Archiv der Kategorie: Unterwegs in Apulien

Gesellschaftsspiele oder Fahr’n wir mal nach Monopoli

Kastell von Monopoli

Schon im April badet man hier zu Füßen der Stadtmauer.

Wenn ich in Monopoli etwas kaufen könnte, dann wäre es nicht die Schlossstraße, sondern der Stadtstrand, der sich nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt unter der wehrhaften Altstadtmauer von Monopoli ausbreitet. Das Schloss ist nämlich nur ein winziges, aber trutziges Kastell, dass die Aragonier im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piratenangriffen errichtet haben, und die Schlossstraße eine der typischen, engen Altstadtgassen Süditaliens, wie es viele hier unten gibt. Doch mit einem mitten in der Stadt gelegenen Strand kann nicht jede apulische Stadt aufwarten.

Trotzdem klären wir gleich zu Beginn dieses Berichts, dass die ca. 30 Autominuten von Bari entfernt gelegene Kleinstadt mit dem weltbekannten Brettspiel „Monopoly“ nur den Klang ihres Namens gemeinsam hat. Dessen ungeachtet sollte man bei einem Apulienurlaub auch unbedingt einen (Halb)Tagesausflug in die idyllische Hafenstadt einplanen – vor allem wenn man weniger überlaufene Orte bevorzugt. Das war mir schon seit Jahren klar, aber es hat eben auch Jahre gedauert, ehe wir uns tatsächlich dahin aufgemacht haben. Vielleicht sind wir ein bisschen reisemüde geworden.

Romantische Altstadtgasse

Wie auch immer, „einzige Stadt“ (mono polis) nannten die Bewohner der dazumal wichtigen, römischen Stadt Egnazia ihre neue Heimat, nachdem sie im 5. Jahrhundert vor den Ostgoten, welche mit dazu beigetragen haben, dass man Egnazias Überreste heute mühevoll ausbuddeln muss, in Richtung Bari geflohen waren. Die idyllische Altstadt schiebt sich auf mehreren Landzungen, die schützende Buchten bilden, welche schon immer als natürliche Fischerhäfen genutzt werden konnten, ins kristallklare Meer hinein. Tatsächlich dreht sich in der Stadt auch heute noch alles um Boote und Fische. Monopoli ist weithin bekannt für seinen Fischmarkt, auf dem auch die umliegenden Restaurants das Meeresgetier ersteigern, das sie täglich fangfrisch auf den Tisch bringen.

Als beliebtes Souvenir und Wahrzeichen der Stadt gelten blau-rot-lackierte Fischerboote aus Holz, die es in jedem Souvenirladen gibt. Leider muss ich gestehen, dass unser Souvenirboot Davides Test auf Wassertauglichkeit nicht bestanden hat. Im Bücherregal wäre es besser aufgehoben gewesen.

Apulischer Barock

Monopolis Kathedrale „Madonna della Madia“ ist für die Apulier schon lange ein beliebter Ort zum Heiraten gewesen und mit der Hochzeit des deutschen Nationaltorwarts Manuel Neuer im Jahr 2017 hat der Bau, der als eine der schönsten Barockkirchen Apuliens gilt, auch über Italien hinaus  eine gewisse Berühmtheit erlangt. Wer weniger an den Lebenden als an den Toten interessiert ist, der findet vielleicht an den Mumien, die den Besuchern in „Kirche des Fegefeuers“ aus holen Augen entgegenstarren einen morbiden Gefallen.  Doch auch sonst lohnt sich ein gemütlicher Spaziergang durch die romantische Altstadt mit ihren vielen kleinen Cafés, Restaurants, Souvenirgeschäften und Läden, die lokale Spezialitäten verkaufen – besonders im heißen Sommer, wenn Dank der Meeresnähe immer eine frische Brise durch die schattenspendenden und liebevoll herausgeputzten Häusergassen weht.

Schon an der Holztür der „Chiesa del Purgatorio“ grüßen knochige Skelette die Besucher und machen sofort klar, dass man sich hier auf eine Begegnung mit dem Thema Tod einstellen sollte. In unserer Zeit, in der wir gerade diesen Teil unseres Lebens gern ausblenden, kam das für uns ziemlich überraschend.

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MeinApulien goes Marco Polo oder Corinna schreibt fremd

Im letzten Sommer haben mich die Verantwortlichen für die Internetseite des Reiseführerverlags Marco Polo angesprochen. Dort wurde zu dem Zeitpunkt damit begonnen, mit Hilfe von Bloggern, die in den entsprechenden Ländern und Regionen leben, die Seiten zu überarbeiten und ihnen einen aktuelleres Outfit zu verpassen. Daher habe ich die karge Freizeit meiner Wintermonate damit verbringen dürfen, mein gesammeltes Wissen und die Erfahrungen der letzten Jahre, für Marco Polo in Worte zu fassen.

Seit einigen Tagen ist die Apulienseite nun online und ich muss sagen, die Macher haben sich wirklich ins Zeug gelegt. Sie haben nicht nur den Text geglättet, sondern auch schöne Fotos gefunden und alles übersichtlich geordnet.

Alles in allem eine schöne, informative Seite für alle diejenigen, die bereits fest zu einem Apulienurlaub entschlossen sind. Schaut ruhig mal rein! Hier klicken.

 

 

Was haben Bari und London gemeinsam?

Auf den ersten Blick nicht viel, auch nicht auf den zweiten oder dritten. Doch seit Anfang Dezember gibt es in Bari ein Riesenrad, das dazu einlädt, sich die Stadt von oben anzusehen. London Eye lässt grüßen. Strategisch günstig wurde es den Touristen am Lungomare, der Seepromenade, in den Weg gelegt.

Die Fahrt eröffnet einen wunderbaren Ausblick über das Meer und den Hafen bis zur historischen Altstadt, sowie auf die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Neustadt. Sie kostet 9 Euro – nicht gerade ein Schnäppchen, aber billiger als der große Riesenradbruder in London. Doch man muss sich beeilen, denn bisher ist der Fahrspaß nur für die Weihnachtszeit geplant.

Triggianos offizielle Weihnachtsdeko auf dem Rathausplatz ist weniger riesig, aber trotzdem ein Hingucker.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Monte Sannace – Mehr als nur ein Hügel

monte sannace

Blick über die untere Stadt

Bei unserem Besuch des Kastells von Gioia del Colle hatten wir uns fest vorgenommen, uns bald das zum Museum gehörige Ausgrabungsgebiet anzusehen, von dem die meisten Fundstücke in der ständigen Ausstellung im Schloss stammen. Der „Archäologische Park Monte Sannace“ liegt nämlich nur 5 Kilometer vor den Toren Gioias und damit auch nur ca. 20 Autominuten von Bari entfernt an der Schnellstraße in Richtung Taranto. Merkwürdigerweise mussten drei Jahre vergehen, bis wir uns am letzten Montag tatsächlich aufmachten, um mal wieder in Apuliens Historie einzutauchen.

Tief einzutauchen, wie die Funde aus dem Park uns bereits im Kastell gezeigt hatten, bis ins 10. Jahrhundert vor Christus nämlich. Der Großraum Bari war damals von den Peuketiern besiedelt, die fürderhin maßgeblich von den Griechen beeinflusst wurden, welche über ihren Anlaufpunkt Taranto wichtige Handelsbeziehungen nach Peuketien unterhielten. Neben dem heutigen Ruvo war Sannace Zentrum dieser Kultur.

Die Ausgrabungsstätte musste auch für technisches Gerät zugänglich gemacht werden. Steine für Mauern und Wege gab es genug.

Monte Sannace Überblick

Im Park vermitteln Infotafeln Wissenswertes zur Örtlichkeit und den Ausgrabungen

Die Peuketier hatten den Ort ihrer Siedlung strategisch klug gewählt: Vom fast 400 m über dem Meeresspiegel liegenden Gipfel des Hügels aus hat man eine kilometerweite Sicht ins Umland. Eine hochgelegene Ebene umgeben von schroffen, steilen Hängen bot gleichzeitig die Möglichkeit zur landwirtschaftlichen Versorgung und leichten Verteidigung. Ein Karsttal weist darauf hin, dass es dereinst auch einen kleinen Fluss gegeben haben muss, der wahrscheinlich sogar schiffbar war. Die Vegetation zeigt noch heute eine gesunde Vielfalt von Bäumen wie Eichen und Steineichen mit dichtem Unterwuchs, wo man gerade nicht gräbt und wachsen lässt. Bildtafeln machen an dieser Stelle die botanisch weniger bewanderten Besucher wie uns auf besondere Pflanzen und Bäume aufmerksam.

 

Dass es auf dem Monte Sannace schon einmal sehr lebendig zuging, wussten die apulischen Bauern, welche die verschüttete Siedlung als Ackerland nutzten, schon seit dem 17. Jahrhundert, weil sie beim Beackern des Bodens immer wieder zufällig über historische Funde stolperten. Erst 1929 begannen ernsthafte Grabungen, die schnell einige Gräber und Teile der Mauer um die untere Stadt zum Vorschein brachten.

Infotafel zur Neuorganisation der Straßen in der hellenistischen Zeit

In mehreren Wellen erfolgten daraufhin Grabungen. 1977 machte man das Gebiet den Besuchern zugänglich und ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgten Rekonstruktionsarbeiten, so dass man sich sowohl die untere als auch die obere Stadt wieder relativ gut vorstellen kann. Inzwischen weiß man, dass auf dem Monte Sannace schon seit dem Neolitikum gesiedelt wurde, die Blütezeit vermutlich von der Mitte des 3. bis zur 4. Jahrhundert vor Christus lag und sich die Städte bis in die hellenistischen Zeit im ersten Jahrhundert nach Christus hinein halten konnten. Unter den Römern verlor das Gebiet an Bedeutung, da es von deren südlichen Handelsruten der Via Appia und der Via Traiana abgeschnitten war. Eine kleine Kirche aus dem Mittelalter im Gebiet der oberen Stadt wurde schnell wieder aufgegeben, sodass der Ort der Bedeutungslosigkeit anheimfiel, welche in weiten Teilen des italienischen Südens bis ins 20. Jahrhundert andauerte.

Hier wurde gerade ein weiteres Grab außerhalb der Stadtmauern entdeckt

Gegen diese Bedeutungslosigkeit arbeiten die Archäologen heute wieder. Im Moment leider nur die Praktikanten der Uni von Bari, die gelegentlich in der oberen Stadt (Akropolis) graben. Am kleinen Parkplatz befindet sich ein Besucherzentrum, welches seine Bezeichnung nur deshalb verdient, weil ein netter Kustode einem das Tor öffnet, wenn man klingelt. Bei unserem Besuch am Sonntag zeigte dieser sich leicht zerknirscht und entschuldigte sich dafür, dass man die Eintrittskarte im Kastell von Gioia kaufen müsse, welches aber an diesem Tag zufällig geschlossen habe. Mal davon abgesehen, dass eine 5 km weit entfernter Ticketschalter bei zeitgleicher Anwesenheit eines Geländeaufsehers etwas eigenwillig erscheint, hatten wir Glück: Der freundliche Herr ließ uns für lau hinein, gab uns einen Lageplan und ein Basecap für Davide und wies uns grob die Richtung.

So stiefelten wir also über sonnenverbranntes Gras durch Jahrtausende alte Grundmauernreste, setzten uns zur Probe in steinerne Sarkophage, beobachteten Davide dabei, wie er euphorisch jede zweite Ameise begrüßte, die uns buchstäblich über den Weg rannte, und stellten wieder einmal fest, dass der Besuch einer solchen Stätte eigentlich die Anwesenheit eines kundigen Führers verlangte, der es schaffte, diesen Ort vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Die zugegeben recht zahlreichen Schau- und Informationstafeln gaben immerhin eine Idee vom großen Ganzen.

Gräber am Rande der oberen Stadt

Natürlich könnte man auch sagen, alte Mauern habe man schon besser in Pompeji gesehen. Doch leider hatten nicht alle antiken Stätten das zweifelhafte Glück in einer Katastrophe für die Nachwelt konserviert zu werden. Die apulischen Grabungsgebiete, zu denen auch Egnazia bei Fasano gehört, erfordern mehr Fantasie und vielleicht auch ungleich mehr Wissen um ihre Bedeutung. Trotzdem sind sie es Wert, gesehen zu werden. Wenn man ab und zu sieht, wie klein der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes angefangen hat und sich dann in seiner vergleichsweise riesigen Heimatstadt umsieht, dann muss man sich eingestehen, dass wir es wenigstens in Körpergröße und als Bauherren doch weit gebracht haben. Der Rest… naja…

Hinfahren! Ansehen!

Stadtmauer der unteren Stadt mit Treppe

Parco Archeologico di Monte Sannace, Strada Provinciale 61, Gioia del Colle – Turi km 4,5
geöffnet von Mittwoch bis Sonntag von 8:30 – 15 Uhr
Eintritt 2,50 Euro zu zahlen an der Kasse des Kastells von Gioia (Kastell + Park 4 Euro)
Info-Telefon: 080 348 3052 und 080 349 1780

Im Vespa-Nest

Denkt man an Italien, dann denkt man nicht nur an das Meer, die leckere Pizza oder andere kulinarische Köstlichkeiten, sondern auch an die allgegenwärtigen, kleinen Motorroller namens Vespa. Vor allem jetzt im Sommer brausen sie tatsächlich wie Wespenschwärme durch die Stadt. Dabei sind sie nicht nur bei Jugendlichen, sondern vor allem bei den älteren Generationen beliebt, die mit ihrer Vespa Erinnerungen an unendlich scheinende Sommer, Fahrten ans Meer und die erste Liebe verbinden.

Dabei ist die Geschichte des flotten Flitzers eng mit der Nachkriegsentwicklung in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verbunden. Erstmalig 1946 produziert, erlebte die Vespa schnell einen Boom und man wurde auf Wartelisten gesetzt, um einen der Roller zu bekommen. Der Schwarzmarkt florierte mit bis zu doppelt so hohen Preisen. An die katastrophalen Straßenverhältnisse der Nachkriegszeit erinnern vor allem die Modelle, an denen ein Ersatzrad befestigt werden konnte. Weltberühmt wurde das Fahrzeug 1953, als die blutjunge Audrey Hepburn und Gregory Peck in der romantischen Komödie „Ein Herz und eine Krone“ auf einer Vespa durch Rom rollten. Bis heute erfreut sich DAS italienische Fahrzeug schlechthin einer ungebrochenen Beliebtheit, so dass zum 70jährigen Jubiläum im letzten Jahr eine Sonderedition herausgebracht wurde (mehr zur Geschichte auf vespa.com)

Kein Wunder also, dass sich Vespafreunde aus ganz Apulien am letzten Wochenende nach Ceglie Messapica aufgemacht haben, wo ein nationales Vespatreffen stattgefunden hat. Unter einem strahlend blauen Himmel drängten sich die auf Hochglanz polierten Roller unter dem Uhrenturm von Ceglie dicht an dicht. Es schien als habe jeder regionale Vespa-Club im Umkreis von zwei Stunden eine Abordnung geschickt, denn neben Oria, Lecce oder Canosa waren auch Roller aus Bari vertreten, wie man den Vereinsschildern entnehmen konnte.

Den ganzen Tag lang wurde gestaunt, gefachsimpelt und viel fotografiert. Längst ist das Vespalogo nicht mehr nur auf den Motorrollern zu finden. Vespa-Shirts, Helme, Taschen, Portemonnaies, Schlüsselanhänger – der Merchandise ist so vielfältig wie die Roller-Modelle und wer ein Geschenk für vom Vespa-Virus befallene Freunde suchte, wurde garantiert fündig. Die kleine Stadt Ceglie, die sich zwischen einigen der schönsten apulischen Städtchen wie Ostuni, Cisternino und Locorotondo auf einem Berg erhebt, bot zudem einen tollen Rahmen für die Veranstaltung.

Doch man muss nicht bis nach Apulien kommen, um Vespas zu bestaunen. In Celle starten übermorgen die „Vespa World Days Germany 2017“ (22.-25.6.2017). Noch habt ihr also ein paar Tage Zeit, um einen Ausflug zu planen.