Archiv für den Monat Juni 2017

Jahrestag vergessen

Blütengruß aus der Kaktusecke

Mein Gedächtnis für alles, das mit Zahlen zusammenhängt, ist wirklich schwach. Bis heute weiß ich nicht, wie ich jemals Mathe-Abitur machen konnte, und, dass mir langjährige Freunde noch nicht die Freundschaft gekündigt haben, ist nur der Tatsache zuzuschreiben, dass ich mir einzig Daten merken kann, die mich wirklich schon mein ganzes Leben lang begleiten. Für kürzlich erworbene Verwandte und Freunde habe ich zum Glück Luigi. Aber ehrlich, kennt ihr das auch, dass man an einem Tag auf den Kalender schaut und denkt: „Ach, übermorgen hat X Geburtstag, Namenstag, Hochzeitstag etc.! Das darfst du nicht vergessen.“ … und dann schaut man ein paar Tage später auf den selben Kalender und stellt fest, dass man es doch vergessen hat? Blöde Sache!

Eine Sonnenblume blühte pünktlich zum Jahrestag.

Gut, wenn einem das nur mit selbsternannten Jahrestagen passiert. Da fühlt sich wenigstens niemand beleidigt. So stellte ich also heute Morgen fest, dass ich bereits vor zwei Tagen meinen fünften Apulien-Geburtstag hätte feiern können. Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Vielleicht ist es auch ein gutes Zeichen, wenn man so einen Tag vergisst. Heißt das nicht auch, dass man in der Normalität des neuen Lebens angekommen ist?

Fünf Jahre bin ich also schon hier und immer noch kann ich sagen, dass alles immer besser wird. Vielleicht bin ich auch nur ein einfacher Mensch mit einfachen Bedürfnissen, aber tatsächlich haben sich im letzten Apulienjahr nur Dinge ereignet, die unser Leben hier schöner und spannender gemacht haben.

Mein Lieblingsbaum auf der Terrasse beglückt uns auch in diesem Jahr mit dicken, saftigen Feigen.

An erster Stelle steht natürlich Davide, der jetzt schon rudimentäre Sätze mit mehreren Wörtern bildet. Zum Beispiel zeigte er heute früh auf den Kondensstreifen am Himmel und krähte begeistert „Mama nonnina!“ – Was so viel heißt, wie „Omi von Mamas Seite kommt mit dem Flugzeug“. Tatsächlich sind zwei der wichtigsten Menschen meines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes im Anflug und so werden wir den versäumten Jahrestag ganz schnell nachfeiern.

Da Davides und mein Geburtstag ansteht, trudeln bereits Geschenke ein. Eine sommerliche Tasche kann ich gut brauchen.

Nach einer arbeitsmäßigen Winterflaute (noch ist es mir nicht gelungen, dem Lehrerinnendasein in einen Job in der Wirtschaft zu entkommen) habe ich mir in den letzten Monaten buchstäblich die Hacken abgerannt und war nur noch zum Schlafen zu Hause. Daher freue ich mich jetzt darüber, dass die Gymnasialschüler schon Ferien haben und nach und nach die anderen Kurse auslaufen, so dass nur noch meine privaten Schüler übrig bleiben, die auch irgendwann Sommerurlaub machen werden. Überhaupt war meine Arbeit als Geschichts- und Geographielehrerin in den letzten drei Monaten eine ganz besondere Erfahrung bei der ich selbst wohl am meisten gelernt habe.

Eine andere Schule betraut mich inzwischen mit der Organisation und Oberaufsicht für IELTS-Englisch-Prüfungen. Eine witzige Sache, bei der alles mit gefühlt tausendfachen Auszählungen, Kandidatenfotos und Fingerabdruckscans hypersicher zugehen muss, weshalb man sich da ein bisschen wie ein Kommandant bei einem Staatssicherheitsdienst fühlt. Das brachte unter anderem auch drei Dienstreisen quer durch Italien mit sich, was dazu geführt hat, dass ich mein Zuhause und meine kleine Familie nur noch mehr schätze.

Überhaupt hat Luigi sich durch meine Abwesenheiten zum qualifizierten Hausmann und Vater entwickelt. Das muss an dieser Stelle einfach mal lobend erwähnt werden. Ohne ihn wäre die Bude hier schon im Dreck verkommen und unter der Last von verstreuten Spielzeugen zusammengebrochen.

Ein Kamin – schön und nützlich, denn auch im Winter habe ich gern 40 Grad in der Bude.

Für den Sommer haben wir uns einen Urlaub in Deutschland vorgenommen. Außerdem wollen wir in diesem Apulienjahr ein paar Wochenendausflüge in Apulien unternehmen und schauen, wie das mit Davide funktioniert. Für die Wohnungsverbesserung ist ein Projekt „Dachdämmung“ angesagt, das wohl im September stattfinden wird. Ganz genau kann man das in Süditalien ja nie sagen. Im letzten Herbst wurde der Kamin verkleidet und sieht nun auch wie ein solcher aus. Hinter der Wohnung lagern schon vier Zentner Holz, obwohl man sich im Moment bei fast 40 Grad nicht vorstellen kann (oder auch nur will), dass man diesen Kamin irgendwann wieder brauchen wird.

Ach, ich könnte noch so viel herumplaudern, aber die Zeit ist knapp und der Besuch im Anflug; wie bereits oben erwähnt. Daher mache ich mich mal an meine hausfraulichen Pflichten und beseitige ein wenig das Chaos und den Staub, der in den letzten Tagen durch die permanent geöffneten Fenster und Türen eingedrungen ist.

Ich wünsche euch allen einen schönen Sommer und mir noch einmal alles Gute zum Compuglianno 2017!

Bis bald! Corinna

 

Im Vespa-Nest

Denkt man an Italien, dann denkt man nicht nur an das Meer, die leckere Pizza oder andere kulinarische Köstlichkeiten, sondern auch an die allgegenwärtigen, kleinen Motorroller namens Vespa. Vor allem jetzt im Sommer brausen sie tatsächlich wie Wespenschwärme durch die Stadt. Dabei sind sie nicht nur bei Jugendlichen, sondern vor allem bei den älteren Generationen beliebt, die mit ihrer Vespa Erinnerungen an unendlich scheinende Sommer, Fahrten ans Meer und die erste Liebe verbinden.

Dabei ist die Geschichte des flotten Flitzers eng mit der Nachkriegsentwicklung in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verbunden. Erstmalig 1946 produziert, erlebte die Vespa schnell einen Boom und man wurde auf Wartelisten gesetzt, um einen der Roller zu bekommen. Der Schwarzmarkt florierte mit bis zu doppelt so hohen Preisen. An die katastrophalen Straßenverhältnisse der Nachkriegszeit erinnern vor allem die Modelle, an denen ein Ersatzrad befestigt werden konnte. Weltberühmt wurde das Fahrzeug 1953, als die blutjunge Audrey Hepburn und Gregory Peck in der romantischen Komödie „Ein Herz und eine Krone“ auf einer Vespa durch Rom rollten. Bis heute erfreut sich DAS italienische Fahrzeug schlechthin einer ungebrochenen Beliebtheit, so dass zum 70jährigen Jubiläum im letzten Jahr eine Sonderedition herausgebracht wurde (mehr zur Geschichte auf vespa.com)

Kein Wunder also, dass sich Vespafreunde aus ganz Apulien am letzten Wochenende nach Ceglie Messapica aufgemacht haben, wo ein nationales Vespatreffen stattgefunden hat. Unter einem strahlend blauen Himmel drängten sich die auf Hochglanz polierten Roller unter dem Uhrenturm von Ceglie dicht an dicht. Es schien als habe jeder regionale Vespa-Club im Umkreis von zwei Stunden eine Abordnung geschickt, denn neben Oria, Lecce oder Canosa waren auch Roller aus Bari vertreten, wie man den Vereinsschildern entnehmen konnte.

Den ganzen Tag lang wurde gestaunt, gefachsimpelt und viel fotografiert. Längst ist das Vespalogo nicht mehr nur auf den Motorrollern zu finden. Vespa-Shirts, Helme, Taschen, Portemonnaies, Schlüsselanhänger – der Merchandise ist so vielfältig wie die Roller-Modelle und wer ein Geschenk für vom Vespa-Virus befallene Freunde suchte, wurde garantiert fündig. Die kleine Stadt Ceglie, die sich zwischen einigen der schönsten apulischen Städtchen wie Ostuni, Cisternino und Locorotondo auf einem Berg erhebt, bot zudem einen tollen Rahmen für die Veranstaltung.

Doch man muss nicht bis nach Apulien kommen, um Vespas zu bestaunen. In Celle starten übermorgen die „Vespa World Days Germany 2017“ (22.-25.6.2017). Noch habt ihr also ein paar Tage Zeit, um einen Ausflug zu planen.

Gegen das Kind – Neues Projekt aus Holzpaletten

Nach dem Abschluss des letzten Terrassenprojektes – einer fahrbaren Mülleimerumzäunung – haben wir unser nächstes Palettenprojekt in Angriff genommen. Dieses hat ursächlich damit zu tun, dass Davide inzwischen so mobil und abenteuerlustig ist, dass wir seinen Bewegungsraum auf der Terrasse unseren Nerven zuliebe einschränken müssen.

Daher haben wir überlegt, gut die Hälfte der Terrasse mit einem Zaun abzuriegeln, so dass die Kaktusecke nicht mehr zugänglich ist und der liebe Filius auch nicht einfach um die Wohnungsecke aus der elterlichen Sicht verschwinden kann. Ein einfacher Zaun aus dem Baumarkt, den man an der Ballustrade und der Hauswand hätte festmachen können, hätte es sicher auch getan, aber mir schwebte ein mobiler Zaun vor, für den man keine Löcher zu bohren brauchte, die später nur die Wände verunzieren würden.

Da ein Zaunfeld jedoch nicht von selbst steht und ich generell schnell dabei bin, einen neuen Blumenkübel zu bepflanzen, lag es nahe, beides zu verbinden. Daher steht jetzt schon das erste Blumenkübeluntersetzerzaunfeld an seinem vorherbestimmten Ort. Es sieht noch ein wenig verloren aus, aber der schulfreie Juli kommt und dann wird das Projekt komplettiert.

Die Tomaten fühlen sich wohl in ihrem Zaunkübel.

Wochenendverlängerung

Schildkröten im „Parco 2 Giugno“

Der zweite Juni ist in Italien ein Nationalfeiertag, denn am 2.6.1946 stimmte die Mehrheit der Italiener dafür, aus Italien eine Republik nach demokratischem Prinzip zu machen und der Monarchie den Rücken zu kehren. An diesem Tag wird auch der gefallenen Soldaten gedacht und Lorbeerkränze werden an den Mahnmalen niedergelegt.

In Bari wurde sogar einer der wenigen Parks nach diesem historischen Moment benannt. Den „Parco 2 Giugno“ hatten wir allerdings schon am 1. Mai besucht. Damals hatten wir Lust auf einen morgendlichen Ausflug und ein bisschen Grün. Was mich überrascht hat, war die Tatsache, dass der Park hauptsächlich von Schildkröten besiedelt ist. Luigi erinnert sich noch an seine Kindertage und Wildenten in diesem Park. Von den Enten haben wir jedoch nicht einmal eine Feder gefunden – weit und breit nur Schildkrötenköpfe die sich der Sonnen entgegen reckten. Späterhin wurde es richtig voll, weil viele Familien mit Kindern die Gelegenheit nutzten, zum Spielen in den Park zu kommen.

Sonnenanbeter

Auch Baris Senioren und Seniorinnen sind der Morgensonne nicht abgeneigt.

Für die Normalbürger ist der „Tag der Republik“ vor allem ein freier Tag, den man gern damit verbringt, ans Meer zu fahren, denn im Juni kann man schon fest mit Badewetter rechnen. Tatsächlich liegen die sonnenhungrigen Apulier schon seit Anfang Mai am Wasser herum.

Wir hingegen nutzten das lange Wochenende, um zu Hause Liegengebliebenes zu erledigen, während Davide sein Plantschbecken in der Badeecke auf der Terrasse wieder in Gebrauch nahm. Da in Deutschland gerade das Wochenende wegen Pfingsten verlängert wurde, werdet ihr nachvollziehen können, dass wir die drei freien Tage trotz der häuslichen Pflichten genossen haben.