Archiv für den Monat Juli 2016

Von Bienen und Blumen

Biene und Blume 1

Viele Bienen schleppten schon richtig schwer am Pollen, den sie an ihren Hinterbeinen sammeln (zum Vergrößern anklicken).

Bienen und Blumen 2Ich erwähnte bereits (vermutlich mehrmals), dass ich ein großer Kakteenfan geworden bin, seit die von unseren Vorbewohnern hinterlassenen Kakteen sich nicht nur vervielfachen sondern auch mehrmals im Jahr auffällige Trichterblüten entwickeln, welche die Größe der Kakteen deutlich überbieten. Aktuell rollt die zweite Blütenwelle über die Terrasse und heute früh ist mir aufgefallen, dass die weiß-rosa Trichter die reinsten Bienenmagneten sind. Es brummte und summte so fröhlich in der Kaktusecke, dass ich das hastige Treiben fotografisch festhalten musste. Die fleißigen Bienen müssen sich auch beeilen, denn die Pracht dauert jetzt im Sommer nur einen Tag. Dann fällt die Blüte schon in sich zusammen.

Über das Summen freue ich mich natürlich, denn sowohl Bienen und Kakteen als auch Bienen und Obstbäume sind nicht nur eine wünschenswerte sondern im wahrsten Sinne fruchtbare Kombination. Offenbar hatte sich unser Zwergbirnenbaum in diesem Jahr von den Kakteen anstecken lassen und ebenfalls zweimal Blüten angesetzt. Nun trägt er neben fast ausgereiften Birnen auch ein paar kleine aus den Juniblüten. Ich bin gespannt, ob diese ebenfalls reif werden.

Leben auf Abstand

bedeckt 1Seit Davide bei uns ist, hat die Zahl der Katzenfotos deutlich zugunsten der Babyfotos abgenommen. Aber wie ihr seht, gibt es Gina noch. Inzwischen hat ihr beschauliches Leben sehr an Beschaulichkeit eingebüßt, denn unser Kleiner krabbelt wie ein Wilder und hat auch schon die ersten Schritte ohne sich festzuhalten gemacht. – Für uns ein berührender Moment, für Gina ein Grund mehr, Sicherheitsabstand zu halten, denn auch Davide ist ein großer Katzenfan.

Während sich Gina also überwiegend bedeckt hält, aus gegebenem Anlass hier noch einmal ihre Expertentipps für das Verhalten an heißen Tagen.

Das Sonnenbrillenproblem …

… oder: Wie lange dauert es einen Bericht über Corinna in Apulien zu schreiben?

fluegge_logo_finIrgendwann gegen Ende des letzten Jahres hat mich die Journalistin Susanne vom „Flügge“-Blog angesprochen und gefragt, ob wir uns über meine Auswanderung nach Triggiano unterhalten könnten. Auf ihrem sehr lesenswerten Blog sammelt sie nämlich interessante Geschichten von Menschen, die ausgewandert sind oder deren Leben durch eine Reise verändert wurde. Ehe wir einen Skype-Termin gefunden hatte, vergingen bereits Wochen, aber wir schafften es schließlich zusammenzukommen und sprachen über meinen Weg nach Triggiano, über Apulien, Bari, die Leute und das Leben hier in Süditalien.

Tatsächlich stellte sich als größtes Problem heraus, dass es praktisch keine Fotos von mir vor apulischer Kulisse gab, da ich immer hinter der Kamera stehe. Und auf den wenigen existierenden Fotos hatte ich immer eine Sonnenbrille auf. Logisch, denn hier scheint nun mal zu allen Jahreszeiten die Sonne. Ich musste also Besuche von Freunden abwarten, die bei uns generell immer mit Fotoapparat an- und dann mit mir in Apulien herumreisen.

Dazu kamen auf beiden Seiten Arbeit, Feste, Feiertage, Urlaub, wieder Arbeit, Familie und, und, und…  aber was lange wärt, wird bekanntlich gut. Daher gibt es seit ein paar Tagen bei Susanne einen langen Bericht, der vieles noch einmal zusammenfasst, was ich auch schon hier auf MeinApulien mit euch teile noch dazu mit einigen Fotos, auf denen ich gezwungenermaßen ohne Sonnenbrille zu sehen bin: „Vom Licht und Leben in Apulien“.

Die hässliche Fratze der Korruption

In den letzten Tagen sind die Besucherzahlen auf meinem Blog explodiert. Obwohl ich mir wünschte, das läge an einem meiner Beiträge oder an dem tollen Artikel über Ostuni, Lecce und dem Salento, der am 10.7. in der „Welt am Sonntag“ erschienen ist, wird es wohl doch eher mit dem Zugunglück zwischen Andria und Corato nördlich von Bari zu tun haben, das 23 Menschen das Leben gekostet hat und dessen Untersuchung mehr und mehr zu Tage fördert, was in Apulien (Italien) generell schief läuft.

Obwohl das schreckliche Ereignis längst von einem noch schrecklicheren in Nizza übertrumpft wurde, möchte ich mich doch noch für alle die äußern, die besorgt per Telefon, sms, Kommentar oder E-Mail bei mir angefragt haben, ob mit uns alles in Ordnung sei. Zum Glück waren weder Familienmitglieder noch Freunde oder Bekannte von uns in einem der beiden Züge unterwegs, die am 12. Juli auf einem eingleisigen Streckenabschnitt der Ferrovia del Nord Barese frontal aufeinandertrafen. Natürlich macht es das nicht besser und es tut mir sehr, sehr leid für alle, die an diesem Tag geliebte Menschen verloren haben.

Inzwischen ist der erste Schock überwunden und die Untersuchungen haben begonnen. Dabei ist schnell offensichtlich geworden, dass viele Faktoren hier zusammengekommen sind, um ein statistisch relativ unwahrscheinliches Ereignis zu provozieren. In einem Radiointerview auf „Radio Capital“ ließ der italienische Verkehrsminister gestern Abend ein paar Zahlen verlauten. Demnach gäbe es noch 9000 eingleisige Bahnkilometer in ganz Italien, von denen 600 noch mit dem sogenannten „blocco telefonico“ arbeiten fast wie zu Zeiten, als die Eisenbahn gerade erfunden worden war. Demnach fragt Bahnhofsvorsteher A mit einem „Phonogramm“ genannten, telegraphenähnlichem Gerät beim Vorsteher des folgenden Bahnhofs B an, ob das Gleis frei ist und er den Zug schicken kann. Wenn B das okay gibt, darf A den Zug losschicken und muss sich dann wieder per Telefon vergewissern, dass der Zug auch wirklich angekommen und die Strecke somit wieder frei ist.

Wegen Bauarbeiten waren an diesem Tag Züge im Sondereinsatz unterwegs, dazu kamen Verspätungen und die Rückkehr eines Zuges nach Corato, weil man vergessen hatte, ein Mädchen mit Behinderung aussteigen zu lassen. Alles zusammen scheint den Bahnhofsvorsteher von Andria verwirrt zu haben, so dass er das Signal für die Abfahrt zugelassen hat, während der zweite Zug aus Corato, auf den er hätte warten müssen, noch nicht in Andria angetroffen war. In Corato wiederum hätte man sofort nach Andria zurückgeben müssen, dass der Zug nicht losfahren darf, weil noch ein anderer auf der Strecke unterwegs ist. Doch offensichtlich hat es dort niemand mitbekommen. Als wäre das noch nicht genug des unglücklichen Zufalls trafen sich die Züge in einer Kurve, so dass die Maschinisten nicht einmal die Möglichkeit zu reagieren bzw. zu bremsen hatten.

Alles klar, möchte man also zynisch meinen: Mehrfach dumm gelaufen. Irren ist menschlich – darf eigentlich nicht sein, aber passiert manchmal. Doch hat dieses tragische Unglück den Blick auch auf einen anderen Sachverhalt gelenkt. Es gibt schon lange technische Kontrollsysteme, die solchen menschlichen Irrtum zu verhindern helfen und die bereits Pflicht in Italien sind. Für diesen Streckenabschnitt lag jedoch eine Ausnahmegenehmigung vor, obwohl Gelder für die Ausstattung der Gleise mit dem Kontrollsystem geflossen waren. Warum? Weil 2012 der zweigleisige Ausbau der Strecke mit EU-Fördermitteln genehmigt worden war und bis 2015 erledigt sein sollte? Doch dieses Projekt wurde immer wieder verschleppt. Die aktuelle Ausschreibung lief noch bis zum Anfang dieses Monats.

Wer hier das Risiko eingegangen ist, seit Jahren mit Menschenleben zu spielen, warum das Projekt so verschleppt wurde und wohin die bisher gezahlten Mittel verschwunden sind, muss nun die weitere Untersuchung hervorbringen. Klar ist aber, nicht nur menschliches Versagen, sondern auch die allgegenwärtige und für ganz Italien so typische Korruption haben all diese Menschen auf dem Gewissen.

Und das ist eigentlich das Traurige an der Sache: Wäre alles so gelaufen, wie es hätte laufen sollen, hätten technische Hilfsmittel eingegriffen und dieses Unglück verhindert. In Italien müsste viel mehr kontrolliert und auf die Einhaltung von Gesetzen, Regeln und Absprachen geachtet werden. „Gelegenheit macht Diebe“ und der Gelegenheiten gibt es offensichtlich viele, wobei man sich augenscheinlich selbst von großen Dimensionen als Dieb nicht abschrecken lassen muss.

Hitzemüde

Boot 1„Hot town, summer in the city“ geistert es mir seit ein paar Wochen fast täglich durch den Kopf. Es gibt eigentlich keinen Moment, in dem ich nicht schwitze. Davide hat’s gut! Dem haben wir anlässlich seines Boot 2ersten Geburtstags eine Wasserspielecke auf der Traumwohnungsterrasse eingerichtet, wo er nun die meiste Zeit seines täglichen Wachzustands mit den Händen oder anderen Körperteilen im Wasser verbringt. Da möchte man glatt eines von diesen Gummitierchen sein, die den ganzen Tag Boot fahren! Zum Glück gibt es Arbeitsstellen, in denen Klimaanlagen laufen. So kann ich mich wenigstens einmal am Tag richtig abkühlen und mir die obligatorischen, sommerlichen Halsschmerzen holen.

WasserspieleckeVor Davides und meinem Doppelgeburtstag-Taufe-Event ist es mir noch gelungen, einen großen Teil der Terrasse intensiv zu entalgen. Offensichtlich wird das alle drei Jahre ein fester Bestandteil meines sommerlichen Bräunungsprogramms, bis wir in neue Terrassenfliesen investieren können. Nur die Nachbarn aus dem neunstöckigen Haus neben uns wissen, dass meine Karamellfarbe nicht vom stundenlangen liegen am Meer stammt und wo sie ungefähr in meine natürliche Mozzarellafarbe übergehen dürfte. Arbeitskollegen und Schüler/-innen hingegen denken, ich fröne in diesem Jahr ganz besonders dem Dolce Vita. Ich belasse es dabei, denn es klingt nicht ganz so irre, als wenn ich sagen würde, dass ich bereits drei Drahtschwämme auf der Terrasse zerschlissen habe. (Mein alter Freund, der Spachtel, ist in den Ruhestand gegangen, seit ich herausgefunden habe, dass es mit Drahtschwämmen und viel Wasser leichter und gründlicher geht.) Ich denke übrigens daran, mir einen Kärcher zuzulegen. Allerdings müsste ich dann im nächsten Sommer doch ans Meer fahren, um nicht als Bleichgesicht in Apulien aufzufallen. Junge, Junge, hab ich vielleicht Probleme!

Dann habe ich eine große Blumentopfumräumaktion durchgeführt und die hohen Yukkapalmen dazu genutzt die neuentstandene Wasserspielecke nach der einzigen noch offenen Seite vor neugierigen Blicken abzuschirmen. Die blühenden Oleander machen sich vor der Terrassentür übrigens auch sehr gut.

DurchblickSeit vorletztem Sonntag bin ich nun wieder der einzige Atheist in meiner Familie und werde es wohl auch bleiben. Ob das hier zum Allgemeinwissen gehört, kann ich nicht sagen. Tante Anna jedoch meinte nach Davides Taufe zu Luigi, dass er daran denken solle, dass uns immer noch ein Sakrament fehle. Nie zufrieden, diese Katholiken! Also wer weiß, vielleicht wird es doch noch irgendwann eine Hochzeit geben… wenn ich das Geld dafür nicht vorher in neue Terrassenfliesen investiere, was mir wirklich vernünftiger scheint.

Oder ich gehe ein Eis essen.

Sommerliche Grüße,

Corinna (wieder ein Jahr weiser)