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Vormittagsspaziergang in Molfetta

Etwa 15 Minuten von Bari in Richtung Trani liegt auf halber Strecke das kleine Hafenstädtchen Molfetta. Bei den Touristen ist es vor allem wegen des Outlet-Centers bekannt, welches sich direkt an der SS16 vor den Toren Molfettas befindet. Im apulischen Trulli-Stil mit einem riesigen Parkplatz davor lenkt es die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Stadt weg auf den schnöden Konsum. Dabei hat der Bischofssitz Molfetta mit einem netten Hafen, seiner Kathedrale, einem sehenswerten, festungsartigen Dom und mehreren kleineren Kirchen durchaus etwas zu bieten.

Der Duomo Vecchio steht seit dem 12. Jahrhundert wie eine trutzige Burg am kleinen Fischerhafen von Molfetta.

 

Durch das Tor gelangt man in die verwinkelten Gassen der ruhigen Altstadt.

 

Charakteristisch sind die grün gestrichenen Fensterläden.

 

Wir hatten im Dezember sogar das Glück, dass es auf dem Altstadtring eine Oldtimer-Ausstellung gab. Weihnachtlich wurde es mit kleinen Ständen, an denen man Handwerk verkaufte, und für die Kinder gab es vor dem Rathaus Puppentheater.

Für ein paar Stunden kann man sich also auch in Molfetta hervorragend verlustieren. Probiert es aus, wenn ihr in Apulien seid!

Möven nutzen ein Fischerboot als Ruheplatz im Hafen.

Geburtstagsfeier auf dem Land – Tenuta Patrunio Perniola

Wenn Süditaliener feiern, dann tun sie das gern in Massen. Eine durchschnittliche Hochzeit wird zum Beispiel mit mindestens 100 Personen bestritten, sonst gilt sie als armselig. Doch auch runde Geburtstage feiert man gern in Großfamilie. So waren wir im November zum 70. Geburtstag einer Tante eingeladen, welcher stilecht in der kleinen Masseria „Tenuta Patrunio Perniola“ unweit von Gioia del Colle stattfand. Nur so konnte man mal schnell 30 Personen unterbringen und verköstigen. … und nur weil die besagte Tante gesundheitliche Probleme hatte, wurde – fast schon peinlich – lediglich die engste Familie eingeladen.

Wir hatten Glück mit einem warmen, sonnigen Novembersamstag. So konnten wir uns sowohl drinnen als auch draußen aufhalten. Davide genoss eine große Schiffsschaukel, die auf einer Terrasse aufgebaut war. Aber noch mehr interessierten ihn die vielen Katzen, die sich faul in der Sonne räkelten. Leider ergriffen sie mehrheitlich die Flucht, wenn er sich ihnen näherte.

Auch über herumliegende Katzen hinaus haben sich die Eigentümer große Mühe gegeben ein ländliches Ambiente zu erhalten, es aber für ihr Restaurant einladend zu gestalten. Alte Ackergeräte säumten die Auffahrt. Riesige Keramik-Weinamphoren schufen mittelalterliche Atmosphäre. Antike Fässer dienten als Blumenständer und ein alter Mühlstein war mit Herbstastern bepflanzt. Auch einen romantischen Pavillon gab es, umringt von bunten Herbstblumen, und an einem gigantischen Felsbrocken rankte eine Bougainvillea. Wir fühlten uns dort sehr wohl.

Der Apulienfan erkennt sogleich die Keramik aus Grottaglie auf dem Kaminsims.

Im Haus selbst waren zwei große Säle zugänglich. Auch hier war alles liebevoll dekoriert. In Nischen, in welchen dereinst auf Regalbrettern allerlei Gefäße aufbewahrt wurden, fanden sich jetzt Einrichtungsgegenstände, sowie Haushalts- und Küchengeräte. Davide interessierte sich besonders für die Sammlung alter, schwerer Bügeleisen. Auf den Simsen zweier enormer Kamine war typisch apulische Keramik zu finden. Man konnte sich auch über die hier produzierten Weine, eingelegtes Gemüse und selbstgemachte Pasta informieren und diese Produkte natürlich auch käuflich erwerben. Selbstverständlich standen diese auch später auf dem Esstisch.

Das Essen dauerte denn auch von 13 bis 17 Uhr. In diesen vier Stunden aßen wir diverse Antipasti, zwei einfache Hauptgerichte (ein Risotto und dann Pasta mit Pilzen), einen Berg gegrillte Wurst und Fleisch und natürlich gab es zum Schluss Obst sowie eine leckere Geburtstagstorte. Dazu flossen nicht nur Wasser und Wein, sondern auch alte Familiengeschichten in Strömen. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir solchermaßen genudelt an diesem Tag nichts weiter brauchten als das heimische Sofa und ein wenig Ruhe.

Wie wunderbar, ein so schönes Erlebnis an einem so tollen Ort mit so vielen Leuten zu teilen. Wir werden diesen Samstag bestimmt nicht vergessen und können die „Tenuta Patrunio Perniola“ nur weiterempfehlen. (Ganz großes Plus: eine rollstuhlgerechte Toilette. Das findet man nicht überall.)

 

… und wiedergefunden

(Wie unsere Katze Gina verschwand, ist hier nachzulesen.)

Zwei Monate war unsere Katze Gina aus unserer Terrassenwohnung im dritten Stock verschwunden. Im Grunde glaubte wir nicht mehr daran, sie jemals wiederzusehen. Doch irgendwie hatte sich ein kleiner Hoffnungsfunke erhalten.

Gina am zweiten Tag: abgemagert, verletzt und dehydriert; doch am Leben.

Und dann kam dieser verrückte Abend Ende September. Eine Freundin war zu Besuch und wir kamen, uns laut auf Deutsch unterhaltend, vom Kinderspielplatz zurück. In unsere Straße einbiegend hörten wir plötzlich in einem verlassenen Aufgang eines alten Hauses eine Katze miauen; jämmerlich miauen und an der uralten Holztür kratzen. Mein Herz für geschundene Kreaturen ließ mich zunächst gar nicht an unsere Katze denken, doch ich versuchte sofort die Tür einen so großen Spalt weit zu öffnen, dass die Katze entkommen konnte. Natürlich gelang es mir nicht, aber die Tür ließ sich immerhin so weit öffnen, dass ich deutlich das grau-getigerte Fell und die deformierte Pfote unsere Katze erkennen konnte. „Gina! Da ist unsere Gina drin!“, entfuhr es mir ungläubig. Ich strengte mich noch mehr an, den Türspalt zu vergrößern, aber es brachte nichts.

Meine Freundin blieb daher mit Davide zurück und ich versuchte bei den Mechanikern in unserer Autowerkstatt Hilfe zu holen. Leider half auch ein Brecheisen nicht, den Spalt genügend zu vergrößern. Während wir an der Tür herumwuchteten und die Katze immer schriller schrie, kam eine kleine Gruppe von Passanten vorbei, die wissen wollten, was wir dort trieben. … und dann ging alles so schnell, dass ich mir nicht einmal die Gesichter der Leute merken konnte. Auch wann unser Mechaniker aus dem Geschehen verschwunden war, kann ich nicht mehr rekapitulieren.

Jedenfalls nahm letztendlich ein Herr seine Umhängetasche ab und gab sie einer Frau. Dann warf er sich dreimal mit der Schulter gegen die Tür, die beim dritten Mal aufsprang. Die Katze schoss heraus. Ich stürzte mich auf sie, um sie einzufangen, und hörte noch, wie der Mann sagte: „Mehr hätte die Feuerwehr auch nicht getan.“ Und plötzlich waren die Leute weg. Ich hingegen stand mit einem Fell besetzten Knochengerippe und einem hysterisch jauchzenden Kind auf dem Bürgersteig. Unendlich erleichtert und unendlich besorgt zugleich.

Vom Knochengerippe zur Katze

Gina Ende Oktober: Die Nase ist verheilt. An Gewicht hat das Tier zugelegt, aber ist misstrauisch geblieben.

Von Nachbar N. erfuhr Luigi, welcher die Nachricht von unserer nach zwei Monaten wiedergefundenen Gina sofort weiterverbreitete, dass eine Katze schon seit mindestens drei Tagen hinter der schweren Holztür miaut hatte. (Lassen wir mal dahingestellt, was diese Information über das Mitgefühl unseres Nachbarn aussagt.) Die erste Nacht verbrachte Gina hauptsächlich mit Saufen und Herumliegen. Nachdem sie uns die erste Portion Futter auf den Teppich gekotzt hatte, gaben wir ihr zwei Tage lang stündlich nur wenige Krümel Katzenfutter auf einmal. Der Tierarzt bestätigte uns am nächsten Tag, dass Gina stark dehydriert sei und riet uns außerdem auf ein hochwertiges Katzenfutter umzusteigen. Später müsse man sehen, ob vielleicht die Nieren geschädigt seien.

Es dauerte mehrere Wochen, bis die Katze wieder wie eine Katze und nicht wie ein Knochengerippe aussah. Ihre sicherlich beim Ausbruchsversuch aus dem Haus aufgeschrammte Nase, ist verheilt. Das Fell ist jedoch an einem Punkt bis heute nicht nachgewachsen. Wegen der Nieren haben wir noch nichts unternommen, aber sie säuft nach wie vor viel Wasser.

Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich es immer noch nicht fassen, dass wir unsere mäklige, konkurrenzunerfahrene Katze nach zwei Monaten doch noch lebend wiedergefunden haben. Inzwischen ist sie – bis auf den felllosen Fleck auf der Nase – wieder ganz die Alte. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sie die Nachbarterrassen meide und sicher nicht den gleichen Fehler noch einmal machen würde. Aber das kann ich nicht. Doch wenn uns die ganze Geschichte eins gelehrt hat, dann ist es das: Vertrauen zu haben – in die Fähigkeiten unserer Katze und in die eigene Intuition.

Dicke Schneewolken

Kaktusfeige mit Schnee

Diese Glöckchen wollten schon den Frühling einläuten.

Im letzten Jahr hat mir schon jemand aus dem Ruhrgebiet geschrieben, dass es bei uns in Apulien mehr Schnee zu geben scheint, als in Deutschland. Obwohl ich das natürlich nicht hoffe, da Schnee in und um Bari immer ein totales Chaos bedeutet, dass mit vielen Unfällen, Schließungen von Schulen und Kindergärten und schlitterglatten Fußwegen einhergeht, haben wir den Schnee heute morgen dank der Ferien doch freudig begrüßt – jedenfalls Davide und ich. Der Rest von Triggiano versteckt sich immer noch hinter heruntergelassenen Rollläden. Wer nicht anders konnte hat sich langsam auf den Arbeitsweg gemacht.

Davide findet Schnee eine Superabwechslung und lässt dafür auch seine Eisenbahnen stehen.

Weihnachten geht bei uns bis zum 6. Januar. Bis dahin genießen wir die Dekoration. (Und ab dem 7. könnte der Winter gern vorbei sein.)

Da Schnee hier jedoch recht flüchtig ist, sieht man inzwischen nur noch Schneereste und Wasser. Allerdings drohen dunkle Wolken mit weiterem Weiß. Davide würde es begrüßen. Gina eher nicht.

Wie sieht der Winter bei euch aus?

Ungeahnte Möglichkeiten

Die geneigten Leser meines Blogs wissen, dass ich mir vor zwei Jahren einen Komposthaufen für die Terrasse zugelegt habe. Eigentlich war meine Absicht, das herabfallende Laub und andere Pflanzenteile zu kompostieren, um das Heraufschleppen schwerer Blumenerde in den dritten Stock zu reduzieren. Man wird ja nicht jünger.

Wie groß war meine Überraschung, als im späten Frühling plötzlich eine Ranke aus dem grünen Plastikwürfel herauswucherte. Melone oder Kürbis – hieß nun die Frage, denn beides hatten wir im letzten Jahr reichlich verzehrt und Schalen sowie Samen auf dem Kompost entsorgt.

Erst der Sommer brachte Klarheit und der Herbst dann einen leckeren birnenförmigen Kürbis, der bald als Risotto, Kürbiskuchen und im Ofen gebacken endete.

Was auf einer Terrasse doch so alles möglich ist!

Katzengarten

Die Einladung zum Essen bei der Tante einer Kindergartenfreundin von Davide in Matera hatte sich als Besuch in einem antiken Palazzo mit Sälen statt Zimmern und einer wunderbaren Aussicht auf die Schlucht, in welcher die Besiedlungsgeschichte Materas vor Jahrtausenden seinen Anfang genommen hatte, herausgestellt.

Zu diesem Palazzo gehörte auch ein kleiner Garten, in dem aufgrund mangelnder Blüten nun zahlreiche Katzen die Hauptattraktion bildeten.

Leider waren die Tiere überaus scheu und einer Karriere als Fotomodell eher abgeneigt. Trotzdem ist es mir gelungen, ein paar fellige Eindrücke aus dem Katzengarten festzuhalten.

 

Leben im Palast

Das Schloss von Matera ist der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich.

Unlängst hatte ich das große Glück, bei der Tante einer Kindergartenfreundin Davides in Matera zu Gast sein zu dürfen. Dass man bei Einladungen in Apulien viel und lange essen muss, war klar. Aber darüber hinaus wussten wir vorher nicht, was uns erwartete, als von den Eltern besagter Kindergartenfreundin die Einladung zum Mittagessen bei ihrer Tante überbracht wurde.

Man muss gut zu Fuß sein, um die vielen Treppen bis zur Wohnung zu überwinden.

Eigentlich wollten wir nach Matera fahren, um den Weihnachtsmann zu besuchen, der an einem Adventswochenende seine Hütte am leider nicht zugänglichen Schloss des Ortes aufgeschlagen hatte, und am Abend noch durch die Sassi (Steine), wie der historische Ortskern aus Höhlenwohnungen genannt wird, spazieren. Doch das Wetter spielte nicht mit. Gerade um die Mittagszeit kam für wenige Stunden die Sonne heraus. Sonst regnete es in Strömen. Ein typisch apulischer Wintertag.

(O-Ton Vater der Kindergartenfreundin: „Hier sind wir als Kinder immer Fahrrad gefahren.“ Die Decken- und Wandbemalung kam erst bei einem Erdbeben in den 80er Jahren unter dem abfallenden Putz zum Vorschein.

Zimmer mit (filmreifer) Aussicht

Als wir dem Weihnachtsmann also vom Unwetter überrascht buchstäblich davon rannten, gab es im Haus der Tante die nächste, dieses mal aber erfreuliche Überraschung: Sie lebte in einem Palazzo, dessen Baugeschichte auf das Jahr 1000 zurückgeht. Dementsprechend prunkvoll und groß waren die „Zimmer“ und die Aussicht aus ihrem Schlafstubenfenster geradezu filmreif. Tatsächlich wollte am nächsten Tag ein englisches Filmteam eine Szene an diesem Fenster drehen.

Erinnerungen

Die Tante entpuppte sich dann eher als adrettes Großmütterchen, das bestens in diesen Palast aus Erinnerungen passte und uns ordentlich mit Vorspeisen, zwei Hauptgerichten, Fleisch und Nachtisch verwöhnte. Außerdem machte sie ganz omalich unsere anstrengende Erziehungsarbeit zunichte, indem sie den beiden Kindern erlaubte, auf einem riesigen Doppelbett herumzuhüpfen. Irgendwann drängte ich darauf, dass mir der Zugang zum kleinen, aber idyllisch-romantischen Gärtchen aufgeschlossen wurde, denn die Sonne zog sich gerade wieder Wolken vors Gesicht und ihr Untergang kam auch immer näher.

Der liebevoll gepflegte Garten thronte ganz wie der Palast hoch über der Schlucht mit ihren Höhlenwohnungen, welche bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts noch unter katastrophalen, hygienischen Bedingungen bewohnt waren und als Schande Italiens galten. Er wurde hauptsächlich von Katzen bevölkert, denen hier Aufenthalt und Futter gewährt wurden.

 

Im Moment werden die Sassi mit Hilfe von „Bed and Breakfasts“ und kleinen Künstlerwerkstätten wiederbelebt. Im nächsten Jahr ist Matera sogar Kulturhauptstadt Europas.

Die „Sassi“ von Matera – einst „Schande Italiens“, heute begehrter Drehort und lohnendes Ausflugsziel.

Ob ich in so einem Palazzo leben wollen würde? Nein. Wo man vom Schlafzimmer zur Küche schon gefühlt einen Fußmarsch von einem Kilometer zurücklegen muss und die Decken so hoch sind, dass selbst die größten Möbel nur schwer einen Hauch von Gemütlichkeit aufkommen lassen, würde ich mich nicht wohl fühlen. Ganz zu schweigen davon, dass man selbst beim Versetzen einer Steckdose schon die Denkmalschutzbehörde einschalten muss… Dann doch lieber eine kleine Höhlenwohnung.

Zeitung aus dem Jahr 1925

Allerdings kann man einige Räume des Palazzo für Feierlichkeiten buchen und das ist dann schon wieder eine Überlegung wert. Man muss aber wegen der Treppen gut zu Fuß sein.

 

 

Mehr über Matera gefällig – dann hier weiterlesen: Ausflug zum Anfang unserer Zivilisation