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Lecce – Im Herzen des Salento

Der elegante Domplatz im Herzen der Altstadt mit seiner Kathedrale leuchten golden im Licht des Sonnenuntergangs.

Gute eineinhalb Auto- oder Schnellzugsstunden südlich von Apuliens Provinzhauptstadt Bari, mitten auf dem Hacken des italienischen Stiefels befindet sich die Stadt Lecce, die fast synonym für die Region Salento steht. Das historische Zentrum der Stadt ist eine Aneinanderreihung von überwiegend bereits restaurierten, architektonischen Perlen im spanischen Barock neben einem Schloss aus dem 16. und den Ruinen eines römischen Amphitheaters aus dem 2. Jahrhundert. Kurz vor dem Sonnenuntergang scheinen die reich dekorierten Gebäude aus weiß-gelbem Tuffstein wie mit Gold übergossen. Wen wundert es da, wenn Lecces Zentrum gerade zu diesem Zeitpunkt zum Leben erwacht.

Abendliches Altstadtleben

Während es im Juli und August mit hoher Luftfeuchte und über 40 Grad tagsüber unerträglich heiß werden kann, sodass ein Aufenthalt an der östlich gelegenen Adria oder dem westlich gelegenem Ionischen Meer definitiv angenehmer ist, strömt man nach dem üblichen Mittagsschläfchen abends in die Lecceser Altstadt und führt neben seiner gerade erworbenen Sommerbräune (oder dem Sonnenbrand) auch flatterige Oberteile, minimalistische Sandaletten und schicke Handtaschen aus. Da trifft es sich gut, dass sich außer den Touristen nicht nur kleine Boutiquen und Souvenirläden, sondern vor allem Bars, Eisdielen und Restaurants dicht an dicht drängen. Auch wer Menschenmassen sonst scheut, sollte sich dieses besondere Flair mit Gauklern und Straßenmusik nicht entgehen lassen.

Überhaupt unterscheidet sich Lecce durch seinen hoch aufstrebenden Baustil wesentlich von den orientalisch angehauchten, weißen Städten wie Ostuni, Cisternino oder Locorotondo wo sich kleine Quaderbauten an niedrige Hügel schmiegen. Lecces Gassen bieten immer wieder Einblicke in verspielte Ecken sowie Ausblicke auf kleine und große Plätze. Sie sind geschmückt mit von kunstfertigen Steinmetzen reich verzierten Türmchen und Fassaden. Mit Hilfe seiner Universität hat sich Lecce jedoch auch ein quirliges, junges Leben in seiner Neustadt bewahrt, sodass sich auch außerhalb der historischen Altstadt nicht Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Das ist vor allem wichtig zu wissen, wenn man sein Quartier aussucht. Es muss nicht unbedingt eines der zahlreichen B&Bs der Altstadt sein.

Kastell Karls des V.

Im Urlaub etwas Kultur? Das Stadtschloss lohnt sich definitiv zu besichtigen. Für 3 Euro gibt es einen menschlichen Führer und einen Audio-Guide. Man kann einen Film über die Ursprünge des im 16. Jahrhundert, in welchem Lecce als Verwaltungszentrum zu einer gewissen Größe und Bedeutung aufstieg, umgebaute, ursprünglich normannischen Kastells sehen. Beeindruckend und gruselig zugleich ist der finstere Kerker, in dessen Wände die Gefangenen über die Jahrhunderte ihre Zeichen und Namen eingeritzt haben. In einem anderen unterirdischen Gewölbe hat man im zweiten Weltkrieg kleine Fahrzeuge versteckt und deshalb Beleuchtung angebracht, wie unser Führer uns verraten hat, als wir ihn auf die vorsintflutlichen Kabel an den Wänden angesprochen haben. Die oberen Räume des Schlosses werden heute für kulturelle Veranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt.

Lecceser Traditionshandwerk – Figuren aus Pappmaché

Das besagte Kastell beherbergt außerdem ein Pappmaché-Museum, das einen Einblick in das Jahrhunderte alte, traditionelle Handwerk der Herstellung der filigranen Figuren aus Stroh, Keramik und Papier bietet. Während man durch die Schlossräume wandelt, kann man Kunstwerke und Werkzeuge aus den letzten drei Jahrhunderten bewundern und auf Infotafeln jede Menge Wissenswertes nachlesen. Natürlich gibt es vor allem in der Altstadt von Lecce noch Werkstätten, in denen man Pappmaché-Figuren kaufen kann. Nicht zuletzt findet hier der wahrscheinlich berühmteste Weihnachtsmarkt Apuliens statt, auf dem hauptsächlich Pappmaché- und Keramikfiguren für Weihnachtskrippen zu finden sind – die „Fiera di Santa Lucia“ immer vom 8. bis zum 24. Dezember.

Noch ein beliebtes Souvenir

Kleine Glocken werden in Süditalien und besonders im Salento gern als Glücksbringer verschenkt. Die Tradition geht auf eine Sage zurück, dernach einem bettelarmen Schäferlein sein einziges Schaf verloren gegangen war. Nachdem er es lange Zeit vergeblich gesucht hatte, hörte er plötzlich den Klang eines Glöckchens. Dem Geräusch folgend fand er sein Tier. Es steckte jedoch in einer tiefen Felsspalte fest. Plötzlich erschien der Heilige Michael, der zunächst das Schaf rettete und danach dem Schäfer eine kleine Glocke schenkte, welche er um den Hals getragen hatte. Von diesem Tag an wendete sich das Schicksal des armen Schäfers und alle seine Wünsche gingen in Erfüllung. Ob das auch mit Glocken funktioniert, die nicht vom Heiligen Michael verschenkt wurden, muss man selbst ausprobieren.

Nicht nur für den Sommerurlaub

Der dem Stadtheiligen Sankt Orontius gewidmete Platz wird von den Ruinen eines Amphitheaters dominiert. Leider wirken die massiven Gebäude aus der Neuzeit dem Atem der Geschichte entgegen.

Während die meisten Apulier die historischen Must-Sees von Lecce wie das Schloss, die Piazza Sant’Oronzo, das Amphitheater, den Dom etc. genau benennen können, ist das Lecceser Eisenbahnmuseum selbst unter den Einheimischen noch ein Geheimtipp. Doch nicht nur in Lecce selbst gibt es jede Menge zu entdecken. Um Lecce herum befinden sich außer traumhaften Stränden, welche im Sommer die Touristen in Scharen anziehen, noch beispielsweise die wehrhafte Stadt Acaya, römische Ausgrabungsstätten, Dolmen, eine wunderbar restaurierte Abtei und vieles mehr. Daher ist Lecce mehr als nur ein Sprungbrett zum Meer und definitiv auch in kühleren Monaten eine Reise wert.

Katze auf einer Domplatzterrasse: Die in der nahe gelegenen Kathedrale verehrte Jungfrau Maria hat offensichtlich auch ein wachsames Auge auf schlafende Katzen.

 

Roca Vecchia – Felsiger Badespaß im Salento

Badebucht vor der Stadt Roca Vecchia

Wasserratten finden in Apulien alles, was ihr Herz begehrt, und noch mehr:  mit Sonnenliegen – und -schirmen ausgestattete Strände in mondänen Badeorten,  einsame Badebuchten zwischen schroffen Felsen oder zerfallende Ruinen vor weißen oder goldfarbenen Sandstränden. Auf 800 Kilometer Küste ist für jeden Badefreund etwas dabei.

Zwischen Brindisi und Otranto liegt im Herzen des Salento die faszinierende Stadt Lecce, die man gut als Ausgangspunkt für vormittägliche Ausflüge sowohl zu Stränden an der Adria als auch zu Stränden am Ionischen Meer nehmen kann. Abends flaniert man dann durch das historische Zentrum der Stadt und führt seine Sommerbräune aus.

Seit 1928 wird hier ausgegraben: Mauerreste, Skelette, sowie Gold-, Bronze- und Keramikfunde zeugen von einer langen Siedlungsgeschichte.

Der September bietet sich dabei als besonders günstiger Urlaubsmonat an. Die Strände sind nicht mehr überlaufen, aber das kristallklare Wasser ist noch sommerlich warm. Die Tagestemperaturen steigen auf um die 30 Grad, doch in der Nacht kühlt es sich inzwischen auf angenehme 20 Grad Schlaftemperatur ab. Die flachen Sandstrände wie „Torre del Orso“, etwa 20 km vor den Toren Lecces, eignen sich perfekt für Familien mit kleinen Kindern. Felsenstrände wie „Roca Vecchia“ mit seinen den Zeiten preisgegebenen Festungsresten und einer Ausgrabungsstelle, deren Funde diese bis in die Bronzezeit zurückdatieren, sind eher etwas für geübte Schwimmer, historisch Interessierte und/ oder Romantiker.

Da ich mich mindestens in zwei der o.g. Kategorien einordne, hatte es mir dieser Ort am letzten Wochenende am meisten angetan. Ich hätte stundenlang nur dasitzen und über den verfallenden Turm auf das azurblaue Meer starren können. Beinahe paradiesisch kam mir die Lagune vor, in der sich ein Pärchen auf einem Felsen sonnte. Vor sich hin dümpelnde Bote taten ein Übriges zum entspannenden Anblick bei.

Nur für Kinder ist der Ort leider nicht geeignet. Steil abfallende Hänge, bröckliges antikes Mauerwerk, Höhlen, deren Eingänge sich als plötzlich auftauchende Löcher im Boden auftun und schmale, ausgetretene Wege – in Deutschland hätte man das alles wahrscheinlich schon weiträumig eingezäunt und das Betreten verboten. Aber wir sind ja in Apulien. Hier darf man sich noch in Gefahr bringen,  wie man möchte.

Vom Flughafen Brindisi ist Lecce nur ca. eine halbe Stunde entfernt. Von Bari sind es mit dem Auto eineinhalb Stunden. „Roca Vecchia“ ist nach der nahegelegenen Kleinstadt benannt, die eine Fraktion der Stadt Melendugno bildet, und vom Zentrum von Lecce aus in nur 20 Minuten erreichbar ist. Unbedingt hinfahren!

Bunter Besucher blauer Blümchen

Wer hatte sich denn heute auf unserer Terrasse eingefunden? Fröhlich umflatterte der gelb-schwarze Geselle unsere „Blaue Säckelblume“ und labte sich am Pollen. „Schwalbenschwanz“ nennt man diesen auffällig großen Schmetterling passend auf Deutsch – „macaone“ auf Italienisch. Wieder was gelernt.

Morgens früh um acht wird am Strand sich breit gemacht

Auf einem Bretterweg geht es durch die Dünen hindurch zum Strand „Pilone“ bei Ostuni.

Feine, weiße oder goldgelbe Sandstrände, schroffe Felsen, versteckte Buchten und Meeresgrotten – Apulien hat ungefähr 800 km Küste, sodass wirklich jeder irgendwann seinen Lieblingsstrand findet. Unser, Pilone genannt, ist vielleicht nicht der Allerschönste, aber er liegt fahrtechnisch günstig in der Nähe des Wochenendhäuschens meiner Schwiegereltern.

 

Das Meeresrauschen wird immer lauter, die salzige Luft steigt in die Nase und schließlich taucht das türkisblaue Wasser hinter dem Sand auf – das apulische Meer weiß sich in Szene zu setzen.

Es gibt einen freien Abschnitt, bei dem es bis zu den öffentlichen Toiletten ziemlich weit ist, aber auch Lidos mit Strandliegen, Sonnenschirmen, Kiosken und sanitären Anlagen unmittelbar am Wasser.

Mit kleinen Kindern geht man morgens an den Strand und verlässt ihn gegen 10, spätestens um 11 Uhr schon wieder. Das hat vor allem in der Hauptsaison den Vorteil, dass man sich das glasklare Meer mit relativ wenigen Mitmenschen teilen muss. Man verbraucht weniger Sonnencreme, vermeidet Staus und ist pünktlich zur deutschen Mittagszeit wieder zu Hause.

 

Außerdem sieht man auch mal, dass fleißige Traktorfahrer schon lange vor den ersten Badenden dabei sind, den Strand zu putzen.

Strand um acht – uns hat’s Spaß gemacht!

Ostuni 2018 – Weiß und wunderbar

Ostuni nennt man auch die Weiße Stadt. Auf den Fotos dürfte deutlich werden, warum. Hier in etwa beginnt mit dem Salento der Stiefelabsatz Italiens, was Ostuni seinen zweiten Beinamen „Tor zum Salent“ eingebracht hat. Etwa acht Kilometer östlich der 31.000 Einwohner zählenden Stadt liegt die Adria mit ihren goldgelben Sandstränden, denen jedes Jahr aufs neue 5 Segel für die Top-Qualität des Meereswassers verliehen werden.

 

 

 

 

 

 

Wir verbringen gern mal ein langes Wochenende hier und halten natürlich auch fotografisch unsere Eindrücke fest.

Zeichen setzen mit Fischen

Schlüpfender Hai – eine Installation von Carlo Dicillo

Daran, dass Bari einst ein Aquarium hatte, erinnern sich die Baresen noch gut. Ab 1965 war der Besuch festes Programm aller Grundschulen. Doch irgendwann begann der Verfall der Struktur: notwendige Investitionen wurden nicht getätigt und der Sicherheit war nicht mehr Genüge getan. Schließlich wurde das Gebäude 2008 stillschweigend geschlossen. Eine Schande eigentlich für eine Großstadt am Meer, aber bezeichnend für die typisch süditalienische Vernachlässigung und Nichtachtung ihrer Kulturgüter.

Durch Zufall  und einen Zeitungsartikel am Eröffnungstag hatten wir davon erfahren, dass eine kleine Gruppe, genauer der „Club Acquariologico Erpetologico“, eine Aquariumsausstellung in Erinnerung an die einst bedeutende Schüler-, Studenten- und Touristenattraktion organisert hatte. Natürlich wollten wir wissen, was es mit der bunten Fischeschau vom 22. April bis 3. Juni im Fährhafen von Bari auf sich hatte und fuhren kurzentschlossen an der Seepromenade entlang in Richtung Messe zum Hafen, wo man sein Auto für einen Euro pro Stunde überall am Straßenrand abstellen kann.

Unser dreijähriger Sohn Davide ist im Moment von allen großen Transportmitteln beeindruckt. Daher kam er bereits bei der Wanderung zum Fährterminal auf seine Kosten: aus einer kurz vorher angekommenen Fähre fuhren jede Menge Trucks an uns vorbei.

Blick in die Magroven

Freundliches Lächeln

Das temporäre Aquarium selbst stellte man im ersten Stock desgleichen Gebäudes auf, in dem man auch seine Fahrkarten für die Fähren kaufen kann, die hier vor allem nach Griechenland ablegen. Das war gut ausgewählt, denn wer noch ein wenig Zeit mit Warten totschlagen musste, konnte diese recht kurzweilig im besagten Aquarium verbringen. 10 Aquarien und 10 Terrarien mit Getieren aus verschiedenen Ambienten sollten die Besucher für die biologische Vielfalt sowie deren Schutz und Erhalt sensibilisieren.

Dennoch musste man mit geringen Erwartungen an den Besuch herangehen. Ich finde, so mancher Hobbyaquarianer hat im heimischen Wohnzimmer beeindruckendere Wassertanks zu bieten. Doch da der obligatorische Clownsfisch nicht fehlte, war unser Sohn bereits nach ein paar Schritten im recht leeren weitläufigen Ausstellungsraum hochzufrieden, was seine begeisterten „Nemo! Nemo!“-Rufe deutlich zeigten.

Eine originelle Idee war das Aquarium, welches das verschmutzte Meer wiedergeben soll. Ich hoffe, es brachte einige Umweltsünder zum Nachdenken darüber, wie sie mit ihrem Müll umgehen. Die Fische brauchen den ganzen Kram gewiss nicht.

Diese Aquariumsausstellung war jedenfalls ein guter Anfang für ein ausbaufähiges Projekt und ein deutliches Zeichen. Vielleicht wird es Dank des Engagements junger Leute irgendwann wieder ein richtiges Aquarium im Hafen von Bari geben.

Musikalische Gärten

Garten der Rockmusik

Während die heiße apulische Sommersonne gerade feste dabei ist, alles unter ihr zu verbrennen, gedenke ich der vergangenen, lauwarmen Frühlingstage, denn den Frühling mag ich in jedem Jahr am allerliebsten. Und was wäre der Frühling ohne frisches Grün und bunte Blumen! Hier in Bari versucht man den Frühlingsgefühlen mit temporären Gärten in der Via Agiro auf die Sprünge zu helfen.

Leider ist diese Aktion immer zeitlich begrenzt, aber in jedem Jahr steht sie unter einem anderen Motto. In diesem Mai hieß es: Musik als Garten. Daher tummelten sich in der sonst asphaltgrauen Straße plötzlich blumige Instrumente, Porträts von musikalischen Größen,  sowie Notenschlüssel und bepflanzte Noten. Besonders gut fand ich das Gartenhäuschen für Kinder, das mich an den „Zauberer von Oz“ erinnerte. Aber natürlich kamen auch die vielen Sitzgelegenheiten auf grünem Rasen und unter beeindruckenden Bäumen super an. Außerdem gab es auch Musikanten, die in den musikalischen Gärten aufspielten. Wirklich schade, dass die Aktion nur temporär ist!