Archiv für den Monat Mai 2014

Unterwegs mit Kurzurlauberin

In der letzten Woche war eine Freundin zu Gast und hat sich teilweise allein, teilweise in unserer Begleitung in und um Bari umgesehen. Hier ein paar Fotoeindrücke.

 

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In den Grotten von Castellana

Mit dem Zug dauert es nur zwanzig Minuten und schon ist man bei den Grotten von Castellana angekommen. Sie stellen das größte zusammenhängende Höhlensystem Italiens dar und empfangen das ganze Jahr über Besucher. Die Website ist inzwischen sehr ordentlich. Interessierte finden dort alle nötigen Informationen.

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Siamesisches Trullo in Alberobello

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Schön, so mit Blümchen

Wenn ein Tourist in dieser Gegend ist, dann muss er natürlich auch einen Tag für die apulische Trullihochburg Alberobello einplanen. Ich habe den Mädels aus meinem Lieblingsladen nach der typisch italienischen Knutschorgie gleich gesagt, dass sie die Likörtestgläser nicht so weit wegstellen sollen. Ich werde in diesem Sommer sicherlich noch ein paar Mal reinsehen, weil mich noch mehr Leute besuchen werden und ich dort inzwischen einen guten Rabatt bekomme.

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An der Seepromenade von Bari

Natürlich habe ich meine Freundin auch in Bari herumgeführt. Klares Muss ist ein Spaziergang an der Seepromenade.2014-05-02 10.19.17

Selbstverständlich darf auch ein Blick auf einen der wenigen Parks der Stadt nicht fehlen – Piazza Umberto.

IMG_7259Highlight war jedoch ein Ausflug zum Castel del Monte und ein Mittagessen im Hafen der kleinen Stadt Trani, die mit ihrer restaurierten und sauberen Altstadt viele Spaziergänger anlockt. Doch darüber ein anderes Mal mehr.

 

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Im Hafen von Trani

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Psychodog – Identitätsprobleme bei Katzen

Eigentlich wollten wir eine dicke, rote, gemütliche Katze, die den ganzen Tag auf dem Sofa herumlümmelt und darauf wartet, von uns gestreichelt zu werden. Am Straßenrand aufgelesen haben wir hingegen eine stromlinienförmige, graue Katze, die höchsten zwei Minuten am Tag gestreichelt werden will – und zwar immer genau dann, wenn es pressiert; zum Beispiel wenn man frühmorgens mit gefüllter Blase das Badezimmer erreichen muss. Dann wirft sie sich uns vor Freude vor die Füße und schnurrt, als gelte es das Leben. Den restlichen Tag über flüchtet sie jedoch vor jeglichem Körperkontakt oder macht im Ringkämpfermodus deutlich, dass sie sich am liebsten mit einem im Staub wälzen würde.

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Bulimie bei Katzen?

Irgendwer – vielleicht eine von Luigis dauerdiätenden Cousinen – muss unserer Katze auch den Floh ins Ohr gesetzt haben, dass sie ihre Modelmaße halten solle. Von mir hat sie das jedenfalls nicht! Doch mit 50 Gramm Nass- und drei Krümeln Trockenfutter kommt sie den ganzen Tag aus, ohne vor Hunger umzufallen. Möglicherweise liegt das daran, dass italienische Straßenkatzen ihre Gene über Generationen so modifiziert haben, dass sie von Abfällen und gelegentlichen Futterspenden leben können. Das wäre vielleicht gar nicht so schlimm, wenn sie sich nur wenig bewegen würde, und das Futter Zeit hätte, irgendwo anzusetzen. Gina hetzt jedoch täglich mit gewagten Sprüngen und Überschlägen Bienen, Fliegen und andere Insekten über die Terrasse, gräbt in unseren Blümenkübeln und erklimmt artistisch viel zu dünnstämmige Bäume und Yucca-Palmen. Mit dem „dick“ und „gemütlich“ wird es also wahrscheinlich in den nächsten Monaten nichts werden.

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Auf dem Weg durch die Blumentöpfe

Doch das Schlimmste an unserer Katze ist ihr Identitätsproblem. Ich kann ja vestehen, dass Menschen nicht die besten Vorbilder für Katzen sind, aber dass Gina denkt, sie wäre ein Hund, finde ich irgendwo zwischen bemerkenswert und besorgniserregend. Bemerkenswert deshalb, weil ich denke, dass es eine Katze, die Vergnügen daran findet, stundenlang Bänder und Stofffischchen zu apportieren, nicht so häufig gibt. Besorgniserregend deshalb, weil die Nachbarn uns sicherlich für merkwürdig halten, wenn Gina nicht nur Insekten über die Terrasse jagt, sondern auch uns. Und wenn sie davon genug hat, dann lässt sie sich von uns über die Terrasse jagen, wobei sie wenigstens auf unsere mangelnde Kondition Rücksicht nimmt und sich gelegentlich in einem Blumentopf räkelt, um sogleich weiter zu flüchten, wenn man sie eingeholt hat.

Auf dem Weg zum Möbelmarkt sah ich unlängst eine Werbetafel für ein Unternehmen namens „Psycodogs“. Ich dachte mir, dass ich mal anfragen könnte, ob sie nur Hunde therapieren oder auch magersüchtige Katzen, die nur glauben, ein Hund zu sein. Doch es stellte sich heraus, dass es sich bei „Psycodogs“ nicht um einen Therapeuten für psychisch gestörte Hunde, sondern um eine ganz normale Hundeschule handelte. Ja, was also tun? SollteIMG_20140521_180746 ich – als liebender Katzenfuttertütenöffner – Gina in der Entwicklung ihrer hündischen Anlagen unterstützen und mit ihr beispielsweise zur Welpenspielstunde gehen? „Spinnst du?“, wies jedoch Luigi mein Ansinnen sofort zurück. „Stell dir vor, sie lernt da auch noch zu bellen!“ Oh, dass stelle ich mir lieber nicht vor, denn bisher ist das einzig Gute an unserer Katze, dass sie all ihre hündischen Hobbys stillschweigend verrichtet.

Also legen wir unsere Hoffnung auf die Zukunft: Rot wird Gina zwar nie werden, aber vielleicht klappt es im Alter mit dem „dick“ und „gemütlich“ – so etwa in 10 Jahren.

Billy und die Ewigkeit

Nachdem ich über Ostern das diesjährige, regnerische Apulienwetter ausgesetzt hatte und nach Deutschland geflüchtet war, sollte es nach Ostern in Sachen „Mission Traumwohnung“ weitergehen; und zwar beim Projekt „Inneneinrichtung“. In Erwartung meiner mit einer Spedition eintreffenden Bücher (und anderen Habseligkeiten) mussten weitere Bücherregale her. Gar kein Problem – so dachten wir, denn wir hatten uns nach unserem Einzug schnell dazu entschieden, unser Wohnzimmer beim ersten Mal mit dem fast beliebig erweiterbaren, kostengünstigen Billy-Regalsystem auszustatten, das eine allseits bekannte, schwedische Möbelkette schon seit Jahrzehnten produzierte und wohl noch ewig produzieren würde, so dass kein Eile hinsichtlich der Komplettierung des Projekts bestünde. Außerdem sollten sich auf diese Art die Kosten über einen längeren Zeitraum hinweg verteilen und die Anschaffungsmomente beliebig nach der Notwendigkeit gewählt werden können. So der Plan aus den Tagen unseres Einzugs.

Nun machten wir uns also an einem Samstagmorgen relativ zeitig auf, um im Möbelhaus zu frühstücken und danach die Billy-Regalisierung des Wohnzimmers fortzuführen. Bis zum Früstück lief auch noch alles nach Plan. Dann stellten wir fest, dass der Regalwunsch Nummer 1 nicht im Selbstabholungsbereich vorhanden war. „Wird bald geliefert.“, rief ein uns ein vorbeieilender Mitarbeiter zu. Na, ja. Schade, aber wohl nichts zu machen. Wir schoben also weiter an den Regalreihen mit Möbelteilen entlang und wunderten uns dabei nur mäßig, dass die sonst so üppigen Stapel deutlich kleiner ausfielen, weil das meiste deutlich reduziert war. Also packten wir bei der Gelegenheit neben anderen Teilen auch noch zwei Türen ein, die eigentlich nicht im Plan gewesen waren und zogen von dannen.

Mit unseren Teilen zu Hause angekommen, sah sich Luigi die Internetseite an und fand auch dort das im Geschäft nicht vorhandene, etwas tiefere Wunschregal ausverkauft. „Wie jetzt? Ausverkauft. Billy ausverkauft sich doch nicht.“, sagte ich irritiert. Also suchte Luigi im italienischen Web nach einem Hinweis auf Produktionsprobleme bei Ikea. Doch er fand nichts. „Geh‘ doch mal auf die deutsche Seite!“, meinte ich dann und schob ihn zur Seite. „Vielleicht steht dort etwas.“ … und richtig: „Ab August wird Billy noch besser. Gleiches Design. Neue Farben. Und die alten Oberflächen unterscheiden sich dann von den neuen.“, übersetzte ich in etwa, während Luigi mich irgendwie fassungslos anzustarren begann. Als könnte er meiner Übersetzung nicht trauen, versuchter er die gleiche Information auf der italienischen Seite zu finden, aber es gelang ihm nicht. Der Grund war sicherlich nicht mangelnde Fähigkeit.

So lernten wir: Manchmal ist die Ewigkeit deutlich kürzer, als man annimmt, und besser ist nicht immer besser für jeden.

Was also tun? Die neu gekauften Teile zurückbringen und auf das überarbeitete Billydesign warten? Aber würden die bereits angeschafften Billys mit dem neuen Design harmonieren? Sollten wir sie vielleicht gar dem Sperrmüll zuführen müssen? Wohin mit den Büchern die in wenigen Tagen ankommen sollten? Wollten wir wirklich schon wieder monatelang mit Kartonbergen zusammenleben? Oder wäre es klüger, jetzt zuzuschlagen und die Rabattierungen auf das Altbewährte (mit allen bekannten Vorzügen und Mängeln) mitzunehmen? Eine schnelle Projektierung des restlichen Regals, dann ein wenig Mathematik und wir stellten fest, dass wir uns nach einer Kompletteinrichtung mal wieder am Rand der schwarzen Null bewegen würden.

„Mhm, vielleicht könnten wir vorerst auf die Türen verzichten.“, schlug ich vor. „Selbst wenn die neuen Oberflächen anders sind, dann nehmen wir eben etwas total Kontrastierendes und sagen, das ist moderne Kunst oder so.“ Luigis Begeisterung hielt sich in Grenzen und damit gingen wir nahtlos von der Schreckens- in die Jammerphase über: Musste Ikea ausgerechnet jetzt sein Regal verbessern!? Wäre bis 2013 nicht genug Zeit dazu gewesen? Und würde nach 2014 nicht auch noch genug Zeit dafür übrig sein?

Die Frage der modernen Kunst hätte zu einem Problem werden können. Doch sie wurde uns schon am Nachmittag aus der Hand genommen, denn als wir erneut in den Ikea fuhren, um die nunmehr zweite Fuhre aller vor Ort erhältlichen Teile; die uns fehlten, zu kaufen und wir einen Mitarbeiter mit unserem Wissen vom neuen Billy konfrontierten, erklärte er uns, dass die neuen Scharniere nicht mehr mit dem alten System kompatibel sein würden. Gnade ihm Gott, wenn er gelogen haben sollte! Denn nach insgesamt vier Fahrten in den Ikea und einer Bestellung im Internet sind wir nicht nur mal wieder Pleite, sondern haben auch im Akkord aufgebaut und somit die Wohnzimmereinrichtung fast komplettiert.

… und meine Bücher stehen auch schon drin. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Nazis sind auch nicht mehr das ….

… was sie mal waren.

Cerca impiegato per Multinazi

Obwohl sich mein Lehrerdasein beständig ausweitet, habe ich immer noch Stellenanzeigen aus dem Internet abonniert. Dabei finden sich so erheiternde Ergüsse wie Stellenanzeige Nummer 2, dernach man „einen Angestellten/ eine Angstellte auch mit minimalen Deutsch- und Englischkenntnissen für ein Multinazi-Unternehmen“ sucht. Gut zu wissen, dass man als Nazi nur wenig Deutsch können muss. So mancher Springerstiefelfan hat diese These schon vermuten lassen. Hier im italienischen Web steht es nun blau auf weiß.

Aber ehrlich, man hätte ruhig noch ein paar Buchstaben hinzufügen können – „onale“ zum Beispiel, um jeglichem Missverständnis vorzubeugen, denn manchmal ist mehr eben auch mehr.

Jedenfalls habe ich prustend beschlossen, mich dort keinesfalls zu bewerben – bin schließlich nicht einmal ein Mononazi.