie als armselig. Doch auch runde Geburtstage feiert man gern in Großfamilie. So waren wir im November zum 70. Geburtstag einer Tante eingeladen, welcher stilecht in der kleinen Masseria „Tenuta Patrunio Perniola“ unweit von Gioia del Colle stattfand. Nur so konnte man mal schnell 30 Personen unterbringen und verköstigen. … und nur weil die besagte Tante gesundheitliche Probleme hatte, wurde – fast schon peinlich – lediglich die engste Familie eingeladen.

Wir hatten Glück mit einem warmen, sonnigen Novembersamstag. So konnten wir uns sowohl drinnen als auch draußen aufhalten. Davide genoss eine große Schiffsschaukel, die auf einer Terrasse aufgebaut war. Aber noch mehr interessierten ihn die vielen Katzen, die sich faul in der Sonne räkelten. Leider ergriffen sie mehrheitlich die Flucht, wenn er sich ihnen näherte.

Auch über herumliegende Katzen hinaus haben sich die Eigentümer große Mühe gegeben ein ländliches Ambiente zu erhalten, es aber für ihr Restaurant einladend zu gestalten. Alte Ackergeräte säumten die Auffahrt. Riesige Keramik-Weinamphoren schufen mittelalterliche Atmosphäre. Antike Fässer dienten als Blumenständer und ein alter Mühlstein war mit Herbstastern bepflanzt. Auch einen romantischen Pavillon gab es, umringt von bunten Herbstblumen, und an einem gigantischen Felsbrocken rankte eine Bougainvillea. Wir fühlten uns dort sehr wohl.

Der Apulienfan erkennt sogleich die Keramik aus Grottaglie auf dem Kaminsims.

Im Haus selbst waren zwei große Säle zugänglich. Auch hier war alles liebevoll dekoriert. In Nischen, in welchen dereinst auf Regalbrettern allerlei Gefäße aufbewahrt wurden, fanden sich jetzt Einrichtungsgegenstände, sowie Haushalts- und Küchengeräte. Davide interessierte sich besonders für die Sammlung alter, schwerer Bügeleisen. Auf den Simsen zweier enormer Kamine war typisch apulische Keramik zu finden. Man konnte sich auch über die hier produzierten Weine, eingelegtes Gemüse und selbstgemachte Pasta informieren und diese Produkte natürlich auch käuflich erwerben. Selbstverständlich standen diese auch später auf dem Esstisch.

Das Essen dauerte denn auch von 13 bis 17 Uhr. In diesen vier Stunden aßen wir diverse Antipasti, zwei einfache Hauptgerichte (ein Risotto und dann Pasta mit Pilzen), einen Berg gegrillte Wurst und Fleisch und natürlich gab es zum Schluss Obst sowie eine leckere Geburtstagstorte. Dazu flossen nicht nur Wasser und Wein, sondern auch alte Familiengeschichten in Strömen. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir solchermaßen genudelt an diesem Tag nichts weiter brauchten als das heimische Sofa und ein wenig Ruhe.

Wie wunderbar, ein so schönes Erlebnis an einem so tollen Ort mit so vielen Leuten zu teilen. Wir werden diesen Samstag bestimmt nicht vergessen und können die „Tenuta Patrunio Perniola“ nur weiterempfehlen. (Ganz großes Plus: eine rollstuhlgerechte Toilette. Das findet man nicht überall.)

 

… und wiedergefunden

(Wie unsere Katze Gina verschwand, ist hier nachzulesen.)

Zwei Monate war unsere Katze Gina aus unserer Terrassenwohnung im dritten Stock verschwunden. Im Grunde glaubte wir nicht mehr daran, sie jemals wiederzusehen. Doch irgendwie hatte sich ein kleiner Hoffnungsfunke erhalten.

Gina am zweiten Tag: abgemagert, verletzt und dehydriert; doch am Leben.

Und dann kam dieser verrückte Abend Ende September. Eine Freundin war zu Besuch und wir kamen, uns laut auf Deutsch unterhaltend, vom Kinderspielplatz zurück. In unsere Straße einbiegend hörten wir plötzlich in einem verlassenen Aufgang eines alten Hauses eine Katze miauen; jämmerlich miauen und an der uralten Holztür kratzen. Mein Herz für geschundene Kreaturen ließ mich zunächst gar nicht an unsere Katze denken, doch ich versuchte sofort die Tür einen so großen Spalt weit zu öffnen, dass die Katze entkommen konnte. Natürlich gelang es mir nicht, aber die Tür ließ sich immerhin so weit öffnen, dass ich deutlich das grau-getigerte Fell und die deformierte Pfote unsere Katze erkennen konnte. „Gina! Da ist unsere Gina drin!“, entfuhr es mir ungläubig. Ich strengte mich noch mehr an, den Türspalt zu vergrößern, aber es brachte nichts.

Meine Freundin blieb daher mit Davide zurück und ich versuchte bei den Mechanikern in unserer Autowerkstatt Hilfe zu holen. Leider half auch ein Brecheisen nicht, den Spalt genügend zu vergrößern. Während wir an der Tür herumwuchteten und die Katze immer schriller schrie, kam eine kleine Gruppe von Passanten vorbei, die wissen wollten, was wir dort trieben. … und dann ging alles so schnell, dass ich mir nicht einmal die Gesichter der Leute merken konnte. Auch wann unser Mechaniker aus dem Geschehen verschwunden war, kann ich nicht mehr rekapitulieren.

Jedenfalls nahm letztendlich ein Herr seine Umhängetasche ab und gab sie einer Frau. Dann warf er sich dreimal mit der Schulter gegen die Tür, die beim dritten Mal aufsprang. Die Katze schoss heraus. Ich stürzte mich auf sie, um sie einzufangen, und hörte noch, wie der Mann sagte: „Mehr hätte die Feuerwehr auch nicht getan.“ Und plötzlich waren die Leute weg. Ich hingegen stand mit einem Fell besetzten Knochengerippe und einem hysterisch jauchzenden Kind auf dem Bürgersteig. Unendlich erleichtert und unendlich besorgt zugleich.

Vom Knochengerippe zur Katze

Gina Ende Oktober: Die Nase ist verheilt. An Gewicht hat das Tier zugelegt, aber ist misstrauisch geblieben.

Von Nachbar N. erfuhr Luigi, welcher die Nachricht von unserer nach zwei Monaten wiedergefundenen Gina sofort weiterverbreitete, dass eine Katze schon seit mindestens drei Tagen hinter der schweren Holztür miaut hatte. (Lassen wir mal dahingestellt, was diese Information über das Mitgefühl unseres Nachbarn aussagt.) Die erste Nacht verbrachte Gina hauptsächlich mit Saufen und Herumliegen. Nachdem sie uns die erste Portion Futter auf den Teppich gekotzt hatte, gaben wir ihr zwei Tage lang stündlich nur wenige Krümel Katzenfutter auf einmal. Der Tierarzt bestätigte uns am nächsten Tag, dass Gina stark dehydriert sei und riet uns außerdem auf ein hochwertiges Katzenfutter umzusteigen. Später müsse man sehen, ob vielleicht die Nieren geschädigt seien.

Es dauerte mehrere Wochen, bis die Katze wieder wie eine Katze und nicht wie ein Knochengerippe aussah. Ihre sicherlich beim Ausbruchsversuch aus dem Haus aufgeschrammte Nase, ist verheilt. Das Fell ist jedoch an einem Punkt bis heute nicht nachgewachsen. Wegen der Nieren haben wir noch nichts unternommen, aber sie säuft nach wie vor viel Wasser.

Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich es immer noch nicht fassen, dass wir unsere mäklige, konkurrenzunerfahrene Katze nach zwei Monaten doch noch lebend wiedergefunden haben. Inzwischen ist sie – bis auf den felllosen Fleck auf der Nase – wieder ganz die Alte. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sie die Nachbarterrassen meide und sicher nicht den gleichen Fehler noch einmal machen würde. Aber das kann ich nicht. Doch wenn uns die ganze Geschichte eins gelehrt hat, dann ist es das: Vertrauen zu haben – in die Fähigkeiten unserer Katze und in die eigene Intuition.

Gina verschwunden…

Am Jahresende; bei mir aus Zeitmangel eher am Jahresbeginn, lässt man automatisch seine Gedanken schweifen, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Wir hatten viele schöne und aufregende Erlebnisse im Jahr 2018, doch eins sticht als vollendetes Drama aus allen heraus. Zunächst schrieb ich auf diesem Blog nicht davon, weil es zu traurig war. Dann ließ ich nichts verlauten, weil wir immer noch besorgt darum waren, dass das scheinbar gute Ende plötzlich noch umschlagen könne. Inzwischen hat sich der Alltag wieder eingestellt und wir fluchen oft genug wegen unserer unsozialen, nervtötenden Katze, die wir fast verloren hätten. Doch von vorn…

Verschwunden aus dem dritten Stock

Vor 5 Jahren hat sich eine grau-getigerte Handvoll Katze an einem Müllcontainer in unsere Herzen geschnurrt. Während wir ganz besonders im ersten Jahr noch befürchteten, dass unsere Gina – wie wir sie nannten – vielleicht von der Terrasse im dritten Stock abstürzen könnte, hatte sich diese Angst nach spätestens zwei Jahren gelegt. Umso so unglaublicher war es, dass die Katze im vergangenen Juli, nach immerhin fast 5 Jahren, plötzlich nicht mehr zum Fressen kam.

Am ersten Tag waren wir davon überzeugt, dass unsere Nachbarn von angrenzenden Terrassen sie vielleicht unabsichtlich in ihre Terrassenhäuschen eingesperrt hätten und schon wieder rauslassen würden. Am zweiten Tag drang ich auf eine der besagten Terrassen vor, nur um davon überzeugt zu werden, dass dem leider nicht so war. Aber auch eine Suche nach einer vielleicht abgestürzten Katze rund um unseren Häuserkomplex brachte kein Ergebnis. Wo war Gina?

Luigi begab sich auf eine Klingeltour bei unseren Terrassennachbarn und fand schließlich die traurige Lösung des Rätsels. Auf einem der Dächer stand die Tür zu einem Treppenhaus offen. Vermutlich war die Katze mit Hilfe von freundlichen Nachbarn durch die Haustür auf die Straße entkommen. Insgeheim hoffte ich, dass sie vielleicht einer von ihnen zu sich genommen habe, statt sie rauszulassen. Manchmal macht man sich so irre Hoffnungen, weil die Realität zu schmerzhaft wäre.

Wir pflasterten also die unmittelbare Umgebung mit einer Suchmeldung und in der ersten Woche ging ich jeden Abend die nähere Umgebung ab, um nach unserer Katze zu rufen – für den Fall, dass sie in der Nähe sei und mich hören könne. Doch das einzige, was zurückkam, waren die neugierigen Blicke derjenigen, die ihre Hunde zu einem Abendspaziergang ausführten. Wahrscheinlich dachten sie, ich leide nicht nur unter einem starken Schnupfen, sondern auch an anderen Krankheiten.

Und noch ein Problem stellte sich uns: Ich kann gar nicht sagen, wie oft Davide in den folgenden Wochen nach Gina fragte und eine Erklärung forderte. Schließlich erweiterten wir unsere „Wie die Katze Gina zu uns kam“-Geschichte und dachten uns eine Fortsetzung aus, in der Gina ihre Eltern besuchen gegangen war. Das Ende ließen wir offen.

Ein Fünkchen Hoffnung vs. Neue Katze

Während unseres Deutschlandurlaubes wurde uns klar, dass ein Leben ohne Katze zwar möglich, aber kein richtiges Leben wäre. Halb und halb beschlossen wir also im Angesicht von Omas Kater Kasi, dass wir eine neue Straßenkatze zu uns nehmen würden, sobald wir wieder auf der heimischen Terrasse säßen. Doch löste sich dieses Vorhaben schnell wieder in Luft auf, denn beim Anblick des Futternapfes von Gina wurde uns klar, dass wir immer noch ein irrwitziges Fünkchen Hoffnung hegten und für feine neue, vierbeinige Gefährtin noch nicht bereit waren.

Fortsetzung hier

Dicke Schneewolken

Kaktusfeige mit Schnee

Diese Glöckchen wollten schon den Frühling einläuten.

Im letzten Jahr hat mir schon jemand aus dem Ruhrgebiet geschrieben, dass es bei uns in Apulien mehr Schnee zu geben scheint, als in Deutschland. Obwohl ich das natürlich nicht hoffe, da Schnee in und um Bari immer ein totales Chaos bedeutet, dass mit vielen Unfällen, Schließungen von Schulen und Kindergärten und schlitterglatten Fußwegen einhergeht, haben wir den Schnee heute morgen dank der Ferien doch freudig begrüßt – jedenfalls Davide und ich. Der Rest von Triggiano versteckt sich immer noch hinter heruntergelassenen Rollläden. Wer nicht anders konnte hat sich langsam auf den Arbeitsweg gemacht.

Davide findet Schnee eine Superabwechslung und lässt dafür auch seine Eisenbahnen stehen.

Weihnachten geht bei uns bis zum 6. Januar. Bis dahin genießen wir die Dekoration. (Und ab dem 7. könnte der Winter gern vorbei sein.)

Da Schnee hier jedoch recht flüchtig ist, sieht man inzwischen nur noch Schneereste und Wasser. Allerdings drohen dunkle Wolken mit weiterem Weiß. Davide würde es begrüßen. Gina eher nicht.

Wie sieht der Winter bei euch aus?

Ungeahnte Möglichkeiten

Die geneigten Leser meines Blogs wissen, dass ich mir vor zwei Jahren einen Komposthaufen für die Terrasse zugelegt habe. Eigentlich war meine Absicht, das herabfallende Laub und andere Pflanzenteile zu kompostieren, um das Heraufschleppen schwerer Blumenerde in den dritten Stock zu reduzieren. Man wird ja nicht jünger.

Wie groß war meine Überraschung, als im späten Frühling plötzlich eine Ranke aus dem grünen Plastikwürfel herauswucherte. Melone oder Kürbis – hieß nun die Frage, denn beides hatten wir im letzten Jahr reichlich verzehrt und Schalen sowie Samen auf dem Kompost entsorgt.

Erst der Sommer brachte Klarheit und der Herbst dann einen leckeren birnenförmigen Kürbis, der bald als Risotto, Kürbiskuchen und im Ofen gebacken endete.

Was auf einer Terrasse doch so alles möglich ist!