Schlagwort-Archive: Hafen

Zeichen setzen mit Fischen

Schlüpfender Hai – eine Installation von Carlo Dicillo

Daran, dass Bari einst ein Aquarium hatte, erinnern sich die Baresen noch gut. Ab 1965 war der Besuch festes Programm aller Grundschulen. Doch irgendwann begann der Verfall der Struktur: notwendige Investitionen wurden nicht getätigt und der Sicherheit war nicht mehr Genüge getan. Schließlich wurde das Gebäude 2008 stillschweigend geschlossen. Eine Schande eigentlich für eine Großstadt am Meer, aber bezeichnend für die typisch süditalienische Vernachlässigung und Nichtachtung ihrer Kulturgüter.

Durch Zufall  und einen Zeitungsartikel am Eröffnungstag hatten wir davon erfahren, dass eine kleine Gruppe, genauer der „Club Acquariologico Erpetologico“, eine Aquariumsausstellung in Erinnerung an die einst bedeutende Schüler-, Studenten- und Touristenattraktion organisert hatte. Natürlich wollten wir wissen, was es mit der bunten Fischeschau vom 22. April bis 3. Juni im Fährhafen von Bari auf sich hatte und fuhren kurzentschlossen an der Seepromenade entlang in Richtung Messe zum Hafen, wo man sein Auto für einen Euro pro Stunde überall am Straßenrand abstellen kann.

Unser dreijähriger Sohn Davide ist im Moment von allen großen Transportmitteln beeindruckt. Daher kam er bereits bei der Wanderung zum Fährterminal auf seine Kosten: aus einer kurz vorher angekommenen Fähre fuhren jede Menge Trucks an uns vorbei.

Blick in die Magroven

Freundliches Lächeln

Das temporäre Aquarium selbst stellte man im ersten Stock desgleichen Gebäudes auf, in dem man auch seine Fahrkarten für die Fähren kaufen kann, die hier vor allem nach Griechenland ablegen. Das war gut ausgewählt, denn wer noch ein wenig Zeit mit Warten totschlagen musste, konnte diese recht kurzweilig im besagten Aquarium verbringen. 10 Aquarien und 10 Terrarien mit Getieren aus verschiedenen Ambienten sollten die Besucher für die biologische Vielfalt sowie deren Schutz und Erhalt sensibilisieren.

Dennoch musste man mit geringen Erwartungen an den Besuch herangehen. Ich finde, so mancher Hobbyaquarianer hat im heimischen Wohnzimmer beeindruckendere Wassertanks zu bieten. Doch da der obligatorische Clownsfisch nicht fehlte, war unser Sohn bereits nach ein paar Schritten im recht leeren weitläufigen Ausstellungsraum hochzufrieden, was seine begeisterten „Nemo! Nemo!“-Rufe deutlich zeigten.

Eine originelle Idee war das Aquarium, welches das verschmutzte Meer wiedergeben soll. Ich hoffe, es brachte einige Umweltsünder zum Nachdenken darüber, wie sie mit ihrem Müll umgehen. Die Fische brauchen den ganzen Kram gewiss nicht.

Diese Aquariumsausstellung war jedenfalls ein guter Anfang für ein ausbaufähiges Projekt und ein deutliches Zeichen. Vielleicht wird es Dank des Engagements junger Leute irgendwann wieder ein richtiges Aquarium im Hafen von Bari geben.

Sommerfrische in San Giorgio und Fisch vom Feinsten

Wenn man unserem Automechaniker Luigi glauben mag, dann gibt es in der Nähe von Bari keinen besseren Ort für die Sommerfrische als San Giorgio. Wie gut ist es da, dass sich San Giorgio praktisch gleich vor den Toren von Bari befindet. Hier gibt es ein Hotel, einen Campingplatz und einen Bezahlstrand, aber auch einen winzigen Fischerhafen und einen öffentlichen Steinstrand, der vereinzelte, noch winzigere Sandbuchten eingeschlossen hat. Kinder tummeln sich somit vor der Steinbarriere im feinen Kies und die Erwachsenen schwimmen weiter draußen im glasklaren Wasser oder setzen sich gar mit ihren Stühlen hinein.

Nun hat Luigi hier nicht nur sein eigenes Sommerhäuschen, sondern offensichtlich befindet sich auch seine Großfamilie im weitesten Sinne hier, denn während er uns nur 100m die Strandstraße entlangführt, treffen wir auf zahlreiche Personen, die uns als Cousins vorgestellt werden. Einer von ihnen verkauft von seinem mobilen Stand aus Seeigel, die er blitzschnell mit einer speziellen Zange öffnet und mir direkt zum Kosten anbietet. Leider hat mein Magen etwas gegen Tiere aus dem Meer, die keine Fische sind. Luigis Cousin findet das sehr bedauerlich. Luigi selbst besteht dennoch darauf, mir die Muschelaufbewahrungsanlage, eines anderen weitläufigen Verwandten zu zeigen. Zufällig befindet sich nämlich nicht weit von Luigis Sommerhäuschen einer der Fischläden, die in und um Bari als Juwel gelten: „Pescheria dal Nonno“.

Meerwasseranlage zur Aufbewahrung von Muscheln

Tatsächlich findet man hier allerhand Meeresgetier appetitlich angerichtet und aufgetürmt. Die Käufer drängen sich trotz der Hitze dicht an dicht. In die Arbeitsräume, wo Muscheln geputzt und geöffnet oder Polypen zu Tode geschüttelt werden, darf hingegen nicht jeder. Hier gibt es ein riesiges Becken, in dem die Muscheln in Kolonien an langen Metallträgern im frischen Meereswasser hängen, das ständig von außen hereingepumpt wird. Nur so behalten sie ihren Geschmack, sagt Luigi, und nur so erklärt sich auch die hervorragende Qualität. Natürlich wird mir erneut eine Probe angeboten. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit in Bezug auf etwas, das aus dem Meer kommt, ist für den Baresen so ziemlich die schlimmste vorstellbare Strafe, weshalb ich hier von vielen bedauert werde.

Polypen werden entweder mit einer großen Klatsche totgeschlagen…

… oder professionell zu Tode geschüttelt.

Bevor die Muscheln appetitlich aussehen, müssen sie geputzt werden.

Doch solange ich keine Lactoseunverträglichkeit bekomme, werde ich trotzdem gut in Apulien (über)leben. Davide interessierte sich auch weniger für Fische, sodass wir dem famosen Fischladen bald den Rücken und an den Strand zurückkehrten, um noch ein paar Schippen Sand ins Wasser zu werfen und uns richtig einzumodern. Sommerfrische ins San Giorgio hat eben für jeden etwas.

 

Morgens im Hafen von Mola

Gekonnt wird die Leine ausgeworfen, damit ein Schiff im Hafen von Mola vertäut werden kann.

Der Bootshund ist auch dabei.

Hier werden die Netze geflickt und zusammengelegt. Ein Fischer empfiehlt mir, die Fischerei höchstens als Hobby zu betreiben. Vielleicht war der Fang an diesem Tag nicht so üppig.

Mola di Bari – Venusbrüste und Schlossmauern

Mole di MolaFischerbooteLuigi und ich waren nie die großen Ausgeher, aber seit Davide in unser Leben gerutscht ist, gehen wir abends gar nicht mehr weg. Dafür sind wir zu Sonntagvormittagsausgehern geworden, denn in Italien ist es Gang und Gäbe, dass man sich wenige Stunden vor dem Essen zu einem Aperitivo (hier ein schöner Beitrag dazu auf dem Blog von Claudia alias La Capocuoca) zusammenfindet, in unserem Fall ist das meistens ein spätes Frühstück.

Schloss FrontSchlossspitzeSo trafen wir unlängst unsere Freundin Cecilia in Mola di Bari, einem der zahlreichen Vororte der apulischen Provinzhauptstadt. Molas Seepromenade lädt zum Flanieren und die zahlreichen Cafés zur Einkehr ein. Es gibt sogar ein trutziges Kastell, das Karl I. von Anjou (ein Vertreter des Clans nach dem berühmten Stauferkaiser Friedrich II.) 1277 zwischen Altstadt und Meer errichten ließ. Die spitze Eckbastion aus dem 16. Jahrhundert ragt aggressiv dem Meer entgegen und erinnert damit an Baris Kastell, das genauso spitz auf die Altstadt weist. Leider wird das Kastell von Mola nur für besondere Ereignisse wie Hochzeiten geöffnet und ist nicht zu besichtigen.

tette di venere e cappuccinoGleich an diesem Kastell befindet sich jedoch in der Via Toti die Bar und Konditorei Viennese. Mit Blick auf die wuchtigen Schlossmauern kann man hier neben den üblichen Cornetti auch leckeres Gebäck wie sizilianische Canneloni (die natürlich in diesem Fall nicht aus Sizilien stammen) oder „tette di venere“, welche in unserer Gegend auch unter dem Namen „tette delle monache“ laufen, ein mit Vanillecreme gefülltes, fluffiges Teigstückchen, dessen Form tatsächlich Ähnlichkeit mit einer Frauenbrust hat. Ob nun die Brüste der Venus tatsächlich so aussahen… mit ein bisschen Vorstellungskraft kann man es glauben. Bei Mönchen hingegen kenne ich mich nicht so aus und meine Vorstellung reicht nur für ein Gebäck, das erheblich flacher wäre. Nun, ja…

Alstadtplatz

Mit Cappucino und Venusbrüsten im Bauch lässt es sich hervorragend einen Spaziergang durch den gepflegten Altstadtkern und auf der Hafenmole machen. Danach bei „Mamma Maria“ Mittag essen und anschließend ein kleines Schläfchen einlegen – wenn das nicht dolce vita ist, dann weiß ich auch nicht.

Trubel auf dem Flohmarkt

Flohmarkt Detail 2 Flohmarkt Detail 1

Bari goes Top Gun – Besuch auf Italiens größtem Flugzeugträger

Es gibt so Sachen, von denen man annimmt, dass man sie nie im Leben tun wird. Jedenfalls würde man annehmen, dass man sie nie im Leben tun wird, wenn diese Sachen nicht so unwahrscheinlich wären, dass man gar nicht erst darauf kommt, überhaupt darüber nachzudenken, dass man sie tun könnte. Dazu gehört zum Beispiel das Herumstrolchen auf einem Flugzeugträger – also auf einem dieser Schiffe, die so riesig sind, dass ein auf ihnen herumstehendes Kampfflugzeug wie ein einsames Auto auf dem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum wirkt.

Der Flugzeugträger Cavour im Hafen von Bari

Die Cavour im Hafen von Bari

Helikopter auf der CavourDoch als Luigi am letzten Wochenende vorschlug, das schöne Sonntagswetter und die Möglichkeit zu nutzen, die Cavour, den größten Flugzeugträger der italienischen Marine, zu besichtigen, war ich sofort dabei. Zwei Tage lang lag dieser Ozeanriese nämlich zum ersten Mal im Fährhafen von Bari und war zur kostenlosen Besichtigung freigegeben. Den einzigen Flugzeugträger, den ich bis dahin in meinem Leben bewusst wahr genommen hatte, war der auf dem Tom Cruise dazumal in seinem Erfolgsfilm „Top Gun“ Dienst getan hatte. Aber ehrlich, sooo groß wirkte das Schiff da gar nicht, was aber auch an unserem damals noch sehr kleinen Fernseher gelegen haben könnte.

IMGP0718

Die Flugzeugstaffel nennt sich „Wölfe“.

Flugzeug der Staffel "Wölfe" der CavourGlücklicherweise waren wir schon eine Stunde vor Einlass dort, denn scheinbar hatten sich noch sehr viel mehr Baresen vom Sonnenschein, möglichen Jugenderinnerungen oder dem Ruf der Cavour zum Hafen locken lassen, was besonders die Schlange bewies, die sich entlang des Schiffs gebildet hatte, als wir es verließen (siehe erstes Foto).

IMGP0727Scheinbar hatte man keine Angst vor Besuchern, denn die Taschenkontrolle war weniger streng als auf einem Flughafen und Ausweise musste man schon gar nicht vorzeigen. Aber natürlich wurden wir nur in einen sehr begrenzten Teil des 244m langen Schiffs gelassen, denn der normale Betrieb mit über 600 Männern und Frauen an Bord ging auch in diesen Tagen weiter.

Zuerst gab es einen kurzen Werbefilm zu sehen, während dessen uns ein weiß-bärtiger Marineoffizier von einigen Missionen der Cavour erzählte. Unter anderem wird das Schiff nämlich auch für Hilfstransporte und als Krankenhausschiff in Krisengebieten eingesetzt, worauf die Seemännern öffenbar besonders stolz sind. Sie betreiben sogar ein eigenes Hilfsprogramm für sehbehinderte Kinder in Afrika, für das sie mit dem Verkauf von Kalendern an diesem Tag Spenden gesammelt haben.

IMGP0712Nach dem Film durften wir über schmale Treppen auf das Deck klettern und uns dort nach Herzenslust umsehen. An den Flugzeugen und Hubschraubern standen Soldaten bereit, die geduldig die Fragen der neugierigen Schiffstouristen beantworteten. Natürlich hatten wir von dort oben auch einen fantastischen Blick auf Bari. Und hinunter in den Frachtraum mit der riesigen Eingangsklappe brachte uns dann ein Fahrstuhl, der sonst nur für Krankentransporte benutzt wird.

IMGP0708Ich interessiere mich eigentlich gar nicht für das Militär oder Technik, aber ein technisch ausgefeilter Koloss wie dieser, auf dem Menschen nur noch wie Ameisen wirken, und in dem sie auch ameisenähnlich zusammenleben, verlangte mir doch einiges an Respekt für die Konstrukteure und die Besatzung ab. Deshalb fand ich diesen Vormittag trotz des langen Anstehens wirklich gut genutzt.

IMGP0710

Blick von der Cavour auf Bari

Crepes in Giovinazzo

2014-07-25 20.23.57„Ich fahre im Sommer jedes Wochenende nach Giovinazzo.“, erklärte mir einer meiner Schüler vor wenigen Wochen. 2014-07-25 20.28.35Nirgends sonst träfen sich so viele Jugendliche an der Strandpromenade und man könne Leute aus aller Welt kennenlernen. Also los! Auf in den für meinen Mittzwanziger so anziehenden Melting Pot der Kulturen!

2014-07-25 20.27.45Mit dem Auto ist man in etwa 20 Minuten in dem kleinen, zwischen Bari und Molfetta gelegenen Städtchen angekommen. Die gut ausgeschilderte Altstadt schiebt sich auf einer Landzunge ins glasklare Wasser der Adria hinein und bildete schon vor Jahrhunderten ohne künstliche Mole einen natürlichen Hafen. Schnell stellten wir fest, dass hier tatsächlich viele Jugendliche, aber auch ganze italienische, deutsche (vielleicht auch österreichische), französische und englischsprechende Touristenfamilien unterwegs waren und die kühlen Abendstunden am Hafen sowie in den Restaurants der Altstadt genossen. Diese familiäre Multinationalität könnte nicht zuletzt daran liegen, dass sich in nur 15 Minuten Laufweite vom historischen Zentrum ein riesiger Campingplatz, der Campeggio La Baia, befindet.

In der Vergangenheit gelangte Giovinazzo zu bescheidener Bedeutsamkeit, weil es an der römischen2014-07-25 21.49.43 Handelsstraße Via Traiana lag. Aus diesem Grund wurde die Siedlung schon früh befestigt und mit einer dicken Stadtmauer versehen.

Natürlich gibt es auch zahlreiche Kirchen und die obligatorische Kathedrale, denn im 5. Jahrhundert wurde Giovinazzo Bischofssitz.

Wir kehrten an diesem Abend auf Wunsch der uns begleitenden italienischen Verwandten in einer Creperia ein und stärkten uns nach unserem gemütlichen Altstadtbummel mit herzhaften und süßen Crepes.

creperia