Archiv für den Monat September 2015

Suchanfragen VII – Von schnurrenden Straßenkatzen

Neulich fand ich in der Statistik die Suchphrase „schnurren Straßenkatzen?“. Die Frage könnte natürlich kurz und knapp mit „ja“ beantwortet werden, denn alle Hauskatzen schnurren, wenn sie nicht gerade Probleme mit z.B. ihren Stimmbändern haben (siehe hier). Aber das Thema „Straßenkatzen“ liegt mir doch stärker am Herzen, als dass ich es bei einem einfachen „ja“ belassen könnte. Darum wird es im Folgenden nicht nur um das Schnurren, sondern auch um unsere Katze Gina, Sommerurlaub und ausgesetzte Freunde gehen.

Findelkatze Gina

Mimetik

Im Katzenparadies

Vor drei Jahren haben wir unsere Katze Gina, an der Pfote verletzt, an einem Müllcontainer an der Straße aufgelesen und auf unsere Traumwohnungsterrasse getragen. Seitdem ist sie Herrin über alle Blumentöpfe, sowie über unsere und inzwischen auch die angrenzenden Terrassen. Als Davide bei uns einzog, hatten wir sie für volle zwei Wochen komplett aus der Wohnung vergrault. Dann fasste sie Mut und rannte nicht mehr bei jeder seiner Bewegungen hektisch davon. Inzwischen platthat sie sogar schon einige Male an seinen Füßen geschnuppert, aber trotzdem glaube ich manchmal an einem ihrer „Könnt ihr nicht mal alle abhauen und mich in Ruhe lassen!“-Blicke zu spüren, dass sie sich vielleicht sogar in die Zeit zurücksehnt, als ihr die Wohnung allein gehörte. Doch nicht alle Straßenkatzen haben so viel Glück wie Gina.

Urlaubshindernis Haustier?

Jedes Jahr vor den großen Ferien schalten diverse italienische Tierschutzorganisationen große Medienkampagnen gegen das Aussetzen von Haustieren und trotzdem (über)füllen sich die Tierheime jedes Jahr gerade mit Hunden und Katzen. Erstaunlich, wie schnell die besten Freunde des Menschen plötzlich lästig und überflüssig werden können, wenn man sich zwischen ihnen und einer Urlaubsreise entscheiden muss. Dabei gibt es inzwischen Tiersitter und gerade für Hundebesitzer auch die Möglichkeit den Hund in den Urlaub mitzunehmen. Man muss sich nur erkundigen und vielleicht etwas genauer umsehen.

Das Haus am Meer

Sommerhäuschen

Sommerhäuschen auf dem Land

Wenn wir Urlaub machen und nicht gerade nach Deutschland fliegen, dann siedeln wir in das Sommerhäuschen von Pasquale und Maria um; „la casa al mare“ (das Haus am Meer) – eine italienische Institution aus den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs, die langsam veraltet und sich aufgrund hoher Kosten sowie billiger und schneller Reisemöglichkeiten selbst abschafft. Doch die Alten besitzen es noch und so urlauben wir also „in campagna“ (auf dem Land) in der Nähe von Ostuni.

Schwarz wie die Nacht

Schwarz wie die Nacht

Das funktioniert wie folgt: Ende April/ Anfang Mai fahren wir an Schönwettersamstagen in das Sommerhäuschen um zu lüften, zu putzen, Reparaturen durchzuführen, die Blumenbeete zu pflegen und so weiter. Im Juni werden die Samstage dann zu vollen Wochenenden ausgedehnt. Ab Juli fährt man gern auch schon mal freitags los. Den Sommerurlaub verbringen Pasquale und Maria dann komplett dort und leben wie zu Hause. Als Luigi noch klein war, verbrachte man die Vormittage badend am Strand und die Nachmittage schlafend oder anderweitig relaxend im kühlen Haus oder unter der schattigen Veranda. Heute bestehen die Tage hauptsächlich aus Essen, über Essen sprechen, für das Essen einkaufen, Essen kochen und Fernsehen. Und jetzt der Bogen zu den Straßenkatzen…

Wilde Hunde und schnurrende Straßenkatzen

Futterplatz

Am Futterplatz

Sobald wild lebende Katzen und/ oder Hunde feststellen, dass die Sommerhäuschen in unserer Straße wieder bewohnt sind, finden sie sich in Scharen dort ein, denn der Sommer verspricht Aussicht auf regelmäßige Fütterung und Anschluss an Menschen. Aus einer möglicherweise statistisch schon relevanten Anzahl von solchen Straßenkatzenbekanntschaften kann ich guten Gewissens behaupten, dass auch Straßenkatzen schnurren. Manche schnurren sehr laut, andere nur ganz leise. Manche schnurren bereits, wenn sie um Futter betteln, andere wenn sie fressen und wieder andere, wenn sie dem Fütternden erlauben, sie ein wenig zu streicheln.

Hoch hinaus

Hoch hinaus

Wenn die Urlaubenden dann im Herbst immer seltener kommen und im Winter wieder ganz ausbleiben, beginnt eine harte Zeit für die Streuner. Einmal hat sich die Katzenpopulation von über dreißig in einem Jahr auf fünf Katzen im folgenden Jahr reduziert, wobei ich nicht einmal sicher bin, dass uns alle fünf bereits bekannt waren. Über den Winter regiert der Ruf der Wildnis und streunende Katzen werden leicht Opfer von streunenden Hunden oder auch Füchsen. So stellt Mutter Natur das Gleichgewicht wieder her. Trotzdem gibt es besonders eine Urlaubskatze die ich sehr vermisse, weil sie uns drei Jahre lang die Treue gehalten und Pasquale veranlasst hat, eine Gartenbank mit Kissen dauerhaft unter der Veranda stehen zu lassen. Wir nannten den äußerst virilen Kater „Capitano Gatto“ (Kapitän Kater) für Freunde nur „Capitano“. Sein Schnurren war raumfüllend.

im Korbstuhl

Relaxen im Korbstuhl

Unsere Gina hingegen ist eine Leiseschnurrerin. Ihr Schnurren hört man nur, wenn es rundherum ruhig ist und man richtig gut hinhören kann. Man kann es jedoch fühlen, wenn man die Finger an ihren Kehlkopf legt und dieser leicht vibriert. Mit dem Schnurren drücken Katzen aus, dass sie sich wohl fühlen. Angeblich sollen sie auch schnurren, um sich zu beruhigen. Und die Wissenschaft will sogar herausgefunden haben, dass das Schnurren der Katzen quasi als „Vibrationstraining“ ihre Heilung beschleunigt, wenn sie sich verletzt haben.

Ausgestreckt im Kindersessel

Ausgestreckt im Kindersessel

Um also die Frage zu beantworten, die den Suchenden auf meine Seite geführt hat: Ja, auch Straßenkatzen schnurren. Aber es wäre besser, wenn sie als Familienkatzen schnurren könnten.

Terrassenschönheit

Granatapfel 1Die Familie meiner Freundin Marilisa betreibt seit mehreren Generationen eine Baumschule. Seit Marilisa fand, dass mir Granatäpfel auf meiner Terrasse fehlen, steht ein kleiner Ziergranatapfelstrauch in meiner Frühstücksecke in einem Tontopf, wie sie türkisch anmutenden Mitmenschen an zentralen Verkehrsknotenpunkten von LKW-Anhängern hinunter verkaufen.

Doch nicht zum Frühstück, sondern zum Abend hin taucht die Sonne die kleinen Früchte in rotgoldenes Licht und lässt sie besonders attraktiv aussehen.

Granatapfel 3Granatapfel 2

Sommerende in Süditalien

Wir schwitzen zwar noch oder wieder bei über 30 Grad, aber es zeigen sich untrügliche Zeichen, dass auch in Süditalien der Herbst beginnt: Die Land- und Mandelbaumbesitzer trocknen ihre Ernte.

Mandeln trocknen

Wohl dem, der neben seinem Stadthaus noch eine Oma besitzt, die den Trocknungsprozess auf dem Fußweg überwachen kann. Wer weiß, wie viele Mandeln sonst noch am Abend daliegen würden.

Suchanfragen VI – Frittierfrage

Manche Fragen, die Nutzer auf meinen Blog führten, finde ich einfach verblüffend; so auch die folgende: Kann man Salami frittieren?

Leider ist mir nicht ganz klar, worauf diese Frage abzielt. Warum sollte jemand eine ganze Salami frittieren? Davon abgesehen bin ich überzeugt davon, dass sich alles frittieren lässt, seit ich vor fast 20 Jahren in einem chinesischen Restaurant frittierte Eiscreme gegessen habe.

Bekömmlicher dürfte es jedoch sein, die Salami beispielsweise zu zerschnippeln und zusammen mit Tomate und Mozzarella  in einem leckeren Panzerotto unterzubringen, den man anschließend frittiert. Wie wir kürzlich gelernt haben, könnte man das Ganze auch noch mit Roculablüten garnieren. Na, dann: Guten Appetit!

Kurioses aus dem Krankenhaus V – Koordinationsprobleme

Ärztliche Betreuung nach der Geburt 

„Machen die hier überhaupt keine Visite?“ fragte ich meine Zimmerkumpanin am Morgen unserer durch eine Krankenschwester angekündigte Entlassung verblüfft. „Müsste ich vor der Entlassung nicht noch einmal einen Arzt sehen oder kann ich einfach meinen Koffer nehmen, mein Kind holen und losgehen?“ In Italien hat eine Mutter nach der Geburt nämlich ein Anrecht auf 76 Stunden Verbleibs im Krankenhaus. Wozu, kann ich aus eigener Erfahrung nicht genau sagen.

Mein Sohn Davide befand sich die ganze Zeit zur Beobachtung auf der Säuglingsintensivstation, weil er bei der Geburt etwas Fruchtwasser in die Atemwege bekommen hatte. Ich vermute, sie fanden ihn – zurecht – niedlich und problemlos und haben ihn deswegen die ganze Zeit behalten. Oder es lag tatsächlich daran, dass das Krankenhaus für intensiv betreute Säuglinge mehr Geld vom Staat bekommt, wie meine Schwiegermutter vermutete. Man tat dort jedoch nichts weiter, als ihn aufzubewahren und zu füttern.

Wie auch immer, während ich also zu allen Besuchszeiten (um 6, 9, 12, 18 und 21 Uhr) zur Intensivstation pilgerte, um meinen Sohn zu sehen, zu halten, zu knuddeln und erste Stillversuche zu unternehmen, war nach Auskunft meiner Mitbewohnerin offensichtlich täglich ein Arzt in unser Krankenzimmer gekommen und hatte sich nicht die Mühe gemacht, nach mir zu fragen oder gar ein Stockwerk höher anrufen und mich holen zu lassen. So viel zur medizinischen Betreuung in den 76 Stunden nach der Geburt.

Die deutsche Phantompatientin

„Musst du mal die Krankenschwester fragen“, riet mir meine Mitbewohnerin also. Daher lief ich dieser sofort hinterher, um selbiges zu tun. Auf meine Frage, wann der Arzt vorbei käme, meinte die Schwester: „Wer sind Sie überhaupt? Und welches ist Ihr Zimmer?“ Pflichtschuldig machte ich Meldung. Ach, ja, sie hätte von mir gehört, ich wäre die Deutsche, aber nie da und so weiter… Wann der Arzt käme, das könne sie nicht wissen, denn die Ärzte kämen immer dann, wenn sie Zeit hätten, meistens zwischen 9 und 13 Uhr. Aha… Aber natürlich könne ich nicht einfach meine Sachen nehmen und losgehen. Aha… Am besten solle ich einfach nicht auf die Intensivstation gehen und in meinem Zimmer warten. Aha…

Zwischen Säuglingsintensivstation und kaltem Essen

Natürlich kam es gar nicht in Frage, mich nicht zur Davide zu flüchten. In unserem Zimmer befanden sich um diese Zeit schon wieder ein gefühltes Dutzend Verwandte meiner Zimmerkollegin (tatsächlich waren es nur vier, die jedoch Krach und Chaos für 12 machten) nebst eines monströsen, aber stylischen Zwillingskinderwagen, den der stolze Vater zwischen unsere Betten neben die Babybettchen geschoben hatte, und der somit den restlichen Raum ausfüllte. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch panische Angst, dass das Stillen nach der Fläschchenfütterung auf der Station überhaupt nicht mehr klappen würde, wenn ich es nicht regelmäßig versuchte.

Ich vereinbarte also mit meiner in der Niedlichkeit ihrer Zwillinge und deren Ausfahrgarnituren schwelgenden Zimmerkollegin, dass sie mich anrufen würde, sobald sich ein Arzt blicken ließe. Meine Knuddelzeit mit Davide von 9 bis 10 Uhr verstrich und zurück auf unserem Zimmer, drohte man uns an, dass wir noch einmal im Krankenhaus zu Mittag essen müssten, weil der Arzt keine Zeit für seinen Rundgang hätte.

Dieses Mal war ich jedoch schneller und sagte das Mittagessen sofort ab. Ich hatte keine Lust, an meinem letzten Tag noch einmal kalte Instantbrühe mit Nudeln aus einer eingeschrumpelten Assiette zu löffeln, denn das Mittagessen wurde immer zwischen 12 und 13 Uhr ausgeteilt, wenn die Säuglingsintensivstation wieder ihre Türen geöffnet hatte. (Das Abendessen gab es auch immer dann, wenn ich Davide besuchen war; noch einmal kalte Brühe.) Außerdem warteten zu Hause von Maria eigens für mich zubereitete „Bucatini al forno“ auf mich.

Effektivität im Krankenhaus

Als schließlich der diensthabende Arzt kurz vor zwölf seine Nase ins Zimmer steckte und fragte, wie es mir ginge, antwortete ich „gut“. Damit war die Visite erledigt. Um 13 Uhr gab es die Entlassungspapiere. Luigi kam. Wir holten Davide ab und fuhren nach Hause.

So endete mein erster, sehr unterhaltsamer Aufenthalt in einem italienischen Krankenhaus.

Und die Moral von der Geschichte?

Schleppt euch unbedingt zurück nach Deutschland, falls ihr einmal in Italien krank werden solltet!

Weltstar nicht erkannt – Carabinieri mit langer Leitung

Klar, dass man nicht unbedingt damit rechnet, auf einer apulischen Straße Richard Gere oder den „Grey’s Anatomy“-Stars Patrick Dempsey und Ellen Pompeo zu begegnen. Doch es wird höchste Zeit, sich auf so etwas einzustellen, denn Hollywood sieht auch gern mal in Apulien vorbei – vor allem, wenn es etwas zu feiern gibt.

So ließen ein paar Carabinieri Richard Gere, der Anfang September wegen der Hochzeit eines Freundes nicht zum ersten Mal nach Apulien in die Gegend von Fasano gekommen war, nach einer Autokontrolle verschämt von dannen ziehen, als sie erst beim Kontrollieren des Passes des Weltstars erkannten, wen sie da vor sich hatten.

Ich werde jedenfalls ab heute nur noch mit einem kleinen Notizbuch ausgehen und im Falle eines Falles ein Autogramm erbitten.

Suchanfragen V – Kann man die Rucolablüten essen?

Interessante Frage, fand ich, als „kann man Rucolablüten essen“ unter den Suchphrasen auftauchte. Sofort habe ich den Selbsttest gewagt, denn unter unserem Aprikosenbaum auf der Traumwohnungsterrasse wächst ein Büschel Rucola, das ich dort bisher für die Insekten blühen ließ.

Insekt am Rukola

Biene nascht vom Rucola

Die Antwort ist: JA. Die kleinen, gelben Blüten schmecken etwas milder als die Rucolablätter und durchaus nach mehr. Es tut mir leid für die Bienen und Insekten, aber sie haben jetzt definitiv Nahrungskonkurrenz bekommen.