Archiv für den Monat März 2014

Lieblingsplatz

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Nachdem ich gefühlt drei Monate nur damit beschäftigt war, auf der Terrasse das Wasser aus den Blumentopfuntersetzern auszukippen, hörte ich gestern auf meinem Arbeitsweg, wie lautstark der Sommer ausgerufen wurde. (Italiener sind wirklich alles andere als emotional zurückhaltend.) Tatsächlich steigen die Temperaturen gegen Mittag schon bis auf sommerliche 25 Grad in der Sonne. Deshalb hat selbst Luigi inzwischen seine Winterjacke gegen eine leichtere eingetauscht und unsere Heizung abgestellt.

Wer Zeit hat, so wie Gina, hält nun auch gerne mal seine Nase in den wärmenden Sonnenschein.

Mafiaeis

Hätte ich am 4. März ein Eis gegessen, als ich die Gazzetta del Mezzogiorno aufgeschlagen habe, wäre es mir im Halse stecken geblieben. Warum?

Ich habe längere Zeit überlegt, ob ich meine Verstrickungen ins Bareser Verbrechen hier auf dem Blog zugeben soll. Zum einen ärgere ich mich insgeheim und hiermit nun auch offiziell, dass ich der Mafia in den letzten Jahren geholfen habe, Geld zu waschen. Außerdem berichte ich ungern von der dunklen Seite meiner sonst so hellen Wahlheimat. Doch vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, daran zu erinnern, dass Apulien nicht nur „Hotspot“ und „en Vogue“, sondern auch Spielwiese von Gewalt und Verbrechen ist.

Wenn in Italien jemand dem Fiskus nur 700 Euro Pension monatlich deklariert, aber gleichzeitig 21 Bankkontos, mehrere Appartments, eine Villa, acht Autos und andere Güter besitzt, dann macht er sich verdächtig. So ergaben die zurückliegenden Untersuchungen der italienischen Antimafiaorganisation Dia und der örtlichen Polizei denn auch, dass Biagio Cassano, der den Besitz all dieser Güter und leider auch der von mir bevorzugten Eiscremebar-Kette „Gasperini“ mit Hilfe von Strohmännern bisher gut zu verschleiern wusste, dem organisierten Verbrechen angehört. Seine Besitztümer wurden laut der Tageszeitung Gazzetta del Mezzogiorno vor zwei Wochen beschlagnahmt; so auch meine Lieblingseiscremebar auf dem Corso Cavour, die im Moment wie Cassanos andere Lokale unter staatlicher Aufsicht weiterlaufen.

Zum Glück gelingt den Behörden immer mal wieder ein erfolgreicher Schlag gegen „Subjekte von bemerkenswert kriminellem Format“. Das einzig Positive an dieser Situation ist, dass das Eis immer noch so gut schmeckt, wie als es noch Verbrechereis war (davon habe ich mich am Donnerstag überzeugt) und, dass man in dieser Eisbar mit Sicherheit nicht mehr die Unternehmungen der Mafia mitfinanziert. Mein Vertrauen in andere Bars und Caffes ist dahingehend vorläufig auch erschüttert.

Apulien ist en Vogue

Bevor ich am Wochenende über meine kriminelle Leidenschaft berichte, hier noch ein Hinweis, den mir meine ehemaligen Arbeitskollegen zukommen ließen, die sich jeden Tag fleißig durch Unmengen von Massenmedien graben.

“Italien ist schön, Apulien ist schöner“ – titelt nämlich die Aprilausgabe des Mode- und Lifestyle-Magazins Vogue, die gestern erschienen ist, und darin sieht es ganz so aus, als hätte sich die Journalistin Kiki Baron auf ihrer Fahrt durch Italiens Süden in die Gegend zwischen Gargano und Ostuni verliebt.

Sie berichtet von Traumstränden, der ungewöhnlichen Fischfangmethode vom Trabucco aus. Sie erzählt vom unverschämten Lotto-Glück der Bewohner der Stadt Peschici. Natürlich lässt sie auch die typischen Trulli-Häuschen nicht unerwähnt und Ostuni wird bei ihr zur „mittelalterlichen Märchenstadt“, in deren Nähe sie in einer Masseria den Tag ausklingen lässt.

Ein sympathischer Artikel mit sehr schönen Fotos aus dem apulischen Frühling!

Mimosen statt Rosen

IMG_20140212_122255Es ist wieder soweit: Internationaler Frauentag – die italienischen Blumenläden bersten von leuchtend gelben Blüten und auch an zahlreichen Ampelkreuzungen werden wartenden Autofahrern sonnige Mimosenzweige in der Hoffnung auf ein Geschäft vor die Frontscheibe gehalten. Wer eine IMG_20140212_122458Mimose im Garten zu stehen hat oder weiß, wo so ein Baum zu finden ist, kann mit einem Radikalschnitt heute seine Kassen klingeln lassen, denn die Blüten dieser Pflanze sind DAS Symbol des italienischen Frauentags schlechthin.

Doch wieso gerade Mimosen?

Als die “Vereinigung italienischer Frauen” (UDI) im Jahr 1946 auf der Suche nach einem Symbol für den wiedererwachten Frauentag war, wollte man bereits wie in Frankreich das Veilchen wählen. Doch die ehemalige Partisanin, Mitglied der konstituierenden Versammmlung und bis ins hohe Alter politisch aktive Italienerin Teresa Mattei (1921-2013) schlug statt dessen vor, eine einfache Blume zu wählen, die sich um diese Jahreszeit überall in Italien finden lässt: die gelben Puschelblüten des Mimosenbaumes lagen auf der Hand, denn die Bäume blühen von warmen Januartagen an bis in den März hinein und verbreiten einen betörenden Geruch.

Mimose ist nicht gleich Mimose

Bei den italienischen Frauentagsmimosen handelt es sich um eine aus Tasmanien eingeführte Akazienart, die mit dem deutschen geflügelten Wort von der Mimose als übersensiblen oder gar weinerlichen Menschen nichts zu tun hat. Im Gegensatz zur in Deutschland bekannten Mimose aus Südamerika, die eher unscheinbare Blüten besitzt, klappt die tasmanische Art bei Berührung ihre Blätter nicht zusammen; verhält sich also gar nicht “mimosenhaft”. Doch auch diese Pflanze verträgt keinen Frost. Deshalb ist sie nur in südlichen Ländern Europas heimisch geworden und hat sich im Norden nicht als Symbol durchsetzen können.

Während also heute deutsche Chefs ihren Mitarbeiterinnen rote Rosen oder praktische Primeln schenken, grüßt man in Italien zum Frauentag mit leuchtendem Gelb. Daher auch von mir an alle Frauen dieser Welt einen gelben Gruß und

Alles Gute zum Internationalen Frauentag!

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Der Scherenschleifer ist da!

IMG_20140219_123104„…è arrivato l’arrotino!“  hört man es in Apulien gelegentlich noch durch die Straßen hallen. „Si affilano coltelli, forbici e lame di rasoi!“*  Dann ist der Scherenschleifer wieder in der Stadt. Er hält vorrangig an den Fleischerein, welche dieIMG_20140219_123229 Dienste dieses aussterbenden Handwerks gern in Anspruch nehmen. Aber auch Privatpersonen nutzen die Gelegenheit und lassen ihre Messer oder Scheren schärfen. Man muss nur schnell genug auf den Beinen sein. Denn der Scherenschleifer ist heutzutage doppelt motorisiert unterwegs.

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* "Man schleift Messer, Scheren und Rasiermesserklingen!"