Archiv der Kategorie: Terrassengärtnern in Apulien

Sonntagmorgens um acht auf der Terrasse

Die Sukkulenten lassen schon seit einem Monat ihre gelben Blüten leuchten und haben die allerersten Insekten angelockt.

Der Frühling ist da. Eigentlich scheint es schon der Frühsommer zu sein, weil die Temperaturen in der letzten Woche täglich auf über 20 Grad kletterten. Das bringt natürlich mit sich, dass die Blütenpracht auf der Terrasse förmlich explodiert. In diesem Jahr springe aber  nicht nur ich wild auf der Terrasse herum, um zu fotografieren, sondern auch Davide, der neugierig die Formen, Farben und alles, was da kreucht und fleucht, entdeckt.

Daher begleitet und doch einfach mal an einem Sonntagmorgen auf unsere Terrasse, auch wenn heute schon Mittwoch ist.

Die kleinen Hyazinthen waren von allen Zwiebeln, die ich gesteckt habe, als erste da.

Davide muss sich das Innenleben der Tulpenblüten ganz genau ansehen.

 

Hier habe ich eine Mischung aus weißen und dunkellilafarbenen Tulpen gesteckt. Was da sonst noch unter unserer Lantana wächst – ich lass mich überraschen.

Die Mittagsblumen warten nicht bis Mittag, bevor sie sich öffnen.

Was da für ein Strauch seit November hinter dem Liegestuhl blüht, weiß ich nicht, aber man findet ihn hier in ganz vielen Gärten.

Gina sind die Blumen ziemlich egal. Sie will lieber frühstücken gehen.

Frage: Braucht man im dritten Stock einen Komposthaufen?

Antwort: Na, aber selbstverständlich!

Ich möchte nicht wissen, was unsere Nachbarn, welche das Vorgehen auf unserer Terrasse stets mit Interesse verfolgen, gedacht haben, als ich dieser Tage mit meinen dreckigen Gummibotten freudestrahlend über dieselbe stiefelte und pechwarzes Stollenprofil hinter mir ließ, als käme ich gerade vom heimischen Acker. Wenn es für die süditalienischen Eingeborenen mit 20 Grad nicht zu kalt zum freiwilligen Hinaustritt auf den Balkon gewesen wäre, wüsste ich es vielleicht, denn es werden sich gern ein paar höfliche Worte von Balkon zu Balkon zugerufen. Möglicherweise werde ich es im nächsten Frühjahr erfahren oder, wenn ich Nachbarn aus dem näheren Umkreis im Supermarkt treffe. Wie auch immer… dieser Bericht handelt von einem Komposthaufen und meinem diesjährigen Weihnachtsgeschenk.

Wie man in der Stadt zu einem Komposthaufen kommt

Wer hier häufiger mitliest, weiß, dass ich passionierte Stadtgärtnerin bin und gelegentlich mit meinen Händen in Erde wühlen muss. Außerdem bin ich williges Opfer einer Internetseite namens Dalani geworden, von der angeblich (und auch tatsächlich) stark heruntergesetzte Markenware aus verschiedensten Bereichen per Newsletter zu mir auf den heimischen Computer flattert. Viel zu oft schaue ich mir diese Angebote dann auch an und bestelle zum Beispiel so nützliche Sachen wie einen Komposthaufen. Komposthaufen? Ja, Komposthaufen.

herumwuelen-im-kompost

Mit einem Komposthaufen lässt man nicht nur Erde entstehen, wo man sie benötigt, sondern reduziert auch noch das lästige Hinuntertragen von Biomüll.

Als ich im letzten November die Komposthaufen oder vielmehr Plastik“würfel“ mit Deckel, in die man seine Abfälle schmeißen kann, auf der Seite sah und feststellte, dass der größte nur die Hälfte des Preises des kleinsten von ihnen kostete, traf es mich wie ein Blitzschlag: Was meine Terrasse dringend brauchte, war ein Komposthaufen, in den ich all die abgefallenen Blätter und Pflanzenteile werfen konnte, die ich so tagtäglich in den Ecken zusammenfegte und über den Biomüll entsorgte. Und da meine Terrasse recht groß ist, fand ich auch, dass der größte Komposthaufen gerade gut genug war. Außerdem hoffte ich natürlich, dass sich mit der häuslichen Produktion von Komposterde der Kauf von Säcken mit Blumenerde und vor allem das Treppensteigen mit denselben reduzieren würde.

Von den Schwierigkeiten einer Terrassenkompostproduktion

Natürlich bringt so ein Projekt „Terrassenkomposthaufen“ auch Bedenken mit sich. Schließlich muss unbedingt verhindert werden, dass sich Wasser auf den schon recht maroden Fliesen staut oder gar in diese eindringt. Das hoffte ich mit Plastikfliesen zu lösen, die ich unter dem Komposthaufen verlegte und die den gewünschten Abfluss z.B. von Regenwasser gewährleisten sollten. Dann legte ich zwei alte Wachstuchtischdecken darauf und stellte den Plastikcontainer an seinen Ort. So weit, so gut.

Blätter und anderer Pflanzenschnitt fallen bei uns genug an. Das zunächst sehr magere Häufchen Abfälle wuchs über den Winter und Frühling zu einem recht stattlichen Hügel, allerdings knisterte es verdächtig nach Heu und sah so gar nicht nach Erde aus. Eine vorsichtige Bewässerung des Heuhaufens im Sommer, ein/ zwei Eimer Gartenerde mit den darin enthaltenen Würmern und anderem winzigen Getier, sowie hin und wieder eine Zeitung (damit den Asseln und Würmern auch nicht langweilig wird) schien dennoch keinen Befeuchtungserfolg zu bringen, so dass ich immer mehr davon überzeugt war, dass ich eine Art Plastikwanne brauchte, in welcher der Komposthaufen stehen musste, um feucht genug gehalten werden zu können.

Man soll die Weihnachtsgeschenke pflanzen wie sie fallen (oder so)

weihnachtsgeschenk

Geschenketipp: Blumen kommen immer gut an!

Luigis diesjähriges Weihnachtsgeschenk (Ja, ja! Wir sind halt ein bisschen früher dran.), eine enorme Strelizie, die in einem enormen Blumentopf enorm viel Erde brauchte, führte mir wieder vor Augen, wie schön es wäre, wenn der Komposthaufen endlich funktionierte. Also machte ich mich auf die Suche, nach einem passenden Untersatz. Über die von meinem Mechanikervater vorgeschlagene Kofferraumwanne, gelangte ich schließlich zu einem quadratischen, 1,20 m großen und 12 cm hohe Pflanzgefäß, das findige Leute, welche es bei Amazon gekauft und bewertet hatten, auch als Katzenklo oder Hundbadewanne benutzten. Komposthaufenuntergrund fügt sich nahtlos in die Liste der kuriosen Nutzungsmöglichkeiten ein. Bestellt und nur kurz daran gedacht, wie viel Blumenerde man für den Preis kaufen können hätte…

sympathische-bluetenAls ich mich letztendlich daran machte, den Komposthaufen umzuschichten, um die „Wanne“ unter den selbigen zu befördern, kam die große Überraschung. Der von außen trocken anmutende Kegel aus Pflanzenschnitt und Blättern, bestand innen aus fetter Komposterde, in der sich sogar relativ große Würmer aalten und aus der ein Battalion Kellerasseln in alle Richtungen davonstürmte. So kam es, dass ich wie eingangs beschrieben mit dreckigen Gummistiefeln freudestrahlend über meine Terrasse bottet und alle Eimer zusammensuchte, deren ich habhaft werden konnte. Vier große Eimer Erde und eine Neuinstallation später, pflanzte ich auch meine Strelizie ein und feierte die einsetzenden Rückenschmerzen als Siegestrophäe über die Widrigkeiten des Stadtgärtnerns.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten (morgen ist der 1. Advent)!

Ergänzend, weil ich fürchte, dass der Kommentar von ihr untergehen könnte, möchte ich auf einen Beitrag von Ulrike über ein sehr interessantes „Regenwürmerbuch“ und einen tollen Balkonkomposthaufen hinweisen, der das Kompostieren ganz leicht und macht und einigen Aufwand erspart: Hier lesen.

Von Bienen und Blumen

Biene und Blume 1

Viele Bienen schleppten schon richtig schwer am Pollen, den sie an ihren Hinterbeinen sammeln (zum Vergrößern anklicken).

Bienen und Blumen 2Ich erwähnte bereits (vermutlich mehrmals), dass ich ein großer Kakteenfan geworden bin, seit die von unseren Vorbewohnern hinterlassenen Kakteen sich nicht nur vervielfachen sondern auch mehrmals im Jahr auffällige Trichterblüten entwickeln, welche die Größe der Kakteen deutlich überbieten. Aktuell rollt die zweite Blütenwelle über die Terrasse und heute früh ist mir aufgefallen, dass die weiß-rosa Trichter die reinsten Bienenmagneten sind. Es brummte und summte so fröhlich in der Kaktusecke, dass ich das hastige Treiben fotografisch festhalten musste. Die fleißigen Bienen müssen sich auch beeilen, denn die Pracht dauert jetzt im Sommer nur einen Tag. Dann fällt die Blüte schon in sich zusammen.

Über das Summen freue ich mich natürlich, denn sowohl Bienen und Kakteen als auch Bienen und Obstbäume sind nicht nur eine wünschenswerte sondern im wahrsten Sinne fruchtbare Kombination. Offenbar hatte sich unser Zwergbirnenbaum in diesem Jahr von den Kakteen anstecken lassen und ebenfalls zweimal Blüten angesetzt. Nun trägt er neben fast ausgereiften Birnen auch ein paar kleine aus den Juniblüten. Ich bin gespannt, ob diese ebenfalls reif werden.

Sich selbst übertroffen

sichselbstübertroffenSich selbst übertroffen hat in diesem Jahr unser Feigenbaum Federico. Die ersten Feigen, Fironi genannt, sind normalerweise immer etwas größer, aber, was in diesem Jahr im Blumenkübel auf unserer Terrasse herangereift ist, nenne ich nicht „etwas größer“, sondern spektakulär.

Rote Fackeln

Ohne Blüten bestechen sie höchstens durch ihre klaren Linien oder bizarren Formen. Doch wenn sie erstmal mit dem Blühen loslegen, dann stehen Sukkulenten und Kakteen ihren durstigen Blatt-Verwandten in nichts nach. Hier standen Aloen nahe der Seepromenade und leuchteten schon von weitem wie rote Fackeln unter dem kontrastierenden Himmel.

Aloe Vera

Unsere Aloe Vera auf der Terrasse hatte hingegen gelbe Blüten.

Olivenernte

OlivenbaumAls ich im April 2014 meine Habseligkeiten von Deutschland nach Apulien überführte, befand sich darunter auch ein Olivenbaum, den meine Mama mir ca. 10 Jahre zuvor als daumendickes Stämmchen geschenkt hatte. Einen Olivenbaum nach Apulien zu schaffen, ist zwar ungefähr so sinnvoll wie Eulen nach Athen zu tragen, aber inzwischen war sein Stamm schon auf Kinderarmdicke angewachsen, und er ließ sich im Winter auch nicht mehr einfach so ins Haus holen.

Oliven Blüte 1

…Olivenbaumblüten

Der Olivenbaum zog also mit Büchern, Geschirr, Klamotten, Nippes und meinem Elefantenfußbaum „Joe“ nach Apulien, genauer gesagt auf die Traumwohnungsterrasse um, wo es ihm nun ausgesprochen gut gefällt. Das zeigt er unter anderem damit, dass er fleißig blüht und mich im letzten Herbst vor das Problem stellte, was ich mit dem Körbchen voller Oliven anfangen sollte, dass ich ernten konnte. Damit zur nahegelegenen Ölpresse zu wandern, erschien mir ein bisschen lächerlich.

Oliven am Baum

Oliven nach dem Regen

„Sie braten einfach eine Zwiebel und ein Stückchen Knoblauch an, so appena-appena.“, erklärte mir mein neuer, bester Freund Pino als ich ihm sagte, dass ich seine Oliven nicht brauche, weil ich schon nicht wüsste, was ich mit meiner eigenen Ernte anfangen solle.  „Dann schneiden Sie hier diese Tomaten in Stücke (wobei er mir gut zwei Kilo davon in eine Tüte schaufelte) und werfen kurz danach eine Handvoll Oliven hinterher.“ Ja, das schmeckte lecker – so mit Pasta zusammen, aber trotzdem hatte ich keine Lust darauf, jeden zweiten Tag Tomaten mit Oliven zu essen.

Oliven im Körbchen

Also folgte ich Marias Rat und legte die Oliven in einem Glas mit viel Meersalz ein. Ihr zur Folge sollte ich nur jeden Tag das Glas ordentlich schütteln und ab und zu das Wasser abgießen. Nach einem Monat kostete ich die so eingelegten Oliven und muss sagen, dass ich noch nie etwas Ekligeres gegessen habe. Selbst ihr Untergang in Tomatensauce konnte sie nicht vor dem Biomülleimer retten. Nächstes Mal gehe ich vielleicht doch zur Ölpresse.