Archiv für den Monat Februar 2016

Frühstück zu zweit oder Aus dem Leben mit neugeborenen Italienern

Drei Monate Mütterzeit

In Italien gehen die Mütter in der Regel ab dem vierten Monat nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten. Bis dahin gibt es 80% vom Gehalt. Wer noch drei Monate dranhängen möchte, muss in diesen mit 60% seines Gehalts Vorlieb nehmen. Weitere 6 Monate gibt es für 30% des letzten Gehalts. Daher rufe ich hier mal allen Müttern in Deutschland zu: Genießt die Freiheit und ökonomische Sicherheit und, liebe Väter, nutzt die Elternzeit! … denn natürlich können es sich die wenigsten italienischen Familien leisten, die Mütter länger als normal zu Hause zu lassen. Väter in Elternzeit sind hier gar nicht vorgesehen. Daher werden die Kleinen drei Monate nach der Geburt zu dem Omas oder ins „Asilo nido“ (die Kinderkrippe) gebracht. Wohl dem, der wie wir, eine rüstige Oma hat! Bei der lässt man sein Kind doch beruhigter zurück als bei fremden Personen.

Wie, du stillst noch?

Aus dem oben beschriebenen Grund wird in Italien das Stillen in der Regel nur bis zum vollendeten dritten Monat gepflegt. Danach beginnt das Zufüttern. Scheinbar möchten sich die meisten Mütter das lästige Abpumpen und die Organisation desselben ersparen. Daher war unsere Kinderärztin auch ziemlich überrascht, als ich ziemlich überrascht auf ihren Zettel sah, auf dem stand, aus welchen Zutaten ich ab dem vierten Monat Brühe kochen und mit Reispulver zu einem Babybrei vermischt meinem Kind füttern sollte. Sie meinte, ich solle mir das mit der exklusiven Verpflegung durch Muttermilch bis zum vollendeten sechsten Monat überlegen, denn dem Kind würden so wichtige Stoffe fehlen, die in der Muttermilch nur noch in geringen Mengen enthalten seien; Eisen zum Beispiel.

Da steht man dann natürlich etwas unsicher da. Wem soll man glauben? Dem Kinderarzt mit über 30 Jahren Erfahrung? Oder der WHO? Ich entschloss mich dazu, der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zu folgen. Daher sind wir das Abenteuer Zufüttern erst ab Januar angegangen. Mit ziemlich miesem Erfolg. Brühe fand Davide ganz okay, aber mit Reismehl angedickt wollte er sie nicht mehr essen. Fleischhaltige Babybreie (wegen des Eisens) findet er bis heute nicht gut: Hühnchen – Bäh! Kaninchen – Gerade so. Rind – Geht gar nicht! – Kalb – Würg! Vorletzte Woche probierten wir Dorade aus und – Siehe da! – endlich etwas, das unser Kleiner mit Genuss isst. Offenbar haben wir einen Fischliebhaber und Feinschmecker, denn Lachs findet er auch gut. Seebarsch ebenso. Wie es scheint, ist Davide ganz Barese geworden und ich sehe ihn schon frisch gefangenen Polypen, die Beine ausreißen und roh hinterschlingen.

Keksfrühstück mit Frühstückskeksen

Apulisches Frühstück 1

Kleine Tasse mit kleinen Keksen für unseren Kleinen und große Kekse mit großer Tasse für die Großen (Na, ja… vergleichsweise „Großen“).

Damit die süditalienischen Kinderchen sich beizeiten an Frühstückskekse und Milchkaffee gewöhnen, gibt es Kinderkekse, die sich schon mit wenig Flüssigkeit (z.B. Speichel) zu einem weichen Brei auflösen. Seit Davide diese entdeckt hat, frühstücke ich nicht mehr allein. Natürlich stippen wir seine Kekse nicht in Kaffee, sondern nur in Milch. Aber irgendwie ist es sehr schön, nicht mehr allein frühstücken zu müssen. Kinder zu haben, hat auch ungeahnte Vorteile.

In diesem Sinne guten Appetit! Corinna

Suchanfragen XI – Entschuldigung

Margerite

1. Gut bei Entschuldigungen kommen in der Regel auch Blumen an.

Alpenfeilchen

2. Allerdings sollte man sich gegen Topfpflanzen entscheiden.

Ganz neu, dass mal jemand keine Schimpfwörter auf meinem Blog sucht, sondern sich im Gegenteil bei jemandem entschuldigen möchte.

Hier also zur schnellen Beziehungsrettung:

„Vergib mir!“ – „Perdonami!“ (Mit Betonung auf dem „o“.)

Hyazinthe rosa

3. Sollte die Entschuldigung nämlich nicht akzeptiert werden, könnte es weh tun.

„Es tut mir Leid.“ – „Mi dispiace!“ (Gesprochen in etwa: Mi dispjatsche. Mit Betonung auf dem „a“.)

…und wem das noch nicht reicht, der kann sich ja zur Abwechslung mal selbst beschimpfen. Inspiration nötig? Hier.

Neues Hosentrauma

Vor Kurzem habe ich mich an dieser Stelle leicht abfällig über den Krempeltrend bei Hosen ausgelassen. Inzwischen haben die Designer reagiert und der Krempelei zumindest bei Fauenhosen ein Ende gesetzt. Doch was für eins!

Die Hosen der Fashionistas (Neudeutsch für „willige Opfer der Modeindustrie“) werden offenbar aktuell so verkauft, dass es aussieht, als wäre die Trägerin schon seit mehreren Jahren aus dem Kleidungsstück herausgewachsen. Die Enden der recht weit geschnittenen Beinkleider umflattern nämlich fröhlich die mehr oder weniger verhüllte Wade auf halber Höhe.

Obwohl manche klobige Botten sich lieber unter langen Hosen verstecken sollten, ist am Trend doch positiv anzumerken, dass schönes Schuhwerk, welches sich nun ruhig bis hoch über die Knöchel erheben kann, endlich gut zur Geltung kommt. Trotzdem kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, in Baris trendiger Innenstadt einer italienischen Pumucklinvasion gegenüberzustehen.  Fehlen nur die roten Strubbelhaare. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich werde das beobachten!

Liegestuhlwetter

Wochenlang strahlte die Sonne über Triggiano, während ich sechs Tage die Woche fleißig meine Schüler zum Deutschlernen animierte und damit aushäusig zu Gange war. So lange hielt sich der winterliche Regen zurück, dass die pflegeleichten Kaktusfeigen, die ich bis zum Sommer nie gießen muss, plötzlich ihre Blätter dem Boden entgegensinken ließen.

Am Freitagabend kam mir also, während ich besagten Pflanzen einen Eimer Wasser in den Blumenkasten schüttete, die geniale Idee, einen Liegestuhl aus dem Winterquartier zu holen, um am Samstagvormittag mein blasses Gesicht entspannt in die Frühlingssonne halten zu können.

Ich denke, obiges Bild zeigt eindrucksvoll, dass mein Vorhaben schnöde vereitelt wurde. Ein weiterer Beweis für die Richtigkeit des Sprichworts: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.  … und klar ist natürlich auch, dass wir seit Montag wieder gutes Wetter mit über 20 Grad haben. Den Liegestuhl freut’s.

 

Mimosengelber Februar

Ein Grund dafür, warum ich gern in Apulien lebe, ist, dass im Februar über lange Zeit schon 20 Grad herrschen können und die Leute hier deshalb einfach bessere Laune haben als anderswo.

Mimose auf der Terrasse 2

Die italienische „Frauentagsblume“ ist in diesem Jahr schon einen Monat eher dran. Unsere Mimose auf der Terrasse blüht dank des ungewöhnlich warmen Wetters bereits seit Anfang Februar.

Gestern passierte ich zum Beispiel das Haus von Rosa. Rosa ist… Rosa ist … ja, also… ungefähr fünfzig, die Kinder im Norden, der Mann verstorben, arbeitet als Gesellschafterin einer alten Dame… im Grunde habe ich eigentlich keine Ahnung, wer Rosa ist. Wir sind weder verwandt noch verschwägert. Ich kenne sie nur wegen ihres Hundes Zara, welcher dereinst freudig an mir hochsprang, weshalb sich unweigerlich das erste Gespräch zwischen Rosa, deren Namen ich damals natürlich noch nicht kannte, und mir anbahnte. Zara lebt inzwischen „in campagna“ (irgendwo auf dem Land), aber Rosa und ich führen trotzdem weiterhin regelmäßig Haustürgespräche über den Hund, das Wetter (immer zu kalt oder zu warm), das Essen und seit ein paar Monaten höre ich mir auch Komplimente über Davides Schönheit an. „Ci’ge bell!”, „… é bellissimo!” oder “Amore, sorridi, sorridi alla zia!“ Die Liste ließe sich fortsetzen. Dabei schwillt mein ohnehin praller Stillbusen noch weiter an vor Stolz, so dass ich von Glück reden kann, dass mein Hinterteil mich davor bewahrt, in solchen Situationen nach vorn überzukippen.

Rosas Mimose auf dem Esstisch

Sonnenschein im Esszimmer und ein Beweis dafür, dass ich nicht fokussieren kann.

Gestern traf ich also wieder auf Rosa, die vor ihrem Haus bereits mit einer anderen Freundin schwatzte, welche einen Mimosenast in der Hand hielt. Dieser wurde gerade geteilt und, weil so tolles Wetter, die Laune so gut und Davide so schön waren, wurde auch mir spontan ein kleines Zweiglein überreicht. Dieses verbreitet jetzt Sonnenschein in unserem Esszimmer. Auch deshalb mag ich Apulien: weil die Leute hier etwas freundlicher sind als anderswo.

Wunscherfüllung

Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung – in dieser Woche gleich drei.

Kulturlandschaft1

Da ich mich unlängst mit einer Studentin über die Konditionierung von Touristen unterhielt, hier mal eine Apulienansicht, die den Landstrich als das zeigt, was er weitläufig auch ist – eine Kulturlandschaft.

Der erste hat mit Davide zu tun. Unser Sonnenschein ist nun schon sieben Monate alt. Trotzdem hielt er bisher hartnäckig an der Gewohnheit fest, des Nachts alle zwei Stunden angelegt werden zu wollen. Ächz! Dazu kamen in der letzten Woche die zwei unteren Schneidezähne, die sich ihren Weg ans Licht gebahnt hatten, und ihn „piccioso“ (quengelig) gar nicht mehr von meinem

Kulturlandschaft 2

Rüde von Infrastruktur durchzogenes Ackerland mit Oliven- und Obstbäumen.

Busen weichen lassen wollten. Gähn! In der letzten Nacht wachte er plötzlich nur einmal gegen halb vier auf und dann erst wieder um kurz vor sieben. Zuerst konnte ich gar nicht glauben, dass ich so viele Stunden am Stück geschlafen haben sollte, aber dann musste ich einsehen, dass wir beide heute zum ersten Mal seit sieben Monaten in aller Herrgottsfrühe ausgeschlafen und putzmunter waren.

 

im Garten

Im Detail dann aber wieder so schön, das man es malen möchte. (Leider bin ich dazu nicht fähig und muss mit Fotos Vorlieb nehmen.)

Da kam der zweite Wunsch ins Spiel – das Wetter hatte in der letzten Woche ein Einsehen. Mit einem Mal ist es wieder Frühling in und um Triggiano geworden. Die Knospen der Mandelbäume sind innerhalb von zwei Tagen explodiert und schon früh um acht tauchte die Sonne alles in ihren warmen Schein. Die beste Zeit für einen Spaziergang in die Gärten und schönes Licht für Fotos.

Romantischer Verfall

Romantischer Verfall

Zuletzt noch meinen lieben Lesern und Leserinnen vielen herzlichen Dank für die guten Wünsche angesichts meines letzten Blogbeitrags! Sie haben geholfen. Wir sind alle wieder erkältungsfrei.

Eine schöne Woche euch allen! Corinna

Mandelblüten nah

Erkenntnis der Woche

Mordsmäßig erkältet und mit krankem Kleinkind sowie krankem großen Kind Mann zu Hause zu sein, erinnert stark an Hölle. Da ist es besser, sich halb tot auf Arbeit zu flüchten.

Was das Foto damit zu tun hat? Nichts. Ich wollte nur mal an schönere Tage im apulischen Frühling erinnern.

Allen Schniefnasen gute Besserung!