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Gallipoli, die schöne Stadt

Auf unserem Weg in die verspätete Sommerfrische nach Santa Maria de Leuca machten wir in Gallipoli Halt. Unser Automechaniker hat ganz in der Nähe ein Sommerhäuschen und als Kenner mir schon mehrfach vorgeworfen, die Mittelmeerseite Apuliens zu vernachlässigen. Also auf nach Gallipoli!

Hier promeniert man an der Hafenmauer mit Blick auf das Schloss und die vielen kleinen Segelboote.

Gallipoli wurde noch vor unserer Zeitrechnung als griechische Stadt „Kallipolis“ auf einer Felseninsel gegründet, die man seit dem 17. Jahrhundert über eine kleine Brücke erreicht. Die „schöne Stadt“ mit ihrem Naturhafen unterlag wie ganz Apulien einer wechselvollen Geschichte aus Plünderungen, Eroberungen und immer wieder neuen Herrschern. Nach den Griechen waren die Römer dort. Dann fielen die Vandalen ein. Die Byzantiner folgten. Im Mittelalter kamen die Normannen, dann die Staufer und schließlich die Anjou. Letztere hinterließen das Schloss aus dem 13. Jahrhundert in seiner jetzigen, überbauten Gestalt. Es ist fast komplett zugänglich und sollte besichtigt werden.

Schlosshof

Blick vom Schloss in Richtung Neustadt

Eine Ausstellung im Schloss verschafft einen guten Überblick über die Geschichte des Gebäudes und eine weitere widmet sich der Herstellung von Olivenöl. Von den Schlossmauern aus hat man einen beeindruckenden Blick auf den Hafen, die Küste des Golf von Tarent und auch auf die Bausünden der Stadt.

Die schmalen Altstadtgassen bilden ein Labyrinth, in dem man nicht nur die für ihre Fassade im Lecceser Barockstil berühmte Kathedrale Santa Agatha, sondern noch viele andere, kleine Kirchen, Cafés, Restaurants und Souvenirläden findet. Wer Ostuni oder Lecce gesehen hat, wird finden, dass man hier durchaus noch den Pinsel schwingen und/ oder Fassaden neu verputzen könnte, aber bei Sonnenschein und einer leichten Brise fällt das gar nicht so sehr ins Gewicht. Noch dazu wenn man sich von Andrea in seiner dreirädrigen Ape durch die Gassen kutschieren lässt und dann in eine „Pucceria“ einkehrt, um sich eine der regionaltypischen Brottaschen namens Puccia mit allem füllen zu lassen, was das Herz oder besser der Magen begehrt.

Wer einen Magen besitzt, der resistent gegen Schalentiere ist, sollte in ein Restaurant einkehren und die „Zuppa Gallipolina“ probieren. In dieser vereinen sich die Fischereitradition Apuliens mit den einfachen Aromen vom Feld: Fische wie Rotbarsch und Seeteufel zusammen mit Scampi, Krebsen und Muscheln auf der einen Seite; Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Petersilie auf der anderen. Ein Schlückchen Weißwein darf auch nicht fehlen. Schon ist es angerichtet.

Beim Fotografieren fotografiert.

Die Küste nördlich und südlich von Gallipoli bietet nicht nur Fischrestaurants sondern eine Reihe der schönsten Strände Apuliens mit so viel versprechenden Namen wie „Malediven des Salento“. Mit ihrem flachen Wasser und dem weißen oder goldgelben Sand muten sie denn auch fast nach Südsee an und sind noch dazu absolut familienfreundlich. In der Saison bieten Strandbars Verpflegung und Lidos sowohl Liegen als auch Liegestühle oder Sonnenschirme an.

Wir können uns gut vorstellen, dass die Stadt in der Hauptsaison, die unser Mechaniker hier jedes Jahr im August mitmacht, brechend voll ist und sich Menschenmassen an der Seepromenade entlang schieben. Im September genießt man in Gallipoli jedoch ein mäßiges Touristenaufkommen und schöne Spätsommertage. Da wird die Metropole der Sommerfrische wieder zu dem, was sie ist: ein nettes, kleines Städtchen, in dem zwei Bahnstrecken enden.