Mission Traumwohnung 4

Neue Fenster

Von der ersten Besichtigung bis zur Unterschrift unter den Kaufvertrag für unsere renovierungsbedürftige Traumwohnung mit Terrasse in Triggiano hat es ungefähr ein halbes Jahr, in dem ich mehrmals kurz vor dem Nervenzusammenbruch gestanden habe, gedauert. (Nachzulesen hier und hier.) Als wir im November endlich die Wohnungsschlüssel in der Hand hatten und die Renovierung angehen wollten, vertröstete uns der Handwerker unseres Vertrauens auf die Zeit „nach den Feiertagen“; womit Weihnachten, Silvester und Befana gemeint waren. Damit rückte die Zeit des Renovierungsbeginns in den im November noch fern erscheinenden Januar. Trotzdem waren wir nicht untätig, sondern verbrachten in der Folge viel Zeit im Baumarkt, in Sanitärläden, bei Fensterbauern und in Einrichtungshäusern, um uns über Küchen- und Badfliesen, Sanitärkeramik, Armaturen, Küchenmöbel und neue Fenster zu informieren.

Während Luigi freudig von einem Shop zum nächsten flanierte und über die Ästhetik von Badfliesen in diversen Schattierungen von grün oder blau philosophierte, hätte ich schon im ersten Laden alles einsacken können, was wir brauchen, und am liebsten sofort damit losgelegt, das zerstörerische Werk des Abreißens mit den braunen Badfliesen zu beginnen. Statt dessen landeten nach dem dritten Besuch im einzigen Baumarkt der Gegend, der eigentlich dem Zweck diente, sich hinsichtlich der Preise von Innentüren zu erkundigen, ein Orangen- und ein Kirschbäumchen im Einkaufskorb. Mit der Renovierung hatte dieser bis heute einzig getätigte Baumarkteinkauf nur insofern zu tun, dass sich auf diese Art und Weise wenigstens auf der Terrasse etwas veränderte.

Eines Nachmittags Anfang Dezember waren wir schließlich mit Lorenzo, dem Arbeitskollegen einer Cousine von Luigi verabredet, dessen Frau dereinst als Studentin aus Polen nach Bari gekommen war und Ende der 90er beschlossen hatte, als Ehefrau für immer hierzubleiben. Sie gründete schnell noch eine Fensterbaufirma in Polen und vertreibt seitdem mit Unterstützung ihres Mannes polnische Fenster im italienischen Süden. Polnische Fenster! Ich fühlte mich plötzlich ungemein heimisch in Triggiano.

Wie auch die anderen Handwerker, die unsere Wohnung mit sieben auszutauschenden Fenstern und zwei Fenstertüren in Augenschein genommen hatten, ließen wir ihn messen, Kammersysteme und Gaseinschlüsse erklären und Rollladenmuster vorführen. Dann warteten wir einige Wochen auf einen Kostenvoranschlag, bis ich bereits davon ausging, dass Lorenzo uns vergessen haben musste, und vorsichtig bei Luigis Cousin anfragte, ob ihr Arbeitskollege vielleicht plötzlich erkrankt wäre. Die Cousine entschuldigte sich mehrmals und ich, die ich nur verwundert den Telefonhörer hielt, versuchte zu verstehen, warum sie plötzlich davon redete, dass sie noch keine Zeit gehabt habe, um ein Abendessen zu organisieren. Abendessen wäre natürlich nett gewesen, zumal sie eine ausgesprochen gute Köchin ist, aber wir wollten doch nun endlich wissen, wie viel Geld wir für die Fenster einplanen mussten.

Bisher hatten wir nur einen einzigen Kostenvoranschlag bekommen, in dem für drei Fenster in Küche und Bad mit Einbau 2000 Euro veranschlagt worden waren. Mehr hatten wir zunächst nicht angefragt, aber doch inzwischen recht bang hochgerechnet. Nun sollte es also über Mozarella, Spinatpizza, Rape, Panzerotti, Focaccia, Würstchen, Kartoffelspalten, Ricottakuchen und anderen Köstlichkeiten ernst werden. Würden wir uns nach dem Fensterkauf noch das eine oder andere Möbelstück leisten können?

Da ich Luigi viel zu sehr gedrängt hatte, standen wir natürlich pünktlich zur verabredeten Zeit in der Wohnung der Cousine und mussten noch eine halbe Stunde auf Lorenzo warten. Dafür stellte dieser uns dann nicht nur farbige Scheibenjalousien, sondern auch seine Frau und seinen achtjährigen Sohn vor. „Dzień dobry!“, kramte ich eine der beschämend wenigen polnischen Floskeln, die ich mir in zwanzig Jahren Einkaufstourismus angeeignet hatte, heraus, und fühlte mich sofort mir ihr verbunden, kam sie doch aus Katowice. Das war von Triggiano aus betrachtet praktisch um die Ecke meines deutschen Zuhauses.

Den nächsten Symphathiepunkt bekam sie sofort dafür, dass sie aus offensichtlichen Gründen wusste, wo Frankfurt an der Oder liegt, und nicht sofort an die deutsche Börse dachte. Ja, von dieser Frau wollte ich gern Fenster kaufen! Aber zuerst kam ein Gericht nach dem anderen, Smalltalk über das Essen, das Wetter, den lokalen Dialekt, Zweisprachigkeit, geklaute Fahrräder sowie Aufklärung in Sachen Energieeinsparung durch die richtige Fensterwahl, bis wir uns schließlich genudelt auf das Sofa rollten. 5500 Euro für alle Fenster, doppelwandig, gasgefüllt, mit irgendwelchen Lüftungsoptionen, Rollladen und Kästen, inklusive Lieferung und Einbau – fiel schließlich eine Zahl – und hinterher sofort der Hinweis, dass wir uns noch einmal die Kästen der Rollladen ansehen sollte, denn wenn diese in einem guten Zustand wären, bräuchten wir sie nicht auszutauschen und könnten noch einmal eine erhebliche Summe sparen. Viva Polonia! Wir hatten so gut wie Fenster gekauft. Aber natürlich nur „so gut wie“. Ein nächster Termin für eine genauere Messung und die Untersuchung der Kästen wurde vereinbart, bevor wir wieder auseinander gingen. Do wizenia! Alla prossima!

Dieses Treffen fand noch vor Weihnachten statt und wir haben tatsächlich festgestellt, dass wir uns die Rollladenkästen sparen können. Daher blieb uns nur noch übrig, auf den Startschuss unseres Handwerkers zu warten, um die Bestellung abschließen zu können, denn natürlich wäre es sinnvoll, zunächst die Wände aufzureißen, um die elektrischen und hydraulischen Leitungen zu kontrollieren und ggf. auszutauschen oder neu zu verlegen, und erst anschließend Fenster einbauen zu lassen.

Obwohl es zunächst nicht so schien, als würde es jemals Januar werden, stand plötzlich Silvester vor der Tür. Dann war Befana vorbei, und am siebten Januar begann Pasquale damit, sich täglich telefonisch im Büro seines Vertrauenshandwerkers nach dessen Verbleib zu erkundigen. Nach drei Tagen bekam er die Ehefrau an die Strippe: Ihr Mann sei noch in Albanien. Die Arbeiten auf der Baustelle dort hätten sich verzögert. Aber er müsse dieser Tage zurückkommen und melde sich dann sofort bei Pasquale – hieß es.

Doch ob der Verschollene jemals aus Albanien zurückgekehrt und wie weit unsere Fensterbestellung fortgeschritten ist, werdet ihr erst in der nächsten Episode aus der Reihe „Mission Traumwohnung“ lesen, denn das ist schon wieder eine andere Geschichte und würde an dieser Stelle vom Hundertsten ins Tausendste führen.

Alla prossima!

6 Gedanken zu „Mission Traumwohnung 4

  1. blitta

    Oje… und ich überlege nur, wie ich es schaffen soll, ein hölzernes Bettpodest zu bauen… Das erscheint mir jetzt ein leichtes Unterfangen!

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ich habe die vage Idee für ein einfaches Terrassensoffa aus Bohlen und Brettern aus dem Baumarkt im Kopf. Aber sicherlich ist Dein Bettpodest eher fertig als unsere Wohnung. Das kannst Du ja mal als DIY-Projekt auf Deinem Blog vorstellen. Vielleicht kann man sich noch etwas abgucken. 🙂

      Antwort
      1. blitta

        Das Bettpodest wird erst ins Auge gefasst, wenn ich eine neue Wohnung gefunden habe… Daher habt ihr gute Chancen, vorher fertig zu sein als ich 😉

        Antwort
  2. frauhilde

    Gerade eben sackte die hoffnungsvoll ob des Postingtitels hibbelnde geneigte Leserin am Ende des Artikels in sich zusammen und seufzte und pustete kurz auf die bereits blau angelaufenen Daumen und gelobte, selbigwelche weiterhin gedrückt zu halten, damit aus der „Mission Traumwohnung“ kein Drama in trölfzig Akten wird. Menno, ist das blöd. Hoffentlich kommt der albanisch Verschollene bald zurück!
    Was sind übrigens gasgefüllte Fenster? Irgendwie macht mir der Ausdruck ein wenig Angst. Fliegen die einem nicht um die Ohren?

    Antwort
    1. Corinna Autor

      „Trölfzig“ Akte will ich nicht hoffe, aber ein paar mehr als vier werden es sicherlich werden. *schondiegrauenHaarezähl*

      So nun zum Gas, denn man wird bei so einer Renovierung ja quasi Halbexperte in allem. Daher weiß ich jetzt auch mehr über Fenster, als ich mir mal erträumt hatte. Mehrfachverglasung und die Füllung der Zwischenräume statt mit normaler Luft mit Gas, z.B. Argon, führen dazu, dass der Wärmedurchgangswert des Fensters niedriger wird, d.h. weniger Wärme kann von innen nach außen dringen und auch umgekehrt. Da wir hier mit einer Minimaltemperatur von höchstens Null Grad rechnen, sind zwei Glasscheiben pro Fenster ausreichend. Wenn wir hingegen jetzt in den Alpen wohnen würden, dann könnte man auch mit dreifacher Verglasung und/ oder einem hochwertigeren Gas, z.B. Krypton arbeiten; wäre aber natürlich viiiel teurer… und die Alpen sind auch einigermaßen weit weg von hier. 😉

      Die Vorbesitzer unserer Wohnung haben dereinst einfach ein paar inzwischen rostige, teilweise kaputte Aluminumfenster vor die nie nachgestrichenen und verzogenen Holzfenster gesetzt, die momentan nicht mal alle geöffnet werden können. So kann man sich zwar helfen, aber „dat sieht auch nich aus“ …

      Danke für’s Daumendrücken übrigens. Es hat schon geholfen, denn heute früh um 8 hatten wir das zweite Kontrollmessen und habe dann die tollen Fenster tatsächlich bestellt. Jippi!

      Antwort
      1. frauhilde

        Juhu, es geht voran! 🙂

        Ah, nun bin ich schlauer!
        Aber Fenster vor andere Fenster basteln, das ist eine wirklich kreative Lösung. Nur halt dumm für die Nachfolger.

        Antwort

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