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Morgens früh um acht wird am Strand sich breit gemacht

Auf einem Bretterweg geht es durch die Dünen hindurch zum Strand „Pilone“ bei Ostuni.

Feine, weiße oder goldgelbe Sandstrände, schroffe Felsen, versteckte Buchten und Meeresgrotten – Apulien hat ungefähr 800 km Küste, sodass wirklich jeder irgendwann seinen Lieblingsstrand findet. Unser, Pilone genannt, ist vielleicht nicht der Allerschönste, aber er liegt fahrtechnisch günstig in der Nähe des Wochenendhäuschens meiner Schwiegereltern.

 

Das Meeresrauschen wird immer lauter, die salzige Luft steigt in die Nase und schließlich taucht das türkisblaue Wasser hinter dem Sand auf – das apulische Meer weiß sich in Szene zu setzen.

Es gibt einen freien Abschnitt, bei dem es bis zu den öffentlichen Toiletten ziemlich weit ist, aber auch Lidos mit Strandliegen, Sonnenschirmen, Kiosken und sanitären Anlagen unmittelbar am Wasser.

Mit kleinen Kindern geht man morgens an den Strand und verlässt ihn gegen 10, spätestens um 11 Uhr schon wieder. Das hat vor allem in der Hauptsaison den Vorteil, dass man sich das glasklare Meer mit relativ wenigen Mitmenschen teilen muss. Man verbraucht weniger Sonnencreme, vermeidet Staus und ist pünktlich zur deutschen Mittagszeit wieder zu Hause.

 

Außerdem sieht man auch mal, dass fleißige Traktorfahrer schon lange vor den ersten Badenden dabei sind, den Strand zu putzen.

Strand um acht – uns hat’s Spaß gemacht!

Ostuni 2018 – Weiß und wunderbar

Ostuni nennt man auch die Weiße Stadt. Auf den Fotos dürfte deutlich werden, warum. Hier in etwa beginnt mit dem Salento der Stiefelabsatz Italiens, was Ostuni seinen zweiten Beinamen „Tor zum Salent“ eingebracht hat. Etwa acht Kilometer östlich der 31.000 Einwohner zählenden Stadt liegt die Adria mit ihren goldgelben Sandstränden, denen jedes Jahr aufs neue 5 Segel für die Top-Qualität des Meereswassers verliehen werden.

 

 

 

 

 

 

Wir verbringen gern mal ein langes Wochenende hier und halten natürlich auch fotografisch unsere Eindrücke fest.

Zeichen setzen mit Fischen

Schlüpfender Hai – eine Installation von Carlo Dicillo

Daran, dass Bari einst ein Aquarium hatte, erinnern sich die Baresen noch gut. Ab 1965 war der Besuch festes Programm aller Grundschulen. Doch irgendwann begann der Verfall der Struktur: notwendige Investitionen wurden nicht getätigt und der Sicherheit war nicht mehr Genüge getan. Schließlich wurde das Gebäude 2008 stillschweigend geschlossen. Eine Schande eigentlich für eine Großstadt am Meer, aber bezeichnend für die typisch süditalienische Vernachlässigung und Nichtachtung ihrer Kulturgüter.

Durch Zufall  und einen Zeitungsartikel am Eröffnungstag hatten wir davon erfahren, dass eine kleine Gruppe, genauer der „Club Acquariologico Erpetologico“, eine Aquariumsausstellung in Erinnerung an die einst bedeutende Schüler-, Studenten- und Touristenattraktion organisert hatte. Natürlich wollten wir wissen, was es mit der bunten Fischeschau vom 22. April bis 3. Juni im Fährhafen von Bari auf sich hatte und fuhren kurzentschlossen an der Seepromenade entlang in Richtung Messe zum Hafen, wo man sein Auto für einen Euro pro Stunde überall am Straßenrand abstellen kann.

Unser dreijähriger Sohn Davide ist im Moment von allen großen Transportmitteln beeindruckt. Daher kam er bereits bei der Wanderung zum Fährterminal auf seine Kosten: aus einer kurz vorher angekommenen Fähre fuhren jede Menge Trucks an uns vorbei.

Blick in die Magroven

Freundliches Lächeln

Das temporäre Aquarium selbst stellte man im ersten Stock desgleichen Gebäudes auf, in dem man auch seine Fahrkarten für die Fähren kaufen kann, die hier vor allem nach Griechenland ablegen. Das war gut ausgewählt, denn wer noch ein wenig Zeit mit Warten totschlagen musste, konnte diese recht kurzweilig im besagten Aquarium verbringen. 10 Aquarien und 10 Terrarien mit Getieren aus verschiedenen Ambienten sollten die Besucher für die biologische Vielfalt sowie deren Schutz und Erhalt sensibilisieren.

Dennoch musste man mit geringen Erwartungen an den Besuch herangehen. Ich finde, so mancher Hobbyaquarianer hat im heimischen Wohnzimmer beeindruckendere Wassertanks zu bieten. Doch da der obligatorische Clownsfisch nicht fehlte, war unser Sohn bereits nach ein paar Schritten im recht leeren weitläufigen Ausstellungsraum hochzufrieden, was seine begeisterten „Nemo! Nemo!“-Rufe deutlich zeigten.

Eine originelle Idee war das Aquarium, welches das verschmutzte Meer wiedergeben soll. Ich hoffe, es brachte einige Umweltsünder zum Nachdenken darüber, wie sie mit ihrem Müll umgehen. Die Fische brauchen den ganzen Kram gewiss nicht.

Diese Aquariumsausstellung war jedenfalls ein guter Anfang für ein ausbaufähiges Projekt und ein deutliches Zeichen. Vielleicht wird es Dank des Engagements junger Leute irgendwann wieder ein richtiges Aquarium im Hafen von Bari geben.

Musikalische Gärten

Garten der Rockmusik

Während die heiße apulische Sommersonne gerade feste dabei ist, alles unter ihr zu verbrennen, gedenke ich der vergangenen, lauwarmen Frühlingstage, denn den Frühling mag ich in jedem Jahr am allerliebsten. Und was wäre der Frühling ohne frisches Grün und bunte Blumen! Hier in Bari versucht man den Frühlingsgefühlen mit temporären Gärten in der Via Agiro auf die Sprünge zu helfen.

Leider ist diese Aktion immer zeitlich begrenzt, aber in jedem Jahr steht sie unter einem anderen Motto. In diesem Mai hieß es: Musik als Garten. Daher tummelten sich in der sonst asphaltgrauen Straße plötzlich blumige Instrumente, Porträts von musikalischen Größen,  sowie Notenschlüssel und bepflanzte Noten. Besonders gut fand ich das Gartenhäuschen für Kinder, das mich an den „Zauberer von Oz“ erinnerte. Aber natürlich kamen auch die vielen Sitzgelegenheiten auf grünem Rasen und unter beeindruckenden Bäumen super an. Außerdem gab es auch Musikanten, die in den musikalischen Gärten aufspielten. Wirklich schade, dass die Aktion nur temporär ist!

Ruvo di Puglia und die Jugend von heute

Wenn man den rücksichtslosen motorisierten Verkehr in Bari aus Maßstab nimmt, dann möchte man in Apulien nicht radfahren.  Trotzdem gibt es in vielen Orten sogar Fahrradclubs, die sich an Wochenenden und Feiertagen gemeinsam auf die Straßen wagen und meistens im Pulk auftretend den fließenden Autoverkehr blockieren. Die sind schon ziemlich verrrückt mutig.

Warten auf die Radsportler

Für einen paralympischen Radsportwettbewerb auf nationaler Ebene hatte man am 13. Mai in Ruvo di Puglia hingegen in und um die Stadt die Straßen für den normalen Verkehr gesperrt. Was wir vor unserer Ankunft jedoch nicht wussten. Allerdings stießen wir trotz dieser Behinderung recht schnell auf den flachen Berggipfel der apulischen Hochebene Murgia vor, auf dem sich das historischen Zentrum der Stadt ausbreitet.

Typische Altstadtgasse von Ruvo

Warum ich unbedingt einmal nach Ruvo fahren wollte, weiß ich selbst nicht so genau. Ich erinnere mich an patriotische Deutschschüler, die aus diesem Ort kamen und meinten, er wäre wegen des Archäologischen Nationalmuseums (Museo Archaelogico Nazionale Jatta) eine Reise wert. Leider ist Davide (noch) kein Museumstyp und findet eher Spielplätze besichtigenswert, so dass wir für die über 2000 Ausstellungsstücke zählende, wertvollste Sammlung antiker Vasen  in Apulien in späteren Jahren noch einmal nach Ruvo zurück kommen werden müssen. Die von zahlreichen Kindern bevölkerte Spielwiese war diese Mal einfach anziehender.

Ruvo hingegen war nicht immer nur eine kleine Stadt im Hinterland von Bari. Dereinst lag sie günstig an der römischen Handelsstraße Via Traiana. Diese war von Kaiser Traian als Abkürzung der Via Appia gebaut worden, welche Rom mit der Stadt  Brindisi und vor allem ihrem Hafen verband, der die wichtigste Handelsbasis seiner Zeit mit dem Orient bildete. Auch der Dichter Horaz kam hier vorbei.

Uhrenturm aus dem Jahr 1604

Unser erster Eindruck gut 2000 Jahre nach Horaz war positiv. Die von ihm bemängelte Straße hat wohl inzwischen Verbesserungen erfahren und die aus weißem Tuffstein erbaute Altstadt ist sauber und gepflegt. Die Jugend Ruvos scheint auch nicht gerade auf den Kopf gefallen. Sie lernt offensichtlich nicht nur gern Fremdsprachen, sondern junge Ortsbewohner haben auch das paralympische Radrennen an diesem Tag organisiert. Zwei nette Mädchen vom Touristenverein „Pro Loco“ verlockten uns, den Uhrenturm zu besteigen.

Wir fanden es schon komisch, dass wir ein Dokument unterzeichnen mussten, in dem wir erklärten, dass wir  die alleinige Verantwortung für Davides Wohlergehen übernehmen werden. Doch schon bei den ersten der unglaublich steilen und schmalen Treppenstufen wurde uns klar, warum. Allerdings lohnte sich der beschwerliche Aufstieg, bot sich uns doch vom Uhrenturm aus nicht nur der Blick auf die zwei großen Glocken, die es unserem Sohn angetan hatten, sondern man hatte einen atemberaubenden Ausblick über die Stadt und die Murgia bis zum Castel del Monte, das in der Ferne von einem weiteren Hügel aus herübergrüßte.

Kathedrale Santa Maria Assunta

Beeindruckend ist auch Ruvos Kathedrale, obwohl sie auf den ersten Blick wie alle Kirchenbauten aus dem 12./13. Jahrhundert scheint. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch, dass ihr Dach seltsam langgezogen ist und den Bau damit etwas klobig macht. Rotter vermutet, dass hier dereinst Seitenschiffe nachträglich angebaut worden sind. Beeindruckend ist jedoch vor allem der Zoo, der sich auf der Vorderfront tummelt: recht verwittert, aber zu erkennen, sind zwei Löwen und über ihnen thronen Greife und die abwärts verlaufenden Weinranken schließen ebenfalls verschdiedene Tiere ein.

Später genossen wir in einer direkt an der Radrennstrecke gelegenen Eisbar den Vormittag und jubelten den körperbehinderten Sportlern zu. An diesem Tag musste sich die freundliche Stadt mit einer lobenswerten „Jugend von heute“ angesichts des beachtlichen Gefälles des Ruvoer Hügels unsere Bewunderung definitiv teilen.

 

Da lachen ja die Bienen – 6. Jahrestag

Hallo, meine Lieben,

ich fass es nicht! Schon wieder ist ein Apulienjahr vergangen! Heute vor sechs Jahren bin ich mit zwei Koffern hier gelandet und, wenn ich so darüber nachdenke, kommt es mir eigentlich gar nicht so lange vor. Oder aber als wäre ich nie woanders gewesen. Ein sehr merkwürdiges Gefühl, so zwischen zwei Extremen.

Lieblingsplätze 1: Hier hangeln sich zwei Passionsblumen vor der Terrassentür gen Himmel und schirmen eine kleine Sitzecke vor Nachbarsblicken ab.

Rankhilfe und Sichtschutz aus Paletten

Sicherlich tragen sich wiederholende Ereignisse dazu bei, dass ich mich in Bari und Umgebung inzwischen zu Hause fühle. Sicherlich spielt auch eine große Rolle, dass wir unsere Traumwohnung und die dazugehörige Terrasse immer mehr unseren Vorstellungen anpassen, sodass ich an sonnigen Tagen stets das Gefühle habe, ich wäre im Urlaub, sobald ich eine Fuß vor die Tür setze. Und natürlich verankert unser Sohn Davide mich hier, vor allem seit er im letzten November in die Kinderkrippe kam und wir plötzlich auch ein Sozialleben außerhalb von Luigis Familie haben.

Lieblingsplätze 2: Der Klassiker – mein Liegestuhl neben der Yuka-Palme, viel zu selten genutzt.

Trotzdem bildet der Sommerurlaub „bei Muttern“ immer noch ein Highlight im Jahreskalender und auch in diesem Jahr freue ich mich schon seit Monaten darauf. Davide hatte sogar schon seinen kleinen Kinderkoffer probegepackt, als wir neulich einen neuen großen Koffer kauften. Da mein Kind keine ausgesprochene Wasserratte ist, können ihn auch die grünen Hügel Brandenburgs und vor allem Enten, Gänse, Hühner, Kaninchen, Schafe, Hunde – kurz die Tiere, die man in einem brandenburgischen Dorf noch so hält – locken. Ganz besonders auch das Bäckerauto, das hupend vor der Haustür hält und leckeren Kuchen vorbei bringt. Ich selbst freue mich vor allem auf meine Freunde und die Familie, die ich zurückgelassen habe.

Die Wasserspielecke wird fast täglich genutzt…

… und hat in diesem Jahr ein Sofa aus Paletten bekommen, dem jedoch die Kissen fehlen, weil die Bezüge noch nicht fertig genäht sind.

Dem Projekt „Gegen das Kind“ fehlt noch die verschließbare Tür. (Es gibt immer ‚was zu tun!)

Gut, wollen wir nicht noch mehr Worte machen! Das letzte Jahr war super und das kommende wird hoffentlich auch wieder so. Ich danke meinen treuen Lesern, dass sie hier weiterhin vorbeischauen, denn auch im siebten Apulienjahr werde ich über diesen Landstrich, seine sehenswerten Ecken und mein Auswandererabenteuer bloggen.

Daher Buon ComPuglianno!“ a me und euch allen einen schönen Sommer!

Corinna

Vor einem Café fotografiert

Hier meine Gedanken zu den letzten Jahrestagen:

5. Jahrestag 2017

4. Jahrestag 2016

3. Jahrestag 2015

2. Jahrestag 2014

  1. Jahrestag 2013