Archiv der Kategorie: Unterwegs in Apulien

Kurztrip zum Mars

Am vergangenen Wochenende fuhren wir auf einen Kurzurlaub nach Otranto. Das ist ein schmuckes Städtchen im südöstlichen Salento, mit dem Auto ca. zweieinhalb Stunden von Bari entfernt. Es gibt einen wunderbaren Stadtstrand, ein Schloss, das die Aragonier hinterlassen haben, und eine liebevoll restaurierte Altstadt mit verlockenden, kleinen Läden, die Keramik, Schmuck, (Strand)Kleidung und auch viele Mitbringsel aus dem leicht zu behauenden Lecceser Sandstein anbieten. Da fällt es wirklich schwer, sein Portemonnaie festzuhalten.

Bis in die 70er Jahre hinein wurde hier Bauxit abgebaut; ein Mineral, das man für die Aluminiumherstellung verwendet.

Wer hätte allerdings gedacht, dass die beeidruckendste Sehenswürdigkeit von Otranto eine ehemalige Bauxit-Grube wenig außerhalb der Stadt sein würde? Wer käme überhaupt auf die Idee, eine Grube zu besichtigen, in der dereinst Material zur Aluminiumherstellung abgebaut wurde? Ehrlich gesagt, ich wollte da nur hin, weil ich im letzten Jahr wirklich beidruckende Fotos gesehen hatte. Sie zeigten einen grünlich schimmernden See inmitten einer bizarren, roten und gelbroten Hügellandschaft; dahinter das tiefblaue Meer. Wow! Ein kleiner Ausschnitt des Mars‘ mitten in Apulien. Das musste ich mit eigenen Augen sehen.

Allerdings ist der kleine See kein Geheimtipp mehr und als „Laghetto (ex-cava di bauxite)“ von Otranto aus gut ausgeschildert und sogar fußläufig schnell zu erreichen. Ca. 1,5 km vom historischen Zentrum aus in Richtung Santa Cesarea Therme, sieht man schon kurz nach dem Abbiegen auf eine Schotterstraße den Parkplatz. Drei Euro kostet das organisierte Abstellen des Autos und dann kann man dem Sandweg folgen, der rechter Hand bis vor eine imposante Absperrung führt, auf der steht, dass das Betreten des Privatgeländes streng verboten sei. Davor findet man sicher einige ratlose Gesichter, sollte dann aber den mutigen Besuchern folgen und die Absperrung auf dem Trampelpfad umrunden.

Man erreicht die Bauxitgrube nicht nur auf Schusters Rappen. sondern auch auf richtigen Pferden.

Nach nur wenigen Metern steht man vor den roten Hügeln, die jetzt im Frühling von einem satten Grün umwogt und von einem ebensolchen Pflanzenteppich erobert werden. Wenn man sich in Richtung Grubenrand vorwagt, erkennt man deutlich, dass hier immer wieder „Ufer“ wegbricht und sich rechts zwischen dem tief unten liegenden „Seechen“ und einem apulischen Mini-“Ayers Rock“ Spalten auftun. „Streng verboten“ macht da einen gewissen Sinn. Allerdings zeigt eine Reiter-Kolonne, die im Gänsemarsch den kleinen See umrunden und vom Rücken der Pferde aus auf ihn hinunterschauen auch, dass das farbenfrohe Spektakel bereits Schaulustige im größeren Stil anzieht. Sicher muss hier in Zukunft ein gutes Konzept gefunden werden, welches das ungewöhnliche Naturschauspiel und die menschliche Neugier in Einklang bringt.

Wir können den Besuch dieser einmalige Landschaft nur empfehlen. Als wir unserer Vermieterin am Tag der Heimfahrt begeistert davon erzählten, konnte sie noch eine Anekdote hinzufügen. Ihr Mann besitzt eine Firma für Baumaschinen und sollte dereinst die besagte Bauxit-Grube zuschütten und planieren. Nur weil man sich nicht über den Preis einigen konnte, blieb das Loch im Boden und füllte sich in den darauf folgenden Jahren mit Wasser, sodass der kleine See entstand. Wer hätte gedacht, dass die unliebsamen Hinterlassenschaften des Industriezeitalters einen solchen Publikumsmagneten hervorbringen würden? Ja, wer würde überhaupt darauf kommen, eine Ex-Bauxit-Grube zu besichtigen, wenn es nicht solche Fotos gäbe?

Arbeiten in einem der schönsten Orte Italiens

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Super, wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann. Während ich also heute darauf achte, dass unsere Examenskandidaten ihre Antworten in die richtigen Felder schreiben, genieße ich den Blick aus dem Fenster. Über den Steinmäuerchen des Itria-Tals reckt sich die Mutterkirche von Locorotondo, eine der offiziell 100 schönsten Orte Italiens, in den Pastellhimmel. Wer da keinen Spaß bei der Arbeit hat, ist selbst Schuld!

Vormittagsspaziergang in Molfetta

Etwa 15 Minuten von Bari in Richtung Trani liegt auf halber Strecke das kleine Hafenstädtchen Molfetta. Bei den Touristen ist es vor allem wegen des Outlet-Centers bekannt, welches sich direkt an der SS16 vor den Toren Molfettas befindet. Im apulischen Trulli-Stil mit einem riesigen Parkplatz davor lenkt es die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Stadt weg auf den schnöden Konsum. Dabei hat der Bischofssitz Molfetta mit einem netten Hafen, seiner Kathedrale, einem sehenswerten, festungsartigen Dom und mehreren kleineren Kirchen durchaus etwas zu bieten.

Der Duomo Vecchio steht seit dem 12. Jahrhundert wie eine trutzige Burg am kleinen Fischerhafen von Molfetta.

 

Durch das Tor gelangt man in die verwinkelten Gassen der ruhigen Altstadt.

 

Charakteristisch sind die grün gestrichenen Fensterläden.

 

Wir hatten im Dezember sogar das Glück, dass es auf dem Altstadtring eine Oldtimer-Ausstellung gab. Weihnachtlich wurde es mit kleinen Ständen, an denen man Handwerk verkaufte, und für die Kinder gab es vor dem Rathaus Puppentheater.

Für ein paar Stunden kann man sich also auch in Molfetta hervorragend verlustieren. Probiert es aus, wenn ihr in Apulien seid!

Möven nutzen ein Fischerboot als Ruheplatz im Hafen.

Geburtstagsfeier auf dem Land – Tenuta Patrunio Perniola

Wenn Süditaliener feiern, dann tun sie das gern in Massen. Eine durchschnittliche Hochzeit wird zum Beispiel mit mindestens 100 Personen bestritten, sonst gilt sie als armselig. Doch auch runde Geburtstage feiert man gern in Großfamilie. So waren wir im November zum 70. Geburtstag einer Tante eingeladen, welcher stilecht in der kleinen Masseria „Tenuta Patrunio Perniola“ unweit von Gioia del Colle stattfand. Nur so konnte man mal schnell 30 Personen unterbringen und verköstigen. … und nur weil die besagte Tante gesundheitliche Probleme hatte, wurde – fast schon peinlich – lediglich die engste Familie eingeladen.

Wir hatten Glück mit einem warmen, sonnigen Novembersamstag. So konnten wir uns sowohl drinnen als auch draußen aufhalten. Davide genoss eine große Schiffsschaukel, die auf einer Terrasse aufgebaut war. Aber noch mehr interessierten ihn die vielen Katzen, die sich faul in der Sonne räkelten. Leider ergriffen sie mehrheitlich die Flucht, wenn er sich ihnen näherte.

Auch über herumliegende Katzen hinaus haben sich die Eigentümer große Mühe gegeben ein ländliches Ambiente zu erhalten, es aber für ihr Restaurant einladend zu gestalten. Alte Ackergeräte säumten die Auffahrt. Riesige Keramik-Weinamphoren schufen mittelalterliche Atmosphäre. Antike Fässer dienten als Blumenständer und ein alter Mühlstein war mit Herbstastern bepflanzt. Auch einen romantischen Pavillon gab es, umringt von bunten Herbstblumen, und an einem gigantischen Felsbrocken rankte eine Bougainvillea. Wir fühlten uns dort sehr wohl.

Der Apulienfan erkennt sogleich die Keramik aus Grottaglie auf dem Kaminsims.

Im Haus selbst waren zwei große Säle zugänglich. Auch hier war alles liebevoll dekoriert. In Nischen, in welchen dereinst auf Regalbrettern allerlei Gefäße aufbewahrt wurden, fanden sich jetzt Einrichtungsgegenstände, sowie Haushalts- und Küchengeräte. Davide interessierte sich besonders für die Sammlung alter, schwerer Bügeleisen. Auf den Simsen zweier enormer Kamine war typisch apulische Keramik zu finden. Man konnte sich auch über die hier produzierten Weine, eingelegtes Gemüse und selbstgemachte Pasta informieren und diese Produkte natürlich auch käuflich erwerben. Selbstverständlich standen diese auch später auf dem Esstisch.

Das Essen dauerte denn auch von 13 bis 17 Uhr. In diesen vier Stunden aßen wir diverse Antipasti, zwei einfache Hauptgerichte (ein Risotto und dann Pasta mit Pilzen), einen Berg gegrillte Wurst und Fleisch und natürlich gab es zum Schluss Obst sowie eine leckere Geburtstagstorte. Dazu flossen nicht nur Wasser und Wein, sondern auch alte Familiengeschichten in Strömen. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir solchermaßen genudelt an diesem Tag nichts weiter brauchten als das heimische Sofa und ein wenig Ruhe.

Wie wunderbar, ein so schönes Erlebnis an einem so tollen Ort mit so vielen Leuten zu teilen. Wir werden diesen Samstag bestimmt nicht vergessen und können die „Tenuta Patrunio Perniola“ nur weiterempfehlen. (Ganz großes Plus: eine rollstuhlgerechte Toilette. Das findet man nicht überall.)

 

Katzengarten

Die Einladung zum Essen bei der Tante einer Kindergartenfreundin von Davide in Matera hatte sich als Besuch in einem antiken Palazzo mit Sälen statt Zimmern und einer wunderbaren Aussicht auf die Schlucht, in welcher die Besiedlungsgeschichte Materas vor Jahrtausenden seinen Anfang genommen hatte, herausgestellt.

Zu diesem Palazzo gehörte auch ein kleiner Garten, in dem aufgrund mangelnder Blüten nun zahlreiche Katzen die Hauptattraktion bildeten.

Leider waren die Tiere überaus scheu und einer Karriere als Fotomodell eher abgeneigt. Trotzdem ist es mir gelungen, ein paar fellige Eindrücke aus dem Katzengarten festzuhalten.

 

Leben im Palast

Das Schloss von Matera ist der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich.

Unlängst hatte ich das große Glück, bei der Tante einer Kindergartenfreundin Davides in Matera zu Gast sein zu dürfen. Dass man bei Einladungen in Apulien viel und lange essen muss, war klar. Aber darüber hinaus wussten wir vorher nicht, was uns erwartete, als von den Eltern besagter Kindergartenfreundin die Einladung zum Mittagessen bei ihrer Tante überbracht wurde.

Man muss gut zu Fuß sein, um die vielen Treppen bis zur Wohnung zu überwinden.

Eigentlich wollten wir nach Matera fahren, um den Weihnachtsmann zu besuchen, der an einem Adventswochenende seine Hütte am leider nicht zugänglichen Schloss des Ortes aufgeschlagen hatte, und am Abend noch durch die Sassi (Steine), wie der historische Ortskern aus Höhlenwohnungen genannt wird, spazieren. Doch das Wetter spielte nicht mit. Gerade um die Mittagszeit kam für wenige Stunden die Sonne heraus. Sonst regnete es in Strömen. Ein typisch apulischer Wintertag.

(O-Ton Vater der Kindergartenfreundin: „Hier sind wir als Kinder immer Fahrrad gefahren.“ Die Decken- und Wandbemalung kam erst bei einem Erdbeben in den 80er Jahren unter dem abfallenden Putz zum Vorschein.

Zimmer mit (filmreifer) Aussicht

Als wir dem Weihnachtsmann also vom Unwetter überrascht buchstäblich davon rannten, gab es im Haus der Tante die nächste, dieses mal aber erfreuliche Überraschung: Sie lebte in einem Palazzo, dessen Baugeschichte auf das Jahr 1000 zurückgeht. Dementsprechend prunkvoll und groß waren die „Zimmer“ und die Aussicht aus ihrem Schlafstubenfenster geradezu filmreif. Tatsächlich wollte am nächsten Tag ein englisches Filmteam eine Szene an diesem Fenster drehen.

Erinnerungen

Die Tante entpuppte sich dann eher als adrettes Großmütterchen, das bestens in diesen Palast aus Erinnerungen passte und uns ordentlich mit Vorspeisen, zwei Hauptgerichten, Fleisch und Nachtisch verwöhnte. Außerdem machte sie ganz omalich unsere anstrengende Erziehungsarbeit zunichte, indem sie den beiden Kindern erlaubte, auf einem riesigen Doppelbett herumzuhüpfen. Irgendwann drängte ich darauf, dass mir der Zugang zum kleinen, aber idyllisch-romantischen Gärtchen aufgeschlossen wurde, denn die Sonne zog sich gerade wieder Wolken vors Gesicht und ihr Untergang kam auch immer näher.

Der liebevoll gepflegte Garten thronte ganz wie der Palast hoch über der Schlucht mit ihren Höhlenwohnungen, welche bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts noch unter katastrophalen, hygienischen Bedingungen bewohnt waren und als Schande Italiens galten. Er wurde hauptsächlich von Katzen bevölkert, denen hier Aufenthalt und Futter gewährt wurden.

 

Im Moment werden die Sassi mit Hilfe von „Bed and Breakfasts“ und kleinen Künstlerwerkstätten wiederbelebt. Im nächsten Jahr ist Matera sogar Kulturhauptstadt Europas.

Die „Sassi“ von Matera – einst „Schande Italiens“, heute begehrter Drehort und lohnendes Ausflugsziel.

Ob ich in so einem Palazzo leben wollen würde? Nein. Wo man vom Schlafzimmer zur Küche schon gefühlt einen Fußmarsch von einem Kilometer zurücklegen muss und die Decken so hoch sind, dass selbst die größten Möbel nur schwer einen Hauch von Gemütlichkeit aufkommen lassen, würde ich mich nicht wohl fühlen. Ganz zu schweigen davon, dass man selbst beim Versetzen einer Steckdose schon die Denkmalschutzbehörde einschalten muss… Dann doch lieber eine kleine Höhlenwohnung.

Zeitung aus dem Jahr 1925

Allerdings kann man einige Räume des Palazzo für Feierlichkeiten buchen und das ist dann schon wieder eine Überlegung wert. Man muss aber wegen der Treppen gut zu Fuß sein.

 

 

Mehr über Matera gefällig – dann hier weiterlesen: Ausflug zum Anfang unserer Zivilisation

Schüttelzeit – Zu Besuch bei De Carlo

Von Oktober bis in den März hinein drehen sich die schweren Räder der apulischen Ölmühlen, denn es ist die Zeit der Olivenernte. Viele Kleinbauern schütteln ihre Oliven von den Bäumen und bringen sie in großen Plastikkisten zur nächsten Mühle. So gibt es bei uns in Triggiano mitten in der Stadt einen Kleinbetrieb, in dem die Maschinen in diesen Monaten von morgens um 8 bis abends um 9 rattern. Davor stapeln sich die Plastikkisten und die Bauern vertreiben sich die Wartezeit in Grüppchen schwatzend.

Wer intensives, pikanteres Öl bevorzugt, erntet relativ früh. Wer es milder mag und weniger Wert auf die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe legt, der erntet später, wenn die Oliven nicht mehr grün sind und leichter vom Baum fallen. Wichtig ist es auch, dass die Oliven so schnell wie möglich in die Presse kommen, denn sofort nach der Trennung vom Baum setzt der Verfall ein, der das Aroma des Öls maßgeblich beeinflusst. Überflüssig zu sagen, dass man hier kalt presst, denn nur so bleiben die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe der Oliven erhalten.

 

Das Hauptgebäude des landwirtschaftlichen Betriebs „De Carlo“ im apulischen Bitritto. Hier wird nicht nur reines Olivenöl gepresst, sondern auch Oliven gemeinsam mit Zitronen oder Mandarinen, sowie knackiges Gemüse eingelegt.

Da die Olivenölvorräte meiner Freundin in Deutschland zur Neige gingen, ihr die hier gekauften aromatisierten Öle von „De Carlo“ jedoch so gut schmeckten, machten wir uns an eine Sonntag auf ins nahegelegene Bitritto, wo sich dieser Familienbetrieb, einer der ältesten in ganz Italien, schon seit dem 17. Jahrhundert befindet. Mit seinen hochwertigen Produkten hat er sich einen guten Ruf erarbeitet sowie viele Auszeichnungen eingeheimst. Da wir ohne Traktor und Kisten vorfuhren, fielen wir schnell auf wie bunte Hunde. Unser großer Fotoapparat trug ein übriges dazu bei, Aufmerksamkeit zu erregen, und so kam es, dass sich uns Lina näherte. Eigentlich gehörte sie zum Büropersonal und machte hauptsächlich Abrechnungen. Das erfuhren wir natürlich erst später. Zunächst warnte sie uns vor den herumsausenden Gabelstaplern und wollte dann wissen, warum wir uns mit der Kamera bewaffnet hatten. Als sie hörte, dass ich ein paar Fotos für meinen Blog schießen wollte, erbot sich sich gern, uns ein bisschen herumszuführen.

Bevor die Oliven gepresst werden, nehmen sie ein Rüttelbad, um sie von Schmutz, Blättern und Astteilen zu befreien.

Sie erklärte uns, dass alle Plastikkisten gekennzeichnet werden, damit jeder Bauer das Öl seiner eigenen Oliven zurückbekommt. Dann zeigte sie uns, wo die Oliven gewaschen und von Blättern und Erde getrennt werden. Vor der Tür der eigentlichen Mühle erklärte sich uns auch, dass sie sowohl elektronische aus auch traditionelle Pressen haben. Der Prozess ist jedoch seit Jahrhunderten der gleiche. Die Oliven werden zerquetscht. Das austretende Öl muss durch Zentrifugieren vom Wasser getrennt und dann abgefüllt werden.

Nach dem Bad läuft heute alles mechanisch weiter. Die Maschinen machen einen Höllenlärm.

Ich wollte wissen, was mit den Abfällen passiert. Anscheinend hatte Lina nur auf diese Frage gewartet, denn wie aus der Pistole geschossen, erzählte sie uns stolz, dass „De Carlo“ die Kerne als Heizmaterial und das vom Öl getrennte Wasser als Dünger auf dem Feld verwende. Auch sonst lege man großen Wert auf Nachhaltigkeit. So käme der Strom von einer Solaranlage auf dem Dach. Die ca. 25.000 Olivenbäume des Betriebes werden mit höchster Sorgfalt gehegt und per Hand abgeerntet. Ein bisschen verschämt wirkte sie, als ich sie fragte, was mit dem Olivenabfall passiert, der nicht Kern ist. „Der wird verkauft.“ Ich hakte nach, weil sich mir nicht erschloss, wer Abfall kaufen sollte.  Aber dann verstand ich, was sie so widerwillig von sich gab: Aus diesem Abfall kann man weiter Öl gewinnen. Lina bestätigte das nicht und erklärte, dass man diesen sogenannten Trester auch als Futter in der Schweinemast verwenden könne. Logisch, wer will schon mit minderwertigem Öl zu tun haben. Ein kleiner Wehrmutstropfen mischte sich unter meine Begeisterung.

In einem zweite Raum wird noch so gepresst wie schon vor Hunderten von Jahren mit dem Unterschied natürlich, dass die schweren Mühlsteine heute von einem Motor angetrieben werden. Wie das im 12. Jahrhundert aussah, zeige ich euch hier.

Im Internet fand einen interessanten Beitrag zum Thema Olivenöl auf „Pane e Coperto„. Darin schreibt Volker Heinze: „Ich bitte aber dieses Öl nicht mit den industriell hergestellten Fabrik-Ölen zu verwechseln, bei denen die bereits zweimal durchgepressten Pressabfälle von den Manufakturen an die Großhersteller verkauft werden. Diese kaufen nun inzwischen auch aus sämtlichen anderen Ländern solcherart Abfälle zusammen, um damit im Thermodruckverfahren tonnenweise unter Zugabe von gepressten Oliven das gängige günstige Olivenöl (…) für unsere Supermärktketten zum Billigpreis zu produzieren…“

Waschen und ordentlich zerquetschen – schon fließt ein aromatisches, gelbgrünes Öl aus dem Hahn und muss nur noch abgefüllt werden.

Dass die italienischen, spanischen oder portugiesischen Ölmühlen in Kauf nehmen, dass Dritte die Verbraucher mit ihren Abfällen täuschen, kann man nicht verübeln ohne zu heucheln. Solange die Betriebe mit Qualität dagegensetzen gibt es zum Glück eine Alternative. Jedem sollte klar sein, dass ein gutes Olivenöl seinen Preis hat, z.B. 100 ml Extra Vergine von De Carlo in einem niedlichen Keramikfläschchen – 6 Euro oder 250 ml Olivenöl gepresst zusammen mit Zitronen oder Mandarinen aus eigenem Anbau – 8 Euro. Da weiß man wenigstens, was man isst.

Wer in der Nähe ist, sollte unbedingt den kleinen, aber feinen Hofladen aufsuchen. Noch gesündere Souvenirs oder Geschenke kann man kaum finden.

Noch nicht genug vom Gold Apuliens? Hier geht es zum Betrag über meine eigene Olivenernte auf der Terrasse: Olivenernte. Beeindruckende, Jahrhunderte alte Olivenbäume findet man in der Gegend um Fasano. Und so sieht er aus, der Frühling im Olivenhain.