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Mopsiger Schlossbesuch in Deliceto

Nach Deliceto kommt man wohl nur, wenn man ohnehin schon in der Gegend oder ein großer Fan von apulischen Schlössern ist. Meine Familie und ich fallen in beide Kategorien. Daher war es nur logisch, dass wir bei unserem sommerlichen Aufenthalt in Bovino auch einen kleinen Abstecher auf den Nachbarhügel und den Ort Deliceto machten. Dass wir uns selbst mit einem Navigationssystem noch verfahren können, ist eine andere Sache, brachte uns jedoch in die abgelegensten Einöden der Region Foggia, wo in tiefen Tälern Schafherden ohne Hirten weiden und man exzessiv Knoblauch anbauen kann, weil niemand in der Nähe ist, den der Gestank stören würde. Nimmt man jedoch im Kreisverkehr die richtige Ausfahrt und fährt nicht allzu zögerlich, dann gelangt man schon in 10 Minuten von Bovino in die authentische Kleinstadt Deliceto.

Als kleine, trutzige Festung erhebt sich das Castello Normanno Svevo von Deliceto auf seiner Hügelkuppe in den azurblauen Sommerhimmel

Wer hier öfter liest, der kennt die Geschichte, der meisten historischen Orte Apuliens: Byzantiner, Normannen, der unvermeidliche Stauferkaiser Friedrich II., dann die Anjou; schließlich die Aragonier, Spanier, Österreicher und zum Schluss die Bourbonen… Sie alle geben sich hier über die Jahrhunderte die Klinke in die Hand und lassen ein Schloss mit drei Türmen und eine dicht bebaute Altstadt zurück. Von oben sieht es so aus, als könne man von Dach zu Dach durch ganz Deliceto springen.

Blick vom Schlossturm über die Dächer von Deliceto

Seit 1902 ist das „Castello Normanno Svevo“ das die Stadt von einem Hügel aus überblickt, ein Nationaldenkmal. Wenn man die Touristeninformation des „Pro Loco“ (0039-0881 888 488) anruft, erscheint ein freundlicher Führer, der durch einige Schlossräume, über die Zinnen in den höchsten Turm führt und ein kleines Heimatmuseum im Schlosskeller zeigt. Mit den Türmen, Treppchen, Zinnen und seinem großen Innenhof sowie einem Brunnen, der zu einer Regenwasserzisterne gehört, mutet das mittelalterliche Gebäude wie ein Märchenschloss an. Auch einen Mantel- und Degenfilm könnte man sich gut hier gedreht vorstellen. Uns begleitete leider kein fescher Musktier- oder Zorroverschnitt sondern ein italienisches Pärchen mit einem vor Hitze und Angst keuchenden Mops. Das Pärchen zeigte sich aber nicht vom schniefenden Keuchen des Mopses irritiert, sondern davon, dass Davide seine linke Hand zu einem imaginären Tablet umfunktionierte und den zitternden Mops damit mehrmals „fotografierte“.

Abgesehen davon handelt es sich bei Deliceto um ein sympathisches, aber recht verschlafenes Nest. … und auch hier muss man wirklich mutig sein, wenn man Autofahren will.

Knoblauchernte auf einem Feld irgendwo im Nirgendwo